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Verabredung zum Freitod
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Erneut kollektive Selbstmorde in Japan
Quelle: ORF
Selbstmord ist in der japanischen Gesellschaft ein großes Tabuthema. Die Zahl der Menschen, die den Freitod wählen, steigt in Japan kontinuierlich. Vor allem ein Phänomen macht Schlagzeilen: der kollektive Selbstmord. Am vergangenen Wochenende ereigneten sich wieder zwei drastische Fälle von Menschen, die gemeinsam mit anderen den Freitod wählten. Zum gemeinschaftlichen Selbstmord hatte man sich im Internet verabredet. |
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| Selbstmord ist in der japanischen Gesellschaft ein großes Tabuthema. |
Selbstmord als Tabuthema ist leider nicht nur in Japan so.
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| Die Zahl der Menschen, die den Freitod wählen, steigt in Japan kontinuierlich. Vor allem ein Phänomen macht Schlagzeilen: der kollektive Selbstmord. Am vergangenen Wochenende ereigneten sich wieder zwei drastische Fälle von Menschen, die gemeinsam mit anderen den Freitod wählten. Zum gemeinschaftlichen Selbstmord hatte man sich im Internet verabredet. |
Der kollektive Selbstmord spielt auch in Deutschland eine nicht unerhebliche Rolle. Diese Problematik wird jedoch unter den Tisch gekehrt. Verabredungen zum Selbstmord laufen meistens über Suizidforen ab.
Diese Foren werden verteufelt. Zumeist jedoch von denen, die sich mit der Materie überhaupt nicht auskennen, oder auskennen wollen. Unter Materie beziehe ich diesbezüglich die Menschen ein, besagte Foren sowie Suizidalität. Diejenigen, die Suizidforen am liebsten verbieten möchten, kennen sie meistens nicht einmal, sondern fällen voreilige Pauschalurteile oder reden etwas nach, was sie "irgendwo" von irgendwem einmal gehört haben. Die Aussage, dass diese Verabredungen übers Internet stattfinden, trifft wohl auf betreffende Foren zu.
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| Kollektiver Selbstmord: Zuletzt gab es im Oktober diese Schlagzeile. Nun haben in Japan am Wochenende erneut sechs Menschen den kollektiven Freitod gewählt. |
In Deutschland liest man darüber kaum in Tageszeitungen, wenn, dann nur in Minimeldungen am Rande.
Wusstest du, dass allein in Deutschland alle 4 Minuten ein Suizidversuch stattfindet und alle 45 Minuten ein "geglückter" Suizid?
Selbstmord ist ein Tabuthema. Und Selbstmörder, potentielle Selbstmörder oder die, die es schon einmal oder mehrfach versucht haben, sind ein noch größeres Tabuthema.
Würde ich erzählen, ich sei ein vorbestrafter Gewalttäter oder jemand, der sich an wehrlosen Kindern vergangen hat, würde ich bei weitem nicht so verachtet, vielleicht sogar eher noch bedauert, therapiert, resozialisiert. Spricht man aber darüber, dass man sich das Leben nehmen wollte, ist man bei den meisten unten durch.
Ich kannte selbst zwei junge Menschen aus dem Suizidforum, welches ich damals tagtäglich aufsuchte. Als ich nach einer langen Zeit wieder im Internet war, erfuhr ich, dass beide sich verabredet und erschossen hatten. Das ging mir verdammt nahe.
Und ich kannte noch andere Menschen, die Selbstmord begingen. Sie hatten jedoch nichts mit diesem Forum zu tun, es war lange Zeit davor. Diejenigen, die ich persönlich kannte, wurden von ihrem Umfeld, von Klassenkameraden, Familie, Freunden... diskriminiert, verletzt, nicht ernst- oder wahrgenommen, ausgenutzt und erfuhren die hinterlistigsten Gemeinheiten, die Menschen nur erfahren können. Irgendwann konnten sie es einfach nicht mehr ertragen. Einer bspw. erschoss sich, der andere hat sich erhängt.
Ein weiterer junger Mann, der keinerlei existenzielle/finanzielle Probleme hatte, beging einen Suizidversuch mit einer Waffe. Auch dieses hatte ich erst einige Monate später erfahren und war zu Tode erschrocken darüber.
Ich las, zu der Zeit, als ich meinen Entschluss gefasst und somit alles geplant und veranlasst hatte, einen Artikel in Focus über Suizidforen. Er hatte keine Ahnung, was dort überhaupt geschieht. Von seinerzeit über 30 Suizidforen hatte er gerade einmal drei aufgesucht, und sich explizit jene herausgepickt, welche Anleitungen zum Suizid geben. Verschwiegen wurde, dass es durchaus auch solche Foren gibt, wo niemand aufgefordert wird bzw. irgendwelche Anleitungen erhält. In den meisten Foren sind diese strikt untersagt.
Dieser Professor der Psychologie nannte suizidale Menschen wörtlich "Todesverherrlichende Spinner". Wer - zumal noch Psychologieprofessor - derart unsensibel als verbaler Scharfrichter auftritt, unterliegt seiner eigenen Überheblichkeit. Wer meint denn aufgrund solcher Aussagen, dass ich mit ihm über irgendwelche Probleme reden würde, wenn er mich von vorneherein für eine Spinnerin hält?!
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| "In Japan gibt es immer noch kein wirkliches Bewusstsein für seelische Probleme von Menschen. |
Dieses Bewusstsein ist in Deutschland ebenso wenig vorhanden. Da nutzen Klinikaufenthalte oder Zwangseinweisungen herzlich wenig. Das ist keine Hilfe. Dort geht es anfangs zuerst einmal, die "Patienten" ruhigzustellen, was im Jargon "Runterspritzen" genannt wird. Wenn man Suizidabsichten äußert, oder diese einem gar regelrecht entlockt werden, wird mit Einsperren gedroht. Wo, bitte, soll das Hilfe sein?
Es ist doch ein immer wiederkehrendes Paradoxum: einerseits will niemand etwas hören von Selbstmordabsichten, andererseits aber werden entsprechende Ankündigungen, von den "richtigen" aufgenommen, sogleich bewertet und liefern Grund, den Betroffenen wegzusperren oder aber dieses anzudrohen. Letztendlich sagt man, wenn man einmal in dieser Zwickmühle gesteckt hat, anschließend überhaupt nichts mehr, macht dieses für sich alleine ab und trifft somit auch für sich im Stillen seine Entscheidung. Denn Hilfe und Akzeptanz oder Verständnis erfährt man sowieso nicht.
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| Aber wenn Sie depressiv sind und sich das Leben nehmen wollen, reagiert die Gesellschaft nur langsam oder gar nicht" |
Ich erinnere mich noch an den Tag, an dem ich endgültig meinem Leben ein Ende setzen wollte, worauf ich meine Mutter schon viele Wochen oder gar Monate vorher hinwies, klipp und klar und mehr als deutlich. An besagtem Tag fuhr sie weg, weil sie mich und meine Verfassung nicht mehr ertragen konnte. Und genau an diesem Tag nahm ich eine Überdosis Tabletten. Sie wusste, was ich tun werde und fuhr weg. So viel zu Verständnis.
Ich bin immer noch der Meinung, dass es besser gewesen wäre, es wäre mir gelungen. Denn "hinterher" fällt man in ein solch tiefes Loch, und es scheint kaum, dass man da jemals wieder herausfindet. "Nachher" ist man auf dem Standpunkt des "na, jetzt erst recht, und jetzt um so mehr".
Weil man erfährt, wer wie zu einem steht, wenn man nur ein einziges Mal in seinem Leben nicht funktioniert. Nicht so funktioniert, wie es vom Gros unserer Gesellschaft erwünscht/vorgegeben ist. Dann stehen alle die, die einen selbst immer und in jeder Situation zu Hilfe riefen, überhaupt nicht zu einem.
Der Erfolg all dessen, was und wie es zusammen spielte, kann sich sehen lassen: Ich habe seit zwei Jahren die Rolläden ununterbrochen unten. Kann ich nicht rausgucken, kann auch keiner reingucken. Gehe nicht mehr unter Menschen, nur, wenn es absolut nötig ist. Ganz zu schweigen von endlosen und massiven Panikattacken, die das Ergebnis einer "Hilfe" in Form von Wegsperren sind. Mit meinen Hunden gehe ich am liebsten im Dunkeln spazieren, weil ich damit weniger Gefahr laufe, anderen Menschen zu begegnen.
Es wäre schön, wenn Selbstmord (wobei ich das Wort "mord" nicht mag, es kriminalisiert irgendwie) endlich kein Tabuthema mehr wäre und wenn Menschen vor allem viel stärker sensibilisiert wären für andere, denen es schon helfen würde, verstanden und nicht als "Spinner" abgetan zu werden.
"Hinterher" wirft's viele Fragen auf. Gäbe es jedoch ein intensiveres und ernsteres "Vorher", wäre oft ein "Nachher" überflüssig...
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Hallo Suchende!
Du hast Recht - Probleme werden nicht dadurch gelöst, dass man denen die sie haben,
das Reden darüber verbietet, sondern indem man sich damit auseinandersetzt.
Und wer einmal in der Situation war, braucht viel Kraft, um damit leben zu können -
viel mehr als Andere, die sie nicht kennen. Diese Kraft aber gibt es.
Alles Liebe
() Wu
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Oh Suchende -
wie Recht Du doch hast - wie sehr Du mir aus der Seele sprichst mit Deinen Ausführungen...
Warum nur werden Foren so verteufelt, könnten diese doch vielmehr eine Hilfe (im positiven sinne gemeint) sein!
Ja - auch ich war schon zweimal soweit, dieser Welt endgültig Adieu zu sagen, und doch hat es nicht geklappt ...
Und dann? Ja, es wurde teils besser, aber ein großer Teil wurde praktisch nur verschüttet ...
Und jetzt? Ja, ich bin hier im Netz auf der Suche ...
Hat denn der Mensch an sich nicht das Recht, auch über den Zeitpunkt seines Gehens selbst zu bestimmen?
Muss er etwa Leben - weil die Gesellschaft und auch die Gesetze es einfach so vorsehen und damit wollen?
Es gibt viel zu viele Situationen in dieser unserer ach so schrecklich hektischen Zeit mit den viel zu vielen Umbrüchen - man kommt doch selbst schon gar nicht mehr hinter her - fühlt sich selbst wie ein überflüssiges Rädchen in dem immer größer werdenden Getriebe - in dem es ohne hin schon fast nur noch Häuptlinge, aber kaum noch Indianer gibt - also was soll ich denn da noch?
Und wirklich "Helfen" kann einem dabei doch so oder so keiner, sei es der Lebenspartner oder sei es sogar ein Psychologe, alle Welt sieht nur noch das Geld verdienen, der Mensch bleibt dabei auf der Strecke ...
Naja, hoffentlich werde ich noch fündig ...
Und Wu, Du sprichst so schön von der Kraft zu "leben", die es geben soll - es fragt sich wirklich nur noch wo - und wofür, wenn alles in einem so ohne echte Perspektiven ist ...
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| über etwas nicht zu reden, heist für mich, daran zu zweifeln, das dieses etwas existiert. in japan, gibt es noch so was wie ne familien ehre. jeder versucht seine ahnen und familien mitglieder stolz zu machen. und was wenn man die familie enteuscht ? für viele gibt es da nur noch den selbstmord. und wenn die menschen dort nicht mal darüber reden, wie sollte sich da etwas änderen?
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