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Du möchtest also Gerechtigkeit?












Du möchtest also Gerechtigkeit? Du möchtest, dass Menschen darauf reagieren, wenn man sie liebt, wenn man sie umsorgt und aufnimmt. Du möchtest, dass deine Brüder deiner/ihrer Mutter gegenüber Respekt erweisen und sich dankbar zeigen. Damit bist du sicher nicht alleine. So ziemlich jeder Mensch möchte Gerechtigkeit. Unser Staat basiert auf dieser Denkweise. Und wenn der Staat das nicht macht, dann nimmt der Mensch das gerne selbst in die Hand oder vertraut darauf, dass Gott, wenn nicht im Diesseits, so doch bitte im Jenseits Gerechtigkeit schaffe.

Derselbe Mensch fragt sich bei kleinen bis großen Katastrophen, warum Gott ihm oder den anderen das nun antut. Warum nur? Nun, wer hat den gesagt, dass das Leben gerecht ist? Kann es das überhaupt werden? Oder ist das eine Utopie der Menschen?

Ich will es mal mit den Farben erklären. Rot und Grün sind zwei Farben, die gegeneinander gesetzt den größten Kontrast erzeugen. Sie liegen sich im Farbkreis gegenüber und sind Komplementärfarben. Sie wirken aufeinander und pumpen sich gegenseitig zu Höchstleistungen auf. Salat in einer roten Schüssel sieht viel leckerer aus, als in einer weißen. Und eine rote Rose in einem grünen Umfeld sticht sofort ins Auge. Aber: Kann Rot ohne Grün existieren?
Schau doch mal auf eine rote Fläche mehrere Sekunden lang. Wenn du wegschaust, wird dein Auge einen grünen Fleck auf deiner Netzhaut erzeugen Ist das nicht wundervoll!
Und wie zwischen Rot und Grün gibt es einen Kontrast zwischen Weiß und Schwarz, Gut und Böse, Frieden und Krieg, Glück und Unglück, Freude und Trauer.alles ist voller Dualität. Die Vorstellung das Gute in die Welt zu tragen und das Böse völlig zu vernichten mag die Menschen zwar bei Laune halten, sie wissen aber gar nicht, was sie sich selbst damit antuen würden. Denn wie gesagt: schaut man lange genug auf eine Farbe, erzeugt das Auge die Komplementärfarbe. Und selbst wenn nur noch ein kleiner schwarzer Fleck auf einem weißen Kleid zu sehen ist, ist er doch sofort sichtbar und durch das viele Weiß in einem ziemlich tiefen, dunklen Schwarz.


Wenn ich deine Berichte über deine Brüder verfolge, gehören deine Brüder sicher nicht zu den Vorzeige-Söhnen bzw. Brüdern. Der eine hat sich in die Flasche verliebt, die ihm dabei hilft, die Welt weniger konzentriert wahrzunehmen. Der andere hat sich in sich selbst verliebt. Auch eine Form von Verdrängung. Nun, vielleicht sahen sie sich nach dem Elternhaus mit Problemen konfrontiert, und sie versuchen die Probleme auf diese Weise zu lösen. Die Rückkehr zur Mutter kommt für sie immer in Betracht, wenn die Probleme zu groß werden. Insgeheim geben sie vermutlich der Mutter die Schuld. Die Liebe deiner Mutter ist groß, aber deinen Brüdern fehlte vielleicht die Strenge des Vaters.

Ich kann nicht sagen, ob sie auf der Beisetzung autauchen werden. Es kann sein, dass der Tod der Mutter sie vor neue Probleme stellt. Ich würde natürlich gerne daran glauben, dass dieses Ereigniss sie ihrer Zufluchtsburg beraubt und sie ihr Leben vielleicht neu anpacken. Vielleicht wenden sie sich reumütig an dich oder sie greifen zu noch mehr Alkohol, noch mehr Eigenliebe und gehen damit zugrunde.

Rede mit deiner Mutter über deine Brüder. Was du für Ungerechtigkeit hältst, könnte deiner Mutter gar nicht bewußt werden. Wahre Liebe erfordert keine Gegenleistung, daher kann dieser Strom an Liebe/Mutterliebe gar nicht versiegen.

Gruß
Arti
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