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Biographie Baha'u'llahs












Erklärung im Garten Ridvan in der Nähe von Baghdad

Nach vielen Unterhandlungen erging auf Verlangen der persischen Regierung ein Befehl seitens der türkischen Regierung, der Baha'u'llah nach Konstantinopel vorlud. Beim Empfang dieser Nachricht gerieten die Gläubigen in Bestürzung. Sie umlagerten das Haus ihres geliebten Führers derart, daß die Familie sich für zwölf Tage in den Garten von Najib-Pasha außerhalb der Stadt zurückziehen mußte, während die Karawane für die lange Reise ausgerüstet wurde. Während dieser zwölf Tage (22. April bis 3. Mai 1863, neunzehn Jahre nach der Erklärung des Bab), gab nun Baha'u'llah verschiedenen Seiner Gefährten die frohe Botschaft kund, daß Er der Eine sei, Dessen Kommen der Bab vorausgesagt habe, der Erwählte Gottes, der Verheißene aller Propheten. Der Garten, wo diese denkwürdige Erklärung vor sich ging, ist unter den Baha'i bekannt geworden als der "Garten Ridvan", und die Tage, die Baha'u'llah hier zubrachte, werden gefeiert als "Ridvan-Fest", das alljährlich bei Wiederkehr dieser zwölf Tage gehalten wird. Während dieser Tage zeigte sich Baha'u'llah, anstatt traurig oder bedrückt zu sein, überaus freudig. Er war voll Würde und Macht. Seine Gefährten wurden glücklich und begeistert, und viele Leute kamen, um ihre Ehrerbietung zu erzeigen. Alle hohen Beamten von Baghdad, auch der Gouverneur selbst, kamen, um den abreisenden Gefangenen zu ehren.
Konstantinopel und Adrianopel

Die Reise nach Konstantinopel dauerte drei bis vier Monate. Als sie - die Reisegesellschaft bestand aus Baha'u'llah, den Mitgliedern Seiner Familie und 26 Jüngern - in Konstantinopel ankamen, fanden sie sich als Gefangene in einem kleinen Haus, in dem sie schrecklich eng zusammengedrängt waren. Später erhielten sie etwas bessere Unterkunft. Aber nach vier Monaten wurden sie weiterbefördert nach Adrianopel. Die Reise nach Adrianopel war, obgleich sie nur wenige Tage dauerte, das Schrecklichste, was ihnen bis jetzt zugestoßen war. Es schneite fast während der ganzen Reise außerordentlich stark, und es fehlte ihnen an geeigneter Kleidung und an Nahrung. Ihre Leiden waren fürchterlich. Während des ersten Winters in Adrianopel waren Baha'u'llah und Seine Familie von zwölf Personen in einem kleinen Haus mit drei Räumen untergebracht, das jeder Bequemlichkeit entbehrte und voll Ungeziefer war. Im Frühjahr wies man ihnen eine etwas bequemere Wohnung zu. Sie blieben über viereinhalb Jahre in Adrianopel. Hier nahm Baha'u'llah Sein Lehren wieder auf und scharte eine zahlreiche Anhängerschaft um sich. Er verkündete öffentlich Seine Sendung und wurde von der Mehrzahl der Babi begeistert angenommen, die von da an als Baha'i bekannt wurden. Eine Minderzahl aber unter der Führung des Halbbruders von Baha'u'llah, Mirza Yahya, leistete Ihm heftigen Widerstand und verband sich mit den früheren Feinden, den Shi'iten, in Anschlägen zu Seinem Sturz. Es kam zu großen Unruhen, und schließlich verbannte die türkische Regierung sowohl die Babi als die Baha'i aus Adrianopel, Baha'u'llah und Seine Gefährten nach Akka in Palästina, wo sie nach dem Bericht von Nabil am 31. August 1868 eintrafen, während Mirza Yahya und seine Anhänger nach Zypern verschickt wurden.
Briefe an die Könige

Um diese Zeit schrieb Baha'u'llah die berühmte Reihe Seiner Briefe an den Sultan der Türkei, an viele der gekrönten Häupter von Europa, an den Papst und den Shah von Persien. In Seinem "Buch Aqdas" sprach Er die anderen Herrscher an, die Regierungen und Präsidenten von Amerika, alle Religionsführer und die gesamte Menschheit. Allen verkündete Er Seine Sendung und rief sie auf, ihre Kräfte einzusetzen, wahre Religion, gerechte Regierungen und internationalen Frieden aufzurichten.

In Seinem Brief an den Shah verfocht Er machtvoll die Sache der unterdrückten Babi und verlangte, Auge in Auge denen gegenübergestellt zu werden, die ihre Verfolgung angestiftet hatten. Es braucht nicht besonders betont zu werden, daß dieses Verlangen nicht erfüllt wurde; Badi, der junge und ergebene Baha'i, der den Brief von Baha'u'llah überbrachte, wurde festgenommen und unter fürchterlichen Qualen dem Märtyrertod überliefert, indem ihm heiße Ziegelsteine ins Fleisch gedrückt wurden.

Im gleichen Brief gibt Baha'u'llah eine herzergreifende Darstellung Seiner eigenen Leiden und Seiner Sehnsucht:

"O König, auf dem Wege Gottes habe Ich geschaut, was noch kein Auge geschaut und noch kein Ohr gehört hat. Freunde haben Mich verlassen; Wege wurden Mir versperrt; der Teich Meiner Sicherheit ist ausgetrocknet; die Ebene des Wohlbehagens ist dürr gebrannt. Wie viele Schwierigkeiten sind herabgekommen, und wie viele werden noch nachkommen! Ich schreite dem Mächtigen, dem Gütigen entgegen, während hinter mir die Schlange gleitet. Meine Augen weinen, bis Mein Lager tränenbenetzt ist; aber Mein Kummer gilt nicht Mir selbst. Bei Gott, Mein Haupt verlangt nach den Speeren um der Liebe seines Herrn willen, und an keinem Baum gehe Ich vorbei, ohne daß Ich Mich im Herzen an ihn wende und zu ihm sage: ‘O, daß du doch in Meinem Namen umgehauen würdest und Mein Körper an dir gekreuzigt würde auf dem Pfade Meines Herrn!’ O, Ich sehe die Menschen irregehen in ihrem Rausch, und sie wissen es nicht; sie haben ihre Lüste auf den Thron gesetzt und ihren Gott beiseite gelegt, als ob sie das Gebot Gottes für ein Gespött, für einen Schmerz und für ein Spielzeug hielten; und sie denken, daß sie es recht machen und daß sie geborgen seien in der Festung der Sicherheit. Die Sache ist aber anders als sie denken: morgen werden sie erkennen, was sie heute verleugnen."

"Wir sind im Begriff, von diesem entlegenen Verbannungsort (Adrianopel) nach der Gefängnisstadt Akka zu ziehen. Nach dem, was man hört, ist dies sicherlich die trostloseste Stadt der Welt, die häßlichste dem Anblick nach, abscheulich in ihrem Klima, mit verseuchtem Trinkwasser. Es ist, als ob es die Sammelstadt der Eulen wäre; man hört nichts darin als ihr Geschrei. Und darin wöllen sie diesen Diener einkerkern mit der Absicht, vor Unserem Angesicht die Tore der Milde zu schließen und Uns zeitlebens der guten Dinge des Lebens in dieser Welt zu berauben, während Wir derer heute noch einige genießen. Bei Gott, sollte gleich Ermüdung Mich schwächen und Hunger Mich vernichten, sollte Mein Lager auf hartem Fels sein und Mir die Tiere der Wüste als Gefährten beigegeben werden, so will Ich nicht zurückschrecken, sondern will, wie die Entschlossenen und Entschiedenen, geduldig sein durch die Kraft Gottes, des Königs des Vor-Daseins, des Schöpfers der Völker, und unter allen Umständen bin Ich dankbar gegen Gott. Und Wir hoffen auf Seine Gnade - erhaben ist Er - ... daß Er die Gesichter aller Menschen aufrichtig mache gegen Ihn, den Mächtigen, den Gütigen. Wahrlich, Er antwortet dem, der betet, und Er ist dem nahe, der zu Ihm ruft. Wir bitten Ihn, Er möge dieses finstere Unglück zu einem Schild machen für den Leib Seiner Heiligen, um sie damit zu schützen gegen die scharfen Schwerter und die durchbohrenden Klingen. Durch Trübsal hat dieses Licht geschienen und hat sein Lobpreis unaufhörlich gestrahlt; dies war Seine Art in allen verflossenen Zeitaltern und in längst entschwundenen Zeiten." Baha'u'llah
Einkerkerung in Akka

Zu jener Zeit war Akka eine Gefängnisstadt, in welche die schwersten Verbrecher aus allen Teilen des türkischen Reiches verbracht wurden. Bei der Ankunft daselbst, nach einer schlimmen Seereise, wurden Baha'u'llah und Seine Gefährten, etwa achtzig bis vierundachtzig an Zahl, Männer, wie auch Frauen und Kinder, in der Kaserne eingekerkert. Der Raum war schmutzig und im höchsten Grade bedrückend. Es gab keine Betten noch sonst irgendeine Bequemlichkeit. Die verabreichte Speise war erbärmlich und so ungenießbar, daß nach einiger Zeit die Gefangenen baten, es möge ihnen erlaubt werden, ihre Nahrungsmittel selbst einzukaufen. Während der ersten Tage schrieen die Kinder unaufhörlich, und es war beinahe unmöglich zu schlafen. Malaria, Ruhr und andere Krankheiten brachen bald aus, und die ganze Gefangenenschar bis auf zwei wurde krank. Drei Menschen starben an ihrer Erkrankung, und die Leiden der Überlebenden waren unbeschreiblich.

Diese strenge Gefangenschaft dauerte über zwei Jahre, während derer kein Baha'i die Gefängnisschwelle überschreiten durfte, ausgenommen vier Männer, die, sorgfältig bewacht, täglich ausgingen, um Essen einzukaufen.

Während der Einkerkerung in der Kaserne wurden alle Besuche streng abgewiesen. Mehrere Baha'i aus Persien wanderten den ganzen Weg zu Fuß, um ihren geliebten Führer zu sehen, es wurde ihnen aber der Einlaß durch das Stadttor versagt. Sie pflegten dann an einen Ort auf der Ebene außerhalb des dritten Festungsgrabens zu gehen, von wo aus sie die Fenster des Gefängnisraumes von Baha'u'llah sehen konnten, und nachdem sie Ihn von ferne erblickt hatten, brachen sie in Tränen aus und kehrten heim, angefacht zu neuem Eifer für Opfer und Dienst.
Die Beschränkungen werden milder

Schließlich wurde die Gefangenschaft gemildert. Einer eintretenden Mobilisierung türkischer Truppen wegen wurde die Kaserne für Soldaten benötigt. Baha'u'llah und Seine Familie erhielten ein Haus für sich allein, und der Rest der Gefährten wurde in einer Karawanserei in der Stadt untergebracht. Baha'u'llah wurde in diesem Hause weitere sieben Jahre gefangengehalten. In einem engen Raum neben dem Zimmer, in dem Er gefangengehalten wurde, mußten sich dreizehn Angehörige Seines Haushalts beiderlei Geschlechtes beieinander einrichten, so gut sie konnten. In der ersten Zeit ihres Aufenthalts in diesem Haus litten sie schwer unter Unbequemlichkeit, ungeeigneter Speise und Mangel an den einfachsten Lebenserleichterungen. Nach einiger Zeit aber wurden einige weitere Räume zur Verfügung gestellt, und sie konnten nun einigermaßen in Bequemlichkeit leben. Nun verließen Baha'u'llah und Seine Gefährten die Kaserne. Besuchern wurde erlaubt, zu Ihm zu gehen, und nach und nach wurden die strengen Einschränkungen von seiten der Regierung fallengelassen, obgleich sie dann und wann für kurze Zeit wieder in Kraft traten.
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