Taten und nicht Worte


Die Macht und der Wert des wahren Denkens hängen von dessen Äußerung in Taten ab

Abdu'l Baha, Ansprachen in Paris, 18. Oktober 1911

Die Wirklichkeit des Menschen ist sein Denken, nicht sein stofflicher Körper. Die Kraft des Denkens und die tierischen Kräfte sind Partner. Obwohl der Mensch an der Tierwelt teilhat, so besitzt er doch eine Gedankenmacht, die allen übrigen Geschöpfen überlegen ist.

Wenn ein Mensch in seinen Gedanken fortgesetzt den himmlischen Dingen zustrebt, wird er wie ein Heiliger, wenn sich seine Gedanken hingegen nicht erheben, sondern abwärts trachten, um sich in den Mittelpunkt der Dinge dieser Welt zu stellen, wird er fortwährend materieller, bis er einen Zustand erreicht, der wenig besser als der des bloßen Tieres ist.
Wir können zwei Klassen von Gedanken unterscheiden:

erstens, Gedanken, die nur der Welt des Denkens angehören,
zweitens, Gedanken, die sich in Taten äußern.

Manche Männer und Frauen freuen sich über ihre erhabenen Gedanken, doch wenn diese Gedanken nie in die Ebene der Taten kommen, bleiben sie zwecklos: die Macht des Denkens hängt, von dessen Äußerung in Taten ab. Die Gedanken eines Philosophen mögen sich zwar in der Welt des Fortschritts und der Entwicklung in Handlungen anderer Menschen auswirken, auch wenn die Philosophen selber unfähig oder nicht bereit sind, ihre großen Ideale im eigenen Leben zu bekunden. Zu dieser Klasse gehört die Mehrzahl der Philosophen da ihre Lehren hoch über ihren Taten stehen. Dies ist der Unterschied zwischen den Philosophen, die geistige Lehrer, und denen, die nur Philosophen sind: der geistige Lehrer ist der erste, der die eigenen Lehren befolgt; er bringt seine geistigen Begriffe und Ideale herab in die Welt des Handelns. Seine göttlichen Gedanken werden der Welt kund gemacht. Er selber ist sein Denken, von dem er nicht zu trennen ist. Wenn wir einen Philosophen finden, der die Bedeutung und Größe der Gerechtigkeit hervorhebt und dann einen raubgierigen Herrscher in seiner Unterdrückung und Gewalttätigkeit ermuntert, werden wir rasch erkennen, daß er zur ersten Klasse zählt, denn er denkt himmlische Gedanken und übt nicht die entsprechenden himmlischen Tugenden.
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"Alle Religionen lehren, daß wir einander lieben und unsere eigenen Fehler herausfinden sollten, bevor wir uns erkühnen, die Fehler anderer zu verdammen, und daß wir uns nicht über unseren Nächsten erheben dürfen." -- Abdul-Baha