Beantwortete Fragen


Beantwortete Fragen
'Abdu'l-Bahá



Seiten (Pages): 306
Bindung (Cover): Paperback
ISBN: 3-87037-093-9
Nr.: 422-023
Preis / Price: 14,00 EUR

Eine Sammlung von Lehrgesprächen zu einem weitgespannten Themenkreis: Aspekte der Heilsgeschichte, biblische Themen, Wesen und Ziel der Offenbarung, des Menschenbilds wie der praktischen Bedeutung der Religion für das individuelle und gesellschaftliche Leben.

Inhalt:
Vorwort aus dem Französischen
Vorwort aus dem Englischen

Teil 1: ÜBER DEN EINFLUSS DER GOTTESOFFENBARER AUF DIE ENTWICKLUNG DER MENSCHHEIT
1. Die Natur steht unter einem allumfassenden Gesetz
2. Beweise und Zeugnisse für das Dasein Gottes
3. Über die Notwendigkeit eines Erziehers
4. Abraham
5. Moses
6. Christus
7. Muhammad
8. Der Báb
9. Bahá'u'lláh
10. Durch Beispiele aus dem Buche Daniel belegte Beweise aus Überlieferungen
11. Erläuterungen zum 11. Kapitel der Offenbarung des Johannes
12. Erläuterungen zum 11. Kapitel des Buches Jesaja
13. Erläuterungen zum 12. Kapitel der Offenbarung des Johannes
14. Geistige Beweise
15. Über den wahren Reichtum des Seins

Teil 2: ERKLÄRUNGEN EINIGER CHRISTLICHER THEMEN
16. Es bedarf anschaulicher Sinnbilder und Gleichnisse, um Verstandesbegriffe klarzumachen
17. Die Geburt Christi
18. Die Größe Christi liegt in Seiner Vollkommenheit
19. Die Taufe Christi
20. Die Taufe
21. Die Symbole von Brot und Wein
22. Über Wunder
23. Die Auferstehung Christi
24. Die Ausgießung des Heiligen Geistes
25. Der Heilige Geist
26. Wiederkunft Christi und Jüngstes Gericht
27. Die Dreieinigkeit
28. Christi Verklärung
29. Sterben in Adam und Leben in Christus
30. Adam und Eva
31. Lästerung wider den Heiligen Geist
32. Viele sind berufen, aber wenige sind auserwählt
33. Wiederkunft der Gottesgesandten
34. Das Bekenntnis des Petrus
35. Prädestination (Vorherbestimmung)

Teil 3: ÜBER DIE KRÄFTE UND SEINSWEISEN DER OFFENBARER GOTTES
36. Die fünf Stufen des Geistes
37. Gott kann nur durch die göttlichen Offenbarer erkannt werden
38. Die drei Seinsweisen der göttlichen Offenbarer
39. Über die menschliche und göttliche Seinsweise der Offenbarer
40. Das Wissen der Offenbarer
41. Die universalen Zyklen
42. Macht und Einfluß der göttlichen Offenbarer
43. Die zwei Arten von Propheten
44. Erklärung des göttlichen Tadels, der scheinbar den Offenbarern erteilt wurde
45. Erklärung des Verses aus dem Buche Aqdas: "Keiner kommt dem Aufgangspunkt des Befehls in der höchsten Reinheit gleich."

Teil 4: VERSCHIEDENE THEMEN
74. Nichtexistenz des Bösen
75. Zweierlei Arten von Qual
76. Gerechtigkeit und Barmherzigkeit Gottes
77. Die richtige Art, Verbrecher zu behandeln
78. Streik
79. Die Wirklichkeit der äußeren Welt
80. Wahre Präexistenz
81. Reinkarnation
82. Pantheismus
83. Die vier Wege, Erkenntnis zu erwerben
84. Die Notwendigkeit, den Lehren der göttlichen Offenbarer zu folgen

Das Vorwort:
Die kleine historisch bedeutsame Stadt Akká liegt an einer Bucht des Mittelmeeres gegenüber dem Berg Karmel. Hier fand Bahá'u'lláh, der Begründer der Bahá'í-Weltreligion Seine letzte Ruhestätte. Er war aus Seinem Heimatlande Persien verbannt worden, da Er Sich dem Glauben Siyyid 'Alí Muhammads, bekannt unter dem Namen "Báb", d.h. das "Tor", zugewandt hatte. Der Báb verkündete Reformen und ein geistiges Wiedererwachen der Religion in jenem Lande. Nachdem der Báb in Tabríz im Jahre 1850 auf Befehl der Regierung Násiri'd Dín Sháhs hingerichtet worden war, widmete Bahá'u'lláh Sein Leben dieser erneuernden Bewegung. Er wurde im Kerker gefangengehalten, Sein Eigentum und Seine Besitztümer wurden beschlagnahmt und Er Selbst aus Persien verbannt.

Im Jahre 1863 verkündete Er in Baghdád, Seiner ersten Zufluchtsstätte nach Seiner Vertreibung, die Errichtung der Bahá'í-Weltreligion. Sein Einfluß und Ruhm nahmen in einem solchen Maße zu, daß der Sultán der Türkei, Abdu'l-Azíz, beunruhigt und argwöhnisch wurde. Er verbannte Bahá'u'lláh zuerst nach Konstantinopel, dann nach Adrianopel und endlich nach 'Akká, wo er Ihn in dem dortigen Gefängnis einkerkern ließ. Die Familie Bahá'u'lláhs und einige wenige Anhänger folgten Ihm dorthin. Zwei Jahre später wurden Er und Seine Begleiter in verschiedene Häuser gebracht, wo sie sieben Jahre lang in Haft blieben, bis man ihnen zuletzt gestattete, außerhalb der Stadtmauern eine Wohnung zu nehmen.

Während dieser langen und schmerzensreichen Zeit der Verbannung begann Bahá'u'lláh Seine zahlreichen Schriften zu verfassen: Über die geistige Entwicklung des Menschen, die stetig sich erneuernde Gottesoffenbarung durch Seine Manifestationen und die wirtschaftliche und soziale Ordnung der Welt. Schon vor der Wende zum 20. Jahrhundert hatte Er auf die gegenseitige Abhängigkeit der Menschen hingewiesen und auf die dringende Notwendigkeit zur Schaffung eines mächtigen Weltparlamentes aller Nationen und eines Weltschiedsgerichtshofes, der den Frieden errichten und behaupten sollte, aufmerksam gemacht. Als Bahá'u'lláh 1892 starb, folgte Ihm auf Seinen ausdrücklichen Wunsch Sein Sohn, der in Syrien unter dem Namen Abbás Effendi, allgemein aber als 'Abdu'l-Bahá bekannt war.

Es wurde Abdu'l-Bahá während Seiner Gefangenschaft in Akká, das damals ein Teil des türkischen Reiches war, erlaubt, eine bestimmte Zahl von Besuchern zu empfangen. Hier führte ich in den kritischen Jahren 1904-06, als Er dauernd von der Verbannung in entlegene Wüstengefängnisse bedroht war, zwanglose Gespräche mit Ihm. Damit größte Genauigkeit in der Berichterstattung gewährleistet wurde, richtete ich es so ein, daß stets einer der vier untengenannten Perser zugegen war: Mírzá Hádíy, der Schwiegersohn Abdu'l-Bahás und Vater des späteren Hüters des Bahá'í-Glaubens, Shoghi Effendi, Mírzá Muhsin, ebenfalls ein Schwiegersohn, Mírzá Núridín und Mírzá Munír, die beiden Sekretäre Abdu'l-Bahás. Nach der Unterhaltung legte ich Abdu'l-Bahá den persischen Text vor. Er las ihn, änderte hier und da ein Wort oder eine Zeile mit Seiner Rohrfeder, unterzeichnete und versiegelte das Ganze mit Seinem Siegel. Es geschah dies in der gleichen Weise wie bei Seinen Tablets, denen Er damit allgemeine Gültigkeit verlieh. Die persischen Originaltexte wurden 1936 dem Hüter zugesandt und befinden sich heute im Bahá'í-Archiv. Nach der Revolution des ottomanischen Reiches 1908 und dem Untergang des Sultanats befreiten die Jungtürken die politischen und religiösen Gefangenen der früheren Regierung. Wenige Jahre später konnte Abdu'l-Bahá Ägypten, Europa und Nordamerika besuchen. Hier empfing Er alle die, die Ihn suchten, nahm Einladungen an, sprach in Tempeln, Kirchen, Universitäten, vor den verschiedensten Glaubensrichtungen, z.B. vor Theosophen, den Mitgliedern der Heilsarmee und vor privat geladenen Hausgästen von Freunden. 1921 starb Abdu'l-Bahá in Haifa, am Fuße des Berges Karmel. Sein letzter Wille bestimmte Seinen Enkel Shoghi Effendi zum ersten Hüter des Bahá'í-Glaubens. Dieses Amt nahm Shoghi Effendi mit größter Befähigung wahr. Er erfüllte die von Abdu'l-Bahá gestellte Aufgabe, in allen Ländern der Erde den administrativen Aufbau des Glaubens zu verwirklichen.

Als der Hüter 1957 starb, hatte sich der Glaube in mehr als 250 Ländern verbreitet, und er dehnt sich auch heute fortwährend weiter aus. Die Regierung des heutigen Israel hat die Bahá'í-Religion anerkannt als ebenso bedeutsam wie die übrigen großen Glaubensbekenntnisse, die im Heiligen Land durch Gemeinden, Einrichtungen und Gebäude vertreten sind. So befinden sich hier die Grabstätten des Báb, Bahá'u'lláhs und 'Abdu'l-Bahás und der Verwaltungsmittelpunkt der gesamten Bahá'í-Weltgemeinde.

Laura Dreyfus Barney
Leseprobe: DIE NATUR STEHT UNTER EINEM ALLUMFASSENDEN GESETZ
Die Natur ist jener Zustand, jene Wirklichkeit, die anscheinend Leben und Tod, oder mit anderen Worten Zusammensetzung und Auflösung aller Dinge, umfaßt. Diese Natur ist einem vollendeten Gefüge, bestimmten Gesetzen, einer vollständigen Ordnung und einem vollkommenen Plan unterworfen, von denen sie niemals abweicht; und zwar in so hohem Maße unterworfen, daß man in ihr bei sorgfältiger Betrachtung und geistiger Wahrnehmung vom kleinsten unsichtbaren Atom bis zu solch großen Dingen der Welt des Daseins, wie der Sonne oder den anderen großen Sternen und leuchtenden Himmelskörpern, sei es in ihrer Anordnung und Zusammensetzung, sei es in ihrer Form und Bewegung, den höchsten Grad der Ordnung findet und erkennt, daß alles unter einem unausweichlichen, vollkommenen Gesetz steht.

Wenn man aber die Natur selbst betrachtet, sieht man, daß sie weder Verstand noch Willen besitzt. So liegt es zum Beispiel in der Natur des Feuers, daß es brennt, und es tut dies ohne Willen und Verstand; die Natur des Wassers ist, daß es fließt, und es tut dies ohne Willen und Verstand; die Natur der Sonne ist, daß sie leuchtet, auch sie leuchtet ohne Willen und Verstand; die Natur des Dampfes ist, aufzusteigen, und er steigt ebenso ohne Willen und Verstand auf.

Damit ist klar erwiesen, daß alle natürlichen Bewegungen der erschaffenen Dinge zwangsläufige Vorgänge sind und sich nichts nach eigenem Willen bewegt, mit Ausnahme des Tieres und vor allem des Menschen. Der Mensch vermag sich der Natur zu widersetzen und von ihren Wegen abzuweichen, weil er die Struktur der Dinge entdeckt hat und damit den Kräften der Natur gebietet. Alle Erfindungen, die er gemacht hat, beruhen auf der Entdeckung der Struktur der Dinge. So hat er zum Beispiel die Telegraphie erfunden, die Ost und West verbindet. Darum sehen wir deutlich, daß der Mensch die Natur beherrscht.

Kann nun, bei dieser systematischen Ordnung und Gesetzmäßigkeit, die man im ganzen Dasein erkennt, gesagt werden, dies alles sei aus dem Wirken der Natur heraus entstanden, obwohl sie selbst weder Verstand noch Wahrnehmungsvermögen besitzt? Dies zeigt uns deutlich, daß diese Natur, die weder Verstand noch Einsicht hat, in der Hand des Allmächtigen ruht und daß Er das Reich der Natur regiert und in ihr alles, was Er will, erscheinen läßt.

Eines der Dinge, welches in der Welt des Daseins erschienen ist und eine Naturnotwendigkeit darstellt, ist das menschliche Leben. So betrachtet, wird die Natur zur Wurzel und der Mensch zum Zweige. Ist es wohl möglich, daß Wille, Verstand und Vollkommenheit nur im Zweig, nicht aber in der Wurzel wären?

Daraus geht klar hervor, daß die Natur in ihrem innersten Wesen in der machtvollen Hand Gottes ruht. Der ewig Allmächtige und Eine ist es, Der die Natur in ihren ehernen Bahnen und Gesetzen hält und ihr Herrscher ist.

Dieses Buch ist beim Baha'i-Verlag erhältlich:
http://www.bahai-verlag.de