Erziehung - Die Wurzel schlechter Taten ist Unwissenheit


Erziehung

Die Wurzel schlechter Taten ist Unwissenheit; wir müssen uns deshalb fest an
die Werkzeuge der Wahrnehmung und Erkenntnis halten. Ein guter Charakter muß
gelehrt werden. Das Licht muß weithin verbreitet werden, damit alle in der
Schule der Menschlichkeit die himmlischen Eigenschaften des Geistes erwerben
und zweifelsfrei erkennen, daß es keine heißere Hölle, keinen feurigeren
Abgrund gibt als einen unzuverlässigen, verderbten Charakter. Es gibt keine
dunklere Grube, keine abscheulichere Qual als verdammungswürdige
Eigenschaften.

Jeder Mensch muß zu einer so hohen Stufe erzogen werden, daß er sich lieber
die Kehle durchschneiden läßt, als eine Lüge auszusprechen, und daß es für
ihn leichter ist, vom Schwert geteilt oder vom Speer durchbohrt zu werden,
als eine Verleumdung zu äußern oder dem Jähzorn zu verfallen. ...

Es ist äußerst schwierig, nach der Pubertät den Menschen zu lehren und
seinen Charakter zu verbessern. Dann nämlich, so zeigt uns die Erfahrung,
nützt alles nichts mehr, auch wenn noch so große Anstrengungen unternommen
werden, seine Neigungen zu verändern. Er wird sich heute vielleicht etwas
bessern. Aber einige Tage später vergißt er alles wieder und fällt zurück in
seinen gewohnten Trott, seine eingefahrenen Geleise. Deshalb muß in
frühester Kindheit eine feste Grundlage gelegt werden. Solange der Zweig
grün und zart ist, kann er leicht gerade gebogen werden.

Unserer Meinung nach sind die Eigenschaften des Geistes die erste, die
göttliche Grundlage. Sie schmücken das wahre Wesen des Menschen, und Wissen
ist die Ursache menschlichen Fortschritts. Die Geliebten Gottes müssen
dieser Angelegenheit große Bedeutung beimessen und sie mit Eifer und
Begeisterung vorantreiben.

Abdu'l Baha, Briefe und Botschaften
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"Eine Stunde Nachdenkens ist mehr wert als
siebzig Jahre frommer Andacht."
Baha'u'llah
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