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Durch die Stichworte 'Naturwissenschaft und Religion' wird ein Spannungsverhältnis bezeichnet, das sich vermutlich niemals ganz auflösen lässt. Naturwissenschaft treibt Objektivierung und Kausalanalyse ins Extrem, während die Religion Subjektivität und Sinn auf ihren letzten Grund hin befragt. Manche Theologen, z.B. Karl Barth, haben daraus den Schluss gezogen, dass Naturwissenschaft und Glaube nichts Gemeinsames haben, so dass jeder beruhigt seinem Geschäft nachgehen könne. In dieser Sichtweise würden die großen Konflikte, wie der um Galilei oder um Darwin, auf einem Missverständnis beruhen. Religiös gesehen ist es ja in der Tat gleichgültig, ob sich die Erde um die Sonne dreht oder umgekehrt.
Es ist aber unmöglich, alle Konflikte auf diese elegante Art zu entsorgen. Wenn Darwin recht hat, dann wird die Religion in der Tat überflüssig, weil die Evolution hinreichend ohne das Wirken eines Schöpfergottes verstanden werden kann und der Mensch in dieser Sichtweise seine Stellung als 'Krone der Schöpfung' verliert. Die katholische Kirche reagierte auf diese Situation zunächst mit einem 'Anathema' und die Anhänger der 'Intelligent Design'-Bewegung tun dies heute noch. Klügere Theologen wie Teilhard de Chardin oder Karl Rahner sahen allerdings sehr früh, dass diese 'einfache' Lösung nicht gangbar ist, denn sie würde darauf hinauslaufen, Naturwissenschaft abstrakt zu negieren. Tatsächlich akzeptieren Teilhard und Rahner zunächst einmal die Ergebnisse der Evolutionstheorie, machen aber auf einen blinden Fleck in dieser Theorie aufmerksam: Der Mensch kommt hier als 'Mensch' nicht vor, sondern als genetisch programmierte Maschine. Die Evolutionstheorie ist daher nicht einfach falsch, sondern ungenügend. Die heutige Leib-Seele-Debatte bestätigt diese Auffassung, wonach es im Menschen irreduzierbare Qualitäten gibt. |
[Hans-Dieter Mutschler, Univ. Krakau ('Physik und Religion', 'Ist der Geist berechenbar?')]
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