Foren-Übersicht
Impressum | Login | Registrieren | Forum | Suche

Drogen: Wie entsteht das Problem und wozu kann es führen?












Es ist von OnRoadToHell auch wirklich mutig über das Thema zu schreiben, er hat damit auch mich ermutigt

DANKE
Hi there,
"Es ist ein Brauch von alters her,
wer Sorgen hat, hat auch Likör."
(Wilhelm Busch)
Schlimm, daß der Likör heutzutage durch viel härtere Sachen abgelöst wurde.
Hallo OnRoadToHell,

was Drogen betrifft, so habe ich damit eine sehr grausame Erfahrung
gemacht.

Als ich noch ein Kind war, hatte mein etwas über 6 Jahre älterer Bruder einen Freund, Frank. Frank wuchs meinen Eltern nach kurzer Zeit so ans Herz, dass sie ihn wie ein eigenes, drittes Kind betrachteten und auch er hing an ihnen stärker, als an seinen eigenen Eltern. Und ich und Frank hatten eine sehr, sehr intensive Freundschaft, obwohl er nun einige Jahre älter war als ich und Jungs in dem Alter Mädchen, vor allem jüngere oder kleinere, eigentlich "blöd" finden. Ich hatte zu ihm eine innigere Beziehung als zu meinem eigenen Bruder, Frank seinerseits empfand seinerseits mehr für mich als für seine eigene kleine Schwester.

Nun, seine familiären Verhältnisse waren sehr lieblos. Seinen Eltern war Karriere und Ansehen wichtiger. Er wurde nur lächerlich gemacht, vernachlässigt und hinten angestellt.

Mit dreizehn Jahren fing er an zu kiffen. Meine Mutter bekam dieses "gesteckt" von ein paar Freunden der Clique. Sie hatte in klärendes Gespräch mit ihm, und er gab seine Abhängigkeit zu. Meine Mutter setzte sich mit seinen Eltern in Verbindung, stieß dabei jedoch auf äußerst wenig Gegenliebe. Der Vater meinte sogar, meine Mutter sei einfach nur irre und sie hätte "Adleraugen". Von dieser Seite konnte sie sich keinerlei Hilfe erhoffen.

Nun nahm dies alles seinen Lauf. Frank war zum einen ein sehr sensibler, anhänglicher Mensch und zum anderen hochintelligent. Er hielt sich mehr bei uns auf als in seinem "Zuhause" (das konnte man wirklich nicht als solches bezeichnen). Nach einiger Zeit nahm er LSD. Damals trugen die Jungs langes Haar. Im Hochsommer kam er mit einer Mütze auf dem Kopf an. Er hatte den Abend zuvor LSD genommen und kam auf einen Horrortripp. Sah riesengroße Tiere auf seinem Kopf und schnitt sich kurzerhand die Haare ab, weil er diese Tiere glaubte, damit zu entfernen.

Im Drogenrausch verursachte er einen Verkehrsunfall. Hatte Arme und Beine gebrochen und lag sehr lange im Krankenhaus. Wir besuchten ihn jeden Tag für mehrere Stunden. Seine Mutter kam nur ab und zu, um frische Wäsche zu bringen, die Gespräche zwischen ihr und ihrem Sohn liefen wie gewohnt gefühllos und kalt ab.

Eines Tages fragte der Mitpatient, der mit auf Franks Zimmer lag, im Flur meinen Vater: "Ich blicke da nicht so ganz durch. Ist nun seine Mutter ihre Frau oder die andere Frau?". Ich glaube, diese Frage dürfte so einiges zum Ausdruck bringen.

Meine Eltern bemühten sich um einen stationären Therapieplatz in Homburg. Nur mit Nachdruck stimmten Franks Eltern zu. Dort lag u.a. ein Junge, der sich auf einem Echotripp befand. Damals wussten die Ärzte nicht, ob er jemals wieder "runter kommen" würde.

Die Therapie verlief ebenfalls, wie die von meinen Eltern veranlassten ambulanten, erfolglos.

Dies alles zog sich über mehrere Jahre hin. Frank verwahrloste zusehends. Brach die Schule ab. Hauste bei einem Drogensüchtigen in einer Bretterbude. Meine Mutter kaufte sich Flickenjeans, zog sich entsprechend an, holte ihn aus den übelsten Behausungen raus, legte sich sogar mit Dealern an, die sie jedoch respektierten, merkwürdigerweise.

Ich habe diesen Zerfall "live" miterlebt. Jeden Tag, jede Woche, jeden Monat, jedes Jahr.

Wir hatten damals einen Schäferhund. Frank ging mit mir und dem Hund fast täglich stundenlang im Wald spazieren. Oft liefen wir ewig nebeneinander her, ohne ein Wort zu reden. Oder saßen so auf einer Bank, und jeder hing seinen Gedanken nach. Irgendwann fragten wir uns gegenseitig, woran wir so gerade dachten, und komischerweise hatten wir sehr oft zur selben Zeit dieselben Gedanken.

An einem Tag hatten wir uns auf einem weit entfernten Abi in einer Holzhütte verquasselt. Es war schon über die Zeit, wo ich zuhause sein sollte. Also setzte er mich kurzerhand in einen Bus, damit sich auf schnellstem Weg nach Hause fahren konnte. Dann rief er meine Mutter an, und sagte ihr, sie solle sich keine Sorgen machen, ich sei unterwegs und er würde mit Lord, unserem Hund, zu Fuß nachkommen. Nun, warum ich dieses erwähne: er kaufte die Fahrkarte von seinem allerletzten Geld. Und das will für einen Abhängigen was heißen. Davon wollte er sich garantiert keine Fahrkarte kaufen...

Meine Mutter hatte mich ihm anvertraut, und ihm VERtraut, denn er hätte nie, auch in dem Zustand in dem er dann in der letzten Phase war, mir Drogen verabreicht.

Zum Schluss nahm er Heroin. Hatte zwischenzeitlich von seiner Oma eine Wohnung im elften oder zwölften Stock eines Hochhauses in unserer Nähe finanziert bekommen. Sie war übrigens die einzige, seiner "richtigen" Familie, die überhaupt was nach ihm fragte. Eines Tages beging er Selbstmord und sprang vom Balkon seiner Wohnung.

Was dieses für mich bedeutete? Ich habe den einzigen und besten, verständnisvollsten und liebevollsten Freund verloren, den ich jemals hatte. Und ich musste mit erleben, wie ein Mensch, der einem so viel bedeutet, langsam aber sicher zugrunde geht. Körperlicher Verfall, geistiger Verfall.

Meine Mutter hat dieses jedoch nicht von mir ferngehalten. Im Gegenteil. Ich wurde mit allem konfrontiert. Und das war gut und richtig so. Dieses Erlebnis hielt mich davon ab, jemals Drogen oder Alkohol auch nur zu probieren. Auch konnte ich später eine Freundin davor bewahren, genau diesen Weg zu gehen. Ich habe durch dieses Erlebnis sogar einen regelrechten Horror davor enwickelt, von irgend etwas abhängig werden zu können, seien es Medikamente, Drogen oder Alkohol.

Wenn ich Kinder hätte, dann würde ich sie, wenn ich befürchten müsste, dass sie mit Drogen in Kontakt kommen könnten, knallhart mit den Tatsachen konfrontieren und mit ihnen gemeinsam Drogenabhängige aufsuchen. Dort, wo sie wohnen, dort, wo versucht wird, ihnen zu helfen. Wenn Kinder dieses erleben und frühzeitig sehen, was Drogen anrichten und aus Menschen machen, dann ist dieses neben Aufklärung die beste Vorsorge.

Übrigens gab meine Mutter in ihrer Verzweiflung, als er bis Oberkante vollgepumpt mit Drogen, zu uns kam, Frank eine Ohrfeige. Nun, er war damals schon ca. 2 Köpfe größer als sie. Er sagte und wehrte sich nicht. Später fragte sie ihn, warum er dieses von ihr so kommentarlos hingenommen habe, seine eigene Mutter es jedoch nicht hätte tun dürfen. Er antwortete nur kurz aber treffend: "Weil SIE mich lieb haben."

Hätten seine Eltern die Stärke gehabt, ihm nur einmal zu sagen, dass ihnen etwas an ihm liegt, ich bin noch heute davon überzeugt, dass ihm das sehr geholfen hätte...

Insofern finde ich es gut, dass du und andere über diese Probleme reden, und vielleicht auch erzählen, wie es einem selbst, aber auch Angehörigen und Freunden dabei ergehen kann.

Abschließen kann auch ich nicht damit. Es ist immer wieder gegenwärtig, und oft stelle ich mir vor, wie schön es wäre, er wäre noch da, und was nun so hätte aus ihm werden können.
Forum -> News & Aktuelle Themen

Zurück  
1, 2
Ähnliche Themen
Ich Christ liebe eine Muslima... Problem
Wer kann Propheten senden?
Engel. Was ist das? Wozu braucht Gott Engel?
Ich kann es einfach nicht vergessen.
Nichts kann fehlerfrei werden
Kann man 100% Gläubig sein?
Hilfe! Kann ich ausziehen?
Wo kann ich...
Kann man den Quran auch zum Einschlafen hören ?
Im Golfstaat Katar entsteht ein christliches Zentrum