Schintoismus


Schintoismus
aus Wikipedia

Shintō (auch Schinto, Schintoismus) ist eine fast ausschließlich in Japan praktizierte Religion. Genauer bezeichnet Shinto:

Eine Vielzahl von religiösen Kulten und Glaubensformen, die sich an die einheimischen japanischen Gottheiten (kami) richten. Kami sind zahlenmäßig unbegrenzt und können die Form von Menschen, Tieren, Gegenständen oder abstrakten Wesen haben. Man spricht daher auch von Shintō als einer "animistischen" Religion. Die Gebäude oder Verehrungstätten des Shintō bezeichnet man als "Schreine" (jap. jinja). Trotz verschiedener äußerlicher Gemeinsamkeiten der Schreine können die Glaubensformen und Riten des Shintō lokal sehr unterschiedlich sein.
Die Organisation von Schreinen und Institutionen, an deren Spitze der Ise Schrein, der Ahnenschrein der japanischen Kaiser (Tennō), steht. Dem entsprechend gilt der Tennō auch als Oberhaupt des Shintō. Während diese Führungsrolle des Tennō heute nur noch nominelle Bedeutung besitzt, erreichte sie in der Ära des Nationalismus vor dem Zweiten Weltkrieg ihren Höhepunkt. Dem Tennō wurde damals ein göttlicher Status zugeschrieben. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von Staats-Shintō.

Wortbedeutung

Das Wort shintō entstammt dem Chinesischen, wo es shendao ausgesprochen wird. Shen (jap. shin oder kami ausgesprochen) bedeutet Geist(er), Gott/Götter, dao (jap. dō, tō oder michi) ist der Weg. Schon in der zweitältesten japanischen Reichsgeschichte Nihonshoki (712) ist shintō erwähnt, allerdings nur insgesamt viermal. Auch ist bis heute strittig, auf welchen göttlichen Weg sich das Wort im damaligen Sprachgebrauch bezog. Die Interpretation, dass es sich dabei um die japanische Urreligion handeln würde, entstand erst in späterer Zeit.

Geschichte

Schon in vor-buddhistischer Zeit wurde in Japan eine Unzahl einheimischer Gottheiten verehrt, zumeist in Zusammenhang mit ehrfurcht-gebietenden Naturerscheinungen wie Bergen, Felsen oder Bäumen. Wie die ganze altjapanische Kultur war diese Religion wahrscheinlich mit den schamanistischen Kulten des sibirisch-mongolischen Festlandes verwandt und daneben auch durch die Kulte der Südsee beeinflusst, verfügte aber weder über ein einheitliches Glaubenssystem noch über einen allgemeinen Namen. Beides, sowohl eine systematische Theologie als auch die Bezeichnung "Shintō" nahm erst im 12. Jahrhundert, also 600 Jahre nach der Übernahme des Buddhismus in Japan, langsam Gestalt an. Die ersten Doktrinen zur Lehre der kami wurden von buddhistischen Mönchen verfasst und waren dementspechend vom Buddhismus, aber auch von chinesischen Vorstellungen des Konfuzianismus und des Taoismus geprägt. Es waren im Grunde Versuche, die volkstümlichen Glaubensvorstellungen der kami in den Dienst der Verbreitung des buddhistischen Glaubens zu stellen.

Erst im 18. und 19. Jahrhundert entstand eine Denkrichtung, die bemüht war, den Shintō von allen "fremden", d.h. indischen und chinesischen Ideen zu reinigen und zu seiner "Urform" zurückzufinden. Diese Schule heißt auf Japanisch Kokugaku (wörtlich Lehre des Landes) und gilt als Wegbereiterin des Staats-Shintō, wie er sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts, im Zuge der Neuordnung des japanischen Staates (Meiji-Restauration) herausbildete. Shintō sollte damals als ideologisches Instrument zur Wiederbelebung der Macht des Kaisers dienen. Zu diesem Zweck wurde eigens ein Gesetz erlassen, das den gemeinsamen Kult von buddhistischen und shintoistischen Institutionen verbot.

Davor waren die meisten Schreine des Shintō in buddhistische Tempelanlagen integriert gewesen und in den buddhistischen Tempeln wurden nicht nur Buddhas, sondern auch indische und japanische Gottheiten verehrt. Die meisten Shintō-Schreine hatten vor der Meiji-Restauration übrigens keine eigenen Shintō-Priester sondern wurden von buddhistischen Mönchen betreut. Nur die ganz großen shintoistischen Institutionen waren in den Händen von erblichen Priester-Dynastien, die aber im japanischen Mittelalter (12. - 16. Jh.) fast ausnahmslos einem buddhistischen Tempel unterstellt wurden. Obwohl das "Gesetz zur Trennung von Buddhas und Shinto-Göttern" einschneidende Veränderungen mit sich brachte, sind die Spuren der einstmaligen Vermischung noch heute in vielen religiösen Instititutionen zu bemerken.

Nach der Meiji-Restauration (1868), besonders aber in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, wurde Shinto massiv in die Propaganda der neuen aggressiven, nationalistischen Politik eingebunden. Im Gegensatz zu den meist lokal begrenzten Schreintraditionen wurden Shintō-Schreine nun landesweit zu Verehrungsstätten des Tennō umgedeutet und jeder Japaner, ungeachtet seiner religiösen Überzeugung, war angehalten, dem Tennō in Form von Schreinbesuchen seine Reverenz zu erweisen. Aus Rücksicht auf die unter westlichem Einfluss verfassungsmäßig garantierte Religionsfreiheit wurde dieser Schreinkult aber nicht als religiöser Akt, sondern als patriotische Pflicht definiert. Die daraus resultierende Zweideutigkeit hinsichtlich der eigentlichen Natur des Shintō - religiöser Kult oder Ausdruck nationaler Verbundenheit - stiftet bis heute Verwirrung. Offiziell wurde der sog. Staats-Shinto nach dem Zweiten Weltkrieg abgeschafft, einzelne Institutionen, denen eine politische Nähe zum Staats-Shinto nachgesagt werden, etwa der Yasukuni-jinja in Tokyo, existieren jedoch heute noch.

Religiöse Praxis

In der heutigen Praxis spielt der Tenno-Kult nur noch in wenigen Schreinen eine zentrale Rolle. Die vieldeutige, polytheistische Natur der einheimischen Götter (kami) macht es überdies nach wie vor schwer, einen gemeinsamen religiösen Kern im Shinto zu finden. Andererseits verfügen Schreine über ein paar allgemeine Erkennungsmerkmale, die sie deutlich von z.B. buddhistischen Traditionen unterscheidet: An den Eingängen eines Schreinareals findet man das charakteristische torii, ein Tor, das aus zwei Grundpfeilern und zwei Querbalken besteht. Heilige Gegenstände, oft auch Bäume oder Felsen, werden mit einem Strohseil (shimenawa) gekennzeichnet. Shinto-Priester sind heute stets mit einer Amtsrobe bekleidet, die auf die Adelstracht der Heian-Zeit zurückgeht. Auf dem Gebiet des Ritus ist das Bemühen um Reinheit besonders auffällig. Die wichtigsten und häufigsten Shinto-Riten sind harae (wtl. "Wegfegen") und misogi ("Waschung"), beides Formen der rituellen Purifikation. Rituelle Verunreinigung (kegare), vor der diese Riten schützen sollen, entsteht weniger aus moralischen Übertretungen als aus wissentlichem oder unwissentlichem, bzw. absichtlichem oder unabsichtlichem Übertreten von Tabu-Regeln, wozu auch die Berührung mit Kranken oder Toten gehört. Diese Logik der rituellen Reinheit/Unreinheit ist sehr alt und vielleicht die wichtigste Quelle, aus der bis heute immer wieder neue shintoistische Riten entstehen.

Im modernen Alltagsleben der Japaner spielen sowohl Shinto als auch Buddhismus eine gewisse Rolle, wobei die Mehrzahl keinen Widerspruch darin sieht, sich zu beiden Religionen zu bekennnen. Allgemein tendiert man dazu, shintoistische Riten für freudige Anlässe (Neujahr, Hochzeit, Gebet um Alltagsdinge), buddhistische dagegen für traurige und ernste Anlässe (Todesfall, Gebet um lebensentscheidende Dinge) heranzuziehen.

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