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Buddhismus im Überblick
Wer war der Buddha?
Siddhartha Gautama, der spätere Buddha, wurde etwa 560 v. Chr. im heutigen Nepal geboren und war der Sohn des Führers der kleinen Adelsrepublik der Shakya (daher Shakyamuni - der Weise aus dem Geschlecht der Shakya). Die Geschichten vom Königssohn und dem unermesslichen Reichtum gehören ins Reich der Legende. Er war verheiratet und hatte einen kleinen Sohn, als ihm recht plötzlich die Vergänglichkeit alles Seienden zu Bewusstsein kam. Er verließ heimlich seine Familie und beschloss, sich auf die Suche nach dem wahren Wesen der Dinge zu machen. Mehrere Jahre lang schloss er sich verschiedenen wandernden Weisheitslehrern an und versuchte mit extremer Askese die Erleuchtung zu herbeizuzwingen. Aber die Lehren überzeugten ihn nicht, und die Askese führte nur zu einer ebenso extremen Schwächung. Nun nahm er wieder Nahrung zu sich, setzte sich unter einen Baum und gelobte, nicht wieder aufzustehen, bevor er sein Ziel erreicht hätte. In einem dreitägigen 'Meditationsmarathon' gelangte er schließlich zum 'vollständigen Erwachen', der Buddhaschaft. Damit sah er seinen Daseinszweck erfüllt - seine Erkenntnis weiterzugeben schien ihm wenig erfolgversprechend - als er nach der Legende von Brahma, einem der hinduistischen Götter, gebeten wurde, die Sache doch zu versuchen. Der Buddha ließ sich überzeugen und so sammelte sich um ihn eine kleine Schar von Jüngern, die rasch zu einer Massenbewegung wurde - wohl auch deswegen, weil er das hinduistische Kastenwesen ablehnte und in seiner Gemeinschaft keine Rangunterschiede duldete. Trotzdem war er skeptisch und vermutete, seine Lehre würde im Lauf der Zeit wieder verschwinden - als er sich auf intensive Bitten bereden ließ, neben dem Mönchs- auch einen Nonnenorden zu begründen, meinte er, in diesem Fall würde die Lehre anstatt 1000 nur 500 Jahre existieren.
Er hielt eine Unzahl von Lehrreden, die jahrhundertelang nicht schriftlich aufgezeichnet, sondern nur mündlich weitergegeben wurden. Im Alter von 80 Jahren starb er an einer Lebensmittelvergiftung. Er hat sich nie als 'Gott', 'göttlich' oder 'gottgesandt' gesehen, sondern sich als tathágata - 'der So-Gekommene', oder 'der Erwachte' bezeichnet. Noch ca. 400 Jahre nach seinem Tod war jede Darstellung seiner Person absolut verpönt, erst der stark von den Griechen geprägten baktrischen Kultur verdanken wir die ersten Bilder und Statuen.
Später wandelte sich der Buddhismus zu einer Weltreligion, er strahlte aus nach Südost- und Ostasien, und hat seit über 100 Jahren auch im Westen zunehmend an Bedeutung gewonnen - obwohl (oder gerade weil) ein Missionsverbot besteht - ein Buddhist, der für seine Weltanschauung Werbung macht, hält sich nicht an die Lehre des Buddha.
Die Grundlagen der Lehre des Buddha
Der Kern der Lehre sind die Vier Edlen Wahrheiten:
Das Leben ist grundsätzlich von Ungenügen - 'Leid' - gekennzeichnet.
Selbst in der größten Freude steckt das Wissen, dass sie einmal aufhören muss.
Die Ursache dafür liegt im Anhaften, am Haben- und Seinwollen.
Ohne dieses Anhaften gibt es auch kein Ungenügen.
Der Weg, das Anhaften zu beenden, liegt im rechten Leben,
dem 'edlen achtfachen Pfad' [s.o.].
Dabei muss man aber beachten, dass es im Buddhismus keine Dogmen, keine absoluten Gesetze gibt - immer wieder (u.a. in der Rede an die Kalamer) fordert der Buddha seine Zuhörer auf, ihm nicht leichtfertig Glauben zu schenken, sondern seine Aussagen an der Wirklichkeit und der eigenen Erfahrung zu messen.
Das letzte Glied des achtfachen Pfades ist die 'rechte [Geistes]Sammlung', die Meditation, die in (fast) allen Schulen und Traditionen des Buddhismus eine tragende Rolle spielt, manchmal mehr (wie im Zen), manchmal weniger (wie im Amida-Buddhismus, bei dem der zentrale Begriff eine Erlösergestalt ist). In der Meditation, die es in den verschiedenen Traditionen in vielfältigen Gestalten gibt, soll auch das rational Verstandene zur eigenen Erfahrung werden, letztlich zur Erfahrung des Buddha.
Für mich persönlich ist die Aufzählung solcher eher philosophischen Punkte zwar interessant, aber an sich nicht so wirkmächtig. Abgesehen von der Meditation als Übung sehe ich die Praxis des Buddhismus deutlicher in den vier Brahma-vihara - 'göttlichen Verweilungszuständen' - die ein Buddhist verwirklichen sollte:
metta - Nächstenliebe, Freundlichkeit
karuna - [tätiges] Mitgefühl
mudita - Mitfreude
upekkha - Gleichmut
Ganz wichtig ist im Vergleich zu den abrahamitischen Religionen, dass im Buddhismus der Begriff einer Seele, ja der eines Ich völlig fehlt. Das Ego wird erklärt als Bündel von Erfahrungen und Gefühlen, das letztlich keine Grundlage in der Existenz besitzt. Insofern ist auch die Wiedergeburt im Buddhismus nicht zu verwechseln mit der Reinkarnationslehre im Hinduismus, wo ein atman, eine Seele, nach dem Tod in einem anderen Körper wiedergeboren wird. Was nicht verschwindet, ist das Karma, die Wirkungen, die ein Wesen in seinem Leben hinterlassen hat, und diese (unpersönlichen) Kräfte finden in anderen, späteren Wesen ihre Heimstatt. Nur der tibetische Buddhismus (der in mehrfacher Hinsicht vom Hinduismus beeinflusst ist) lehrt das Fortbestehen eines Individuums über mehrere Leben hinweg.
Ein anderer zentraler Unterschied ist die Rolle von Göttern - im Buddhismus werden sechs 'Welten' - Daseinsweisen - gelehrt; die der Götter, Titanen, Menschen, Tiere, Hungergeister und Höllenwesen. Die Götter leben in ständiger Freude und großer Macht, werden aber kaum verehrt - auch sie sind dem Werden und Vergehen unterworfen und müssen sich ihren Zugang zum Absoluten, zum Nirvana, erst 'verdienen' - was unter diesen 'freudvollen' Umständen für sie schwieriger ist als für die Menschen. Ein absoluter Schöpfergott spielt im Rahmen des Buddhismus keine Rolle. Die Welt wird nicht als einmalige Schöpfung gesehen, sondern als zyklisches Entstehen und wieder Vergehen.
Nirvana ist ein viel (und meist falsch) verwendeter Ausdruck. Es ist weder eine Art Himmel noch eine 'Vernichtung', sondern ein Zustand, der einfach unserer jetzigen Erfahrung in keiner Weise zugänglich ist - in dem Karma seine Wirkung verloren hat, in dem es kein Entstehen, keine Veränderung und kein Vergehen gibt, in dem der Begriff der Existenz ebenso bedeutungslos geworden ist wie der der Nichtexistenz.
Die Richtungen des Buddhismus
Theravada (Der Weg der Alten)
Diese Schule ist in Südostasien verbreitet und die einzig erhaltene Vertreterin des sog. 'Hinayana' (kleines Fahrzeug), das die Vertreter des Mahayana abschätzig so nannten, weil sie ihm vorwarfen, einzig auf das eigene Heil bedacht zu sein. Das stimmt so nicht; der Weg des Arhat, der nach diesem Leben ins Nirvana eingeht, wird hier aber stärker betont als in den anderen Schulen.
Mahayana (Großes Fahrzeug)
In dieser Schule in China, Japan, Korea ist das Ideal der Bodhisattva, der gelobt, nicht ins Nirvana eingehen zu wollen, bevor alle anderen Wesen dieses Ziel erreicht haben, und denen mit allen zur Verfügung stehenden Kräften beizustehen. Eine entsprechend zentrale Stelle nimmt hier Mitgefühl und Hilfestellung ein - damit steigt aber auch der Stellenwert des Lehrers/Meisters, den im ursprünglichen Buddhismus bzw. Theravada eher die Stelle des 'edlen Freundes' innehatte. Philosophisch betont das Mahayana vor allem die Leerheitsnatur aller Dinge.
Vajrayana (Diamantfahrzeug)
Im Vajrayana, das in Tibet und der Mongolei beheimatet ist, wird außer mit Meditation und Schulung auch viel mit Ritualen, Visualisationen, Identifikationen gearbeitet. Ähnlich wie im Hinduismus verwendet das Vajrayana die Energie des Tantra, und seit dem frühen 13. Jh. hat sich der Glaube an Tulku's entwickelt, Bodhisattvas, die ihre Wiedergeburt gezielt steuern, um den Menschen besser helfen zu können - wie der (14.) Dalai Lama oder der (17.) Karmapa.
Ist der Buddhismus eine Religion?
Jedenfalls entspricht er bestenfalls am Rande dem Religionsbegriff der nahöstlichen Religionen und der von ihnen beeinflussten Religionswissenschaft. Es gibt hier keinen Gott, keine Seele, kein ewiges Leben - und doch ist er ein über das individuelle Leben hinausreichender Heilsweg. Dieser versteht sich auch nicht als im Gegensatz zu anderen Religionen - in der Sichtweise des Buddhismus (wie überhaupt der fernöstlichen Religionen) ist es nicht nötig, sich auf eine bestimmte Religion festzulegen. Solche Bestimmungen wurden erst im Westen unter dem Druck der gesetzlichen Vorgaben eingeführt. Wo also bei uns der Buddhismus als Religion anerkannt ist, muss jemand, der Buddhist werden will, sich von seiner bisherigen Religionsgemeinschaft trennen. In Ostasien wäre ein solches Ansinnen undenkbar.
Wie wird man Buddhist?
Man wird Buddhist durch 'Zufluchtnahme zu den drei Juwelen', dem Buddha, dem Dharma (Lehre) und der Sangha (Gemeinde). Das kann, muss aber nicht in einer Zeremonie stattfinden, und es ist im Prinzip auch nicht nötig, Mitglied einer religiösen Gemeinschaft zu werden. So rechnet man z.B. in Österreich damit, dass von 15 praktizierenden Buddhisten nur einer tatsächlich Mitglied der Religionsgemeinschaft ist - in totaler Umkehrung zu anderen Religionsgemeinschaften, bei denen die Zahl der Mitglieder die der tatsächlich Praktizierenden weit übersteigt.
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