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Ich finde die Theorie zur Existenz der menschlichen Seele, die aus den Nah-Tod-Erlebnissen abgeleitet wird, eigentlich sehr vernünftig und logisch. Ich habe immer mal wieder darüber nachgedacht und keine andere einleuchtende Erklärung für das gefunden, was die Menschen in diesen Situationen erlebt haben.
Allerdings bin ich bei all dem Nachdenken auf 2 Dinge gestoßen, die für mich irgendwie keinen Sinn machen und die ich mir alleine nicht erklären kann! Vielleicht hat ja sonst jemand eine Erklärung dafür, wenn er das hier liest…
Mein erstes Problem ist:
Wie kann man es sich erklären, dass die Seele dem Körper so auf Gedeih und Verderb ausgeliefert ist! Die Seele scheint dem Körper ja vollkommen untergeordnet zu sein, und das geht so weit, dass all ihre Fähigkeiten völlig ausgeschaltet sind! Wenn der menschliche Körper blind wird oder den Verstand verliert, kann die Seele daran nichts ändern sondern scheint genau dasselbe zu erleiden.
Warum sollte etwas, das alleine so viel besser dran ist, von etwas anderem viel schwächerem so abhängig sein?
Selbst wenn die Seele schon mal den Körper verlassen hat, muss sie wieder zurück, wenn dieser nicht ganz tot sein sollte, ob sie will oder nicht! Das macht für mich überhaupt keinen Sinn. Hat irgendjemand dafür eine vernünftige Erklärung?
Warum ist die Seele dem Körper das ganze Leben lang so untergeordnet?
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Liebe/r Astovidatu,
Willkommen im Forum, schön, dass Du hierher gefunden hast.
In der Baha'i Religion wird das so erklärt: Die Seele des Menschen ist nicht in seinem Körper, sie steckt nicht im Körper, sondern hat eine Beziehung, die verglichen werden kann mit einer Sonne und einem Spiegel.
Das Beispiel sieht so aus:
Die Seele = Die Sonne
Der Körper = Der Spiegel
So wie sich die Sonne im Spiegel zeigt, so zeigen sich die Eigenschaften der Seele im Körper. All die Eigenschaften der Sonne - die Farbe, das Licht usw - zeigen sich im Spiegel, und wenn man in so einen Spiegel schaut, glaubt man die Sonne zu sehen.
Wenn der Körper stirbt, wird die Seele davon nicht berührt. Es ist so als würde der Spiegel zusammenbrechen, die Sonne - der wichtigere Teil - existiert weiter. Die Beziehung zwischen Spiegel und Sonne, also zwischen Körper und Seele hat sich mit dem Tod nur aufgelöst.
Es ist genauso wie Du sagst: Die Seele scheint dem Körper ausgeliefert zu sein, es sieht so aus, als wäre die Sonne im Spiegel gefangen, aber es ist natürlich nicht so.
Einige Zitate zu diesem Thema:
| Zitat: |
| Du hast Mich nach dem Wesen der Seele gefragt. Wisse wahrlich, daß die Seele ein Zeichen Gottes ist, ein himmlischer Edelstein, dessen Wirklichkeit die gelehrtesten Menschen nicht zu begreifen vermögen, und dessen Geheimnis kein noch so scharfer Verstand je zu enträtseln hoffen kann. Sie ist von allen erschaffenen Dingen das erste, das die Vollkommenheit des Schöpfers verkündet, Seine Herrlichkeit anerkennt, sich an Seine Wahrheit hält und sich in Anbetung vor Ihm niederbeugt. Wenn sie Gott treu ist, wird sie Sein Licht widerstrahlen und schließlich zu Ihm zurückkehren. Wenn sie jedoch die Treuepflicht gegenüber ihrem Schöpfer vergißt, wird sie ein Opfer des Selbstes und der Leidenschaften werden und am Ende in deren Abgründen versinken. Baha'u'llah |
| Zitat: |
Wisse, daß die Seele des Menschen über alle Gebrechlichkeit des Leibes und des Verstandes erhaben und davon unabhängig ist. Daß ein Kranker Zeichen der Schwäche aufweist, ist den Hindernissen zuzuschreiben, die sich bei ihm zwischen Seele und Leib legen; denn die Seele selbst bleibt unberührt von jedem körperlichen Leiden. Denke an das Licht der Lampe. Wenn auch ein Gegenstand von außen ihr Strahlen beeinträchtigen kann, so scheint das Licht selbst doch mit unverminderter Stärke weiter. Ebenso ist jedes Gebrechen des menschlichen Leibes ein Hindernis für die Seele, das sie davon abhält, ihre innere Kraft und Stärke zu zeigen. Wenn sie jedoch den Leib verläßt, wird sie solche Überlegenheit beweisen, solchen Einfluß entfalten, daß keine Macht der Erde dem gleichkommen kann. Jede reine, jede geläuterte und geheiligte Seele wird mit gewaltiger Macht begabt sein und in überschäumender Freude jubeln.
Denke an die Lampe, die unter einem Scheffel verborgen ist. Wenn auch ihr Licht leuchtet, ihr Schein dringt nicht zu den Menschen. Denke ebenso an die Sonne, die von Wolken verdunkelt wird. Beachte, wie ihr Glanz scheinbar abnimmt, während die Quelle jenes Lichtes in Wirklichkeit unverändert bleibt. Die Seele des Menschen gleiche dieser Sonne und alle Dinge auf Erden entsprechen seinem Leib. Solange kein äußeres Hindernis sie trennt, wird der Leib in seiner Gesamtheit das Licht der Seele widerspiegeln und von ihrer Kraft unterstützt werden. Aber sobald sich ein Schleier zwischen beide legt, scheint die Helligkeit des Lichtes abzunehmen.
Denke wiederum an die Sonne, wenn sie völlig hinter Wolken verborgen ist. Obwohl die Erde noch von ihrem Licht erhellt wird, ist doch die Menge Lichtes, die sie empfängt, viel geringer geworden. Erst wenn sich die Wolken verzogen haben, kann die Sonne wieder in voller Pracht erstrahlen. Die natürliche Leuchtkraft der Sonne wird jedoch nicht davon berührt, ob nun Wolken da sind oder nicht. Die Seele des Menschen ist die Sonne, die seinen Leib erleuchtet und ihm Nahrung spendet, und sollte auch dafür angesehen werden.
Bedenke ferner, wie die Frucht, ehe sie Gestalt annimmt, als Anlage im Baume liegt. Würde der Baum in Stücke gehauen, so könnte man doch kein Anzeichen und nicht das kleinste Teilchen einer Frucht darin finden. Sobald sie aber hervortritt, wird sie, wie du selber feststellst, in wunderbarer Schönheit und herrlicher Vollkommenheit sichtbar. Manche Früchte erreichen ihre volle Reife freilich erst, nachdem sie vom Baume gepflückt worden sind. Baha'u'llah |
Deine Meinung dazu würde mich interessieren,
Liebe Grüße, Deas
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Der Vergleich mit der Sonne und dem Spiegel hinkt aber in einigen Punkten. Zum Beispiel ist die Sonne völlig unabhängig vom Spiegel...ob der Spiegel noch da ist oder nicht, beeinflusst die Sonne überhaupt nicht. Die Seele aber ist – selbst wenn sie nicht im Körper sein sollte – vom Körper völlig überdeckt, sie ist sich ihrer Existenz ja nicht mal bewusst, hat höchstens eine Ahnung davon und andere Menschen können sie bewusst gar nicht mehr wahrnehmen.
Wenn man schon von der Sonne spricht, dann ist es doch eher so, dass die Sonne in einer Stahlkugel gefangen ist und nichts mehr tun kann, außer darauf zu warten, dass die Kugel sie irgendwann wieder freilässt. Die Kugel behindert sie nur und beschränkt sie in all ihren Fähigkeiten. Ihre Existenz ist höchstens an einer leichten Erwärmung der Kugel zu erkennen, in der sie gefangen ist.
Passt dieser Vergleich nicht viel besser?
Aber die Frage nach dem Warum ist auch damit nicht beantwortet. Warum gibt es Spiegel(oder Kugeln)? Ihr einziger Sinn scheint doch darin zu bestehen, die Seele für einige Zeit auszuschalten. Warum muss die Seele durch einen Körper gehen?
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Hallo Astovidatu,
Das Beispiel mit der Sonne bezieht sich auf die Unversehrlichkeit der Seele durch den Zustand des menschlichen Körpers. Wenn der Körper krank ist, wir davon der Zustand der Seele nicht angegriffen.
Andererseits hast du natürlich Recht, denn die Seele ist tatsächlich auch eine "Gefangene", so wie ein Vogel im Käfig gefangen sitzt:
Die Seele hat ebenfalls ein Bewußtsein, das Seelenbewußtsein. Günstigenfalls ist das Seelenbewußtsein unser "höheres Bewußtsein", und manche Menschen schaffen es, ihr Leben im Sinne des Seelenbewußtseins zu leben und zum Ausdruck zu bringen. Das sind Entwicklungsstufen. Zum Beispiel sehen wir im Traum mit den Augen der Seele, die Seele ist von den Sinnen unabhängig, und durchwandert ihr eigenes Reich, welches weder Anfang noch Ende hat. So können wir etwas träumen, was auf der Erde erst in der Zukunft sichtbar wird. Die Seele hat es aber schon erlebt. Genauso kann die Seele vergangenes durchleben. Sie ist völlig außerhalb von Raum und Zeit, also auch nicht innerhalb des Körpers:
| Zitat: |
| Der Gedanke, daß der Geist nach dem Tod des Körpers zugrunde gehe, ist wie die Vorstellung, daß ein Vogel in einem Käfig umkäme, wenn der Käfig zerbrochen wird, obwohl der Vogel von der Zerstörung des Käfigs nichts zu fürchten hat. Unser Körper ist dem Käfig und der Geist dem Vogel zu vergleichen. Wir sehen, daß dieser Vogel in der Welt des Schlafes ohne Käfig fliegt; wenn daher der Käfig zerbricht, wird der Vogel unversehrt weiterleben; seine Empfindungen werden sogar tiefer, seine Wahrnehmungen weiter und sein Glück größer sein.(Abdu'l-Bahá) |
Die Seele, so erklärt Bahá'u'lláh, ist hier auf der Erde um sich zu entwickeln. Sie entwickelt geistige Eigenschaften, die sie im geistigen Leben braucht. Die scheinbare "Gefangenschaft" der Seele im Körper, oder, besser gesagt in der bedingten Welt, ist dem Zustand zu vergleichen, den wir im Mutterleib als Embryo und als Fötus inne hatten. Dementsprechend eng und beschränkt. Ganz am Anfang ist der Embryo so wenig entwickelt, daß er hier auf der Erde nicht lebensfähig wäre, deshalb muß er in der Regel 9 Monate, mindestens aber ungefähr 6 Monate lang, im Mutterleib verbleiben. Dort entwickeln sich die Augen, die Ohren, die Gliedmaßen, die inneren Organe, kurz, alles was wir hier auf der Erde brauchen.
Genauso ist die Enge dieser bedingten, in Raum und Zeit gefangenen Welt das geeignete Umfeld, um die Eigenschaften zu entwickeln, welche die Seele in der geistigen Welt benötigt. Wie diese Eigenschaften genau gebraucht werden, wozu sie gut sind, können wir nicht genau wissen. Aber wir müssen Liebe, Treue, Güte, Barherzigkeit, Erleuchtung, und so weiter erlangen als Eigenschaften für unsere Seele, damit die Seele im geistigen Reich alles vorfindet, was sie für jenes Dasein benögtigt. Deshalb diese vorrübergehende relative Enge auf dieser Handvoll Staub, unserer Heimat, die Erde.
Genauso wie wir hier verstehen, warum wir im Mutterleib waren und was wir dort entwickelt haben, werden wir in der geistigen Welt dies sicherlich klar erkennen. Im Mutterleib wußten wir auch nicht wofür alles gut ist was wir entwickelten, und wir taten es trotzdem...
Alles Liebe von Yojo
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Diesen Zustand mit dem Austragen und der Geburt zu vergleichen, war auch einer meiner ersten Gedanken, weil es einfach sehr nahe liegt. Allerdings würde diese Vorstellung noch viel mehr Fragen und Ungereimtheiten aufwerfen, wenn man mal etwas darüber nachdenkt:
- Der Menschliche Fötus befindet sich ja nur im Mutterleib, weil er alleine nicht überlebensfähig wäre, bei der Seele ist das nicht der Fall, sie ist unsterblich und würde sogar noch viel mehr Geborgenheit finden, wenn sie in der Obhut anderer Seelen wäre und nicht in einem menschlichen Körper.
- Auch ist der Embryo nicht länger als nötig im Mutterleib. Die Seele aber bleibt im Körper bis dieser im wahrsten Sinne des Wortes den Geist aufgibt. Was doch eher dafür spricht, dass hier nicht die Seele vom Körper sondern der Körper von der Seele profitiert, oder?
- Und für das Kind ist die Zeit im Mutterleib auch eine Zeit der Geborgenheit und Unbekümmertheit, es geht ihm nie wieder so gut! Bei der Seele ist es genau umgekehrt, die Zeit im Körper kommt eher einer Strafe gleich, sie wird nie wieder so viel leiden müssen!
- Und was ist mit Kindern die sterben ohne alt zu werden? Ist deren Seele nicht überlebensfähig im Jenseits? Es gab ja auch schon Nah-Tod-Erlebnisse von Kindern, die wie die von erwachsenen Menschen waren...
- Das Einzige, was die Seele hier lernen könnte, ist zu leiden! Glaubst du, das ist nötig, um seinen Seelen-Charakter zu bilden? Und jene, die früh sterben, haben dann einfach Pech oder Glück gehabt? Wenn dem wirklich so wäre, dann wäre das wie ein Vater, der seine Kinder schlägt, weil er glaubt, das wäre gut für sie...glaube ja nicht, dass irgendjemand hier so was gutheißen würde, oder?
Was außer Bestrafung kann die Seele hier lernen, was es nicht auch im Jenseits gibt?
Haben Mensch, die zu früh gestorben sind, eine „defekte“ Seele im Jenseits?
Wieso erfährt die Seele keine Geborgenheit, wenn sie’s am nötigsten hat?
Kannst du dir irgendwas davon erklären?
PS: Auch wenn das so aussehen mag, ich will hier nichts schlecht machen. Ich will einfach nur versuchen Fragen beantwortet zu bekommen, die ich selber nicht mehr beantworten kann, ohne Inspiration von Außen zu bekommen. Und ich denke, das funktioniert nur, wenn man klipp und klar sagt, was man denkt und wo man anderer Meinung ist. Wären wir überall der selben Meinung, gäbe es hier nicht mehr zu sagen
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