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Zunächst mal möchte ich darstellen, dass ich weder Indologie studiert habe, noch den Hinduismus als eine unumstößliche Wahrheit halte. Da ich jedoch fünf Jahre in Indien gelebt habe, habe ich vieles über diese Religion gelernt. Ich beeile mich auch, zu sagen, dass zwischen dem Leben des Begründers einer Religion und dem ihrer AnhängerInnen Hunderte oder Tausende Jahre später, meist eine große Diskrepanz herrscht. Zum Beispiel war die ursprüngliche Bedeutung des Kastenwesens, dass der Einfluss eines Menschen in die Gesellschaft mit dem Maß seiner Selbstlosigkeit wachsen sollte. Es braucht wohl kaum erwähnt werden, dass das Kastenwesen heute zu einem Mittel der Unterdrückung geworden ist. Obwohl es im Hinduismus entstanden ist, wird es dort auch von anderen Religionen praktiziert. So zum Beispiel in Kirchen, in denen die unteren Kasten hinten sitzen müssen.
Entgegen dem ersten Schein ist der Hinduismus eine monotheistische Religion. Das höchste göttliche ist Brahman. Es ist das Eine ohne ein Zweites. Es ist die Totalität. Weder männlich noch weiblich und doch beides zugleich. Das Schaffende und das Erschaffene zugleich. Es ist der Urgrund und die letzte Wirklichkeit. Brahman wird in Tempeln nie dargestellt, da es aller Formen ledig ist. Es ist alles was ist. Brahman wird nicht angebetet, da es ja den Anbetenden mit einschließt. Brahman kann nur erkannt werden in allem was ist.
Der Mensch, der sich selbst als von Gott getrennt sieht, unterliegt der Täuschung "Maya" genannt. Maya erschafft die Illusion der Dualität. Aber: Maya hält uns nicht fest, sondern wir halten Maya fest. Wir können jederzeit loslassen. Und die Täuschung hat verschiedene Tiefen. Sie kann den Menschen, der an sie glaubt, bis hin zum Nihilismus führen. In der subtilsten Form der Täuschung lässt sie uns uns selbst als "Individualseele" erkennen die der gesamten Gottheit "Isvara" gegenübersteht. Dies ist die oberste Form der Dualität vor der Einheit.
Hier auch ist Shiva-Shakti angesiedelt: Der Bewusstsein-Aspekt von Shiva und die Göttliche Energie Shakti. Shakti ist das Äquivalent zum Heiligen Geist oder Shechina im Judentum.
Beide Kräfte sind interdependent, gleich wichtig und gleichwertig. Es wird häufig dargestellt als eine Person die zur Hälfte aus dem männlichen Shiva und zur anderen Hälfte aus der weiblichen Shakti besteht.
Gehen wir noch eine Ebene tiefer (und damit ein Stück tiefer in die Illusion hinein) so kommen wir auf die Ebene der Trinität:
Bramah, Vishnu und Shiva
Alle drei göttlichen Aspekte sind interdependent, gleich wichtig und gleichwertig.
Bramah ist der erschaffende Aspekt Gottes (nicht zu verwechseln mit Brahman)
Er hat vier Köpfe. Jeder Kopf schaut in eine Himmelsrichtung.
Diesem Schöpfergott sind ganz Indien allerdings nur 2 Tempel gewidmet.
Vishnu ist der erhaltende Aspekt Gottes
Er ist der Bewahrer des Universums und von ihm gehen die Avatare aus. Ein Avatar ist nach dem Glauben der Hindus das Göttliche selbst, das auf die Erde kommt, um sie vor dem Chaos zu retten und die göttliche Ordnung (Nächstenliebe) wieder einzuführen.
Shiva hat hier zu seinem Aspekt des Bewusstseins noch den Aspekt der Auflösung und Erneuerung (Reinkarnation)
Seine Frau Parvathi (Natur) ist im Grunde Shaktis weiterer Aspekt.
Shiva-Parvathi wird an Tempeln häufig im Geschlechtsverkehr dargestellt:
Das Bewusstsein dringt in die Natur ein und bietet ihren Wesen den direkten Kontakt zum Göttlichen.
Übrigens ist die Kuh Nandi Shivas Gefährt, das macht die Kühe heilig. Und Vorsicht: die Kühe wissen, dass sie heilig sind!
Nun käme ein gewaltiges Potential an Mythologie, die aufzuführen hier jeden Rahmen sprengen würde. Es sei verwiesen an die Mahâbhâratha.
Nahmaste! (Gott in mir grüßt Gott in Dir!)
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