Apokryphen


Apokryphen
von Wikipedia

Die Apokryphen (von griechisch αποκρυφη verborgen, hier zu verbergende Bücher, nicht zum Gottesdienstgebrauch zugelassen) sind Schriften zur Bibel, deren Zugehörigkeit zum Kanon in den christlichen Kirchen unterschiedlich definiert ist. Es wird unterschieden zwischen Apokryphen des Alten Testaments und Apokryphen des Neuen Testaments.

Meist bezieht man sich, wenn man von "Apokryphen" ohne nähere Bestimmung spricht, auf die alttestamentarischen Apokryphen.

Apokryphen des Alten Testaments

Bezogen auf das Alte Testament ist sowohl der Sprachgebrauch als auch die Liste der als kanonisch beurteilten Bücher in den verschiedenen christlichen Konfessionen unterschiedlich. Ursache hierfür ist die Orientierung der Übersetzung der Bibel durch Luther an den hebräischen Quellen-Texten der Bibel, während die katholische und die orthodoxe Kirche sich beide auf die Septuaginta beziehen.

Damit reduziert sich der Umfang der Bücher des AT für die evangelischen Kirchen auf diejenigen, die auch das Judentum als kanonisch anerkennt, die sonstigen Texte und Bücher, die nicht hebräisch verfasst sind oder deren hebräisches Original nicht erhalten blieb, gelten fortan als apokryph. Texte, die zwar einen bibelnahen Charakter haben, aber weder im hebräischen Kanon noch in der Septuaginta aufgenommen sind (z. B. Äthiopischer Henoch), werden von protestantischen Autoren als Pseudepigraphen (lügnerische Zuschreibungen) bezeichnet.

In der lateinischen, westlichen Kirche war die Diskussion um den Kanon des Alten Testaments um die Mitte des 4. Jahrhunderts im Grunde abgeschlossen und ist bis heute der in der katholischen Kirche gültige Kanon. Trotz der Lehrentscheidungen einiger regionaler Konzilien (u. a. 3. Konzil von Karthago, 397) und des Unionskonzils von Florenz (1442) wurde aber erst auf dem Konzil von Trient für die katholische Kirche der Kanon verbindlich festgelegt. Schriften der Septuaginta, die nicht im hebräischen Kanon enthalten sind, aber von der katholischen Kirche dem Kanon zugerechnet werden, bezeichnen katholische Autoren als deuterokanonische Schriften. Sie sind im katholischen Verständnis vom gleichen Rang wie alle übrigen Bücher der Bibel.

Als neutraler Ausdruck für die von der katholischen oder orthodoxen Kirche als kanonisch anerkannten Schriften der Septuaginta außerhalb des jüdischen Kanons wird z.T. Spätschriften des Alten Testaments verwendet.

Diese Spätschriften des Alten Testaments sind in vielen Bibelausgaben enthalten.

Bei den Spätschriften nach dem Kanon der Septuaginta handelt es sich im Einzelnen um:

Buch Judit
Tobit (nach Luther 'Tobias')
Baruch einschließlich Brief des Jeremias
Jesus Sirach
Weisheit Salomos
1. Makkabäer
2. Makkabäer
3. Makkabäer
4. Makkabäer
3. Esra
4. Esra
Gebet des Manasse
Psalm 151
Zusätze zum Buch Ester
Zusätze zum Buch Daniel
3. und 4. Esra, 3. Makkabäer und 4. Makkabäer, das Gebet des Manasse und der 151. Psalm gehören nicht zum katholischen Kanon. Sie, wie weitere spätere Teile der Septuaginta (Psalmen Salomos) und allgemein alle Bücher außerhalb des Kanons, die von ihrem Charakter her biblischen Anspruch erheben und dem Alten Testament zuzurechnen wären, werden von katholischen Autoren Apokryphen des Alten Testaments genannt.

Die Ostkirche betrachtet im allgemeinen auch 3. Esra und 3. Makkabäer als kanonisch. Ähnlich wie es in der lateinischen Kirche vor dem Konzil von Trient der Fall war, gibt es aber in der Ostkirche bis heute keine abschließende oder allgemeinverbindliche Festlegung des Kanons. Die dem orthodoxen Kanon zugerechneten, im hebräischen Kanon nicht enthaltenen Schriften werden Anaginoskomena genannt.

Apokryphen des Neuen Testaments

Als Apokryphen des Neuen Testaments werden Schriften bezeichnet, die nach ihrem Anspruch und ihrer Anlage neutestamentlichen Büchern entsprechen wollen, meist unter dem Namen eines Apostels veröffentlicht wurden (auf dem Wege der Pseudepigraphie), jedoch keine Aufnahme in den Kanon irgendeiner Kirche gefunden haben.

Entstanden sind sie im 2. bis 4. Jahrhundert. Es gibt, im Gegensatz zu den Alttestamentlichen Apokryphen, keine formal abgeschlossene Liste. Beispiele für neutestamentliche Apokryphen sind:

Hebräerevangelium
Thomasevangelium
Nikodemusevangelium
Evangelium der Wahrheit
Geheimes Markus-Evangelium
Apostelgeschichte des Petrus
Apostelgeschichte des Paulus
Apokalypse des Petrus
Apokalypse des Paulus
Apokalypse der Maria
Brief des Barnabas
Didache (Apostellehre)
1. und 2. Clemensbrief
Laodizäerbrief; dieser findet sich im Anhang mancher offizieller lateinischer Bibeln
Viele dieser Texte sind nicht vollständig im Original erhalten. Von einigen (koptischen) Texten, z.B. vom Thomas-Evangelium, wurden jedoch Abschriften bzw. Handschriften in einem großen Krug unter einem Felsbrocken in der Nähe eines Klosters bei Nag Hammadi entdeckt.

Von den Apokryphen abzugrenzen sind die Schriften der apostolischen Väter, d. h. Schriften von Schülern der Apostel ab Ende des 1. bis ungefähr Mitte des 2. Jahrhundert. Dies sind in erster Linie Briefe, deren Autorschaft und Angaben gewöhnlich als historisch zuverlässig angesehen werden und die einen Einblick in die Verhältnisse in den Gemeinden des 2. Jahrhunderts geben, wenn sie auch nicht als Teil der Bibel gelten:

1. Clemensbrief (an die Korinther), soweit nicht als Teil der Bibel betrachtet
Polykarpbrief (an die Philipper)
Ignatiusbriefe
Nicht zu den neutestamentlichen Apokryphen gezählt werden Texte, die historisch nicht in den ersten Jahrhunderten nachgewiesen sind (durch Textfunde oder Zitate bei Kirchenvätern), ungeachtet ihres Anspruchs, biblische Offenbarungen oder Texte zu sein, z.B. das Barnabasevangelium, die Offenbarungen Jakob Lorbers oder das Buch Mormon.

Viele andere Religionen haben ebenfalls nichtkanonische, aber dennoch bedeutsame Schriften, im Judentum etwa die Haggada.

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