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Eine Recherche in den Werken Jakob Lorbers von Werner May












Gott und Politik
Eine Recherche in den Werken Jakob Lorbers von Werner May.

Fragt man in „christlichen“ Kreisen nach der Beziehung zwischen der göttlichen Lehre und dem politischen Alltag, so erhält man fast immer die Antwort: „Geb dem Kaiser, was des Kaisers ist.“

Was aber, wenn der Kaiser Adolf Hitler heißt, wenn er Menschen ausbeutet, fremde Länder überfällt, Tiere quält, den Boden, die Gewässer und die Luft verseucht? Muss sich ein Christ an diesen unmoralischen Handlungen beteiligen, muss er weiterhin brav seine Steuern bezahlen und sich damit zum Mittäter machen?
Was sagen die Neuoffenbarungen an Jakob Lorber dazu?

Man findet das besagte „Kaiser“-Zitat tatsächlich auch in den Schriften Lorbers:
„Mein Reich ist nicht von dieser Welt, daher gebet dem Kaiser, was sein ist, und Mir, was Mein ist – nämlich euer Herz in gehorsamer, reiner Demut. Um alles Übrige kümmert euch nicht, denn Ich euer Vater bin ja mitten unter euch. Daher seid gehorsam eurem Fürsten; nehmet willig ohne Murren das leichte Kreuz auf eure Schultern und folget, euch selbst verleugnend, in aller Liebe und Sanftmut Mir nach, so werdet ihr leben und lebendig machen in Meiner Gnade, was ihr nur immer anblicken werdet in Meinem Namen Amen. –"
Jakob Lorber [HiG.03_40.08.15,03]

Damit, so scheint es, sei alles gesagt. Wenige Zeilen später kommt jedoch die wesentliche Einschränkung durch Jesus selbst:

„Der Text, von dem gestern unter euch die Rede war, demnach man jeder Obrigkeit gehorchen solle, gleich ob sie gut oder böse sei, da sie keine Macht hätte, wenn sie ihr nicht von oben gegeben wäre, – dieser Text ist zwar richtig an und für sich, aber ein Beisatz, den Ich gestellt habe bei einer Gelegenheit, so wie im Apostel Paulus, ist hinweggelassen worden. Der Beisatz aber lautet: »Solange der Besitz des Geistes der Wahrheit aus Mir den Obrigkeiten innewaltet.« -
Werdet ihr erkennen, dass dies nicht mehr der Fall ist, dann ist es auch Zeit, solchen von der Höhe aus nicht mehr inspirierten Obrigkeiten auf das empfindlichste den Rücken zu kehren, denn wäre das nicht der Fall, so müsste Ich euch allen Ernstes gesagt haben: Seid allen Teufeln untertänig und gehorsam!
Das werdet ihr von Mir doch wohl nicht erwarten, indem Ich doch ausdrücklich gesagt habe, dass ihr alles prüfen und nur das gute und Wahre behalten sollet.
Überhaupt ist aber bei dem Text, der, wie Ich schon bemerkt habe, schlecht übersetzt ist, das zu bemerken, daß es statt gut oder böse: mild oder strenge heißen soll. Und so ihr das nun wißt, so werdet ihr damit doch wohl einsehen, daß Ich nicht gesagt habe, ihr sollet auch den Teufeln gehorchen. So ihr dieses recht beachtet, so werdet ihr wohl einsehen, daß ein solch krasser Unsinn niemals aus Meinem Munde gegangen ist und nie gehen wird.“
Jakob Lorber [HiG.03_64.03.17.b,01]

Jesus selbst predigt also den „Ungehorsam“ gegenüber „unispirierten Obrigkeiten“. Mit dem Ungehorsam verhindert der Mensch, dass er sich „Teufeln untertänig“ unterwirft und das eigentliche Lernziel der Erdenschule verfehlt. Menschen sollen uns nicht dem „Bösen“ unterordnen, sondern das „Gute“ erkennen und danach handeln.

Der Mensch hat den „freiesten Willen“ um freie Entscheidungen zu treffen. Wird er körperlich angegriffen, so soll er sich wehren. Wird versucht sein Gewissen zu manipulieren, so muss er sich wehren:

„Erhältst du sie von einem minder bösen Menschen, den eine plötzliche Aufwallung seines Gemütes dazu verleitet hatte, so wehre dich nicht, auf dass er dadurch, dass du ihm mit keiner Ohrfeige entgegenkommst, besänftigt wird, und ihr werdet darauf leicht ohne Weltrichter wieder zu guten Freunden werden!
Aber so dir jemand mit einer mörderischen Ohrfeige in voller Wut entgegenkommt, so hast du auch ein volles Recht, dich zur Gegenwehr zu stellen; und siehe, wenn die Sache nicht also wäre, so hätte Ich zu euch nicht gesagt, dass ihr auch den Staub von euren Füßen über jene Menschen in einem Orte schütteln sollet, die euch nicht nur nicht aufnehmen, sondern euch dazu noch verhöhnen und mit allerlei Verfolgung bedrohen.
Oh, sei du dessen sicher, dass Ich mit Meiner Predigt von der Nächstenliebe die Macht und Gewalt des Schwertes nicht im geringsten aufgehoben habe, wohl aber auf so lange hin gemildert, als die Feindseligkeit unter den Menschen nicht jenen Grad erreicht hat, den man mit vollem Recht den höllischen nennen kann!
Bei den Alten nach dem Gesetze Mosis und der meisten alten Richter hieß es wohl: 'Leben um Leben, Auge um Auge, Zahn um Zahn!', aber da soll es bei euch nicht also sein, dass man derlei Gesetze zu buchstäblich nimmt, und dass man seinem Feinde nicht öfter denn siebenmal vergeben solle, wovon Ich euch zu öfteren Malen auch eine Erklärung gegeben habe, und die ihr auch wohl begriffen habt!
Aber, wie gesagt, dadurch habe Ich das Gesetz Mosis, der Richter und Propheten nicht aufgehoben, sondern nur gemildert; denn diese nahmen das Gesetz zu buchstäblich und straften auch den mit gleicher Strenge, der oft sehr viel mehr zufällig als infolge seines bösen Willens seinen Nebenmenschen irgend eine oder die andere Beschädigung zugefügt hatte."
Jakob Lorber [GEJ.10_215,12]

Damit ist klar, dass Gott einen „gerechten“ Widerstand nicht ablehnt sondern ausdrücklich fordert. Der Widerstand richtet sich nicht nur gegen einen persönlichen Angreifer sondern auch gegen die Obrigkeit wenn diese nicht mehr aus dem göttlichen Geiste inspiriert wird!
Damit stellt sich auch die Frage: Sind Herrscher eigentlich von Gott gewollt?

Auf diese Frage finden sich viele gleich lautende Antworten in den Neuoffenbarungen, von denen ich eine beispielhaft zitiere:

Paulus erklärt: "Ich sage dir, die Regenten aller Zeiten, auch die besten, sind lediglich aus dem Willen der Völker der Erde hervorgegangen! Würde ein Volk zur Erkenntnis kommen, dass es Gott in aller Wahrheit zum ewigen Regenten über sich setzte, so würde Gott solch ein Volk sogleich von dieser Zuchtrute freimachen und es selbst durch Seine Engel in Menschengestalt leiten. Aber so die Völker nur um Erhaltung solcher Zuchtruten zu Gott flehen, müssen sie sich auch alle Schläge gefallen lassen, die ihnen ohne Schonung von diesen zugefügt werden.
Alle Regenten, mögen sie gut oder böse sein, gehen nicht aus dem Willen Gottes, sondern aus dem Hochmut der Menschen hervor, die da groß und mächtig sein wollen durch den Glanz ihres Königs. Weil aber die dummen Völker lieber einen Menschen über sich setzten als Gott, den Herrn aller ewigen Herrlichkeiten, so verleiht Gott diesem Menschen auch jene gebieterische Gewalt, mit der er seine Untergebenen ganz nach seinem Willen züchtigen kann, wenn sie seine Gesetze nicht beachten. Und diese Gewalt ist dann auch von oben, und der König muss sie üben, weil er von oben so gerichtet wird! Glaube nicht, dass da ein König wollen kann, was er frei will – sondern ein König muss wollen, wozu ihn der Gotteszorn nötigt. Hat ein König auch keinem Menschen zu gehorchen, so muss er dennoch Gott wissentlich oder unwissentlich gehorchen. Aber so er Liebe übt für Recht, so wird Gott Seinen Zorn im gewalthabenden Könige auch sänftigen und in Liebe umwandeln. Verstehst du solches?
So du mich verstehst, werde sanft und übe Liebe – dann wird Gott dich ansehen und sanfter ziehen dein Herz! Und ein sanftes Herz wird dich in alle Zukunft bewahren vor jeder Misshandlung. Gehe und werde so, dann wirst du Ruhe haben und wirst geachtet sein! Wahre Achtung wie auch wahre Freiheit werden nur aus der Liebe gezeitigt. Wer sich aber Achtung erzwingen will, dem wird sie nur zum Schein aus Furcht zuteil. Und diese Achtung ist ein Fluch, und zwar derselbe Fluch, der seit deinem Beginn dein Anteil gewesen ist! – Fasse solches und ändere dich!“

Jakob Lorber [RB.02_195,09]

Folgt man den Ausführungen in den Lorber-Texten, dann hat Gott die Erde für alle Menschen gleichermaßen geschaffen. Er hat weder Grenzen gezogen und Staaten gegründet, noch hat er Herrscher über die Menschen setzen wollen. Gott verabscheut alles, was mit (Welt-)Politik zu tun hat und bringt das klar und deutlich zum Ausdruck. Welt-Politik verleitet zu Hochmut, Herrschsucht, Überheblichkeit und Grausamkeit:

„… die Politik ist die Frucht des Mißtrauens, das Mißtrauen die Frucht eines verdorbenen Herzens, und das verdorbene Herz ist ein Werk des Satans, in dem keine Liebe ist. Daher ist die Politik äquivalent mit der Hölle; denn diese ist aus der allerabgefeimtesten Politik zusammengesetzt, und der Satan selbst ist der Großmeister aller Politik.“ Jakob Lorber [HGt.03_199,12]

Folglich muss sich ein „lebendiger“ Christ die Frage stellen, in wie weit er in diese satanische Politik verwickelt ist? Wer die derzeitige Raubbau- und Kriegstreiber-Politik der herrschsüchtigen Welt-Macht-Politiker aktiv unterstützt, als Politiker, Beamter, Richter, Polizist, Kirchenmann oder als Steuerzahler, kann nicht gleichzeitig zu Gott beten er möge doch bitte eine bessere Welt schaffen. Erst muss jeder Mensch seinen persönlichen Beitrag leisten bevor er Gott um weitere Hilfe bittet. Wie soll Gott Frieden auf der Erde schaffen, wenn wir fortwährend neue Waffen für den Krieg schaffen? Wir, das ist jeder von uns. Von unseren Steuergeldern werden Waffen finanziert, entwickelt, gebaut, exportiert und eingesetzt. Wir sind es, die unsere Verantwortung an Politiker abgeben und sie ermächtigen in unserem Namen zu handeln. Sie verschwenden Steuergelder, bereichern sich und ihre Partei ungerechtfertigt, unterstützen Diktatoren und Folterknechte, lassen Terror-Anschläge im In- und Ausland ausführen, arbeiten mit Kriminellen und Drogenhändlern zusammen und verseuchen die Erde mit Waffen und einer entsprechenden Unmoral. Wenn wir das erkannt haben ist jedes Gebet zu Gott um Frieden in der Welt pure Heuchelei. Wir selbst sind verantwortlich für die waffenstrotzende Gewalt. Wir sind keine hilfsbedürftigen Opfer sondern aktive Mittäter.

Nach den Neuoffenbarungen an Jakob Lorber ist der Sinn des Lebens die Entwicklung von der Selbstliebe zur Nächstenliebe. Nächstenliebe jedoch muss praktiziert und kann nicht von Gott er-beten werden.

„Hinweg mit allen Gebeten, hinweg mit allen Feiertagen, da ein jeder Tag ein wahrer Tag des Herrn ist, und hinweg mit allem Priestertume! Denn ein jeder Mensch, der Gott erkennt und Ihn über alles liebt und Seinen Willen tut, ist ein wahrer und rechter Priester und ist dadurch auch ein rechter Lehrer, so er seinen Nebenmenschen eben diese Lehre gibt, die er von Mir empfangen hat.
Wer also Meinen Willen tut, spricht nun der Herr, der betet wahrhaft und betet allzeit ohne Unterlaß; und ein jeder Tag, an dem ein Mensch seinem Nebenmenschen in Meinem Namen eine Wohltat erweist, ist ein rechter und Mir allein wohlgefälliger Tag des Herrn.“
Jakob Lorber [GEJ.06_123,06]

Emanuel Swedenborg hat die Nächstenliebe treffend erklärt:

„Zuerst soll gesagt werden, wer unter dem Nächsten zu verstehen ist. Er ist es ja, den man lieben und an dem man Liebe üben soll. Wenn man das nämlich nicht weiß, kann es vorkommen, dass man unterschiedslos und auf gleiche Weise den Bösen wie den Guten Liebes tut, wodurch die Liebe jedoch in ihr Gegenteil verkehrt wird.
Heute glaubt man allgemein, jeder Mensch sei in gleicher Weise der Nächste, und jedem Hilfsbedürftigen solle man Wohltätigkeit erweisen. Es ist jedoch Aufgabe der christlichen Klugheit, sorgfältig zu untersuchen, wie das Leben eines solchen Menschen beschaffen ist und ihm dementsprechend wohlzutun.
Der Mensch der Kirche sollte die Unterscheidungsmerkmale des Nächsten unbedingt kennen. Sie ergeben sich aus dem Maß des Guten bei einem jeden von ihnen. Und weil letztlich alles Gute aus Gott hervorgeht, so ist er im höchsten Sinn und höchsten Maß der Nächste. Daraus folgt, dass jeder Mensch insoweit ein Nächster ist, als er etwas vom Herrn bei sich hat, somit jeder, der sich im Guten befindet.
Wer also einem Armen oder Bedürftigen hilft, der böse ist, tut durch ihn dem Nächsten Böses; denn durch die geleistete Hilfe bestärkt er ihn in dem Bösen und verschafft ihm die Mittel, anderen zu schaden.“


Was unsere Obrigkeit von Nächstenliebe hält und was sie in unserem Namen und mit unseren Steuergeldern finanziert habe ich ansatzweise recherchiert: www.paradies-auf-erden.de.
Weitergehende Informationen und Möglichkeiten eines „christlichen“ Widerstandes sind auf dem E-Book (CD-ROM) „Klarheit schaffen“ enthalten, das gegen eine Spende bezogen werden kann bei: Werner May, Im Paradies, 17309 Fahrenwalde.
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