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Er war mein erstes Wunschkind












Liebe Reh,
auch ich weiß, wie sich eine Mutter fühlt, wenn sie ihr heißgeliebtes Kind hergeben muß.Mein Sohn ist vor 10 Jahren mit 23 Jahren, wie Dein Sohn, gestorben, plötzlich und ohne Vorwarnung. Er war mein erstes Wunschkind und hat mir nie große Sorgen gemacht. Als ich die Nachricht von seinem Tod bekommen habe, er studierte in Köln, brach für mich meine Welt, mein Glaube an Gott, den "gerechten und gütigen" Gott vollkommen zusammen. Ich fragte mich immer wieder: Warum gerade mein Kind, das noch kaum gelebt hatte. Ich fand keine Antwort. Ich wich allen Menschen aus, die mir mir trivialen Worten - in ihrer Unwissenheit, denn wer kann ermessen, wie man sich selber fühlt - Trost spenden wollten. Ich ging nur in der Dämmerung auf den Friedhof, weil ich gewiß war, dann niemanden zu treffen.
Irgendwann hatte ich mich auch der Gruppe "verlassene Eltern" angeschlossen, in der Hoffnung dort Trost zu finden. Was mir dann aber letztendlich ein bißchen geholfen hat, war meine Musik, bei der ich immer schrecklich weinen mußte und mein Versuch, mir meinen Kummer von der Seele zu schreiben. Ich verfaßte Briefe an mein verstorbenes Kind und unterhielt mich so mit ihm. In Gedanken war ich so ganz nah bei ihm und die schreckliche Ahnung und Angst, daß die Erinnerung an ihn immer schwächer und blasser wird, war ein wenig gelindert.
Im Laufe der Jahre bleiben Dir dann meist nur die schönen, wertvollen Augenblicke mit Deinem Kind in Erinnerung. Alles negative verblaßt, nicht aber die Dinge, an die wir uns gerne zurück erinnern. Du wirst sehen, so blöd der Satz auch klingt, vor allem so kurz nach einem solchen Verlust, "die Zeit heilt alle Wunden". Er stimmt zwar so nicht ganz, denn heilen kann man eine solche Wunde nicht. Aber die Schmerzen, das unsagbar bittere Gefühl des Verlustes wird leichter und auch du wirst wieder lächeln können - und sei es auch am Anfang nur über die Erinnerungen an lustige Ereignisse, die Du mit Deinem Kind erlebt hast. Ab diesen Zeitpunkt wird für Dich die Welt wieder bunt. Such Dir am Nachhimmel einen Stern aus und stell Dir vor, daß dort Dein Kind sitzt und auf Dich herunterschaut, auch so kannst du mit ihm Kontakt aufnehmen. Sei sicher, daß du jetzt einen Schutzengel mehr hast. Du wirst in Zukunft noch oft merken, daß er ganz nah bei Dir ist.
Wenn du Hilfe möchtest, Du kannst mir gerne unter meiner meil Adresse schreiben ulrike.stiefl@web.de.
Ulrike
Forum -> Spiegel- und Reflexionsforum I


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