Körper <-> Seele


Ich finde die Theorie zur Existenz der menschlichen Seele, die aus den Nah-Tod-Erlebnissen abgeleitet wird, eigentlich sehr vernünftig und logisch. Ich habe immer mal wieder darüber nachgedacht und keine andere einleuchtende Erklärung für das gefunden, was die Menschen in diesen Situationen erlebt haben.

Allerdings bin ich bei all dem Nachdenken auf 2 Dinge gestoßen, die für mich irgendwie keinen Sinn machen und die ich mir alleine nicht erklären kann! Vielleicht hat ja sonst jemand eine Erklärung dafür, wenn er das hier liest…

Mein erstes Problem ist:
Wie kann man es sich erklären, dass die Seele dem Körper so auf Gedeih und Verderb ausgeliefert ist! Die Seele scheint dem Körper ja vollkommen untergeordnet zu sein, und das geht so weit, dass all ihre Fähigkeiten völlig ausgeschaltet sind! Wenn der menschliche Körper blind wird oder den Verstand verliert, kann die Seele daran nichts ändern sondern scheint genau dasselbe zu erleiden.
Warum sollte etwas, das alleine so viel besser dran ist, von etwas anderem viel schwächerem so abhängig sein?
Selbst wenn die Seele schon mal den Körper verlassen hat, muss sie wieder zurück, wenn dieser nicht ganz tot sein sollte, ob sie will oder nicht! Das macht für mich überhaupt keinen Sinn. Hat irgendjemand dafür eine vernünftige Erklärung?
Warum ist die Seele dem Körper das ganze Leben lang so untergeordnet?
Liebe/r Astovidatu,

Willkommen im Forum, schön, dass Du hierher gefunden hast.

In der Baha'i Religion wird das so erklärt: Die Seele des Menschen ist nicht in seinem Körper, sie steckt nicht im Körper, sondern hat eine Beziehung, die verglichen werden kann mit einer Sonne und einem Spiegel.

Das Beispiel sieht so aus:

Die Seele = Die Sonne
Der Körper = Der Spiegel

So wie sich die Sonne im Spiegel zeigt, so zeigen sich die Eigenschaften der Seele im Körper. All die Eigenschaften der Sonne - die Farbe, das Licht usw - zeigen sich im Spiegel, und wenn man in so einen Spiegel schaut, glaubt man die Sonne zu sehen.

Wenn der Körper stirbt, wird die Seele davon nicht berührt. Es ist so als würde der Spiegel zusammenbrechen, die Sonne - der wichtigere Teil - existiert weiter. Die Beziehung zwischen Spiegel und Sonne, also zwischen Körper und Seele hat sich mit dem Tod nur aufgelöst.

Es ist genauso wie Du sagst: Die Seele scheint dem Körper ausgeliefert zu sein, es sieht so aus, als wäre die Sonne im Spiegel gefangen, aber es ist natürlich nicht so.

Einige Zitate zu diesem Thema:

Zitat:
Du hast Mich nach dem Wesen der Seele gefragt. Wisse wahrlich, daß die Seele ein Zeichen Gottes ist, ein himmlischer Edelstein, dessen Wirklichkeit die gelehrtesten Menschen nicht zu begreifen vermögen, und dessen Geheimnis kein noch so scharfer Verstand je zu enträtseln hoffen kann. Sie ist von allen erschaffenen Dingen das erste, das die Vollkommenheit des Schöpfers verkündet, Seine Herrlichkeit anerkennt, sich an Seine Wahrheit hält und sich in Anbetung vor Ihm niederbeugt. Wenn sie Gott treu ist, wird sie Sein Licht widerstrahlen und schließlich zu Ihm zurückkehren. Wenn sie jedoch die Treuepflicht gegenüber ihrem Schöpfer vergißt, wird sie ein Opfer des Selbstes und der Leidenschaften werden und am Ende in deren Abgründen versinken. Baha'u'llah



Zitat:
Wisse, daß die Seele des Menschen über alle Gebrechlichkeit des Leibes und des Verstandes erhaben und davon unabhängig ist. Daß ein Kranker Zeichen der Schwäche aufweist, ist den Hindernissen zuzuschreiben, die sich bei ihm zwischen Seele und Leib legen; denn die Seele selbst bleibt unberührt von jedem körperlichen Leiden. Denke an das Licht der Lampe. Wenn auch ein Gegenstand von außen ihr Strahlen beeinträchtigen kann, so scheint das Licht selbst doch mit unverminderter Stärke weiter. Ebenso ist jedes Gebrechen des menschlichen Leibes ein Hindernis für die Seele, das sie davon abhält, ihre innere Kraft und Stärke zu zeigen. Wenn sie jedoch den Leib verläßt, wird sie solche Überlegenheit beweisen, solchen Einfluß entfalten, daß keine Macht der Erde dem gleichkommen kann. Jede reine, jede geläuterte und geheiligte Seele wird mit gewaltiger Macht begabt sein und in überschäumender Freude jubeln.

Denke an die Lampe, die unter einem Scheffel verborgen ist. Wenn auch ihr Licht leuchtet, ihr Schein dringt nicht zu den Menschen. Denke ebenso an die Sonne, die von Wolken verdunkelt wird. Beachte, wie ihr Glanz scheinbar abnimmt, während die Quelle jenes Lichtes in Wirklichkeit unverändert bleibt. Die Seele des Menschen gleiche dieser Sonne und alle Dinge auf Erden entsprechen seinem Leib. Solange kein äußeres Hindernis sie trennt, wird der Leib in seiner Gesamtheit das Licht der Seele widerspiegeln und von ihrer Kraft unterstützt werden. Aber sobald sich ein Schleier zwischen beide legt, scheint die Helligkeit des Lichtes abzunehmen.

Denke wiederum an die Sonne, wenn sie völlig hinter Wolken verborgen ist. Obwohl die Erde noch von ihrem Licht erhellt wird, ist doch die Menge Lichtes, die sie empfängt, viel geringer geworden. Erst wenn sich die Wolken verzogen haben, kann die Sonne wieder in voller Pracht erstrahlen. Die natürliche Leuchtkraft der Sonne wird jedoch nicht davon berührt, ob nun Wolken da sind oder nicht. Die Seele des Menschen ist die Sonne, die seinen Leib erleuchtet und ihm Nahrung spendet, und sollte auch dafür angesehen werden.

Bedenke ferner, wie die Frucht, ehe sie Gestalt annimmt, als Anlage im Baume liegt. Würde der Baum in Stücke gehauen, so könnte man doch kein Anzeichen und nicht das kleinste Teilchen einer Frucht darin finden. Sobald sie aber hervortritt, wird sie, wie du selber feststellst, in wunderbarer Schönheit und herrlicher Vollkommenheit sichtbar. Manche Früchte erreichen ihre volle Reife freilich erst, nachdem sie vom Baume gepflückt worden sind. Baha'u'llah


Deine Meinung dazu würde mich interessieren,
Liebe Grüße, Deas
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"Die Trübsale dieser Welt gehen vorüber, und was uns bleibt, ist das, was wir aus unserer Seele gemacht haben." Shoghi Effendi
Der Vergleich mit der Sonne und dem Spiegel hinkt aber in einigen Punkten. Zum Beispiel ist die Sonne völlig unabhängig vom Spiegel...ob der Spiegel noch da ist oder nicht, beeinflusst die Sonne überhaupt nicht. Die Seele aber ist – selbst wenn sie nicht im Körper sein sollte – vom Körper völlig überdeckt, sie ist sich ihrer Existenz ja nicht mal bewusst, hat höchstens eine Ahnung davon und andere Menschen können sie bewusst gar nicht mehr wahrnehmen.

Wenn man schon von der Sonne spricht, dann ist es doch eher so, dass die Sonne in einer Stahlkugel gefangen ist und nichts mehr tun kann, außer darauf zu warten, dass die Kugel sie irgendwann wieder freilässt. Die Kugel behindert sie nur und beschränkt sie in all ihren Fähigkeiten. Ihre Existenz ist höchstens an einer leichten Erwärmung der Kugel zu erkennen, in der sie gefangen ist.
Passt dieser Vergleich nicht viel besser?

Aber die Frage nach dem Warum ist auch damit nicht beantwortet. Warum gibt es Spiegel(oder Kugeln)? Ihr einziger Sinn scheint doch darin zu bestehen, die Seele für einige Zeit auszuschalten. Warum muss die Seele durch einen Körper gehen?
Hallo Astovidatu,

Das Beispiel mit der Sonne bezieht sich auf die Unversehrlichkeit der Seele durch den Zustand des menschlichen Körpers. Wenn der Körper krank ist, wir davon der Zustand der Seele nicht angegriffen.

Andererseits hast du natürlich Recht, denn die Seele ist tatsächlich auch eine "Gefangene", so wie ein Vogel im Käfig gefangen sitzt:

Die Seele hat ebenfalls ein Bewußtsein, das Seelenbewußtsein. Günstigenfalls ist das Seelenbewußtsein unser "höheres Bewußtsein", und manche Menschen schaffen es, ihr Leben im Sinne des Seelenbewußtseins zu leben und zum Ausdruck zu bringen. Das sind Entwicklungsstufen. Zum Beispiel sehen wir im Traum mit den Augen der Seele, die Seele ist von den Sinnen unabhängig, und durchwandert ihr eigenes Reich, welches weder Anfang noch Ende hat. So können wir etwas träumen, was auf der Erde erst in der Zukunft sichtbar wird. Die Seele hat es aber schon erlebt. Genauso kann die Seele vergangenes durchleben. Sie ist völlig außerhalb von Raum und Zeit, also auch nicht innerhalb des Körpers:

Zitat:
Der Gedanke, daß der Geist nach dem Tod des Körpers zugrunde gehe, ist wie die Vorstellung, daß ein Vogel in einem Käfig umkäme, wenn der Käfig zerbrochen wird, obwohl der Vogel von der Zerstörung des Käfigs nichts zu fürchten hat. Unser Körper ist dem Käfig und der Geist dem Vogel zu vergleichen. Wir sehen, daß dieser Vogel in der Welt des Schlafes ohne Käfig fliegt; wenn daher der Käfig zerbricht, wird der Vogel unversehrt weiterleben; seine Empfindungen werden sogar tiefer, seine Wahrnehmungen weiter und sein Glück größer sein.(Abdu'l-Bahá)


Die Seele, so erklärt Bahá'u'lláh, ist hier auf der Erde um sich zu entwickeln. Sie entwickelt geistige Eigenschaften, die sie im geistigen Leben braucht. Die scheinbare "Gefangenschaft" der Seele im Körper, oder, besser gesagt in der bedingten Welt, ist dem Zustand zu vergleichen, den wir im Mutterleib als Embryo und als Fötus inne hatten. Dementsprechend eng und beschränkt. Ganz am Anfang ist der Embryo so wenig entwickelt, daß er hier auf der Erde nicht lebensfähig wäre, deshalb muß er in der Regel 9 Monate, mindestens aber ungefähr 6 Monate lang, im Mutterleib verbleiben. Dort entwickeln sich die Augen, die Ohren, die Gliedmaßen, die inneren Organe, kurz, alles was wir hier auf der Erde brauchen.
Genauso ist die Enge dieser bedingten, in Raum und Zeit gefangenen Welt das geeignete Umfeld, um die Eigenschaften zu entwickeln, welche die Seele in der geistigen Welt benötigt. Wie diese Eigenschaften genau gebraucht werden, wozu sie gut sind, können wir nicht genau wissen. Aber wir müssen Liebe, Treue, Güte, Barherzigkeit, Erleuchtung, und so weiter erlangen als Eigenschaften für unsere Seele, damit die Seele im geistigen Reich alles vorfindet, was sie für jenes Dasein benögtigt. Deshalb diese vorrübergehende relative Enge auf dieser Handvoll Staub, unserer Heimat, die Erde.

Genauso wie wir hier verstehen, warum wir im Mutterleib waren und was wir dort entwickelt haben, werden wir in der geistigen Welt dies sicherlich klar erkennen. Im Mutterleib wußten wir auch nicht wofür alles gut ist was wir entwickelten, und wir taten es trotzdem...

Alles Liebe von Yojo
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"Es ist die Sehnsucht Gottes an diesem Tage, alle Menschen als eine Seele und einen Körper zu betrachten" (Bahá'u'lláh)
Diesen Zustand mit dem Austragen und der Geburt zu vergleichen, war auch einer meiner ersten Gedanken, weil es einfach sehr nahe liegt. Allerdings würde diese Vorstellung noch viel mehr Fragen und Ungereimtheiten aufwerfen, wenn man mal etwas darüber nachdenkt:

- Der Menschliche Fötus befindet sich ja nur im Mutterleib, weil er alleine nicht überlebensfähig wäre, bei der Seele ist das nicht der Fall, sie ist unsterblich und würde sogar noch viel mehr Geborgenheit finden, wenn sie in der Obhut anderer Seelen wäre und nicht in einem menschlichen Körper.

- Auch ist der Embryo nicht länger als nötig im Mutterleib. Die Seele aber bleibt im Körper bis dieser im wahrsten Sinne des Wortes den Geist aufgibt. Was doch eher dafür spricht, dass hier nicht die Seele vom Körper sondern der Körper von der Seele profitiert, oder?

- Und für das Kind ist die Zeit im Mutterleib auch eine Zeit der Geborgenheit und Unbekümmertheit, es geht ihm nie wieder so gut! Bei der Seele ist es genau umgekehrt, die Zeit im Körper kommt eher einer Strafe gleich, sie wird nie wieder so viel leiden müssen!

- Und was ist mit Kindern die sterben ohne alt zu werden? Ist deren Seele nicht überlebensfähig im Jenseits? Es gab ja auch schon Nah-Tod-Erlebnisse von Kindern, die wie die von erwachsenen Menschen waren...

- Das Einzige, was die Seele hier lernen könnte, ist zu leiden! Glaubst du, das ist nötig, um seinen Seelen-Charakter zu bilden? Und jene, die früh sterben, haben dann einfach Pech oder Glück gehabt? Wenn dem wirklich so wäre, dann wäre das wie ein Vater, der seine Kinder schlägt, weil er glaubt, das wäre gut für sie...glaube ja nicht, dass irgendjemand hier so was gutheißen würde, oder?

Was außer Bestrafung kann die Seele hier lernen, was es nicht auch im Jenseits gibt?
Haben Mensch, die zu früh gestorben sind, eine „defekte“ Seele im Jenseits?
Wieso erfährt die Seele keine Geborgenheit, wenn sie’s am nötigsten hat?
Kannst du dir irgendwas davon erklären?

PS: Auch wenn das so aussehen mag, ich will hier nichts schlecht machen. Ich will einfach nur versuchen Fragen beantwortet zu bekommen, die ich selber nicht mehr beantworten kann, ohne Inspiration von Außen zu bekommen. Und ich denke, das funktioniert nur, wenn man klipp und klar sagt, was man denkt und wo man anderer Meinung ist. Wären wir überall der selben Meinung, gäbe es hier nicht mehr zu sagen
Hallo Astovidatu,

ich kann alle deine Gedanken nachvollziehen und es ist alles richtig was du schreibst. Die Seele von kleinen Kindern bekommt bei Gott eine Entschädigung, die aller Entwicklung auf dieser Erde vorzuziehen ist, daß bestätigen die Worte von Bahá'u'lláh.

Zitat:
Was nun die Säuglinge, Kinder und Schwachen betrifft, die unter den Händen der Unterdrücker leiden: Hierin liegt eine große Weisheit, und dieses Thema ist von höchster Bedeutung. Kurz, diese Seelen erhalten ihren Lohn in einer anderen Welt, und viele Einzelheiten sind damit verbunden. Für diese Seelen ist das Leiden die größte Gnade Gottes. Wahrlich, diese Gnade des Herrn ist weit größer und alle Annehmlichkeiten dieser Welt, dem Wachstum und der Entwicklung an dieser Stätte der Sterblichkeit vorzuziehen.


Sie bestätigen auch, daß wir auf dieser Erde Eigenschaften für die Seele entwickeln sollen.

Zitat:
Die Propheten und Boten Gottes wurden zu dem einzigen Zweck herabgesandt, die Menschheit auf den geraden Pfad der Wahrheit zu führen. Ihre Offenbarung hat den Zweck, alle Menschen zu erziehen, damit sie zur Todesstunde in größter Reinheit und Heiligkeit, in völliger Loslösung zum Throne des Höchsten aufsteigen.(Baha'u'llah, Aehrenlese)


Es ist aber auch so, daß das Schicksal der Seele von unserem Zustand im allerletzten Moment abhängig ist:

Zitat:
Wie oft hat ein Sünder in der Todesstunde zum Wesenskern des Glaubens gefunden und, den unsterblichen Trank in Fülle trinkend, seinen Flug zu den himmlischen Heerscharen genommen! Und wie oft hat sich ein ergebener Gläubiger zur Stunde des Aufstiegs seiner Seele so gewandelt, daß er in das niedrigste Feuer fiel! (Baha'u'llah, Aehrenlese)


Wir sind also hier fortgesetzten Gefahren ausgesetzt, und können nur auf den letzten Moment hoffen, als arme Sünder dann doch noch an der Schwelle der Einheit angenommen zu werden. Es wäre besser für unsere Seelen gewesen, wir wären als ganz kleine Babys schon gestorben, denn das Geschenk was diese reinen Seelen von Gott bekommen, ist, genau wie du vermutest, viel besser als jede Entwicklung hier auf der Erde.

All dies so betrachten, frage ich mich nun mir dir zusammen dieselben Fragen. Eines fällt mir noch auf:

Zitat:
Alle Menschen wurden erschaffen, eine ständig fortschreitende Kultur voranzutragen. Der Allmächtige bezeugt Mir: Wie die Tiere auf dem Felde zu leben, ist des Menschen unwürdig. Die Tugenden, die seiner Würde anstehen, sind Geduld, Erbarmen, Mitleid und Güte für alle Völker und Geschlechter der Erde. (Baha'u'llah, Aehrenlese)


Und wir sehen daß sich die Erde von Anbeginn an ständig weiterentwickelt, durch uns Menschen. Also erwirbt die Seele Eigenschaften, die von der geistigen Welt aus die Entwicklung unserer Kultur fördern? Bahá'u'lláh spricht von den Seelen in der geistigen Welt:

Zitat:
Das Licht, das diese Seelen ausstrahlen, bewirkt den Fortschritt der Welt und den Aufstieg ihrer Völker. Sie sind wie Sauerteig, der die Welt des Seins durchdringt, und bilden die Lebenskraft, welche die Künste und Wunder der Welt zustande bringt. Durch sie regnen die Wolken ihre Segensgaben auf die Menschen nieder, bringt die Erde ihre Früchte hervor. Alle Dinge haben zwangsläufig eine Ursache, eine treibende Kraft, einen belebenden Grund. Diese Seelen, Sinnbilder der Loslösung, haben der Welt des Daseins den höchsten belebenden Antrieb gegeben und werden ihn auch weiterhin geben. Das jenseits ist so verschieden vom Diesseits wie diese Welt von der des Kindes, das noch im Mutterleib ist. (Baha'u'llah, Aehrenlese)


Letztendlich fühlt sich mein Herz dazu gezwungen, sich vor Gott in Demut zu beugen, sicherlich wäre ich besser schon mit 2 Monaten gestorben, aber Gott möchte ja auch daß die Schöpfung vorangeht, also läßt Er mich leben. Dadurch, daß ich lebe, stehen meine Chancen, in den Himmel zu kommen, wesentlich schlechter, und wenn ich mich noch so mühe, hängt es von der letzen Stunde ab, wie mein Schicksal sein wird. Und tatsächlich, ich fühle wie Gott mich erzieht, o ja sogar sehr wie du sagst durch leiden, dadurch habe ich viel gelernt, dadurch haben alle viel gelernt. Und wenn es mir selbst nichts nützt, vielleicht nützt es ja dann einem anderen?

Und dennoch gibt es noch eine Antwort, die Antwort, die mein Herz wahrhaft zufriedenstellt und beglückt, und zwar:

Zitat:
Er, der euer Herr ist, der Allerbarmer, hegt in Seinem Herzen die Sehnsucht, das ganze Menschengeschlecht als eine Seele und einen Körper zu sehen. Eilt, euren Anteil an Gottes Gunst und Gnade zu erlangen an diesem Tage, der alle erschaffenen Tage in den Schatten stellt. Welch große Glückseligkeit harrt des Menschen, der all seine Habe aufgibt aus Sehnsucht, die Gaben Gottes zu erlangen. Ein solcher Mensch, Wir bezeugen es, gehört zu Gottes Seligen. (Baha'u'llah, Aehrenlese)


Das bedeutet, daß Gott möchte, daß wir Menschen uns in dieser Zeit in der Seele vereinigen. Und durch diese Vereinigung entsteht etwas völlig neues:

Die Vereinigte Seele der Menschheit, und das bedeutet ewiges Leben die Fülle für alle Menschen. Dies ist das wirklich neue von Bahá'u'lláh. Gegenüber dem Leben in dieser vereinten Seele ist alles andere, was früher war, wie Tod. So wird der Planet zu einem gemeinsamen Wesen, einer für alle, alle für einen, ein ewiger, wesensmäßiger Bund. Und die Worte Gottes wirken erzieherisch. Wir sehen es, wenn wir sie lesen. Es gibt keinen Ausweg.

Dies ist die Zeit, für die seit alters vorhergesagt ist: "Der Tag, an dem man nirgendwo hin fliehen kann, außer zu Seinem Antlitz", und dieses Antlitz ist Bahá'u'lláh, und Bahá'u'lláh, die vereinte Seele der Menschheit, die "Herrlichkeit Gottes". So sagt Er:

Zitat:
Das Wort Gottes ist eine Lampe, deren Licht der Satz ist: ihr seid die Früchte eines Baumes und die Blätter eines Zweiges. Verkehrt miteinander in inniger Liebe und Eintracht, in Freundschaft und Verbundenheit. Er, die Sonne der Wahrheit, bezeugt Mir: So machtvoll ist das Licht der Einheit, daß es die ganze Erde erleuchten kann. Der eine, wahre Gott, der alle Dinge kennt, bezeugt die Wahrheit dieser Worte.

Bemüht euch, daß ihr diese überragende, diese höchst erhabene Stufe erreicht, die Stufe, welche der ganzen Menschheit die Gewähr für Schutz, und Sicherheit bieten kann. Dieses Ziel überragt jedes andere Ziel, dieses Streben ist der Fürst allen Strebens. Solange jedoch die dichten Wolken der Unterdrückung, die die Sonne der Gerechtigkeit verdunkeln, nicht vertrieben sind, kann man die Herrlichkeit dieser Stufe schwerlich vor den Augen der Menschen enthüllen. ... (Baha'u'llah, Aehrenlese)


Die Wegstrecke bis dahin ist beschwerlich, viele schaffen es, viele bleiben auf der Strecke, doch was können wir tun? Nur eines, zu eben jenem Antlitz, zu eben jenem Ziel fliehen! Dort ist zuhause. Dort ist das Ziel. Dort werden diese Fragen nicht mehr relevant sein, denn:

Zitat:
"Vereinigung ist Leben, Trennung ist Tod".


Aber, du hast Recht, es ist kein "Honigschlecken", und schönreden brauchen wir es auch nicht.

Dennoch ist es über alle Maßen beglückend, Seine Schöpferkraft zu bezeugen, und sich dabei zu fühlen, mitzuwirken, als winziges Ameischen nur, dieses Meisterwerk göttlicher Baukunst zu erschaffen! In diesem Leben, und im nächsten Leben

Alles Liebe von Yojo
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"Es ist die Sehnsucht Gottes an diesem Tage, alle Menschen als eine Seele und einen Körper zu betrachten" (Bahá'u'lláh)
Ich habe noch mal darüber nachgedacht und denke eine Lösung gefunden zu haben!
Dies alles - die Zeit auf der Erde und die Verbundenheit mit dem Körper - würde nur einen Sinn machen, wenn die Seele sich hier wirklich entwickeln würde! Was mir zuerst absurd erschien, wird logisch und vernünftig, wenn man sich von einigen Vorstellungen löst...

Als erstes müsste man davon ausgehen, dass die Seele vor ihrer Entwicklung einen sehr "unentwickelten" Zustand hat, vielleicht ist sie sogar gar nicht da, sondern entsteht erst durch das körperliche Leben! Das würde bedeuten, dass der Körper der Schöpfer der Seele ist, und das würde wiederum erklären, warum er so wichtig ist.

Dann müsste man auch davon ausgehen, dass dieser Vorgang ganz natürlich und logisch ist, so wie die Evolution und die Entwicklung des Lebens. Ein möglicher Gott hätte nur am Anfang seine Finger im Spiel und der Rest wäre ein Ablaufen des göttlichen Anstoßens.

Auch würde die Entwicklung, die auf der Erde begonnen hat, im Jenseits nicht weitergehen! Wenn ein Kind stirbt, dann wäre es auch nach dem Tod ein Kind und würde nie so erwachsen werden, wie es das auf der Erde hätte werden können. Das passt auch mit den Nah-Tod-Erfahrungen von Kindern zusammen, deren "Seelen" waren auch dort Kinder (blinde konnte zwar wieder sehen, aber Kinder waren nicht erwachsen). Auch ein Embryo würde ein Embryo bleiben und somit etwas anderes (nichts Schlechteres) als erwachsene Menschen. Ebenso würden Tiere eine Seele haben, die auch immer eine Art Tierseele bleiben wird. Vielleicht sogar Insekten und Pflanzen! Deren Seelen würden natürlich nicht auf zwei Beinen rumlaufen und reden, aber doch würden sie etwas besonderes sein...

Also...alles würde einen Sinn machen, wenn man davon ausgeht, dass die Seele ein Kind des Körpers ist, und erst mit ihm/durch ihn zu dem wird, was sie später einmal ist. Jede Seele wäre dann am Anfang gleich und wie sie wird, hängt von den äußeren Einflüssen ab und wäre in jedem Fall ein natürlicher, logischer Prozess. Sie würde sich im Jenseits zwar auch noch weiterentwickeln, aber nicht so, wie auf der Erde, so wie Menschen, die ohne Hände geboren wurden, diese auf der Erde nie bekommen werden, aber trotzdem noch vollwertige Menschen sind und sich geistig ganz normal entwickeln!

Hab ich da irgendwo einen Denkfehler gemacht? Ich glaube nicht oder?

PS: Eine Freundin von mir glaubt übrigens, dass ihr nur Computer-Scripte seid, die auf Stichworte einfach nur mit den dazupassenden Zitaten aus einer Zitaten-Liste antworten
Hallo Astovidatu,

Die Ansicht, daß die Seele ein Kind des Körpers ist, ist interessant. Da die Seele ein geistiges Wesen ist, und die Eigenschaften der Seele die Namen und Eigenschaften Gottes sind, wie Liebe, Güte, Glaube, Erleuchtung, Gewißheit, Loslösung, Treue und so weiter, würde ich den Körper eher als eine Art "Gebärmutter" betrachten, durch den die Seele mit der Mutter (Die Seelenmutter der Erde, der heilige Geist) vernabelt ist. Diese Mutter-Kind-Beziehung kommt durch Gnade, aber gleichzeitig durch bewußtes Wollen und Suchen des Kindes zustande, was die Innigkeit der liebevollen Verbindung anbelangt. Die Verbindung besteht allerdings immer, kann aber am besten ausgeschöpft werden, wenn sich der Mensch seiner Seele, und somit Gottes, bewußt ist.

Die Schriften von Bahá'u'lláh sind für mich als sehr mystisch veranlagter Mensch axiomatisch. Das heißt, sie sind "Fixpunkte", die gesichert sind. So kann ich zwischen diesen Textstellen Schlüsse ziehen, und ich überprüfe mit diesen Textstellen alle Gedanken und Herzenseindrücke. Sie sind wie eine Wegmarkierung im Gebirge, und das Erkennen sagt mir: "du bist auf dem richtigen Weg". Die Bahá'i Religion ist sehr jung und wir haben es überall mit Schöpfungsprozessen zu tun, betreten also oft völliges Neuland in den Welten des Herzens, und sind auf diese Wegmarkierungen sehr angewiesen. Von daher setze ich diese Zitate in meine Entwicklungen ein. Aber ich bin kein Computer, oder gar ein Computerprogramm , wenngleich Programmierer was das Verdienen meines Lebensunterhaltes anbelangt, kurioserweise. Nein, diese Zitate werden liebevoll gesucht, gesammelt und eingebaut. Sag dies bitte deiner Freundin.

Alles Liebe von Yojo
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"Es ist die Sehnsucht Gottes an diesem Tage, alle Menschen als eine Seele und einen Körper zu betrachten" (Bahá'u'lláh)
Die Seele ist zwar ein Geistiges Wesen aber sie ist dennoch so sehr mit einem Materiellen Bewusstsein verschmolzen (und von diesem abhängig), dass sie sich ihrer selbst nicht mehr bewusst ist. Darum ist sie objektiv gesehen mehr Fleisch als Geist!

Ja, die Seele hat sicherlich Grundeigenschaften, die wohl von Gott kommen, wenn es ihn gibt. Aber diese Grundeigenschaften sind auf jede Seele gleich und gerecht verteilt, und was daraus wird, hängt von der weiteren Entwicklung ab. Und diese Entwicklung wird von vielen Dingen beeinflusst, aber am meisten vom materiellen Körper. Das kann man auch sehr gut bei Zwillingen sehen, die sind sich immer sehr gleich, was daran liegt, dass sie sich sehr ähnlich sehen und gleichen äußeren Einflüssen ausgesetzt waren/sind. Und du glaubst doch sicher nicht, dass Gott Zwillingen immer genau gleiche Seele gibt, anderen Geschwistern aber nicht, oder?
Die Seele muss wie ein leeres Buch sein, das vom Leben beschrieben wird, das ist für mich die einzige sinnvolle Erklärung. Und wie bei richtigen Büchern, müssen kurze Geschichten nicht schlechter sein als lange!

Und ich bin mir auch sicher, dass es völlig irrelevant ist, ob man sich seiner Seele bewusst ist oder nicht...und wenn es einen Unterschied macht, ist es sicher besser für die Entwicklung, sich ihrer und Gottes nicht bewusst zu sein, denn so ist es ja vorgesehen, und das hat sicher einen guten Grund!
Ich hole mal einen alten Thread hervor, weil ich doch gerade den "Rückblick" neueste Ausgabe lese und darin steht ein Thema, das wirklich interessant ist. "Das Gepäck auf der Reise ins Jenseits". Da ich weiß, daß nicht jeder den "Rückblick" abonniert hat, möchte ich einige Passagen daraus abschreiben, weil ich damit auch meine Gedanken ordnen kann und dann kommen die Überlegungen.

http://www.alexander-gosztonyi.ch/agos/rueckblick/index.php

Zitat:
Erster Abschnitt:

Das Leben geht nach dem Tod weiter. Der Mensch, wie auch jedes Lebenwesen legt seinen grobstofflich-irdischen Leib beim Tod ab und existiert in seinem feinstofflichen Leib: im Astralleib, im Jenseits weiter.

Der Mensch tritt so, wie er ist, ins Jenseits, er nimmt bis auf seinen physischen Leib alles mit sich, was zu ihm gehört, aber nur das, was zu ihm tatsächlich gehört. Nichts mehr und nichts weniger. Und nur aus diesem besteht bei der Übersiedlung ins Jenseits sein ganzes Reisegepäck.

Er legt beim Tod seine unbrauchbar gewordenen Kleider ab. Zu diesen gehört nicht nur sein physischer Leib, sondern auch seine Person.

Zur Person gehört alles, was der Mensch in einer Inkarnation ist und was er hat: Rang, Stellung und Macht, Güter, Vermögen und Besitz und all das, was er glaubt, zu besitzen, zum Beispiel Menschen oder einen Vorrang, besondere Rechte und vieles andere.

Er nimmt hingegen sein Ich mit und damit auch das Gefühl seiner Identität. Es ist seine Seele, die beim Übergang ins Jenseits unverändert bleibt und auch da alles enthält, was in ihr schon auf der Erde vorhanden war. Dasselbe gilt für das Lebewesen: Auch das Lebewesen nimmt seine Identität beim Tod mit, denn auch seine Seele bleibt unverändert und enthält alles, was sie in der verlassenen Inkarnation bereits in sich aufgenommen oder in sich erarbeitet hat.

Das Materielle

Der Mensch nimmt alles Irdisch-Materielle - und dazu gehört auch sein physischer Leib - nicht mit sich. Und es ist selbstverständlich, daß er seine irdisch-materiellen Güter: Besitz, Geld, Schmuck, Gold ua. zurücklassen muß. (Geld macht bekanntlich ohnehin nicht glücklich, vor allem, wenn es fehlt. ) Dafür nimmt er aber seine Neigung, seine Sucht oder Gier, materieller Güter in Besitz zu nehmen, sie zuhorten, den Besitz zu vergrößern, kurz: seine mehr oder weniger heisse - "Liebe zum Mammon" mit ins Jenseits. (Mammon aram. Schatz in MT 6,24; Lk 16,9-13; Personifizierung des Reichtums, der Götze Geld)

Im Jenseits kann er allerdings mit dieser "Liebe"; mit seiner Liebe zum Irdische, zu welcher auch die Sehnsucht nach Macht, Ehre und Reichtum gehört, herzlich wenig anfangen. Diese Sehnsucht steckt jedoch in seinem 'Reisegepäck'. Und dieses Gepäck führt der Mensch auch in seine neue Inkarnation mit sich und bewahrt von seinem Inhalt noch in etlichen nachfolgenden Inkarnationen einige Stück auf. Er kann also seine Neigung zum Materiellen auch noch in der der nächsten und übernächsten und in den darauf folgenden Inkarnationen bewahren und falls möglich, ausleben, was er dann meistens auch tut und zwar solange, bis er diese Neigung restlos aus- und abgelebt hat. So geht er, sobald er wieder auf der Erde und also in seinem 'eigenen Element' ist, wacker ans Werk und setzt sein Leben dort und auf die Weise fort, wo er und wie er damit in der letzten Inkarnation aufhören mußte.


In dem Heft gibt es auch Kapitel über ein Traumerlebnis und seine Deutung und außerdem um die Amokläufe und ihre Hintergründe aus Sicht der Reinkarnation.

Ich schreibe später noch den Abschnitt über die Macht heraus, aber hier ist noch was über das Ich:
Zitat:

"Das Ich des Menschen und mit diesem sein Gefühl der Identität wandeln sich im Laufe seiner inneren Entwicklung, der auf den unteren Stufen jedoch überaus langsam. Viele können ihre frühere Identität nicht loslassen, das heißt ihre Vorstellung, daß sie immer noch diejenigen: der Herrscher, der "Boss", diese oder jene besondere bevorzugte, bewunderte Person sind, die sie in der verlassenen Inkarnation waren, weil sie von der Machtgier immer noch besessen sind, auch dann noch, wenn sie sie später nicht mehr ausleben können.

Dieses Gefühl der Identität mit einer Person, die der Mensch einst war und evtl schon lange nicht mehr ist, ist übrigens der eigentliche Grund für verschiedene psychische Störungen, vor allem für Schizophrenie und Autismus. (Vergl. in Grandlagen und Praxis Rückführungstherapie zur Schizophrenie - S. 723-737; Autismus)


Das Seelische

Zitat:
Zu seinem Reisegepäck gehört neben seiner Mentalität also alles, was in seiner Seele vorliegt: Triebe, Emotionalität, Affektivität, wie auch seine Gepflogenheiten, Vorstellungen, Überzeugungen, Wünsche, Begierden, ferner seine Einstellung zu allem Seelischen und Geistigen, darunter auch seine Einstellung zu den Geschlechtern wie auch sein religiöser oder sonstiger Glaube.


Es ist also ein weiter Weg, bis wir am Ziel sind. Also lebt, wie ihr glaubt, leben zu müssen, so wie jeder Mensch vom Säugling bis zum Greis sein Leben lebt, sich auslebt, so gut es geht, so erfährt er eine Menge. Mit Zwang gut sein zu wollen, bringt es nicht, es geht darum, alles auszuleben, was im Menschen ist.
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Das, was sich im Menschen reinkarniert, ist das spirituelle Ego, die göttliche Individualität.
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