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Interreligiöser Dialog - bringt nichts












Hallo robinson,

Eigentlich ist es auch so, das möchte nur keiner wahrhaben.
Hi liebes Forum!
Wollte mal fragen, was für Erfahrungen denn ihr mit dem interreligiösen Dialog (nennen wir es in Kürze mal IRD ) in der Praxis so gemacht habt? Fällt das leicht? Sowohl das auf den anderen eingehen wie auch das Festhalten am eigenen Glauben?
Habe hier irgendwo einen Beitrag gelesen, dass der IRD ja ein schönes hehres Ziel sei, aber leider von vielen nur „pseudomäßig“ angewendet wird, gerade von den Führern der Religion.

Im Folgenden hier mal meine Gedanken dazu + Erfahrungen neulich auf der Straße mit dem IRD 
Erstmal denke ich, dass IRD nicht nur ein schönes, ideales Ziel ist, sondern ganz dringend NOTWENDIG…wenn man die vielen religiösen Konflikte betrachtet einerseits, und andererseits das Potential, das in allen Religionen enthalten liegt. (Siehe dieses Forum!)
IRD ist – egal ob auf hoher Ebene zwischen Religionsführern, oder mit dem Nebenmann – nicht leicht, weil meist das Trennende betont wird und Gemeinsamkeiten dann nicht gesehen werden (Ausnahme: die so unglaublichen IRD- liebenden Bahai ).
Ich hatte z.B. neulich ein Gespräch mit einem Christen, der stets das absolut unvereinbar trennende zwischen Bahai-Glaube und Christentum hervorhob. Was das ist, dazu gleich.
Habt ihr schon mal vom „Markt der Religionen“ gehört? Auf dem soll ja hoher Wettbewerb herrschen und man muss sich „gegen die Anderen“ positionieren – denn, wie „wahr“ kann denn der eigene Glaube sein, wenn auch andere glauben, aber an einen Anderen (womöglich einen „Nachfolger“)?
Vor diesem Hintergrund lässt sich vielleicht folgende Situation besser verstehen.
Ich war mit dem Rad in der Stadt unterwegs, dicke dunkle Wolken über mir. Gerade fiel der erste Tropfen, da hielt mich ein sympathisch aussehender junger Mann an mit der Bitte, ob er mir eine Frage stellen könne – wie ich so bin, sage ich da meistens ja 
Er wollte dann wissen, ob ich bereit wäre, vor meinen Schöpfer zu treten, wenn jetzt irgendwas passieren würde, was dazu führe. Erster Gedanke von mir war: Oha, das ist doch keine normale Umfrage. Zweiter Gedanke: will er mich hier jetzt irgendwie umbringen?
Es stellte sich dann aber bald heraus, dass er mitsamt Bibel auf der Straße steht, weil er Jesus liebt und er seine Mitmenschen wieder an Ihn erinnern will – was mich recht beeindruckt hat. Mag sein, dass er zu einer der Gruppen gehört, die immer stärker Leute ansprechen, egal wo, und dafür auch trainiert werden, aber aus diesen leuchtenden Augen meines Gegenübers sprach wirklich Liebe und Hingabe. Er war dann auch erst ganz begeistert als ich sagte, dass ich an Gott glaube, an ein Leben nach dem Tod, und dass ich daher hoffe, dass mir mein gelebtes Leben von Gott gnädig anerkannt wird, wenn ich auch das Gefühl hätte, lieber noch mehr Lebenszeit zu nutzen, ehe…. Wir kamen dann auf die Bedeutung von Religion in der heutigen Gesellschaft, wie schade es ist, dass immer weniger danach gelebt wird bei uns – Zerfall von Ehen, Ungerechtigkeit, Hass… Wir waren uns einig über Existenz und das Leben der Seele, nach dem Tod usw., über das Senden von Gottesoffenbarern zur Erkenntnis Gottes – bis ich dann sagte, dass ich seine Vorstellungen zwar teile, aber nun Bahai sei. „Oh! Keine Christin…“

Das war dann der Endpunkt der Annäherung, plötzlich war alles Gemeinsame wie weggespült und mir wurde vor allem Mitleid zuteil, die richtige Einstellung zu haben, aber „den falschen Weg“ zu gehen, und ihm wurde dementsprechend Verständnis für seine Einstellung aber auch Bedauern zuteil, dass sich da plötzlich – trotz allem vorher erarbeiteten Übereinkommen, und meiner Übereinstimmung mit seinen Aussagen – plötzlich so ein Graben auftat. Und so haben wir einige Zeit lang eigentlich nur noch Sätze getauscht, die mit „Ja, aber…“ hätten anfangen können. Das tat mir sehr leid, denn ich konnte ja seine Sichtweise verstehen, dass man sich an Jesus halten müsse, aber ich glaube nun nicht an EINE absolut ewig gültige Gottesoffenbarung, sondern, dass Christus in seinem Wesen heute wiedergekommen ist, um uns u.a. „zu sagen, was wir früher noch nicht bereit waren zu hören“, wie es auch in der Bibel versprochen wurde. Aber: „Wie kannst du an Jesus glauben und nicht den Gott der Bibel anbeten?“ – „Es gibt keinen Gott der Bibel, glaube ich. Ich glaube vielmehr, dass alle Gottesoffenbarer von derselben göttlichen Quelle kommen.“ - „Aber, dann glaubst du, dass die Wahrheit relativ ist, das kann doch nicht sein.“ „Nicht die Wahrheit ist relativ, aber der Teil, der uns offenbart wird, erfolgt stets in Relation zu unserem jeweiligen Verständnis“...Usw.

Und das Trennende manifestiert sich dann meistens in folgendem Bibelzitat:
„Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben, niemand kommt zum Vater außer durch mich“. Während ich dem Bibelzitat natürlich zustimmte – denn wie kann man zu Gotteserkenntnis kommen außer über seine Offenbarer – war der trennende Punkt, dass ich „außer durch mich“ nicht nur auf Jesus Christus beziehe, während er als Christ jeden Nachfolgegedanken ablehnte. „Der einzige Weg führt NUR über Jesus und die Bibel, dort ist alles enthalten, mehr braucht es nicht“.
Ähnliches erlebte ich in Gesprächen mit Muslimen, „Muhammad“ als das Siegel der Propheten, damit der Einzige, der abschließende Autorität besitzt. Ähnlich lehnten die Juden Jesus als Messias ab, weil er nicht so schien wie der Verheißene – immer wieder steht das Verständnis der Bedeutung und Auslegegung von Gottes Worten hinderlich zwischen den Menschen. Es scheint schwer, sich freizumachen von Namen, Vorurteilen und Absolutismus – denn mit dem „eigenen“ Glauben ist ja auch die eigene Identität verbunden und es erschüttert einen ja schon in den Grundfesten, wenn man mit anderen „Wahrheiten“ konfrontiert ist. Demnach ist für mich verständlich, warum viele den IRD scheuen, weil sie nicht aufgeben wollen, was sie gefunden haben und lieben – und darin liegt ja auch etwas Gutes – ein Zeichen tiefer Verbundenheit mit dem Glauben (mal positiv gesehen ).
Auch glaube ich, z.B. ist es für einen Bahai mit am leichtesten in den IRD zu treten – da man die herausfordernde Auffassung in sich trägt, dass Christus, Mose, Muhammad, Buddha in Baha’u’llah wiedergekommen sind. Andere geraten da schnell in Verteidigungshaltung.
Ich muss aber sagen, dass das Gespräch in der Stadt mich sehr berührt hat, wir standen da im strömenden Regen über eine Stunde und ich fand es immerhin schön, dass wir schließlich (an)erkannt haben, dass „du auf deine Art glaubst, ich auf meine, aber beide glauben wir“ .
Sorry, für die Länge dieses Beitrags. Aber kürzer ging nicht.
Würde mich wahnsinnig freuen, von euren Erfahrungen mit dem IRD zu hören.
Lg, Anke
Liebe Anke

Sei herzlich willkommen im Forum.
Einen Tollen Beitrag hast Du da geschrieben. Er beschreibt auch die weit verbreitete "Hilflosigkeit" im Umgang mit "anderen" Religionen. Vor einiger Zeit hab ich die "Botschaft an die rel. Führer der Welt" vom UHG, einem Pfarrer überbracht, der eigentlich einer meiner geistigen Väter ist. Ich spürte wie überrascht er war fast fassungslos und gar nicht auf den Umgang mit anderen Religionen eingestellt. Ich kenne aber auch viele sehr nahe Seelen, mit denen mich eine tiefe geistige Freundschaft verbindet, obwohl oder gerade weil wir aus verschiedenen "Richtungen" auf ein und dieselbe Sache blicken. Leider machen auch viele Menschen gleich zu, wenn sie nur das Wort Religion hören.

Alles Liebe
Hallo Anke,

Willkommen auch! Die (schlechte) Erfahrung, die Du da beschreibst, habe ich eigentlich noch weniger gemacht; meist finde ich doch eher Verständnis auch für andere Wege - dass JedeR das jeweils eigene Bekenntnis für das absolute, letztlich uneinholbare hält, muss man (fürchte ich) allerdings in Kauf nehmen...
Was mich bei Manchen bzw. bei ihrer 'Dialog'weise allerdings heftig stört, ist die nicht selten gefundene Haltung "Bevor du meine Religion kritisierst, studier' sie erst einmal gründlich; du verstehst ja nicht mal deine eigene richtig - ich erklär' dir die mal..."

Hallo Anke & @ll

Nur mal so neben bei, gestern stand ein Mercedes vor uns und hatte eine große Aufkleber hinten am Kofferraum mit der Aufschrift “Hupe, wenn Du Jesus liebst”. Wusste zunächst nicht wie ich den Spruch nehmen sollte aber ich denke auf diese Weise wird Jesus eher nur kompromittiert und vieles was gut bzgl. Jesus und Christentum ist, wird ins negative gezogen. Wer das ließt lacht und/oder drückt die Hupe entweder, weil man Jesus wirklich liebt oder aber aus Jux und Dollerei und vielleicht manifestiert sich dann im Unterbewusstsein zum Schluss alles ins negative bzgl. Jesus und den Christentum.

IRD? Also hier bei Geistige klappts würde ich sagen ganz gut. Im Leben sonst auch, hatte bisher auch keinerlei schwerwiegende Konfrontationen mit andersgläubige (=Religion) Menschen. Das liegt evtl. daran, dass ich noch keine Gespräche bzgl. Religion persönlich direkt gegenüber andere Religionsangehörige hatte. Ob das aber unbedingt notwendig ist? X würde nur versuchen früher oder später mir sein Glauben an den Mann zu bringen, Y genauso und ich vielleicht dem anderen auch.

Ich lebte bereits viel mit Moslems sozusagen direkt zusammen bzw. Tür an Tür, saß auch z.B. beim Abendessen mit ihnen am selben Tisch während gegessen wurde und wir bewarfen uns nicht mit Hähnchenknochen oder Eisteepackung um einander loszuwerden. Auf andersgläubige einzugehen, ob religiös oder privat ist für mich kein Problem, über Religion “stritt”/diskutierte ich allerdings persönlich noch nie mit jemand.

Solange im Namen Gottes (egal welche Religion!!) aber auch persönlich niemand dem anderen an die Gurgel geht, extrem missachtet (alles hat schließlich seine Grenzen), ist es für mich in Ordnung. Ich glaube das Problem liegt aber dort, dass viele Leute ihr Religion fanatisch betrachtend “predigen”, meinen evtl. im Recht zu sein anhand der selbst oder durch andere falsch interpretierten und verbreiteten Koran-, Bibelstellen, usw… Auch die eingefleischte Ansichten von Gläubigen viele der Religionen und auch Religionsstifter/Häuser sind mehr oder weniger bedenklich z.B. siehe was in Israel/Palästina geschieht.
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