Baha'u'llah im Heiligsten Buch über die Baha'i Bestattung


Das Heiligste Buch (das Kitab-i-Aqdas) besteht aus nur 190 Versen und trotzdem ist es bemerkenswert, dass drei von diesen Versen zum Thema Bestattung sind, hier diese drei Absätze aus dem Heiligsten Buch:

Zitat:
Der Herr hat überdies verordnet, daß der Verstorbene in fünf Tücher aus Seide oder Baumwolle gehüllt werde. Wer über begrenzte Mittel verfügt, für den genügt ein einziges Tuch aus einem der beiden Stoffe. So ward es geboten von Ihm, dem Allwissenden, dem Allunterrichteten. Es ist euch verboten, den Leichnam mehr als eine Stunde Weges aus der Stadt zu bringen; vielmehr soll er freudig, voll Seelenfrieden an einem nahen Ort begraben werden.


Zitat:
Der Herr hat bestimmt, daß die Toten in Särgen aus Kristall, aus hartem, widerstandsfähigem Stein oder aus feinem, haltbarem Holz beerdigt werden. An den Finger soll ein gravierter Ring gesteckt werden. Er ist wahrlich der Höchste Gebieter, der Allwissende.

Die Inschrift auf diesem Ring soll beim Manne lauten: "Gottes ist alles in den Himmeln und auf Erden und zwischen ihnen, und Er weiß in Wahrheit um alle Dinge", und bei der Frau: "Gottes ist die Herrschaft über Himmel und Erde und über alles zwischen ihnen, und Er ist in Wahrheit mächtig über alle Dinge." Dies sind die vormals offenbarten Verse, aber siehe, der Punkt des Bayan ruft jetzt aus und spricht: "O Du Meistgeliebter der Welten! Offenbare an deren Stelle Worte, welche den Duft Deiner gnädigen Gunst über die ganze Menschheit verbreiten. Wir haben jedermann verkündet, daß ein einziges Wort von Dir alles übertrifft, was im Bayan herabgesandt ward. Du hast fürwahr die Macht zu tun, was Du wünschest. Beraube Deine Diener nicht der überströmenden Gabenfülle aus dem Weltmeer Deiner Barmherzigkeit! Du bist in Wahrheit der, dessen Gnade grenzenlos ist." Seht, Wir haben auf Seinen Ruf gehört und erfüllen nunmehr Seinen Wunsch. Er ist wahrlich der Meistgeliebte, der auf den Ruf hört. Graviert man den folgenden Vers, soeben von Gott herabgesandt, auf die Totenringe von Männern wie Frauen, so wird es besser für sie sein. Wir sind gewißlich der Höchste Gebieter: "Von Gott kam ich und zu Ihm kehre ich zurück, losgelöst von allem außer Ihm, und halte mich fest an Seinem Namen, der Barmherzige, der Mitleidvolle." So erwählt der Herr für Seine Gnade, wen immer Er wünscht. Er ist in aller Wahrheit der Gott der Kraft und der Macht.



Kommentar zum obigen Text (aus dem Anhang des Aqdas):

Zitat:
149.
"Der Herr hat bestimmt, daß die Toten in Särgen beerdigt werden."

Im Bayan schrieb der Bab vor, der Verstorbene solle in einem Sarg aus Kristall oder poliertem Stein begraben werden. Wie Shoghi Effendi in einem in seinem Auftrag geschriebenen Brief erläutert, bedeutet diese Bestimmung Ehrfurcht vor dem Menschenleib, der "vormals durch die unsterbliche Menschenseele geadelt" war.

Kurz gefaßt, verbietet das Baha'i-Bestattungsrecht, daß der Leichnam weiter als eine Stunde Wegs vom Ort des Todes verbracht wird. Der Leichnam ist in Tücher aus Seide oder Baumwolle zu hüllen; an den Finger soll ihm ein Ring gesteckt werden mit der Inschrift: "Von Gott kam ich und zu Ihm kehre ich zurück, losgelöst von allem außer Ihm, und halte mich fest an Seinem Namen, der Barmherzige, der Mitleidvolle." Der Sarg soll aus Kristall, Stein oder hartem Edelholz sein. Ein besonderes Totengebet ist vorgeschrieben, das vor dem Begräbnis zu sprechen ist. Wie von Abdu'l-Baha und dem Hüter bestätigt, schließt dieses Gesetz die Feuerbestattung aus. Das formelle Totengebet und der Ring betrifft alle, die das Reifealter (d.h. 15 Jahre) erreicht haben.

Zum Material für die Särge ist zu sagen, daß es nach dem Geist des Gesetzes möglichst dauerhaft sein sollte. Das Universale Haus der Gerechtigkeit erläutert, daß es über die im Aqdas aufgeführten Materialien hinaus keinen Einwand gibt gegen das härteste verfügbare Holz oder gegen Beton. Derzeit können die Gläubigen in dieser Frage nach eigenem Gutdünken verfahren.


Zitat:
150.
"der Punkt des Bayan"

Der "Punkt des Bayan" ist einer der Titel, mit dem der Bab sich selbst bezeichnete.



Zitat:
151.
"daß der Verstorbene in fünf Tücher aus Seide oder Baumwolle gehüllt werde"

Im Bayan bestimmte der Bab, daß der Leichnam in fünf Tücher aus Seide oder Baumwolle zu hüllen sei. Baha'u'llah bestätigt diese Bestimmung und fügt hinzu: "Wer über begrenzte Mittel verfügt, für den genügt ein einziges Tuch aus einem der beiden Stoffe." Auf die Frage, ob mit den "fünf Tüchern" `fünf Leichentücher von voller Länge` oder `fünf Tücher, wie sie seither gebräuchlich waren`, gemeint sind, antwortete Baha'u'llah, daß "die Verwendung von fünf Tüchern gemeint" ist. Zur Art und Weise, wie der Leichnam unter Verwendung von "fünf Tüchern" oder von nur "einem ... Tuch" eingehüllt werden soll, ist in der Schrift nichts enthalten. Gegenwärtig steht den Baha'i frei, in dieser Sache nach ihrem Ermessen zu verfahren.


Zitat:
152.
"Es ist euch verboten, den Leichnam mehr als eine Stunde Weges aus der Stadt zu bringen"

Der Zweck dieses Verbots ist, die Zeitdauer des Leichentransports auf eine Stunde zu begrenzen, unabhängig vom Transportmittel für den Weg zur Begräbnisstätte. Baha'u'llah betont: "Je früher das Begräbnis stattfindet, desto angemessener und annehmbarer ist es." Als Ort des Todes kann die gesamte Stadt oder Gemeinde, in der der Verstorbene verschied, aufgefaßt werden. Somit kann der einstündige Transport von der Stadtgrenze bis zur Begräbnisstätte gerechnet werden. Nach dem Geist des Gesetzes Baha'u'llahs soll der Verstorbene nahe dem Ort seines Todes begraben werden.

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"Die Trübsale dieser Welt gehen vorüber, und was uns bleibt, ist das, was wir aus unserer Seele gemacht haben." Shoghi Effendi