Foren-Übersicht
Impressum | Login | Registrieren | Forum | Suche

Baha'u'llah - Eine Einführung












Erst wenn die Lampe des Suchens, des ernsten Strebens, des sehnlichen Verlangens, der leidenschaftlichen Ergebung, der glühenden Liebe, der Verzückung und Ekstase im Herzen des Suchers entzündet ist und der Hauch der Gnade Gottes über seine Seele weht, wird das Dunkel des Irrtums vertrieben, werden die Nebel des Zweifels und der Ängste zerstreut werden, die Lichter der Erkenntnis und Gewißheit sein Wesen einhüllen... Dann werden die mannigfachen Gunstbeweise und die Gnadenströme des heiligen, ewigen Geistes dem Sucher solch neues Leben verleihen, daß er sich mit einem neuen Auge, einem neuen Ohr, einem neuen Herzen und einem neuen Geist beschenkt sieht... Er wird mit dem Auge Gottes schauen und in jedem Atom ein Tor erblicken, das ihn zu den Stufen völliger Gewißheit führt. In allen Dingen wird er... die Beweise ewiger Verkündigung entdecken...
Wenn die menschliche Seele gleich einem Kanal von allen weltlichen, hemmenden Verhaftungen gereinigt ist, wird sie unfehlbar den Odem des Geliebten über unermeßliche Entfernungen hin verspüren und, von seinem Duft geführt, die Stadt der Gewißheit erreichen und betreten...
Diese Stadt ist nichts anderes als das Wort Gottes, das in jedem Zeitalter und in jeder Sendung offenbart wird... Alle Führung, aller Segen, alles Wissen, alles Erkennen, aller Glaube und alle Gewißheit, die allem im Himmel und auf Erden verliehen wurden, sind in diesen Städten verborgen und verwahrt..."
Die Verkündigung im Garten Rivan

Im Jahre1863 hielt Baha'u'llah die Zeit für gekommen, einige Seiner Gefährten mit Seiner Sendung vertraut zu machen, die Er im Dunkel des Siyah-Chal empfangen hatte. Dieser Entschluß Baha'u'llahs fiel zusammen mit einer weiteren Eskalation der schonungslosen Kampagne, welche schiitische Geistliche und Vertreter der persischen Regierung gegen Sein Werk entfachten. Aus Furcht, die unverhohlene Zustimmung, die Baha'u'llah unter einflußreichen Besuchern aus Persien fand, fache in Persien die Begeisterung des Volkes erneut an, drängte die Regierung des Schahs die osmanischen Behörden, Baha'u'llah weiter weg von der Grenze ins Innere ihres Reiches zu verlegen. Schließlich gab die türkische Regierung diesem Druck nach und lud den Verbannten ein, als ihr Gast Seinen Wohnsitz in die Hauptstadt, nach Konstantinopel, zu verlegen. Trotz der höflichen Formulierung war das Schreiben so gehalten, daß ihm widerspruchslos Folge zu leisten war.
Schon damals war die ganze Hingabe der kleinen Exilgemeinde auf Baha'u'llah gerichtet. Viele waren bereits überzeugt, daß Er nicht nur als Protagonist des Bab auftrat, sondern für die viel größere Sache, die - wie vom Bab angekündigt - unmittelbar bevorstand. Diese Überzeugungen wurden Ende April 1863 zur Gewißheit, als Baha'u'llah am Vorabend Seiner Abreise nach Konstantinopel einzelne Gefährten in einem Garten, der später den Namen Rivan ("Paradies") erhielt, zusammenrief und ihnen Seine Mission eröffnete. Auch wenn in den folgenden vier Jahren eine öffentliche Verkündigung nicht ratsam schien, überbrachten die Eingeweihten doch nach und nach ihren vertrauten Freunden die Botschaft, daß die Verheißung des Bab erfüllt und der "Tag Gottes" angebrochen war.
Die genauen Umstände dieser vertraulichen Eröffnung sind, wie es ein Kenner dieser Zeit formuliert, "in ein Dunkel gehüllt, das künftige Geschichtsschreiber nur schwer werden durchdringen können". Die Bedeutung dieses Geschehnisses läßt sich zahlreichen Hinweisen Baha'u'llahs in späteren Schriften entnehmen:

"Die Absicht, die der ganzen Schöpfung zugrundeliegt, ist die Offenbarung dieses erhabensten, dieses heiligsten Tages, des Tages, der als der Tag Gottes in Seinen Büchern und Schriften bekannt ist - der Tag, den alle Propheten, die Auserwählten und die Heiligen miterleben wollten."

"... Dies ist der Tag, an dem die Menschheit das Angesicht des Verheißenen schauen und Seine Stimme hören kann. Gottes Ruf ist erhoben, und das Licht Seines Antlitzes ist über den Menschen aufgegangen. Ein jeder sollte die Spuren jedes eitlen Wortes von der Tafel seines Herzens löschen und mit offenem, unvoreingenommenem Sinn fest auf die Zeichen Seiner Offenbarung, die Beweise Seiner Sendung und die Zeichen Seiner Herrlichkeit schauen."

Wie Baha'u'llah in Erläuterung der Schriften des Bab vielfach betont, ist der Hauptzweck der Offenbarung, den Charakter der Menschen zu wandeln, das heißt, bei denen, die auf Seinen Ruf antworten, die in der menschlichen Natur latenten sittlich-geistigen Tugenden zu entwickeln:

"Veredelt euere Zunge durch Wahrhaftigkeit, o Menschen, und ziert euere Seele mit dem Schmuck der Ehrlichkeit. Hütet euch, o Menschen, daß ihr nicht gegen jemanden falsch seid. Seid Gottes Treuhänder unter Seinen Geschöpfen und die Wahrzeichen Seiner Großmut unter Seinem Volke..."

"Erleuchtet und heiligt euere Herzen. Entweiht sie nicht mit den Dornen des Hasses und den Disteln der Bosheit. Ihr wohnt in einer Welt und seid durch das Wirken eines Willens erschaffen. Selig ist, wer sich mit allen Menschen im Geiste größter Freundlichkeit und Liebe vereinigt."
Aggressive Proselytenmacherei, die in früheren Zeiten immer wieder die religiöse Mission kennzeichnete, ist des Tages Gottes erklärtermaßen unwürdig. Wer Gottes Offenbarung erkennt, soll die an dieser Erkenntnis teilhaben lassen, die er für Sucher hält, es aber ihnen selbst überlassen, wie sie auf diesen Anruf reagieren:

"Erweist einander Langmut, Wohlwollen und Liebe. So jemand unter euch eine bestimmte Wahrheit nicht zu erfassen vermag oder sich um ihr Verständnis bemüht, so sprecht mit ihm voller Güte und in bester Absicht."

"Die ganze Pflicht des Menschen liegt an diesem Tage darin, seinen Teil an der Gnadenfülle zu erlangen, die Gott für ihn strömen läßt. Deshalb sollte niemand der Größe des Gefäßes achten..."

Vor dem Hintergrund der blutigen Geschehnisse in Persien kündet Baha'u'llah Seinen Anhängern: "Es ist besser für euch, getötet zu werden, als selbst zu töten"; ja, Er drängt sie sogar, den Behörden Musterbeispiele des Gehorsams zu liefern: "Die Angehörigen dieses Volkes müssen sich, wo immer sie wohnen, der Regierung des Landes als treu, ehrbar und wahrhaftig erweisen."
Die Verhältnisse bei Baha'u'llahs Abreise aus Bagdad demonstrierten anschaulich die Macht dieser Grundsätze. In wenigen Jahren war eine Schar verbannter Ausländer, die bei ihrer Ankunft auf den Argwohn und die Ablehnung ihrer Nachbarn gestoßen waren, zu einer höchst angesehenen, einflußreichen Bevölkerungsgruppe geworden. Sie waren wirtschaftlich unabhängig durch ihre erfolgreiche Geschäftstätigkeit. Wegen ihrer Großzügigkeit und Integrität wurden sie bewundert. Die von persischen Konsulatsbeamten und schiitischen Klerikern emsig ausgestreuten Vorwürfe, sie seien fanatisch und gewalttätig, hatten keinen Einfluß mehr auf die öffentliche Meinung. Als Baha'u'llah am 3. Mai 1863 in Begleitung Seiner Familie und der Gefährten, die mit Ihm nach Konstantinopel reisen sollten, aus Bagdad wegritt, war Er eine populäre, allgemein verehrte Gestalt. In den Tagen vor diesem Abschied war ein ganzer Strom von Honoratioren, unter ihnen der Provinzgouverneur, viele von weither, in den Garten gekommen, in dem Er vorübergehend Wohnung genommen hatte, um Ihm ihre Reverenz zu erweisen. Augenzeugen der Abreise beschrieben in bewegenden Worten die jubelnden Zurufe, die Tränen in den Augen vieler Zuschauer und die Beflissenheit der osmanischen Beamten und Dienststellen, ihrem Staatsgast Ehre zu erweisen.
"Gottes unwandelbarer Glaube"

Nach der Bekanntgabe Seiner Sendung im Jahre 1863 begann Baha'u'llah ein Thema zu vertiefen, das Er bereits im Buch der Gewißheit behandelt hatte: der Wille Gottes als die gestaltende Macht in dem Entwicklungsprozeß der latenten geistig-sittlichen Fähigkeiten im Menschen. Dieses Thema nimmt während der verbleibenden dreißig Jahre Seines Lebens in Seinen Schriften eine zentrale Stellung ein. Die Wirklichkeit Gottes, versichert Er, ist und bleibt unerforschlich. Menschliche Rede über das Wesen Gottes ist Ausdruck menschlicher Existenz, das Resultat menschlichen Bemühens, menschliche Erfahrungen zu beschreiben:

"Fern, fern von Deiner Herrlichkeit sei, was der sterbliche Mensch von Dir aussagen oder Dir zuschreiben kann, oder der Lobpreis, mit dem er Dich zu verherrlichen vermag! Was immer Du Deinen Dienern geboten hast, damit sie Deine Majestät und Herrlichkeit aufs höchste preisen, ist nur ein Zeichen Deiner Gnade für sie, auf daß sie fähig werden, zu der Stufe aufzusteigen, die ihrem innersten Wesen verliehen wurde, der Stufe der Erkenntnis ihres eigenen Selbstes."
"Jedem verständigen, erleuchteten Herzen ist es offenbar, daß Gott, die unerforschliche Wesenheit, das göttliche Sein, unermeßlich erhaben ist über alle menschlichen Merkmale wie leibliche Existenz, Aufstieg und Abstieg, Ausgang und Rückkehr. Fern sei es Seiner Herrlichkeit, daß des Menschen Zunge angemessen Sein Lob künden oder des Menschen Herz Sein unergründliches Mysterium erfassen könnte. Er ist und war von jeher in der altehrwürdigen Ewigkeit Seines Wesens verhüllt und wird in Seiner Wirklichkeit dem Schauen der Menschen ewiglich verborgen bleiben..."
Forum -> Baha'i-Religion

Zurück  
1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9  Weiter
Ähnliche Themen
Ich Christ liebe eine Muslima... Problem
Auf ein Wort - Eine Reise zum Gipfel der Philosophie
Eine frage zur Bahai!
Auch wenn es eine Nachricht ist - "Korankonferenz"
Eine Frage zum Verständnis
LOST - Eine Fernsehserie ohne Ausweg
Kistenweise Propaganda und eine scharfe Waffe
Bewiesen, dass jeder Mensch eine Seele hat?
Eine Frage zu Gott
Hättet ihr eine Frage...