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Wieso glauben immer weniger Menschen an Gott?












Lieber Tüdel,

Wenn du nicht an eine höhere Macht glaubst, wie erklärst du dir dann deine Existenz?

Fest steht, dass vor jeder Reaktion eine Aktion steht und vor derselben wiederum eine Aktion. Jede Aktion wird somit eigentlich zu einer Reaktion und umgekehrt. Was ich damit sagen will, ist, dass es nach dieser Logik keinen Anfang und auch kein Ende gibt. Ursprung und "Untergang" schneiden sich wie zwei sich näherkommenden Geraden in der weiten Unendlichkeit, obwohl sie sich eigentlich niemals berühren.
Um diesen Gedankengang ein wenig zu vereinfachern stellt euch einfach die Unendlichkeit der Zahlengerade vor. So gross die Zahl Googol (10 hoch 100) auch sein mag, es gibt immer eine grössere Zahl derselben.
Die Unendlichkeit ist ein ständiges Erhöhen der Zahlen bis in alle Ewigkeit. Sie verbindet Materie mit der Zeit, ein Rad, das nie aufhört zu drehen.

Nun stellt euch all diese Kausalitäten, Ursache und Wirkung, die Unendlichkeit des Universums, gepackt als eine Reaktion vor. Wer oder was war die Aktion usw...

...Das Geheimnis ist versiegelt. Es wurde uns nicht den Verstand gegeben dies zu begreifen und zu erfassen. Das einzige, was uns dieser Gedankengang übriglässt, ist die Erkenntnis einer höheren Macht. Wer glaubt im Ursprung das Nichts zu finden, wird dann unausweichlich das Paradoxon unserer Existenz bezüglich dem Kontext verstehen.

...Das ist für mich ein logischer Beweis für die Existenz Gottes, der mir auch half bis zu einem gewissen Grad die göttlichen Wahrheiten zu verstehen und zu lieben.

Zitat:
O Sohn des Geistes!
Von allem das Meistgeliebte ist Mir die Gerechtigkeit; wende dich nicht von ihr ab, wenn du nach Mir verlangst, und missachte sie nicht, damit Ich dir vertrauen kann. Durch ihre Hilfe wirst du mit deinen eigenen Augen und nicht mit denen anderer sehen und durch die eigene Erkenntnis und nicht durch die deines Nächsten Wissen erlangen. Erwäge in deinem Herzen, wie du sein solltest. Wahrlich: Gerechtigkeit ist meine Gabe an dich und das Zeichen meiner Güte. Halte sie dir immer vor Augen.
Baha'u'llah


Liebe Grüsse

Edwin
Hallo Leute,

gerade hat man mich per E-Mail informiert, dass dieses Forum existiert.

Und da bin ich auf die Frage gestoßen: "Warum glauben immer weniger Menschen an Gott?" - und das, so finde ich, ist eine interessante Frage, die auch mich beschäftigt. Dabei muss ich noch hinzufügen, dass ich Atheist bin und selbst eine Website zum Atheismus betreibe.

M. A. nach gibt es dafür eine Vielzahl an Gründen. Hier einige davon:

  • Religionen dienten immer auch dazu, die (unverständliche) Welt zu erklären. Nun hat die Wissenschaft mit großem Erfolg diese Rolle übernommen - und ihre Ergebnisse kollidieren fundamental mit den früheren Welterklärungen. So ist die komplette Kosmologie der Bibel schlicht falsch. Die Ausrede, dass dies nur "symbolisch" gemeint war, ist erstens historisch falsch (auch heute gibt es ja noch viele Menschen, die meinen, die Erde sei in sechs Tagen erschaffen worden - früher war das allgemeiner Glauben) und zweitens unbefriedigend, muss man sich doch fragen, was noch alles symbolisch gemeint ist - etwa auch die Auferstehung Jesu?
  • Außerdem ist es inzwischen schlicht möglich, nicht mehr an Gott zu glauben und dies öffentlich zu bekennen, ohne um sein Leben zu fürchten oder sein Dasein als gesellschaftlich Ausgestoßener zu fristen. Der Verlust der Macht der Kirchen, Atheisten zu ermorden, hat zu einem explosionsartigen Wachstum des Atheismus geführt. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab es in Europa fast keine Atheisten, heute sind es ca. 20%. Keine Religion konnte jemals in so kurzer Zeit so schnell wachsen. Und das, obwohl Atheisten keine systematische Mission betreiben.
  • Viele der religiösen Probleme, teils älter als das Christentum, etwa das Theodizeeproblem (von Epikur) oder Euthyphrons Dilemma (von Sokrates), konnten bisher zufrieden stellend gelöst werden.
  • Mit der Zunahme der Bildung wurden viele der alten Argumente der Atheisten besser greifbar, auch für die Masse der Menschen. Das Atheismus und Bildung zusammenhängen, kann man statistisch zeigen, die Bildung der Atheisten liegt über dem Durchschnitt. Das wird sich mit einer weiteren Ausbreitung des Atheismus allerdings wieder ändern.
  • Viele der Vorbehalte gegen Atheisten haben sich vermindert, Atheisten sind weder die moralischen Monster, als die sie hingestellt wurden, noch Leute, die ein sinnloses Leben führen, sondern "Menschen wie Du und ich".
  • Den Anspruch, Frieden unter den Menschen zu schaffen, haben die Religionen nie einlösen können. In der Historie wird das besonders deutlich, und wenn wir in den nahen Osten blicken, sehen wir, dass die drei großen Monotheismen (Judentum, Christentum, Islam) untereinander nicht zum Frieden fähig sind. Was Europa den Frieden gebracht hat, war die Demokratie: Noch nie haben demokratische Staaten untereinander Krieg geführt. Wo die Religionen versagt haben (und noch versagen), hat die säkulare Demokratie Erfolg gehabt.
  • Die Vielzahl der Religionen relativiert den Absolutheitsanspruch jeder einzelnen Religion. Das wir die Vielheit der Religionen kennen, ist ein Verdienst der Bildung. Im Mittelalter kannten die meisten Menschen nur andere Menschen, die dasselbe geglaubt haben. Die meisten Religionen haben einen absoluten Wahrheitsanspruch, dass sie sich gegenseitig widersprechen, zeigt, dass nur eine von ihnen recht haben kann. Und woher will man wissen, welche das ist? Der unter Christen inzwischen verbreitete Relativismus in Wahrheitsfragen, gedacht als Abwehr gegen das Vielheitsargument, hat sich als Bumerang erwiesen. Wenn auch andere Religionen wahr sind, warum sollte ich mir dann nicht die bequemste aussuchen? Das hat dazu geführt, dass alleine die Anzahl der christlichen Bekenntnisse von knapp 2.000 im Jahre 1900 auf inzwischen über 35.000 gestiegen ist - Tendenz weiterhin steigend. Religion führt zu einer Zersplitterung (Divergenz) der Meinungen, Wissenschaft hingegen konvergiert. Es mag Abertausende von Religionen mit unterschiedlichen Meinungen geben, aber es gibt weltweit, kulturübergreifend, nur eine einzige Physik. Auch dort wird gestritten, aber man kommt zu einer Einigung. Religionen können sich nur gegenseitig ignorieren, was keine echte Toleranz ist.
  • In Europa ist die alte politische Tyrannei zerbrochen, und das hat die christliche Religion in Europa, die den alten Tyrannen immer sehr verbunden war, deutlich geschwächt. Es gibt in Europa nur noch eine einzige Diktatur - bezeichnenderweise eine theokratische, nämlich im Vatikanstaat. Wenn das Christentum für "das Gute" steht, warum war es dann historisch gesehen meist auf der Seite der Tyrannen, Sklavenhalter, Freiheitsbekämpfer und Frauenunterdrücker zu finden? Das hat einige Menschen sehr nachdenklich gemacht ... Und Gott, wenn er existiert, ist natürlich das Symbol für einen tyrannischen, absoluten Herrscher schlechthin, der auch dort Gehorsam verlangt (und Ungehorsam bestraft), wo unser Verstand sich weigert, die Ansprüche anzuerkennen. Die Auflösung der Höllendrohung hat zwar das Bild des "göttlichen Tyrannen" relativiert, aber um den Preis, dass Menschen nun im Ungaluben keine Bedrohung mehr sehen.
  • Die Zerstörung sämtlicher Gottesbeweise durch Hume und Kant hat dazu beigetragen, dass vielen Menschen ein Glauben an Gott mit der Vernunft nicht mehr vereinbar bzw. kein Gebot der Vernunft mehr ist. Der Rückzug, dass man Gott "sowieso" nicht beweisen könne, ist äußerst schwach. Es ist der Versuch, eine akute Not zu einer Tugend hochzustilisieren. Das überzeugt viele nicht mehr.
  • Mit dem Erstarken des Atheismus hat sich in der Philosophie eine neue Waffe gegen den Gotteglauben gebildet, die viele noch nicht kennen, aber doch zumindest einige: die sog. Atheologie. Atheologische Argumente dienen dazu, die Nichtexistenz Gottes zu beweisen. Während die Gottesbeweise sämtlich an logischen Unzulänglichkeiten gescheitert sind, haben die wirkungsvollsten atheologischen Argumente diese Schwäche nicht. Woran erkennt man normalerweise Falschheit? Daran, dass die Argumente dafür scheitern (falsch oder ungültig sind), die Argumente dagegen aber erfolgreich sind (logisch korrekt sind). Würde man mit atheologischen Argumenten so missionieren wie die geldgewaltigen theistischen Missionsmaschinen das tun, der Glauben an Gott würde noch schneller erodieren.
  • Trotz aller Vorbehalte gegen die Vernunft und ihrer Schwächen hat sie sich in wichtigen Bereichen durchgesetzt. Und sie ist auch in die Theologie vorgedrungen und hat ihre Wirkung entfaltet. So glauben z. B. weniger evangelische Theologen an die Auferstehung Jesu als die Mitglieder ihrer eigenen Kirche.


Es sind viele Faktoren also, von denen ich die wichtigsten hier nur sehr kurz (!) aufgezählt habe. Gott ist auf den Rückzug, und die Hoffnungen, dass dies nur vorübergehend so sein wird, sind unfundiert. Allerdings sind auch die Hoffnungen einiger Atheisten, dass der Glauben an Gott ganz verschwinden wird, arg übertrieben (eher sogar rundheraus falsch). Wir müssen uns damit abfinden, dass unter uns Atheisten sind, die nicht ohne die Anwendung von Gewalt verschwinden werden, und wir müssen lernen, damit in Frieden und Toleranz zu leben. Und obwohl es unter uns Atheisten auch militante Religionsfeinde gibt, steht der Atheismus insgesamt doch eher für religiöse Tolernanz, für positive und negative Religionsfreiheit. Deswegen kommen auch einige Muslime zu uns nach Europa, weil sie hier ihre Religion eher ausleben können als in islamischen Staaten.
Zitat:
...Das Geheimnis ist versiegelt. Es wurde uns nicht den Verstand gegeben dies zu begreifen und zu erfassen. Das einzige, was uns dieser Gedankengang übriglässt, ist die Erkenntnis einer höheren Macht. Wer glaubt im Ursprung das Nichts zu finden, wird dann unausweichlich das Paradoxon unserer Existenz bezüglich dem Kontext verstehen.


Man kann sich Unendlichkeit nicht vorstellen. Das kann unser Gehirn einfach nicht. Irgendwie muss das Universum ja mal entstanden sein. Wenn es von etwas oder jemandem erschaffen wurde müssen wir aber wieder bedenken, dass dieses Erschaffende auch erschaffen werden musste und so weiter und so weiter. Diese Kette ist widerum unendlich! Wir können uns das alles weder vorstellen noch erklären (vorerst). Aber das ist für mich kein Bewies für einen Gott. Irgendwoher muss ja auch Gott kommen! Kommt der dann von Supergott? Kommt Supergott von Ultragott?

Das ganze führt zu nichts!

Zitat:
So richte dein Antlitz in aufrichtiger Weise auf den Glauben; dies entspricht der natürlichen Veranlagung, mit der Gott die Menschen geschaffen hat. Es gibt keine Veränderung an Gottes Schöpfung. Das ist der beständige Glaube. Allein die meisten Menschen wissen es nicht. [30:30]


Das ist ein wenig paradox. Ich verstehe den Vers so: "Beschäftige dich ernsthaft mit Religion, denn Gott hat es so vorgesehen, nur du weisst es nicht." Ok ich versuche mich ernsthaft mit Religion auseinanderzusetzen, nur warum sollte Gott das so geplant haben, wenn er weiss (er ist ja allwissend) dass man so wie ich zum Schluss kommen kann, dass es ihn nicht gibt?

Zitat:
Die Menschen glauben zu recht nicht mehr an Gott, weil die Religion missbraucht wird... der Glaube an Gott ist immer da! Doch die Praxis ist nicht das richtige!


Genau wegen diesem Religionsmissbrauch verspüre ich auch immer mehr Abneigung gegen Religion! Das ist mehr als schade, weil im Grunde kann Religion etwas ganz tolles sein!!!
Hi Tüdel!

Meiner Meinung nach willst du dich gar nicht von Gott entfernen, denn ansonsten hättest du diesen Ort/dieses Forum schon lange verlassen... du hattest nur nach einer Form gesucht, deine Wünsche bzw. deinen Glauben hineinpacken zu können... bist aber nicht fündig geworden (in meinen Augen auch zurecht)...

doch Gott ist weitaus mehr als das! Er ist der einzige, Der nicht erschaffen werden musste, der schon immer da war!

Was oder wie Gott für DICH ist, das liegt ALLEIN an DIR!

Suche nicht nach der Form, oder nach einer Gruppe, sondern suche nach Gott allein!

Denn dazu brauchst du keine Schrift, sondern deinen Glauben (30:30)...
und für deinen Glauben brauchst du Herz + Verstand!

Meinst du nicht, dass du Gott eigentlich doch suchst, aber nur ihn nicht vorstellen kannst, wie es andere Menschen tun?

Oder spekuliere ich nur wie wild rum?
Meine Glaubenssuche hat sich nicht nur auf dieses Forum beschränkt. Ich habe mich auch mal in diverse alte Naturglauben reingelesen. Jede Religion hatte aber schlussendlich etwas, was über allem steht und mächtig ist.
Ich persönlich mag keine organisierte Religion. Das kommt dann immer so gezwungen rüber. (=subjektive Meinung)
Ich würde mich als Freund der Naturwissenschaften bezeichnen und informiere mich gerne über neue Durchbrüche in der Forschung. Ich denke sehr rational.
Dennoch schmettere ich Glaubensvorstellungen, die mir auf Anhieb wie der größte Unsinn vorkommen nicht einfach so ab, sondern versuche zu verstehen was andere Menschen darin finden. Bisher hat mich allerdings nichts wirklich überzeugt - nur halbe Sachen halt konnte ich mit meinem Verstand vereinbaren.

Ich dachte schonmal an die Gründung meiner persönlichen Religion - nur für mich. Sie wäre wie folgt aufgebaut:

-Es gibt eine Kraft
-Diese Kraft steckt in allen von uns und vielleicht auch in allen Gegenständen
-Diese Kraft lässt uns Dinge tun, erleben, fühlen, machen, die man eventuell nicht rational erklären kann
-Die Kraft hat eventuell dazu geführt, dass sich auf der Erde ein Klumpatsch aus Aminosäuren gebildet hat und so Leben entstanden ist
-Die Kraft ist da, aber es ist ungewiss wie lange sie noch dasein wird oder wann sie erstande ist oder warum es sie gibt
-Die Kraft hat kein Bewusstsein, verlangt nichts, urteilt nicht, stellt keine Forderungen
-Jeder der wiess das es sie gibt kann die Kraft benutzen (was aber paradox ist, weil ich ja der einzige wäre der das glauben könnte weil ich mir das im Prinzip ja nur ausgedacht habe)

Wenn ich das aber mal ganz in Ruhe übergehe merke ich, dass ich es nicht glauben könnte, wenn mir das jemand erzählt oder ich es in einem Buch lesen würde

Vielleicht bin ich ja grade deshlab ein religiöser Mensch
Forum -> Judentum und Christentum

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