Ist der Mensch wirklich ein Sünder?


Liebe Leute, Suchende und Findende,
das ist ja toll, was hier abgeht! Da muss ich gleich auch mal mitmischen:
Den Beitrag von Thomas vom 11.7. kann ich voll unterschreiben, es gibt so viele Wege - und auch Irrwege. Man muss sie alle gehen, wenn man in die Mitte will.
Kann man denn je sicher sein? Dazu ist dieses Leben nicht gedacht. Alles wandelt sich.

Ich bin mir jetzt sicher in meiner Beziehung zu Gott.
Aber das war nicht immer so und es wird auch wieder anders werden.
Denn meine Erfahrung ist, dass es eine spiralige Entwicklung ist hin zu Gott. Immer wieder stoße ich an Hürden, falle aus der Sicherheit heraus, muss wieder suchen und finde wieder Sicherheit, Geborgenheit auf einem anderen (höheren?) Niveau - eine Zeitlang. Ich glaube, dass so Leben ist.

Wie finde ich zu Gott, diese Frage hat Sucher gestellt, woher habt Ihr die Sicherheit Eures Glaubens.

Wie schon gesagt, viele Wege führen nach Rom.
Hier der meine: Ich war Atheistin, aber neugierig. Jemand mit dem ich gestritten habe (der Abt von Weltenburg!) sagte mir, wenn ich einen Beweis für Gott haben wolle, dann müsse ich Gott darum bitten.
Ha! Ich habe es trotzdem getan und eine Gotteserfahrung bekommen.
Heiko sagt das so, man müsse Gott die Chance geben, mich zu finden.
Man muss, so glaube ich, die Türe ein kleines bißchen öffnen. Dann kommt Gott schon und klemmt sich durch den Spalt.

Sucher, wenn Du immer mehr in Deine Mitte kommst, dann müßtest Du dort doch aber Gott finden? Für mich ist meine Mitte, mein Inneres Selbst, meine Seele in direkter Verbindung mit Gott. Und wenn ich bei einer Meditation Glück habe, dann verliere ich mich in Gott. Das ist eine unendlich schöne Sache. Und dann bin ich mir so sicher, wie man überhaupt nur sicher sein kann, dass es Gott gibt, dass er mich liebt, und dass alles gut ist.

Aber es gibt auch dunkle Zeiten, wo ich keinen Kontakt zu Gott habe. "Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu Dir! Herr, höre meine Stimme!" Ja, die alten Hebräer wußten von den Glaubenskrisen.

Die gehören dazu. Wir sind nämlich auf der Erde.
Inanna
Danke Inana, du sprichst mir aus der Seele,
Gruß Heiko

Ps: Nicht immer!
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Man kann eine Lebenssituation erst dann beurteilen, wenn man sie verändert hat!
Hallo Heiko,
das wäre doch aber schrecklich, wenn ich Dir immer aus der Seele spräche - dann wären wir Zwillingsseelen und keine Individuen mehr.
Inanna
Hallo, Inanna,

>Sucher, wenn Du immer mehr in Deine Mitte
>kommst, dann müßtest Du dort doch aber Gott
>finden?

Das ist nicht unbedingt die Folge. Ich kenne viele Menschen, die in ihrer Mitte das NICHTfinden Gottes gefunden habe, die tiefe Überzeugung, dass es Gott NICHT gibt.

> Für mich ist meine Mitte, mein Inneres Selbst,
> meine Seele in direkter Verbindung mit Gott.

Das ist gut. Für Dich. Aber ich denke, wenn es wirklich viele Wege zu Gott gibt, kann es durchaus auch einen geben, der gerade von Gott WEG führt, und dennoch nicht in die Sinnlosigkeit führt. Ich glaube, ein Atheist, der von seiner Erkenntnis, dass Gott NICHT ist, zutiefst überzeugt ist, kann genauso glücklich und in sich ruhend sein, wie ein Gläubiger.

Ich merke das ja an mir: Meine Suche wurde im Laufe der Zeit immer "gelassener", und zwar AUCH, je mehr ich an meinem Wunsch, "Gott" zu finden, zweifelte.

Ist schwer zu erklären, sorry. Vielleicht gelingt mir das ja irgendwann mal.

Liebe Grüsse

Sucher
Lieber Sucher,
also theoretisch kann ich mir das ja vorstellen, dass der Weg in die Mitte auch ins Nichts führt (wobei vielleicht das Nichts nur ein anderes Wort für Gott ist) oder von Gott weg. Du schreibst, ein solcher Mensch kann genauso glücklich und in sich ruhend sein wie ein Gläubiger.
Das glaube ich auch. Ich kenne Menschen, die mit Religion und Gott nichts anfangen können, und die doch sehr hohen ethischen und humanistischen Idealen entsprechen.
Aber das unendliche Glücksgefühl, sich aufzulösen in Liebe .... das, so glaube ich, geht Euch dann doch ab. Und das ist schade.
Inanna
Hallo Sucher, auch das ist o.k.

Es ist weit besser, sich das Gefühl Gott fern zu sein einzugestehen, als zu frömmeln. Sehe es aber als Phase an, es kommen dann wieder Phasen in denen Du Dich Gott sehr nahe fühlst. Wisse auch dass es in Wirklichkeit nicht geht, Gott fern zu sein. Es ist lediglich eine Illusion. Wisse auch das Gott weiterhin zu Dir spricht, tausendfältig. In diesem Wissen kann die „gottesferne Phase“ nicht allzu lange andauern.

Ein großer Fehler der von vielen Christen begangen wird ist der Gedanke, wir seinen Gottes nicht würdig. Die Liebe der Mutter gilt all ihren Kindern um wie viel mehr gilt das für Gott!

„Ich alleine kenne die Mühen, Dich einen Schritt des Tanzes zu lehren.

Dein Gott“
Hallo Sucher,

Zitat:
Ich glaube, ein Atheist, der von seiner Erkenntnis, dass Gott NICHT ist, zutiefst überzeugt ist, kann genauso glücklich und in sich ruhend sein, wie ein Gläubiger.


So sehe ich das auch! Ich glaube auch nicht, das Gott sich daran stört und einen guten Menschen verurteilt, nur weil er nicht an ihn glaubt! Und glauben heißt ja auch "nicht wissen", also 100% sicher bin ich mir auch nicht. Ich bin aber kein Perfektionist, wenn es 95% sind, dann ist das Wahrheit, basta! Außerdem ein bischen Spannung muß ja bleiben.

Gruß Heiko
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Man kann eine Lebenssituation erst dann beurteilen, wenn man sie verändert hat!
Hallo, Martin,

ich lasse das auch mehr und mehr und immer gelassener offen. Irgendwo schrieb ich, dass ich mich eigentlich "Frager" nennen müsste, aber leider kann man hier seinen Nickname nicht ändern....

Manchmal denke ich, dass ich umso freier werde, je offener ich für Glauben UND Nichtglauben bin...

Liebe Grüsse

Sucher
Das gefällt mir, Heiko

Liebe Grüsse

Sucher
Hallo Sucher,
"Manchmal denke ich, dass ich umso freier werde, je offener ich für Glauben UND Nichtglauben bin... "
das erinnert mich daran, dass in tiefer Meditation die Widersprüche sich auflösen, übrig bleibt nur das SEIN.
Vielleicht näherst Du Dich auf Deinem Weg denselben Dingen und Zuständen?
Inanna

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