Hindus und Christen - Rabindranath Tagore!


Auszug aus:

JESUS - Die Große Seele (von Rabindranath Tagore -*1861 +1941)


Als Gott den Menschen schuf, versah er ihn mit einer gewissen Schönheit und einiger Anmut der Züge. Aber seine Arbeit war nicht vollendet, denn er sprach: "So viel und nicht mehr! Den Rest musst du, Mensch, selbst vollgringen!" Kunst ist nichts anderes als des Menschen unaufhörliches Bemühen, die Vollendung zu erreichen.

"Ich fühle mich wie ein Pianoforte", sagte Tagore über sich selbst! "Ich weiß nicht, wer und wann jemand darauf spielt. Es fällt mir sogar schwer, zu sagen, warum jemand spielt. Ich höre nur die Musik, die gespielt wird!"

Bis heute vernehmen Hindus diesen Klang als hinduistisch, Christen als christlich!

Der Weg Christi

Eines Tages fragte ich einen Angehörigen der Baul-Sekte (singende Bettelmönche aus Nordbengalen) "Esst ihr überall, wo ihr eingeladen werdet?" "Nein", bekam ich zur Antwort. Und zur Begründung sagte man mir: "Wir essen nicht in den Häusern derer, die uns nicht wohlgesinnt sind." - Ich erwiderte: "ich verstehe, dass nicht alle Menschen euch wohlgesinnt sind. Aber warum seid nicht ihr gut zu allen?" Der Mönch schwieg für einen Augenblick, dann sagte er in aller Einfachheit: "Ja, in diesem Punkt stimmt etwas nicht bei uns!"

Die Mentalität unserer Gesellschaft ist geprägt von Unterscheidungen und Trennungen. Deshalb essen wir nur an bestimmten Orten und an anderen nicht. Wir haben durch die ganze Welt künstliche Trennungslinien gezogen. Aber nicht nur das: Wir haben alle großen Gestalten hinter unüberwindbaren Zäunmen abgesondert wie Fremdkörper. Doch diese Menschen gehören der ganzen Welt! Wir sind nicht bereit, in ihren Häusern zu Gast zu sein. Die Vorsehung hat sie geschickt, um die ganze Welt zu bereichern, und wir sind so überheblich, sie auszugrenzen.

In dieser Haltung verharrten wir lange Zeit, ohne jedes Interesse für Jesus, die Große Seele. Wir haben uns geweigert, ihn in unser Herz aufzunehmen. Doch dafür sind wir nicht allein verantwortlich. Wir haben Christus kennengelernt vor allem durch die christlichen Missionare. Und ihre Art, Christ zu sein, hat uns manchmal Christus verdeckt.

Bis heute versuchen Christen, unsere religiösen Bräuche zu zerstören. Um uns zu verteidigen, sind wir gezwungen zu kämpfen. Und wenn jemand kämpft, ist er nicht weise in seinem Urteil. So haben wir in unserem erbitterten Kampf nicht nur die Christen getroffen, sondern Christus selbst. Doch die Großen der Menschheit als Feinde zu behandeln, ist wie Selbstmord. Im Hass haben wir die großen Ideale unseres Landes verraten und sind klein geworden. ....


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Unlängst las ich irgendwo, dass Gandhi so sehr von der von Jesus gepredigten Feindesliebe beeindruckt war, dass er ernsthaft erwog, Christ zu werden. Als er ein christliches Gotteshaus betreten wollte, wurde ihm der Zutritt verwehrt mit der herablassenden Bemerkung, dass man ihm vielleicht in einem Gotteshaus für Farbige Zutritt gewähren würde! Was hat Christus gepredigt ... und wie sehr werden seine Worte ignoriert! Gandhi gab den Gedanken, Christ zu werden, verständlicherweise sofort auf!

Liebe Grüße @ all

Désirée
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Hütet euch, eine Seele zu kränken, ein Herz zu betrüben
oder einen Menschen mit euren Worten zu verletzen, sei er euer Bekannter
oder ein Fremdling, Freund oder Feind!


Hallo Désirée!

Es gibt aber auch einen anderen Zugang...

Der Benediktinerpater Henri Le Saux kam 1948 nach Indien und gründete
dort das christliche Ashram Shantivanam ganz in hinduistischer Tradition.
"Als Swami Abhishiktananda rang er in Indien 25 Jahre mit letzter Ehrlichkeit
um die Integration der mystischen Dimensionen des Christentums mit denen
des Hinduismus im eigenen Herzen." [Emmanuel Jungclaussen]
Er war Konzilsberater für die Fragen des Hinduismus, zog sich dann 1968 in
eine Einsiedelei in den Himalaya zurück, wo er bis zu seinem Tode 1973 lebte.
Das Ashram wurde dann von seinem Schüler Bede Griffiths übernommen,
der es im gleichen Geiste weiterführt. Es wird von anderen, hinduistischen,
Ashrams als vollständig ihrer Tradition entsprechend betrachtet.

() Wu
Ein herzliches Wu,

das habe ich nicht gewusst. Äußerst interessant!

Ich habe mich über Deinen Beitrag sehr gefreut. Wieder ein neuer Denkanstoß, wieder etwas, über das man sich näher informieren und nachdenken sollte!

Einen schönen Wochenbeginn
wünsche ich Dir und allen hier,
und nochmals , Wu!

Désirée
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Hütet euch, eine Seele zu kränken, ein Herz zu betrüben
oder einen Menschen mit euren Worten zu verletzen, sei er euer Bekannter
oder ein Fremdling, Freund oder Feind!


Liebe Désirée,

ja, Le Saux hat diese Integration ähnlich weit vollzogen wie der Hindu-Heilige
Ramakrishna, der nicht nur oberflächlich und obenhin vertrat, daß die christliche
und islamische Wahrheit für ihn ebenso gültig und nachvollziehbar sei wie die des
Hinduismus... - mein erster Zen-Lehrer, P. Enomiya-Lassalle SJ, der ihn recht gut
kannte, ging nicht so weit - er hat den Buddhismus zwar nicht verurteilt, hätte
sich aber selbst nie als 'Buddhist' bezeichnen wollen.

() Wu
lieber Wu,

für Deine weiteren Anmerkungen zu dem Thema. Du hast aber viel Wissen in dieser Richtung!



Ich freue mich schon, mit der Zeit noch viel von Dir zu erfahren und zu lernen!


Ein herzliches
und liebe Grüße

Désirée
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Hütet euch, eine Seele zu kränken, ein Herz zu betrüben
oder einen Menschen mit euren Worten zu verletzen, sei er euer Bekannter
oder ein Fremdling, Freund oder Feind!


Warum es so schwer ist, den Gedanken zur Einheit in der Vielfalt zu gehen, liest man hier:

Eine weitere junge Hindufrau erklärt: "Als Hindu, die glaubt, dass die ganze Welt, oder - besser gesagt - alle menschlichen Wesen Mitglieder einer globalen Familie sind, ist es für mich natürlich, jede Manifestation Gottes, einschliesslich der Madonna von Fatima, als Manifestation desselben Gottes zu sehen."

http://old.fatima.org/german/gmnpicdesec.htm

Papst Leo XIII. erflehte in einem liturgischen Gebet, die menschliche Rasse dem Allerheiligsten Herzen Jesu weihend, die Bekehrung aller, die nicht Mitglieder des mystischen Leibes sind. Er bat den lieben Gott: "Sei endlich auch König über alle diejenigen, welche noch immer im alten Aberglauben des Heidentums leben, und versage ihnen nicht die Befreiung aus der Finsternis ..."2 Dieser Aberglaube wird nun im Heiligtum von Fatima praktiziert, desekriert die heilige Anlage und erfordert, dass die Kapelle wiedergeweiht wird.

Diese Passagen zeigen, wie weit die Menschheit noch von der Einheit entfernt ist.


"Es ist offensichtlich," meint Rektor Guerra, "dass diese Zivilisationen und Religionen sehr unterschiedlich sind. Aber ich denke, es gibt für alle Religionen einen gemeinsamen Hintergrund. Da gibt es einen gemeinsamen Hintergrund, der, wie soll ich es sagen, von der gemeinsamen Menschlichkeit, die wir alle besitzen stammt. Und es ist sehr wichtig, dass wir diesen gemeinsamen Hintergrund erkennen, denn aufgrund des Zusammenpralls der Unterschiede, vergessen wir manchmal unsere Gleichheit. Diese Treffen geben uns die Gelegenheit."
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Das, was sich im Menschen reinkarniert, ist das spirituelle Ego, die göttliche Individualität.
http://www.theosophie.de/index.php?.....en&Itemid=88&limitstart=2