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Lieber Wu,
erstmal bitte ich Dich um Entschuldigung dafür, das ich erst jetzt auf Deinen Beitrag antworte - ich hab' die letzten 2 Tage 12-Stunden-Schichten "geschmissen", da in dem von mir neu aufzubauenden Geschäftsfeld mehr defektes als funktionierendes Material 'rumsteht... und bis Ende nächster Woche MUSS alles laufen.....
Das im Juden- und Christentum eine "personifizierte" Gottheit in den Vordergrund gestellt wurde, hat mit Sicherheit mit der geistigen Reife der ersten Juden und ersten Christen zutun: Es war für die Völker der damaligen Zeit einfacher, sich Gott wie eine Art Vater vorzustellen. Muhammd nimmt im Qur' an bereits Abstand von einer "Personifizierung"; er spricht nur von Gott, ohne eine Eigenschaft wie die eines Vaters besonders herauszustellen. Dabei knüpfte Muhammad an das Gesetz des Mose an - "Du sollst Dir kein Bildnis von Gott, Deinem Herrn, machen"- und erneuerte das Verbot von Bildern und Statuen. Baha' u' llah sagt, das die Stellung und das Wesen Gottes "so unermesslich erhaben" gegenüber der Stellung und dem Wesen des Menschen ist, sodass für eine gereifte Menschheit es keinerlei "Bedürfnis" und keinerlei Anhaltspunkte mehr gibt, sich Gott als Vater mit Rauschebart vorzustellen. Insoweit denke ich, hätte das Universale Haus der Gerechtigkeit die wenigsten "Probleme" damit, die "Personenbezeichnung Gott", gegen die Begriffsbezeichnung "das Göttliche" auszutauschen.
Und auch unsere muslimischen Freunde könnten sich damit "anfreunden"; keine Iman- oder Mullahkonferenz kann auf Basis des Qur' an einen personifizierten Gott verherrlichen; im Gegenteil, im Qur' an finden wir im Zusammenhang mit der Erläuterung der Stufe Jesu genügend Hinweise darauf, das "Allah erhaben darüber ist, Söhne zu zeugen". Ein überzeugter Muslim, egal ob Schiit oder Sunnit, würde es als Akt der Gotteslästerung bezeichnen, wenn man Gott "vermenschlichen" will.
Für Vatikan und lutheranische Bischofskonferenzen ist die Kernaussage des Christentum: Jesus hat uns von unseren "Sünden" befreit, Jesus ist der "Sohn Gottes" in geistiger wie leiblicher Eigenschaft und wir sind seine Stellvertreter... Gegen diese angebliche leiblich bestehende "Vaterschaft" treten Muslime ebenso wie Baha' i an; eine solche leibliche Vaterschaft bestand nie. Solange Christenheit jedoch an dem Dogma der Vaterschaft, verbunden mit dem Dogma der Personifizierung Gottes festhält, wird sich bei den Christen - und teilweise auch bei den Juden - die Bezeichnung "das Göttliche" anstelle von "Gott-Vater" wohl kaum durchsetzen lassen.
Genauso schwer wäre es übrigends, bei den Anhängern Zarathustras die Begrifflichkeit "das Göttliche" wurzeln zu lassen: Ursprünglich war für Zoraster die Sonne das Symbol Gottes. Daraus hat sich dann leider die Anbetung der Sonne als Gott entwickelt; in einigen Bereichen Südrusslands gibt es noch Anhänger Zarathustras, deren Priester ein "heiliges Feuer" als Symbol der "göttlichen Sonne" hüten....
Um als Buddhist das Nirvana anzustreben, kennst Du sicherlich verschiedenste Möglichkeiten. Basis ddieser Möglichkeiten ist , soweit ich den Buddhismus richtig verstehe, eine bescheidene Lebensführung, eine vegetarische Ernährung, eine Abkehr von den materiellen Versuchungen der Welt. Soweit ich informiert bin, haben die verschiedenen Schulen im Buddhismus auch Regeln - was sind Regeln eigentlich anderster als Gebote oder im religiösen Gesetze? Auch hier darf man die Begriffsbestimmung "religiöses Gesetz" nicht mit "menschlichem Gesetz" verwechseln: Der Bruch des menschlichen Gesetzes zieht "Strafe" nach; die Verletzung eines religiösen Gesetzes/Gebotes"Regelwerkes" unterliegt in der Beurteilung aber "dem Göttlichen" und nicht "dem Menschlichen".
Zumindestens für mich sind Muhammad, Bab, Baha' u' llah, Abdul' Baha und Shoghi Effendi die wichtigsten "Quellen", um die verloren gegangene Übereinstimmung der Religionen zu entdecken. Und das diese Übereinstimmungen verloren gegangen sind, sehen wir jedesmal, wenn Menschen verschiedenster Religion mit dem Gebetbuch in der einen und der Kalaschnikow in der anderen Hand aufeinander losgehen....
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