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Tarot












Tarot
aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Tarot (maskulinum oder neutrum) ist ein 78-Blatt-Kartensatz, mit dem verschiedene Kartenspiele gespielt werden, die Tarot oder auch Tarock heißen. Die Karten werden, meist in speziellen Ausführungen, auch als Deutungswerkzeuge benutzt. Zusätzlich zum üblichen 52-Karten-Blatt enthält der Kartensatz des Tarot vier Reiter/Ritter (eingeordnet zwischen Bube/Page und Dame/Königin), einen Joker/Narren und 21 Trumpfkarten. Mit diesem Deck, einer Variante ohne esoterische Symbole, wird das in Frankreich weit verbreitete Tarot (Kartenspiel) gespielt, das von seiner Entstehungsgeschichte her als eines der ältesten in Europa gelten kann. Es gibt sehr viele Varianten dieses Spiels. Einige davon sind in Italien und Österreich als Tarocchi oder Tarock bekannt, in der Schweiz als Troccas. Das bayerische Tarock stammt eventuell von einem ähnlichen Spiel ab, unterscheidet sich heute aber beträchtlich davon und ähnelt eher dem Schafkopf und dem Skat.

Die Geschichte der Tarotspielkarten war bis zum Ende des 18. Jahrhunderts mit der des als Deutungswerkzeug benutzten Tarots identisch. Seitdem enthalten Decks, welche explizit als Deutungswerkzeuge gedacht sind, zunehmend symbolische Inhalte.

Bekannter als das Kartenspiel ist in Deutschland die Nutzung des Tarots zu spirituellen, esoterischen, psychologischen und divinatorischen (wahrsagerischen) Zwecken. In diesem Zusammenhang wird das Tarot (oder nur die großen Arkana) oft auch als Initiationsweg verstanden.
Geschichte des Tarot

Spielkarten sind in Europa seit dem Ende des 14. Jahrhunderts bekannt, wie sich aus urkundlichen Erwähnungen von 1367, Bern, und etwas später ergibt. Sie scheinen sich sehr schnell über ganz Europa verbreitet zu haben, wie man aus Erwähnungen schließen kann, die sich meist auf Verbote des Kartenspiels beziehen. Über die Gestaltung und die Anzahl dieser Karten ist nur wenig bekannt, wesentliche Information allein gibt ein Text des Johannes von Rheinfelden 1377 aus Freiburg im Breisgau, der neben anderen Versionen als grundlegendes Spiel das immer noch geläufige 4x13-Blatt nennt, wobei hauptsächlich König, Ober und Unter ("Marschälle") als Hofkarten genannt werden, aber Damen oder Königinnen auch schon bekannt sind.

Es wird vermutet, dass zunächst aus der islamischen Welt im 14. Jahrhundert ein Satz von 52 Spielkarten nach Europa kam, der aus vier Farben bestand und den Karten der kleinen Arkana entspricht. Die Herkunft der 22 Karten der großen Arkana ist keineswegs "ungeklärt" (widersprüchlich zu vielen Internet-Verlautbarungen und Tarotbüchern), sondern in vielen Details dokumentiert und bekannt (mehr als bei manchen anderen Objekten, deren Herkunft als "geklärt" betrachtet wird). Viele Esoteriker glaubten, dass dieser (mit oder ohne kleine Arkana) auf ägyptischen und/oder hebräisch-kabbalistischen Weisheitslehren beruhen, und einige vermuteten sogar den Ursprung des Tarots in Atlantis. Dafür gibt es jedoch keine Beweise.

Der Name Tarot (auch Taraux oder Tarocchi) erscheint im Jahre 1505 parallel sowohl in Frankreich als auch in Italien in Ferrara - das zu dieser Zeit (Mailand ist von 1500-1512 durch Frankreich besetzt) politisch zur Seite Frankreichs gehört.
Angeblich wies der französische Gelehrte Wilhelm Postel im 16. Jahrhundert darauf hin, dass die vier Buchstaben T-A-R-O auf einer Kreislinie geschrieben ein Endloswort ergeben: T-A-R-O-T. Starten wir bei R, erhalten wir R-O-T-A, was entweder lateinisch Rad heißt oder auch der Begriff für das höchste römische Gericht in der katholischen Kirche (römische Kurie) ist, welches ein ordentliches päpstliches Gericht für Berufungen in kirchlichen Prozessen darstellt und sich vorwiegend mit Ehesachen beschäftigt (nach dem Rad-Mosaik des Sitzungssaales). Entgegengesetzt der Lesrichtung ergeben sich die Worte T-O-R-A, welches das heilige Buch unter anderem im Judentum ist oder O-R-A-T, was für die Glaubensrichtlinie der christlichen Religionen steht (lat.: er/sie/es betet). Bei dieser Geschichte ist zu bemerken, dass es bislang anscheinend keinen Hinweise darauf gibt, dass die französische Schreibform "Tarot" schon existierte - ohne eine Existenz derselben wäre aber Postels angebliche Bemerkung einigermaßen sinnlos.

In der Debatte bei Trionfi.com um diesen Punkt in der deutschen Wikipedia wies John Meador auf ein Zitat von Michael Dummett, der seinerseits den Kartenforscher Allemande zitierte: "The reimposition of the tax in 1622 evoked a new protest from the maistres et ouvriers de cartes et tarotz of Lyons in 1623, which says that many had left for Switzerland and Besancon in order to escape the new tax, and, in particular, that the Duke of Savoy had lured many cardmakers to Turin and Chambery. The Lyons cardmakers, more fortunate that their colleagues in Rouen, succeeded in getting the tax annulled for Lyons in 1623.<D'Allemagne vol. I, pp. 297-8, vol. II, pp. 244, 246, 492, 502.> Their statutes were revised in 1650; article 9 continued to refer to taros. < Ibid., vol. II, p. 258>." -Michael Dummett: Game of Tarot, 1980, p. 204. <Dummett italicises that last word: taros>

Ross Caldwell notierte: "The Key diagram appears only in the 1646 A. von Frankenberg edition of Postel's "Clavis"; it does not appear in any edition published in Postel's lifetime (first ed. 1547) (Wicked Pack of Cards, pp. 173-174)." und wies auf John Meador's Darstellung im Jahre 2003 [http://www.tarotforum.net/showthread.php?t=16389 (see post number 8 in particular)].

Weit vor diesem Zeitpunkt (die oben genannte Jahreszahl 1505, in der Taraux und Tarocchi, nicht aber Tarot erwähnt wird) sind jedoch schon sehr viele Tarotkarten und Tarot-ähnliche Kompositionen entweder als tatsächliche Spielkartenblätter oder durch Dokumente belegt - nur die Bezeichnung "Tarot" fehlte. Stattdessen wurde der Begriff "Trionfi" benutzt (in unterschiedlichen Formen - triumphi, ludus triumphorum etc.). Das älteste "Trionfi-Spiel" (es wurde allerdings erst im Jahre 1449 so genannt) entstand im Zeitraum 1418 - 1425, vermutlich 1424/1425 und war zugleich das vielleicht teuerste aller Zeiten und kostete 1500 Dukaten (dieser Preis wird 1447 genannt). Es ist von drei verschiedenen Quellen belegt (einem Begleitbuch, das spätesten 1425 verfaßt wurde, das das Spiel beschreibt, einem Brief von 1449, der Erwerb und Versand des Spiels zum Gegenstand hat und der Notiz in einer Vita des Filippo Maria Visconti 1447, der den unglaublich anmutenden hohen Preis nennt. Das Spiel hatte (vermutlich) insgesamt 60 Karten, und 16 von ihnen zeigten griechische Gottheiten und damit keineswegs Motive, die man generell den Tarotkarten zuordnet. Der Maler ist bekannt: Michelino da Besozzo, den manche seiner Zeitgenossen für den besten Maler ihrer Zeit hielten. Das Spiel selbst ist verloren (mehr Info).
Die älteste Benutzung des Wortes "Trionfi" in Zusammenhang mit Spielkarten ist für Februar 1442 in Ferrara belegt, als der Maler Sagramoro (schon vorher mit Spielkartenaufträgen beschäftigt), Geld für die Produktion von vier Trionfi-Blättern empfing [1]. Ein anderes früheres Dokument vom 1. Januar 1441 benutzt den Ausdruck "Trionfi" noch nicht, es scheint sich beim produzierten Gegenstand (Sagramoro ist wieder der Maler) aber um 14 spezielle Karten zu handeln, die "Trionfi-Karten-Charakter" haben [2]. Im Oktober 1441 wird eine Trionfi-Karten-Produktion zu einer Hochzeit vermutet - diese Karten haben sich teilweise erhalten (67 Karten) und befinden sich heute im Cary-Yale-Museum (als Visconti di Modrone oder Cary-Yale-Tarocchi bezeichnet)[3] [4]. Es hatte - soweit erkennbar - nur teilweise Trumpf-Motive, die im sogenannten Standard-Tarot benutzt werden und es wich von der Standard-Struktur ab (es gab zusätzliche Hofkarten, weibliche Pagen und weibliche Ritter). Aus spezifischen Gründen wird vermutet, dass dieses Spiel eine 5x16-Struktur hatte (weblink Tarot Dokumente).

Ein weiteres Spiel (Brera-Brambilla-Tarocchi) ist ebenfalls dieser frühen Periode zuzuordnen, da sich aber nur 2 Trümpfe erhalten haben, liefert dieser Fund nur wenig Informationen.

In allen dieser frühen Erwähnungen und noch vorhandenen Produkte (1424/1425 und 1441/1442) ist entweder der Mailänder Herzog Filippo Maria Visconti (1392 - 1447) verwickelt oder dessen Tochter Bianca Maria, die im Winter 1440/1441 zu einem 1/2-Jahres-Besuch in Ferrara weilte [5] und anscheinend die Spiel- und Gestaltungs-Idee nach dorthin transportierte.

Nach diesen frühen Erwähnungen folgen weitere Dokument-Notizen zu Trionfi-Spielen erst im Jahre 1450 und kurz darauf, dann aber gehäuft und gleich an mehreren Orten parallel (aus diesem Zusammenhang kann vermutet werden, das das eigentliche Tarotspiel in diesen beiden fürstlichen Familien - Este in Ferrara und Visconti in Mailand - seinen Anfang fand).

1450 wird es für Mailand, Ferrara und Florenz erwähnt und im Jahre 1452 zeigt Sigismondo Malatesta (Rimini) Interesse. Ein überliefertes Spiel, das sogenannte Pierpont-Morgan-Bergamo-Tarocchi (auch Visconti-Sforza-Tarocchi) wird dem Jahr 1452 zugeordnet und es diente lange als Argument, dass das Tarotspiel jetzt nun vollständig sei. In der Komposition fehlen nur 4 Karten insgesamt und von 22 Sonderkarten nur 2 - man nahm an, dass 4 Karten verlorengingen (Von den Originalen befinden sich 35 in der Pierpont-Morgan Library, 26 in der Accademia Carrara, 13 in der privaten Sammlung der Familie Colleoni in Bergamo. (Der Teufel, der Turm, die Drei der Schwerter und der Ritter der Münzen fehlen).

Nähere Analysen ergaben jedoch, dass dieses Spiel von 2 verschiedenen Künstlern produziert wurde, 6 der 20 Trumpfkarten stammen von anderer, späterer Hand. Lange Zeit hat man diesen Umstand mit "verloren gegangen" und "ersetzt" interpretiert ... heute tritt als alternative Ansicht daneben, das es nur ein Spiel mit 5x14-Struktur gab, dass später erweitert wurde.[6]

Ein (späteres) Dokument von 1457 spricht eindeutig von 70 (= 5x14) Trionfi-Karten, nicht von 78. [7]
Der Schritt zum Spiel mit 22 Trumpfkarten wird für die Periode 1460-1470 vermutet, der zum heutigen Standard-Spiel mit Teufel und Turm für die Periode 1470-1480. [8] Vermutlich erst in dieser späten Periode fand das Spiel zur Massenproduktion, eine Entwicklung, die die zunehmende Verbreitung von Druck- und Vervielfältigungstechniken in dieser Zeit in Italien begleitete. Im Zeitraum 1490-1510 entwickelte sich in Lyon (Frankreich) eine erfolgreiche Spielkarten-Export-Struktur, das Tarot als Spiel nahm an dieser Entwicklung teil.

Tarot (Tarock, Tarocchi) als Spiel wurde ein international verbreitetes Erfolgsprodukt im 18. Jahrhundert, das Interesse ließ im 19. Jahrhundert wieder nach.

Die schriftliche esoterische Tradition der Tarot-Karten beginnt erst 1781, als Antoine Court de Gébelin, ein Schweizer Geistlicher und Freimaurer, das Buch Le Monde Primitif veröffentlichte; eine populäre Abhandlung über religiöse Symbole und ihres modernen Gebrauchs. Gébelin wies als erster auf die Symbole des Marseiller Tarots hin, die er als Zeichen der Mysterien der ägyptischen Gottheiten Isis und Thot deutete. Beweise dafür konnte die Ägyptologie nicht liefern, dennoch ist diese Theorie auch heute noch weit verbreitet.

Einflussreicher war die "Entdeckung" des Tarots durch okkultistisch-esoterische Gesellschaften, die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in den westlichen Nationen entstanden. Vor allem Eliphas Lévi in seinem 1854 veröffentlichten Werk Dogme et Rituel de la Haute Magie sowie der von ihm stark beeinflusste Hermetic Order of the Golden Dawn (Hermetischer Orden der goldenen Morgenröte; im Folgenden Golden Dawn) haben maßgeblich zur Verbreitung des Tarots als Deutungssystem beigetragen. Insbesondere im Golden Dawn wurde viel Wert auf den Tarot als Werkzeug der (Selbst-)Erkenntnis gelegt. Eine rein divinatorische Nutzung des Tarots lehnten beide ab.

Auf Levi geht auch maßgeblich die Zusammenführung des Tarots mit Elementen der Kabbala und den vier Elementen der Alchemie zurück. Gébelins Idee des ägyptischen Ursprungs des Tarots behalten sowohl Levi als auch der Golden Dawn bei.

Innerhalb des Golden Dawns war das Tarotdeck von Oswald Wirth (1889) sehr einflussreich; dieses Deck enthält nur die große Arkana. Es beruht auf dem Marseille-Tarot, erweitert diesen aber um kabbalistische und esoterische Symbole. Sowohl Arthur Edward Waite als auch Aleister Crowley (siehe unten) waren Mitglieder des Golden Dawn.

Der Aspekt des Tarot als Initiationsweg wurde erstmal im Order of the Golden Dawn intensiv betont und lässt sich zum Beispiel an Hand des Rider-Waite-Tarot studieren (zu den einzelnen Decks siehe unten). Noch stärker tritt er beim Crowley-Thoth-Tarot zu Tage, dass eine sehr starke Verknüpfungen zum Ordo Templi Orientis (OTO) aufweist. Crowley weist im Buch Thoth darauf hin, das Teile der Symbolik nur durch OTO-Mitglieder bestimmter Grade erfasst werden können.
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