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Gibt es denn wirklich eine andere Wirtschaftsordnung denn den Kapitalismus?
Also jene Wirtschaftsform, in welcher meine Fähigkeiten, meine Körperlichkeit und Dinge innerhalb meiner Verfügbarkeit, jenes Kapital bilden, welche mir, resp. meinen Mitmenschen (meinen Geschäftspartnern, welche das gleiche business betreiben, nämlich "Überleben", "das Geschäft ihres Lebens machen") schlicht und einfach das Überleben ermöglichen?
Es gibt:
die Urwirtschaft (vom Hand in den Mund, selbstversorgend)
die Tauschwirtschaft
die Geschenkwirtschaft
die Kreditwirtschaft, Kapitalismus, Geldwirtschaft
Und dann gibt es noch die Schlaraffenwirtschaft
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Liebe Freunde,
ich geb' zu: Ich fand den Titel des Treads ziemlich provokant - gelinde gesagt. - hab' mich eben durch die 10 Seiten durchgeklickt und die Diskussion läuft auf einem durchaus interessanten Level! Ich versuche mal, die Frage nach Weltwirtschaftssystemen und Geldwirtschaft eher von meinem Standpunkt der leider existierenden geschäftlichen Abhängigkeit anzugehen.:
Wie einige von Euch sicherlich noch wissen, bin ich ein Kleinunternehmer der in der Recyclingsbranche ebenso "zuhause" ist, wie im PC-Service und in der Netzwerkadministration. Als Kleinunternehmer kann man heut'zutage nicht mehr mit einer Branche allein überleben. leider. Gut: Ich kaufe also z.B. PC-Platinen aus alten x86er Rechnern, aus PC's der Generation Intel I-III an. Diese Platinen werden von mir an eine Firma weiterverkauft, die z.B. das Gold, das Palladium, das Platin aus den Platinen und Prozessoren ausschmilzt ("Ausschmelzen" ist eigentlich der falsche Begriff, kommt der Sache aber recht nahe). Bei diesem Vorgang wird teilweise auch Zinn und Kupfer abgeschieden; übrig bleibt neben Aluminium, Kupfer und Zinn nur Plastikschrott, der dann in einigen europäischen und/oder asiatischen Betrieben zu Plastik-Parkbänken "gewandelt" wird.
Diese Verfahrensweise entspricht den Umweltschutz-EU-Richtlinien, hat aber von der Sache her den Nachteil, das es recht teuer ist. Die PC's müssen zerlegt werden, die Fraktionen der Platinen müssen sortiert werden, die Platinen müssen geschreddert werden. dazwischen liegen unter Umständen noch mehrere hundert Kilometer Transportwege. also, das ist alles nicht ganz billig.
Billiger ist es, an den EU-Richtlinien vorbei die PC`s/Platinen als "Gebrauchsware" zu deklarieren, sie nach Nigeria oder Indien zu verschiffen - und dort sitzen dann Menschen in selbst gegrabenen Lehmkuhlen, die mittels Feuerchen und Lehmschmelzofen die Metalle zurückgewinnen. in Neu-Dehli stinkts teilweise wie vor 35 Jahren in den Chemiefabriken Deutschlands. Die Menschen, die auf diese Art und Weise die Metalle abscheiden, sind den Dämpfen und Gasen gegenüber völlig ungeschützt und haben eine Lebenserwartung von knapp 30 Jahren - mit 6 Jahren fangen sie den "Job" in der Regel an.(Soviel erstmal ganz pragmatisch zum Thema Kapitalismus und Neo-Liberaslismus.)
Ich verschiffe nix nach Nigeria oder Indien. Beim Verkauf meiner Recyclingsware bin ich abhängig von - den Rohstoffbörsen, bei denen tagtäglich gemessen an Angebot, Nachfrage und Spekulation die Preise neu festgelegt werden. Kupfer, Aluminium, Eisen und Gold stehen derzeit recht gut da: Mit Gold wird spekuliert auf Deibel 'komm 'raus und mit den Buntmetallen und der Eisenkernschmelze wird die Nachfrage von Indien und China gedeckt. Die Rohstoffpreise der Börsen rechnen sich nach Dollar, in Europa wird aber mit Euro gezahlt, und der Euro steht im Kurs stärker als der Dollar. Dabei ist der Euro aber nicht "goldgestützt", das bedeutet das der Euro eine künstliche Währung ist, die weltweit einer Deflation oder Inflation nix anderes entgegen setzen kann, als das Wirtschaftswachstum der Euro-Staaten. Und wie's damit aussieht, europaweit, brauch' ich ja keinem zu erzählen. Womit wir auch wieder beim "Recyclingsgold" wären: Wenn ein Staat mit einer goldgestützen Währung die Goldvorräte kontinuierlich aufkauft, kann dieser Staat die nicht-goldgestützen Währungen in die Bedeutungslosigkeit abstürzen lassen.auch das ist Kapitalismus in seiner fiesesten Ausprägung.
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| Leider ist heute keine Währung Goldgestützt. Der größte Betrug aller Zeiten ist der Euro ein Zahlungsmittel ohne Gegenwert, das sehen wir an der Wirtschaftssituation in Deutschland. Die einzige Möglichkeit ist Kapitalbeschaffung für kleine und mitlere Unternehmen unabhängig von Banken und anderen Institutionen freizugeben, aber das passt den Grosskonzernen nicht somit werden weiterhin die Unternehmen Insolvenz anmelden.
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Der Beitrag wird lang, und deswegen hier unterteilt:
Die expandierenden Schwellenländer wie Indien und China sind ebenso wie die USA, Russland, Kongo/Zaire, Bolivien und die Ölstaaten durchaus in der Lage, eine solche Aufkaufpolitik des Goldes durchzuziehen - nicht in den nächsten 5 Jahren, aber mittel- bis langfristig gesehen innerhalb der nächsten 25 bis 50 Jahre. Basis um eine solche Geldpolitik weltweit durchzuziehen ist es, auf immer neue Rohstoffquellen die dringend weltweit benötigt werden, zurück greifen zu können (dämmert was? Der Westen geschlossen in Afghanistan. Teile des Westens im Irak.und ein künstlich erzwungener Konflikt mit Iran steht schon vor der Türe. Der Iran unter seiner gegenwärtigen Herrschaft besitzt genügend Rohstoffe (Öl) um sich an dem Goldaufkauf aktiv zu beteidigen.). Die EU kann sich hier nur durch hohe Exportfähigkeit bei wenigen Importen "retten", den meisten asiatischen, afrikanischen und lateinamerikanischen Staaten bleibt dieser Weg jedoch versperrt, weil diese weder über genügend Qualitäten, noch Quantitäten verfügen, um gegen die EU konkurrieren zu können.
Das ist die Lektion Nummer 2: Weltwirtschaftskapitalismus.
Nun kommt das "Schuldenspielchen": Alle Wirtschaftsnationen geben Geld zum Aufbau der Wirtschaft in Ländern, die eben nix haben ausser den eigenen Bürgern. Aber: Wer will sich schon die eigene Konkurrenz an den Hals binden? Also sorgt man dafür, dass die "lieben armen Verwandten" ja nicht zu schnell aus ihrer Abhängigkeit gegenüber den "lieben reichen Verwandten" herauskommen. Da gibt's diverse Möglichkeiten: Einmal kann man die Einfuhr von Landeserzeugnissen in ihrer Menge reduzieren - wenn ein armer Staat nicht genug exportieren darf, um ein mögliches Handelsdefizit auszugleichen - tja, dann "Pech gehabt". Damit der arme Staat nicht ganz den Mut verliert, streicht man alle paar Jahre einen Teil seiner Schulden, sorgt aber dafür, das soviel an Schulden übrig bleibt, um die Abhängigkeit aufrecht zu erhalten. Eine andere Möglichkeit ist es, einem armen Staat bei einer Naturkatastrophe zwar Nahrungsmittel zu liefern, aber gleichzeitig dafür zu sorgen, das der gelieferte Weizen (als Beispiel, geht auch mit anderen Nahrungsmitteln) sich nicht als Saatgut eignet. tja, und wer nix anbauen kann, bleibt in Abhängigkeit. Eine weitere, beliebte Politik der "reichen Verwandten" ist es, die Weltpreise für Rohstoffe und Nahrungsmittel künstlich so hoch zu halten, das die Bauern in armen Ländern gezwungen sind, beispielsweise Opium oder Haschisch anzubauen - weil sie mit dem Erlös aus dem Verkauf wenigstens genug Geld haben, um sich Getreide und Tomaten zum Verzehr zu kaufen. Lektion Nummer 3: Dafür "sorgt" die Weltwirtschaftbank.
In den europäischen Ländern ist es "Mode" geworden, auf "fairen Welthandel" zu drängen. Ansich eine lobenswerte Mode - geht aber in die Irre. Denn nur wer in den wirtschaftlich starken Ländern über genügend Geld verfügt, kann sich am fairen Kaffee, an fairen Bananen an fairem Tee erfreuen. In Deutschland bleibt eine beachtliche Zahl von Konsumenten "mangels Masse" aussen vor: die Hartz IV-Empfänger, die Sozialrentner, die Menschen die mit 2 oder 3 Billigjobs am Tag leben müssen, um wenigstens beim Aldi einkaufen zu können. Und diejenigen, die fair kaufen könnten - haben noch viel zuwenig Bewusstsein für den fairen Handel entwickelt - eben weil sie nicht auf's eigene Portmonaie schauen müssen und sich daher auch nicht in die Lage von Kaffebauern in Äthiopien, von Teebauern in Indien, von Bananenpflükern in Brasilien hineinversetzen können.
Aber zurück zu "meinem" Recyclingsgeschäft: Ich verfahre im Jahr bis zu 100.000 Kilometer mit PKW und LKW um meine Platinen, mein Kupfer, mein Aluminium dort zu verkaufen, wo ich den besten Preis erziele. Seht Ihr meine Umsatzlisten, wird's euch schwindelig - seht ihr aber meinen Bruttogewinn (vor Einkommensteuer), so ist euch schnell klar, warum ich mir keine 18.000.-€ für ein dringend benötigtes neues Gebiss an's Bein binden kann (mit 7 Zähnen in 11 Reihen ist's schlecht kauen.). Ökologisch betrachtet ist diese ganze Fahrerei ein Wahnsinn - nur mit den Preisen, die ich in Berlin oder Leipzig für meine Ware erziele, kann ich gleich Insolvenz anmelden. Tja, und wenn ich ein Kilo Kupfer für 5.-€ verkaufe, dann hab' ich zwar 10 Cent daran "verdient"; derjenige aber in Somalia oder Indonesien, der eigentlich dieses Kupfer braucht um endlich Strom im Dorf zu haben, kriegt im Monat noch nichtmal 5.-€ zusammen.
Fazit: Diese ganze System stimmt vorne und hinten nicht!
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Ich gestehe, der Beitrag ist mir zu lang.
Das System stimmt hinten und vorne nicht?
Ja natürlich nicht - denn drinn ist, was drinn ist.
Das heisst soviel, dass der zu erwartende Profit plus die Zinsen, eben zum Zeitpunkt des Bedares noch nicht "geschöpft" sind, und auch noch nicht zirkulieren.
Sie werden erst dann in den Kreislauf gepumpt, wenn ein NEUER Kreditnehmer Geld "schöpft" und somit das Rad ein Stückchen weiter dreht.
Das System funktioniert, grob gesagt solange, solange neue Teilnehmer sich finden und bereit sind, sich zu verschulden.
Ja - das nenne ich wirklich und wahrhaftig provokativ.
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