Religion kontra BDSM?!


Hallo Burkl,

Zitat:
Ich orte nicht hinter jedem heidnischen Erzählmotiv "satanischen" Einfluss. Was ich allerdings schon sehe ist, dass mit dem Schwächerwerden des christlichen Glaubens auf unserem Kontinent die "Heidenangst" zunimmt. Ich denke da auch an den Boom des Halloween-Fests.


gg, du hast es sonst doch so gern mit dem "Zeitgeist". Hier hast du mal eine echte Modewelle, die wahrscheinlich auch ziemlich schnell wieder abebben wird.
Allerdings "Martinszüge" oder "Martin Luther Singen" machen halt wohl doch nicht so viel Spaß wie die Maskerade zu Halloween.

Pjotr Kala
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Hüte dich vor Institutionen, die dir das Denken abnehmen wollen!
@Burkl

Das ist eher christliche Apologetik denn tatsächliches 'Heidentum'.

Eine allgegenwärtige Bedrohung durch böse Mächte (diverse Teufel, Dämonen, Geister, Wiedergänger, etc.) waren etwa in Mittelalter und Früher Neuzeit im christlichen Europa sehr verbreitet. Das Ganze ging erst mit Humanismus und Aufklärung zurück. Nicht unbedingt weil damit christliche Religion zurückgedrängt wurde, sondern selbst humanisiert und aufgeklärt wurde.

Tatsächlich gibt es z.T. eine Rückkehr zu diversen magischen Vorstellungen in manchen Ecken unserer Gesellschaft, aber das Phänomen kann man genauso in diversen 'esoterischen', 'heidnischen' und 'magischen' Gruppen sehen wie auch in bestimmten Aspekten des Christentums (z.B. das erneute Interesse an Exorzismen in manchen katholischen Gruppen oder die förmliche Wundergeilheit bei manchen evangelikalen Gruppen). Die Ursache liegt hier meiner Meinung nach mehr in der Abkehr von der Aufklärung (die mit ihrer angeblichen Kühlheit und Arroganz die Schuld am menschlichen Leid trage).

Derweil enthält gerade der Katholizismus selbst nicht gerade wenige magische Elemente. 'Heidnische' Kulte bestanden auf der anderen Seite keineswegs nur aus Magie.

Halloween erlebt bereits seit der Mitte des 19. Jahrhunderts ein erneutes Aufleben. Nämlich seitdem die Iren (sowohl in Irland als auch den USA) ihre eigene Kultur wiederentdeckt haben. Dein Eindruck dürfte daraus resultieren das Halloween erst in den frühen 1990ern auf das europäische Festland geschwappt ist. Fast keine Person die Halloween feiert sieht darin irgendeinen geistigen oder religiösen Zweck. Durch die jährige Wiederholung mag sich eine Ritualisierung einstellen, die liegt aber in der Regel mehr im Verkleiden und sehr oft auch intensives Flirten. Nicht viel anders als das was in katholischen Gegenden beim Karneval getrieben wird.

In den USA haben übrigens die ersten evangelikalen Gruppen bereits, eigentlich mit dem Ziel dieses Fest zu bekämpfen, eine eigene Inkulturation vorgenommen indem sie sogenannte 'Höllehäuser' errichten.

Weihnachten (für die meisten Menschen heute das wichtigste Fest) ist übrigens selbst nur christlich Überzogen worden. Wobei dieser Überzug für die meisten Menschen immer irrelevanter wird zugunsten eines Familienfests.
@Burkl

Die Zahl jener die Yoga betreiben und dies in ihre innere Spiritualität fließen lassen ist sehr gering.

Schau dir einfach mal im Buchladen ein paar Yogaübungen an. Faktisch sind das Bücher über Sport und Konzentrationstraining.

Ausnahmen gibt es, aber die sind recht gering. Inwiefern soll denn bitte eine Eigenbaureligion aus "esoterischen und östlich-religiösen Elementen" problematischer sein als das was fast alle anderen Leute sich selbst zusammenbauen?

Zumal ich 'Esoterik' hier in sehr dicke Anführungsstriche setzen würde. Ein paar östliche Weisheitssprüche ohne Quellenangabe machen noch keine 'Esoterik', auch wenn die Leute das gern hätten. Legt man den meistne Esoterikern mal selbst nur das Werk eines Mystikers (noch keine 'echte Esoterik') - sagen wir Ibn Arabi oder Meister Eckhart - hin, dann verstehen sie kein Wort. Um die zu verstehen muss man sich nämlich mit derer religiösen und philosophischen Welt auskennen.
luschn hat folgendes geschrieben:
Minou hat folgendes geschrieben:
Alle menschengemachten Geschichten und Ideen sind sowieso nicht relevant.


Wie meinst du das?


Ich meine das in Bezug auf menschengemachte Auslegungen der Bibel, der Ahadith, menschengemachte Dogmen usw.
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»Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt«
Dies ist das höchste und größte Gebot.
Das andere aber ist dem gleich: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst«.
In diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten
Burkl hat folgendes geschrieben:
Als Neu-Heidentum würde ich eine sich doch recht deutlich abzeichnende Rückkehr des Geister- und Magieglaubens in unserem Kulturkreis bezeichnen. Charakteristika im Heidentum sind ja, dass die dunklen Mächte letztlich unberechenbare Bedrohungen sind - und diese durch "magische Rituale" unterworfen und "gezähmt" werden müssen.


Ja, aber ist das im katholischen Christentum nicht auch so?

Das Böse wird da doch auch durch "magische Rituale" (Taufe, Beichte, vor allem Eucharistie, aber auch Exorzismus) gezähmt. Gott hat doch (dem katholischen Glauben nach) gerade die katholische Kirche mit diesen "Ritualen ausgestattet und diese bevollmächtigt diese zu vollziehen. Einen wesentlichen Unterschied sehe ich da nicht.

Außerdem kommen ja viele "Rituale" des Christentums direkt aus dem "Heidentum". Der erwähnte Rosenkranz kommt aus Indien, die Taufe wahrscheinlich auch, eine Beichte hat es schon im Frühbuddhismus gegeben etc. Und für den Gläubigen macht es keinen Unterschied wer das Ritual vollzieht, solange er daran glaubt, dass das Ritual eine Wirkung hat.

Zitat:
Das Böse hat durch seine Unberechenbarkeit und Ungezähmtheit im Heidentum die "Oberhand


Also bei Harry Potter schon mal nicht, da hat das Böse keine Macht über Harry Potter, weil dieser durch die Liebe seine Eltern davor beschützt wurde.

Bei Yoga (vor allem bei der westlich-abgespeckten Version) geht es meist um etwas ganz anderes.

Zitat:
darum ja auch die Wendung eine "Heidenangst" zu haben


Ein Begriff, der von Christen erfunden wurde

Glaubst du, dass die Menschheit über eine Million Jahre in Angst vor "dem Bösen" gelebt hat? Da wäre die Menschheit schon ausgestorben.

Zitat:
Im christlichen Glauben ist der Sieg Christi über das Böse da - die Auferstehung hat den Tod als mächtigste Waffe des Bösen durch die Auferstehung neutralisiert.


Bei Harry Potter ist der Sieg über das Böse auch da

Zitat:
Oftmals steckt dahinter keine harmlose Freizeitaktivität sondern ein meiner Meinung nach nicht unproblematischer Mix aus esoterischen und östlich-religiösen Elementen, die zu einer "Eigenbau-Religion" zusammengebastelt werden. Im Endergebnis nicht immer eine Mischung, die wirklich gut tut.


Ich denke nicht, dass "Yoga" da schuld hat, sondern eher, dass Menschen die zu einer esoterischen Eigenbaureligion neigen eher Yoga betreiben, neben hundert anderen Dingen auch.
Long Road hat folgendes geschrieben:
Das Böse wird da doch auch durch "magische Rituale" (Taufe, Beichte, vor allem Eucharistie, aber auch Exorzismus) gezähmt. Gott hat doch (dem katholischen Glauben nach) gerade die katholische Kirche mit diesen "Ritualen ausgestattet und diese bevollmächtigt diese zu vollziehen. Einen wesentlichen Unterschied sehe ich da nicht.


Der wesentliche Unterschied ist, dass die Wirksamkeit dieser Rituale nicht auf einem "Do ut des" beruht. Die heidnischen Religionen sind davon geprägt "Handel" mit ihren Göttern zu treiben. Wenn ich das Ritual einhalte "kann der Gott gar nicht anders" als seinen Part des "Deals" zu erfüllen. Sehr ausgeprägt findest du dieses Denken in der altrömischen Religion.

In der christlichen Religion teilt sich Gott aus Liebe aus. Die Bewegung geht von ihm aus und der Mensch soll aus Liebe antworten. Sakramente sind keine Beschwörungen, sondern Zeichen, die nur wirksam werden, wenn der Mensch antwortet mit seinem Leben.

...Fortsetzung folgt noch... (bin unterwegs zur Messe)

Heute ist übrigens Fest des Heiligen Benedikts von Nursia (Schutzpatron Europas)
Burkl hat folgendes geschrieben:
Der wesentliche Unterschied ist, dass die Wirksamkeit dieser Rituale nicht auf einem "Do ut des" beruht. Die heidnischen Religionen sind davon geprägt "Handel" mit ihren Göttern zu treiben. Wenn ich das Ritual einhalte "kann der Gott gar nicht anders" als seinen Part des "Deals" zu erfüllen

Genau das ist meines Erachtens einer der Hauptfehler des Christentums:
Es reiche die Bekenntnis zum Christentum,
und schon ist das ein Deal mit Gott:
Man entkomme den Folgen seines Handelns.

Andere wiederum (mit dem falschen Bekenntnis),
können noch so gut leben,
sie würden es dennoch schwer haben,
das Göttliche zu erreichen.

Und genau dieses Denken wird nun auch noch auf die Anderen projiziert!
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Sind wir denn wirklich die heiligsten Wesen auf Erden?
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Burkl hat folgendes geschrieben:
Long Road hat folgendes geschrieben:
Das Böse wird da doch auch durch "magische Rituale" (Taufe, Beichte, vor allem Eucharistie, aber auch Exorzismus) gezähmt. Gott hat doch (dem katholischen Glauben nach) gerade die katholische Kirche mit diesen "Ritualen ausgestattet und diese bevollmächtigt diese zu vollziehen. Einen wesentlichen Unterschied sehe ich da nicht.


Der wesentliche Unterschied ist, dass die Wirksamkeit dieser Rituale nicht auf einem "Do ut des" beruht.


Nicht? Hier im Thread wurde vor ein paar Seiten noch von christlicher Seite betont, dass es Jesus Christus als Opfer gebraucht hat damit Gott den Menschen verzeiht. Zudem, so die Lehre deiner Kirche, hat er dann ja auch nicht einfach allen für immer alles vergeben, sondern die Vergebung wird nur durch deine Kirche verteilt und auch nur an Mitglieder.

Natürlich ist der Katholizismus weniger magisch als es viele antike Kulte waren, aber im heutigen Vergleich weist er ein ziemlich hohes Maß an Magie auf.
Burkl hat folgendes geschrieben:
Die heidnischen Religionen sind davon geprägt "Handel" mit ihren Göttern zu treiben. Wenn ich das Ritual einhalte "kann der Gott gar nicht anders" als seinen Part des "Deals" zu erfüllen.


Das hat es sicher gegeben, aber zugleich gab es auch große Ehrfurcht vor den Göttern.

Du vermischt hier zudem etwas unsachlich die Funktion des römischen Kultus mit seinen Priestern mit Zauberer. Letztere sollen beschwören können. Der Priester diktiert seiner Gottheit nichts, sondern stellt eine Verbindung zwischen der Gottheit und den Menschen her.

Ja die altrömische Religion hatte eine größere Neigung zum Händel mit Gottheiten. So fremd ist das aber dem Katholizismus auch nicht. Dem katholischen Priester wird auch zugeschrieben er könne Sakramente vergeben. Auch kann der Gläubige sich durch bestimmte Riten und Taten das Heil sichern. In der Volksfrömmigkeit lief das häufig auf das Gleiche hinaus.

Man kann sicher ein Problem mit magischen Elementen haben. Ich selbst finde auch das diese in echter Frömmigkeit nichts zu tun haben. Aber dann muss man schon auch fair hinsichtlich der Beurteilung bleiben wo sich Magie findet und wo nicht.
Habt ihr nicht etwas das Thema verfehlt?