Hirntod, klinischer Tod - Feststellung des Todeszeitpunktes


Wann ist ein Mensch wirklich tot?
aus Kurs: Ethik, Religion

Der Streit um die Hirntoddefinition

Im Mittelpunkt der ethischen Auseinandersetzungen steht die Frage, ob der Hirntod
mit den Tod des Menschen gleichgesetzt werden kann oder ob dies nur die letzte
Phase eines irreversiblen Sterbeprozesses ist.

Basisinformationen zur Hirntodkonzeption
"Hirntod" wird definiert als Zustand des irreversiblen Erloschenseins der Gesamtfunktion des Großhirns, des Kleinhirns und des Hirnstamms bei einer durch kontrollierte Beatmung noch aufrechterhaltenen Herz-Kreislauffunktion. Der Hirntod ist der Tod des Menschen."
("Kriterien des Hirntodes" des Wissenschaftlichen Beirates der Bundesärztekammer vom 29.6.91)

Diagnose des Hirntodes
Die Hirntod-Diagnostik wird von zwei Ärzten durchgeführt, von denen wenigstens einer über eine mehrjährige Erfahrung in der Intensivbehandlung von Patienten mit schwerer Hirnschädigung verfügen muss. Zumeist wird es sich dabei um Neurologen, Neurochirurgen oder neurologich versierte Intensivmediziner anderer Fachrichtungen handeln. Keiner der beiden Ärzte darf an einer Organübertragung mitwirken. Die Erfüllung aller Voraussetzungen sowie die Ergebnisse der klinischen und technischen Untersuchungen werden in einem standardisierten Hirntod-Protokol dokumentiert. Als Todeszeit gilt der Zeitpunkt, zu dem alle Kriterien erfüllt und durch beide Untersucher bestätigt wurden.

Probleme mit der Hirntoddefinition
Gegner des Hirntod-Kriteriums gehen davon, dass das menschliche Empfindungsvermögen mit dem Hirntod nicht erloschen sei, sondern auch untergeordnete Strukturen zu differenzierten Wahrnehmungen von Schmerz- und Berührungsreizen befähigt seien.
Sie sehen Probleme mit der Würde des Sterbens.

Wie sicher ist die Hirntod-Diagnose?
Die Hirntod-Feststellung beinhaltet eine große Anzahl von Einzeluntersuchungen, welche sich in vielfältiger Weise überschneiden. Durch Wiederholung der klinischen Untersuchungen innerhalb festgelegter Beobachtungszeiten, welche in Deutschland im internationalen Vergleich zu den längsten überhaupt gehören (in Schweden 25 Minuten, in den meisten Ländern 6-12 Stunden, 12-72 Stunden in Deutschland), wird eine zusätzliche diagnostische Sicherheit geschaffen. Bis heute konnte weltweit nicht ein einziger Fall nachgewiesen werden, in welchem nach sachgerecht durchgeführter Hirntod-Feststellung eine Umkehr des klinischen Verlaufes - oder gar ein Überleben - beobachtet wurde. Die Diagnose "Hirntod" ist damit wahrscheinlich die sicherste in der ganzen Medizin überhaupt.

Hirntod und Schwangerschaft – das "Erlanger Baby"
Am 5.10.92 erlitt die 19jährige Marion Ploch bei einem PKW-Unfall schwerste Schädel-Hirn-Verletzungen. Sie wurde in die Erlanger Unversitätsklinik gebracht. Drei Tage später , am 8.10.92 wurden bei der Verletzten alle klinischen Zeichen eines Hirntodes festgestellt. Inzwischen war bei der Toten eine Schwangerschaft festgestellt worden, die trotz des Unfalls vollkommen intakt war und zum Zeitpunkt der Hirntodfeststellung etwa der 15. Schwangerschaftswoche entsprach. Die Ärzte der Erlanger Universitätsklinik haben sich entschlossen, die Schwangerschaft durch Fortführung der intensivmedizinischen Behandlung im Leichnam der Marion Ploch aufrechtzuerhalten. 5 Wochen später kam zu einem plötzlichen Spontanabort; diesem waren einige Stunden vorher ein Fieberanstieg sowie Zeichen einer pneumonischen Infektion im Körper der hirntoten Mutter vorausgegangen.

Fakten über den Hirntod

Der vollständige Ausfall aller Gehirnfunktionen - „Hirntod“- ist nicht feststellbar.

Hirntote werden bis zur Organentnahme am Leben gehalten. In dieser Zeit müssen sie genährt, gewaschen und gepflegt werden, müssen täglich mehrmals umgelagert werden, um Druckgeschwüre zu vermeiden. Kontinuierliche Mundpflege, Hautpflege und Medikamentengabe sind notwendig.

Ihr Herz schlägt und sie atmen mit technischer Unterstützung durch Beatmungsgeräte.

Sie sind warm, der Stoffwechsel funktioniert.

Hirntote Frauen können Kinder gebären, hirntote Männer können Erektionen haben.

Hirnströme und Hormonproduktion der Hypophyse bei Hirntoten sind möglich.

Hirntote zeigen Reaktionen auf äußere Reize, bei 3 von 4 Hirntoten sind Bewegungen der Arme und Beine möglich.

Hirntote können sich aufrichten und gurgelnde Laute ausstoßen.

Text und Bilder dieses Beitrages basieren auf dem Artikel Hirntod aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und stehen unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
Der Hirntod
aus Wikipedia

Definition

Der Wissenschaftliche Beirat der Bundesärztekammer definierte am 29. Juni 1991 den Hirntod als einen
"Zustand des irreversiblen Erloschenseins der Gesamtfunktion des Großhirns, des Kleinhirns und des Hirnstamms bei einer durch kontrollierte Beatmung noch aufrechterhaltenen Herz-Kreislauffunktion. Der Hirntod ist der Tod des Menschen."

Kriterien

Verlust der Spontanatmung
eine zerebrale Areflexie (z.B. weite lichtstarre Pupillen), wobei Reflexe auf Rückenmarksebene oft noch erhalten sind
eine Null-Linie im EEG
ein mittels Angiografie oder Doppler-Duplex-Sonografie feststellbarer Kreislaufstopp in den hirnversorgenden Schlagadern (Vertebralarterien und Karotiden)
und weitere.
Diese Kriterien müssen in der Bundesrepublik Deutschland zu verschiedenen Zeitpunkten von verschiedenen Ärzten, die nicht in Transplantationszentren arbeiten dürfen, jeweils alle bestätigt werden, um einen Menschen als hirntot einstufen zu können.

Motivation

Dieses recht komplizierte Verfahren ist hauptsächlich durch die moderne Apparatemedizin auf Intensivstationen bedingt, wo der Eintritt anderer sicherer Todeszeichen durch die maschinellen Unterstützungsmaßnahmen unterbleibt, ohne dass Aussicht auf Gesundung bestünde. Der Hirntod bietet ein Kriterium, auf die weitere Therapie des Patienten zu verzichten.

Kontroverse

Eher kontrovers ist der Gebrauch der Hirntoddefinition im Zusammenhang mit der Organspende (s. u.). Wenn nicht sichergestellt ist, dass mit dem Hirntod auch alle Empfindungen erloschen sind, besteht bei einer Organentnahme die Möglichkeit, dass (neben der Körperverletzung) die Würde des Organspenders verletzt wird.

In diesem Zusammenhang wird gerne ein Fall zitiert, in dem eine in der 15. Woche schwangere Frau nach Hirntod noch 5 Wochen am 'Leben' erhalten wurde, bei normalem Wachstum des Fetus. Was für den Laien etwas unverständlich ist erklärt sich aber, da ja durch die Gerätemedizin der Körper der Frau und damit auch der Uterus in seiner Grundfunktion erhalten bleibt. Durch eine Infektion kam es dann zum Ende der Schwangerschaft. Insofern stellt sich die Frage nach der Bewertung des Hirntodes. Zu berücksichten ist aber auch die Frage, ob es ethisch gerechtfertigt werden kann, die hirntote Mutter solange an den Maschinen zu lassen, bis der Fetus per Kaiserschnitt auf die Welt geholt werden kann.

Der Hirntod
von kurier.at

Stichwort: Hirntod
Der Hirntod wird nahezu weltweit medizinisch, ethisch und gesetzlich dem Individualtod gleichgesetzt. Nach Angaben von Dr. Bettina Pfausler, (Univ.-Klinik für Neurologie, Innsbruck) definierte die Harvard Medical School 1968 erstmals das Hirntod-Syndrom mit den Symptomen Koma, erloschene Hirnstammreflexe, Apnoe (Atemstillstand) und Ableitung eines isoelektrischen (Null-Linien-) EEG.

Keine einheitlichen Kriterien

Mit dem Fortschritt der Intensivmedizin, insbesondere der Möglichkeit der künstlichen Beatmung in den 40er und 50er Jahren und der ersten erfolgreichen Herz-Reanimation in den 60er Jahren, war es erforderlich, den Begriff "klinisch tot" zu erweitern. Während es früher ausreichend war, den Tod durch den irreversiblen Ausfall der Herz-Kreislauf-Funktion festzustellen, kam nun der Begriff des Hirntodes dazu. Der Hirntod stellt den nicht mehr rückgängig zu machenden Ausfall des Großhirns und des Hirnstamms bei erhaltender Funktion der anderen Organe dar.

Allerdings gibt es selbst im europäischen Raum keine einheitlichen Kriterien zur Hirntoddiagnostik. Die Hirntodfeststellung beruht weltweit auf klinischen Kriterien und in vielen Ländern neben dem Beobachtungszeitraum auf einer zusätzlichen apparativen Diagnostik. Mit Ausnahme von Großbritannien ist in Europa der irreversible Funktionsausfall des Großhirns und des Hirnstammes erforderlich. In Großbritannien genügt der einmalige klinische Nachweis des Hirnstammtodes und es wird bewusst auf den Nachweis des Großhirntodes verzichtet.

Drei-stufiges Vorgehen

Die Diagnose eines Hirntodsyndroms stellt jedoch in allen europäischen Ländern ein drei-stufiges Vorgehen dar. Die drei klinischen Kardinalsymptome sind tiefes Koma, Verlust der Hirnstammreflexe und Apnoe. Koma ist definiert als fehlende motorische und verbale Reaktion auf akustische und stärkste Schmerzreize. Die Hirnstammreflexe umfassen unter anderen die Pupillenreaktion und andere Reflexe. Der Atemstillstand schließlich zählt zu den Hauptkriterien des Hirntodsyndroms und stellt den Ausfall des Hirnstamms dar.

Das Elektroencephalogramm (EEG )stellt die am längsten und am meisten eingesetzte Zusatzuntersuchung zur Sicherung des Hirntodes dar. Es beschreibt die elektrische Aktivität der Großhirnrinde, gibt jedoch keine Auskunft über die elektrophysiologische Funktion des Hirnstamms. Ein Null-Linien-EEG in Verbindung mit der Trias Koma, fehlende Hirnstammreflexe und Apnoe ist mit einem Hirntodsyndrom kompatibel.