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Hallo,
ich bin sehr froh, dass ich endlich ein Forum gefunden habe, in dem ich mit anderen über meine Sorgen und Ängste diskutieren kann.
Am 7. Januar diesen Jahres ist mein Vater nach 1 1/2-jährigem Leidensweg an den Folgen seines fünften Schlaganfalles gestorben.
Es hat alles ganz harmlos angefangen: die ersten beiden kleinen Schlaganfälle im September 2004. Sie blieben ohne Folgen. Mein Vater hat davon eigentlich keine Schäden zurückbehalten. Dann der dritte Schlaganfall im Mai 2005. Danach war sein linker Arm gelähmt. Im Juli 2005 dann die Gehirnblutung mit linksseitiger Lähmung - wir bangten an seinem Bett und waren froh, dass er uns nicht so gesehen hat. Er hätte wahrscheinlich uns getröstet, nicht wir ihn. Danach kam er in Reha. Wir hatten wirklich die Hoffnung, dass er mit einer Gehhilfe wieder laufen lernen würde, aber es war vergebens. Es klappte nicht mehr. Mein Vater saß im Rollstuhl. Angebunden mit Gurten, damit er nicht nach vorne umfällt. Gewindelt. Essen konnte er zu diesem Zeitpunkt noch selbst. Wenn ich meine Eltern besuchte und bei meinem Vater saß, sah er mich immer groß an und sagte:"Ich will nicht mehr, so kann ich nicht mehr weitermachen". Das sagte er mir immer wieder. Aber wir redeten auf ihn ein, er müsse doch weitermachen für uns und seine Enkel. Wir dachten, es muss einfach sein.
Im November 2005 bekam mein Vater dann den fünften Schlaganfall. Da er zu dieser Zeit schon bettlägrig war und auch nicht mehr selbstständig essen konnte, hat nicht mal jemand bemerkt, dass er nun auch rechtsseitig gelähmt war. Er konnte die Augen nicht mehr öffnen. Nicht mehr reden, sich nicht mehr bewegen - er vegetierte. An Heilig Abend kam er mit sehr starken Atembeschwerden ins Krankenhaus. Bevor sie ihn in den Krankenwagen schoben, sah er nochmal an seinem Elternhaus hinauf, er wußte, dass er es nie wieder sehen würde. Im Krankenhaus haben sie dann seinen Schleim 3 mal abgesaugt. Es wurde besser. Nach zwei Wochen an einem Montag sagte man uns, er könne wohl bald nach hause. Mittwochs bekam er dann wieder Atembeschwerden. Er wurde wieder abgesaugt. Mein Vater quälte sich. Donnerstags hatte er dann Atemaussetzer. Mein Bruder und ich waren bei ihm, und jedes mal, als sein Atem aussetzte, meinte ich, ich müsste ihn wachrütteln. Es war grausam. Am nächsten Tag bestellten wir den Pfarrer. Er ist aus unserem Ort und hat meinen Vater sehr gut gekannt. Mein Vater war kein "Kirchengänger", er sagte immer: "Der liebe Gott ist auch im Wald". Er und der Pfarrer kannten sich über die Musik. Mein Vater war Musiker. Der Pfarrer weinte, als er in das Krankenzimmer kam und ihn sah. Das werde ich nie vergessen.
Am Tag darauf, Freitag, der 7. Januar 2006, ging es meinem Vater sehr, sehr schlecht. Die Schwestern und die Ärzte sagten uns, wir sollten ihn nicht mehr alleine lassen. Am Abend riefen wir seinen besten Freund an, und fragten, ob er nicht nochmal kommen wolle. Er kam. Als er das Zimmer betrat, war mein Vater plötzlich hellwach. Er hatte die Augen geöffnet, drehte sich zu seinem Freund (er war ganz gelähmt, aber es ging irgendwie trotzdem, wir haben es mit eigenen Augen gesehen), und versucht ihm irgendetwas zu sagen. Es klappte leider nicht. Als sein Freund so gegen 22 Uhr nach hause ging, bekam mein Vater kalte Hände. Da wußte ich, es dauert nicht mehr lang. Um 0.32 in dieser Nacht starb mein Vater mit einer Träne im Auge und mit einem Lächeln im Gesicht. Er hat während seiner letzten Atemzüge irgendetwas gesehen, dass weiß ich. Ich glaube, er sah seine Eltern, nach denen er sich sein gesamtes Leben lang gesehnt hat. Sie haben ihn dort empfangen, da, wo er jetzt ist. Dass weiß ich. Er starb mit 66 Jahren. Es waren sehr viele Menschen bei seiner Beerdigung. Der Pfarrer weinte wieder. Er hatte ihn wirklich gern gehabt. Für mich ist es, als würde jetzt ein Stück meines Herzens fehlen, so eine Ecke meines Herzens ist nicht mehr da. Jetzt, wo alles ein paar Wochen her ist, wird die Trauer so richtig schwer. Lachende Menschen machen mich traurig. Obwohl er bestimmt nicht gewollt hätte, dass wir traurig sind. Das sage ich mir immer wieder und es tröstet auch so ein kleines bisschen. Er war immer ein lustiger Mensch und hat anderen Menschen mit seiner Musik Freude gemacht. Er fehlt uns so sehr!
Es ist so schwer, es überhaupt zu akzeptieren, dass er jetzt nicht mehr da ist. Das er oben auf dem Friedhof liegt. Einfach unvorstellbar. Obwohl ich von tiefstem Herzen daran glaube, dass sein Geist noch bei uns ist. Im Wohnzimmer habe ich ein Bild von ihm und immer eine Kerze dabei brennen.
Ich hoffe, ich habe euch mit meiner langen Geschichte nicht zu sehr genervt. Aber ich bin froh, dass ich es mal jemandem erzählen konnte. Es ist toll, dass es so ein Forum gibt.
Danke,
Karinchen
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