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| Dogmen und Riten Bestandteil von Religionen |
correct; Bestandteil der Religionen. Nicht zwingend Bestandteil des Glauben. Darauf wollte ich hinaus. Es kann genauso gut eine Religion Bestand haben in der es keine Riten und Dogmen gibt.
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Liebe Freunde,
Ich seh das ein wenig anders. Meiner Meinung nach ist es ein Widerspruch zu sagen: "Ich glaube an Gott, aber ich gehöre keiner Religion an." Weil damit kann sich jeder seine eigene Religion schaffen. Der Eine könnte sagen: Ich glaube an Gott - mein Gott ist ein Gott, der mir erlaubt Drogen zu nehmen und schwupps hat man seine eigene Religion gegründet. Oder ein anderer könnte sagen: Ich glaube ja an Gott und mein Gott erlaubt zu lügen. Woher weiss man denn, was DER Gott will? --> Die (wahre) Religion sagt es.
Zum Beispiel sind die zehn Gebote heute selbstverständlich für uns und sind Teil unserer Gesetze, aber vor tausenden Jahren, als es sie nicht gab, woher hätten die Menschen wissen sollen, was richtig und was falsch ist?
Erst die Religion sagt ja uns, was es bedeutet an Gott zu glauben, welche Konsequezen es hat wenn man sagt "Ich glaube an Gott". Sie erklärt uns erst, wie Gott ist, wie man leben soll, wenn man ihn liebt usw.
Da der Mensch nicht weiss, was richtig und was falsch ist, braucht er den "Offenbarer Gottes", einen von Gott herabgesandten Vermittler wie Moses, Buddha, Jesus oder Mohammed, der den Menschen den richtigen Weg zeigt.
Leider ist der Begriff "religiös" heute ziemlich unmodern, man denkt dann an alte Dogmen oder veraltete Traditionen. Für mich sind die oben erwähnten sieben Punkte der Ausdruck von Religiösität und diese ist nicht an Dogmen und Tradition gebunden, sondern gilt ewig und wenn man sich die Heiligen Bücher anschaut, so findet man sie alle dort.
Es ist so wie Abdu'l-Baha sagt:
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| Religion ist im übrigen keine Ansammlung von Glaubenssätzen oder Bräuchen; Religion ist die Lehre Gottes, des Herrn, eine Lehre, die das Leben der Menschheit begründet, dem Verstand erhabene Gedanken eingibt, den Charakter veredelt und den Grundstock legt für des Menschen ewige Ehre. |
Ich habe einen Thread erstellt mit dem Titel:
Brauchen wir Religion überhaupt?
Vielleicht interessant für Euch.
Liebe Grüße,
Deas
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Tja, lieber Deas,
betrachten wir im Sinne der fortschreitenden Gottesoffenabrung Religion als wirksamstes Instrument zur zivilisatorischen Fortbildung der Menschen, dann gibts eigentlich niemanden, der aufgrund seiner Prägung oder Erziehung keiner Religion Verehrung entgegen bringt. Wer - wie viele der Esoteriker - "an das Gute im Menschen glaubt, seinen Mitmenschen nur Guites tun will", hat damit die Kernsätze der abrahamitischen Religionen verinnerlicht. Ein solcher Mensch kann sich sowohl Christ, als auch Jude, Zoroaster, Muslim oder Baha' i nennen.
Die Schwierigkeit, die manche Menschen mit dem Begriff "Religion" haben, liegt nicht so sehr an der Religion selbst, sondern an denjenigen unserer Mitmenschen, die Religion als Vordenker, Vorbeter, Führer, repräsentieren. Wer die bestehenden Religionen nur deshalb ablehnt, weil sie einen Kult darstellen, lehnt eigentlich nur die Vorbeter/Repräsitanten ab, nicht so sehr die Religion an sich.
Den Rabbi' s, Schriftgelehrten, Predigern, Priestern und Priesterinnen, Imanen, Mullah' s, Patriarchen und Päpsten ist es eigentlich auch zu "verdanken", wenn Menschen sich dazu entscheiden, Gott in ihrer eigenen Art zu verehren, dabei aber keine tiefere Bindung zu einer Gemeinschaft der Gläubigen eingehen. Wer mag schon, das man mit dem erhoben Zeigefinger auf ihn zeigt, weil man Gott auf seiner Weise huldigt. Erinnert sei an die Karthäer des frühen Christentums, die ihre eigene Interpretation von Gott und Jesus hatten - und von den byzantinischen Christen nach dem Konzil von Nicäa erbittert verfolgt wurden. Erinnert sei an die Gemeinschaft der Sufi, die unter der Osmanenherrschaft ihre Form des muslimischen Glaubens mit dem Tod bezahlten. Erinnert sei an die Stellung der Kanaaniter und Samariter zur Zeit des Jesus - obwohl beides jüdische Völker, liessen die Pharisäer kein gutes Haar an ihnen.
Und es gibt noch einen weiteren Aspekt (der sicherlich auch in den von Dir neu eröffneten Thread passen würde): Die Aufklärung hat uns ein "gesteigertes Bewusstsein" für den eigenen, freien Willen gebracht. Dieser freie Wille manifestiert sich eben auch daran, eigene Wege des Glaubens zu beschreiten ,was nach der Baha' i-Religion, genauer gesagt nach der Verpflichtung selbstständig nach Wahrheit zu suchen, auch förderlich ist. Ich kann niemandem einen Vorwurf daraus machen, wenn er eigene Wege des Glaubens beschreitet und dabei die bereits beschrittenen Wege oder noch zu gehenden Wege von Religionen erstmal "aussen vor" lässt. Die selbstständige Suche nach Wahrheit - gemessen an dem Wort des Jesus ".an Ihren Früchten sollt ihr sie erkennen". lässt auch die Möglichkeit offen, im Rahmen eines geistigen Entwicklungsprozesses sich "irgendwann/so Gott will" in einer Gemeinschaft von Gläubigen zu integrieren.
Natürlich kann sich jeder Mensch seine eigene Religion schaffen - die Freiheit hat der Mensch. Im Moment in Deutschland wird der "Fussballgott" verehrt; die Hippie-Bewegung verehrte den "Gott der freien Liebe und des LSD". - als einzelner Mensch kann ich mich mit Grausen abwenden oder mit Engelszungen reden - die Entscheidung, ob eine bestehende Religion oder eine selbst geschaffene Religion für einen Mitmenschen dessen einzigster Weg zum Seelenheil ist, kann ich für meinen Mitmenschen nicht treffen. Dies muss mein Mitmensch selbst entscheiden.
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Deas,
Du lieferst mir gerade sehr schöne Ansätze zu meinem Lieblingsthema.
| Zitat: |
| Woher weiss man denn, was DER Gott will? |
(*oben)
Woher weiss man was GOTT will? Das ist eine Frage, die jeder für sich ganz tief drin beantworten kann. In jedem Herzen - und ist es noch so schmuddelig nach aussen hin - liegt tief verborgen die Quelle des Seins. Wer sie gefunden und ergriffen hat, der bedarf keiner Regeln denn der Quell ist die Regel selbst.
| Zitat: |
| Die (wahre) Religion sagt es |
Na, na, na - Deas, das hätt ich jetzt nicht erwartet
Ich spare mir für später auf dazu etwas zu schreiben. Wer darauf nicht warten kann: s.o. (*)
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Wie versprochen nun das später.
aus: Nathan der Weise
SALADIN:
Ich heische deinen Unterricht in ganz
Was anderm; ganz was anderm. - Da du nun
So weise bist: so sage mir doch einmal -
Was für ein Glaube, was für ein Gesetz
Hat dir am meisten eingeleuchtet?
.
NATHAN:
Doch, Sultan, eh' ich mich dir ganz vertraue,
Erlaubst du wohl, dir ein Geschichtchen zu
Erzählen?
SALADIN:
Warum das nicht? Ich bin stets
Ein Freund gewesen von Geschichtchen, gut
Erzählt.
NATHAN:
Sultan,
Ich bin ein Jud'.
SALADIN:
Und ich ein Muselmann.
Der Christ ist zwischen uns. - Von diesen drei
Religionen kann doch eine nur
Die wahre sein. - Ein Mann, wie du, bleibt da
Nicht stehen, wo der Zufall der Geburt
Ihn hingeworfen: oder wenn er bleibt,
Bleibt er aus Einsicht, Gründen, Wahl des Bessern.
Wohlan! so teile deine Einsicht mir
Dann mit. Lass mich die Gründe hören, denen
Ich selber nachzugrübeln, nicht die Zeit
Gehabt. Lass mich die Wahl, die diese Gründe
Bestimmt, - versteht sich, im Vertrauen - wissen,
Damit ich sie zu meiner mache. Wie?
Du stutzest? wägst mich mit dem Auge? - Kann
Wohl sein, dass ich der erste Sultan bin,
Der eine solche Grille hat; die mich
Doch eines Sultans eben nicht so ganz
Unwürdig dünkt. - Nicht wahr? - So rede doch!
NATHAN:
Vor grauen Jahren lebt' ein Mann in Osten,
Der einen Ring von unschätzbarem Wert
Aus lieber Hand besaß. Der Stein war ein
Opal, der hundert schöne Farben spielte,
Und hatte die geheime Kraft, vor Gott
Und Menschen angenehm zu machen, wer
In dieser Zuversicht ihn trug. Was Wunder,
Dass ihn der Mann in Osten darum nie
Vom Finger ließ; und die Verfügung traf,
Auf ewig ihn bei seinem Hause zu
Erhalten? Nämlich so. Er ließ den Ring
Von seinen Söhnen dem geliebtesten;
Und setzte fest, dass dieser wiederum
Den Ring von seinen Söhnen dem vermache,
Der ihm der liebste sei; und stets der liebste,
Ohn Ansehn der Geburt, in Kraft allein
Des Rings, das Haupt, der Fürst des Hauses werde. -
Versteh? mich Sultan.
SALADIN:
Ich versteh? dich. Weiter!
NATHAN:
So kam nun dieser Ring, von Sohn zu Sohn,
Auf einen Vater endlich von drei Söhnen;
Die alle drei ihm gleich gehorsam waren,
Die alle drei er folglich gleich zu lieben
Sich nicht entbrechen konnte. Nur von Zeit
zu Zeit schien ihm bald der, bald dieser, bald
Der dritte, - sowie jeder sich mit ihm
Allein befand, und sein ergießend Herz
Die andern zwei nicht teilten, - würdiger
Des Ringes; den er denn auch einem jeden
Die fromme Schwachheit hatte, zu versprechen.
Das ging nun so, solang es ging. - Allein
Es kam zum Sterben, und der gute Vater
Kommt in Verlegenheit. Es schmerzt ihn, zwei
Von seinen Söhnen, die sich auf sein Wort
Verlassen, so zu kränken. - Was zu tun? -
Er sendet in geheim zu einem Künstler,
Bei dem er, nach dem Muster seines Ringes,
Zwei andere bestellt, und weder Kosten
Noch Mühe sparen heißt, sie jenem gleich,
Vollkommen gleich zu machen. Das gelingt
Dem Künstler. Da er ihm die Ringe bringt,
Kann selbst der Vater seinen Musterring
Nicht unterscheiden. Froh und freudig ruft
Er seine Söhne, jeden insbesondre;
Gibt jedem insbesondre seinen Segen, -
Und seinen Ring, - und stirbt. - Du hörst doch,
Sultan?
SALADIN:
(der sich betroffen von ihm gewandt).
Ich hör?, ich höre! - Komm mit deinem Märchen
Nur bald zu Ende. - Wird?s!
NATHAN:
Ich bin zu Ende.
Denn was noch folgt, versteht sich ja von selbst. -
Kaum war der Vater tot, so kommt ein jeder
Mit seinem Ring, und jeder will der Fürst
Des Hauses sein. Man untersucht, man zankt,
Man klagt. Umsonst; der rechte Ring war nicht
Erweislich; - (nach einer Pause, in welcher er
des Sultans Antwort erwartet)
Fast so unerweislich, als
Uns jetzt - der rechte Glaube.
SALADIN:
Wie? Das soll
Die Antwort sein auf meine Frage?
NATHAN:
Soll
Mich bloß entschuldigen, wenn ich die Ringe
Mir nicht getrau' zu unterscheiden, die
Der Vater in der Absicht machen ließ,
Damit sie nicht zu unterscheiden wären.
SALADIN:
Die Ringe! - Spiele nicht mit mir! - Ich dächte,
Dass die Religionen, die ich dir
Genannt, doch wohl zu unterscheiden wären.
Bis auf die Kleidung, bis auf Speis' und Trank!
NATHAN:
Und nur von seiten ihrer Gründe nicht. -
Denn gründen alle sich nicht auf Geschichte?
Geschrieben oder überliefert! - Und
Geschichte muss doch wohl allein auf Treu'
Und Glauben angenommen werden? - Nicht? -
Nun, wessen Treu' und Glauben zieht man denn
Am wenigsten in Zweifel? Doch der Seinen?
Doch deren Blut wir sind? doch deren, die
Von Kindheit an uns Proben ihrer Liebe
Gegeben? die uns nie getäuscht, als wo
Getäuscht zu werden uns heilsamer war? -
Wie kann ich meinen Vätern weniger
Als du den deinen glauben? Oder umgekehrt. -
Kann ich von dir verlangen, dass du deine
Vorfahren Lügen strafst, um meinen nicht
Zu widersprechen? Oder umgekehrt.
Das nämliche gilt von den Christen. Nicht?
SALADIN:
Bei dem Lebendigen! Der Mann hat recht.
Ich muss verstummen.
NATHAN:
Lass auf unsre Ring'
Uns wieder kommen. Wie gesagt: die Söhne
Verklagten sich; und jeder schwur dem Richter,
Unmittelbar aus seines Vaters Hand
Den Ring zu haben. - Wie auch wahr! - Nachdem
Er von ihm lange das Versprechen schon
Gehabt, des Ringes Vorrecht einmal zu
Genießen. - Wie nicht minder wahr! - Der Vater,
Beteuerte jeder, könne gegen ihn
Nicht falsch gewesen sein: und eh' er dieses
Von ihm, von einem solchen lieben Vater,
Argwohnen lass': eh' müss' er seine Brüder,
So gern er sonst von ihnen nur das Beste
Bereit zu glauben sei, des falschen Spiels
Bezeihen; und er wolle die Verräter
Schon auszufinden wissen; sich schon rächen.
SALADIN:
Und nun der Richter? - Mich verlangt zu hören,
Was du den Richter sagen lässest. Sprich!
NATHAN:
Der Richter sprach: Wenn ihr mir nun den Vater
Nicht bald zur Stelle schafft, so weis' ich euch
Von meinem Stuhle. Denkt ihr, dass ich Rätsel
Zu lösen da bin? Oder harret ihr,
Bis dass der rechte Ring den Mund eröffne? -
Doch halt! Ich höre ja, der rechte Ring
Besitzt die Wunderkraft beliebt zu machen;
Vor Gott und Menschen angenehm. Das muss
Entscheiden! Denn die falschen Ringe werden
Doch das nicht können! - Nun: wen lieben zwei
Von Euch am meisten? - Macht, sagt an! Ihr schweigt?
Die Ringe wirken nur zurück? und nicht
Nach außen? Jeder liebt sich selber nur
Am meisten? - O, so seid ihr alle drei
Betrogene Betrüger! Eure Ringe
sind alle drei nicht echt. Der echte Ring
Vermutlich ging verloren. Den Verlust
zu bergen, zu ersetzen, ließ der Vater
Die drei für einen machen.
SALADIN:
Herrlich! herrlich!
NATHAN:
Und also, fuhr der Richter fort, wenn ihr
Nicht meinen Rat, statt meines Spruches, wollt:
Geht nur! - Mein Rat ist aber der: ihr nehmt
Die Sache völlig wie sie liegt. Hat von
Euch jeder seinen Ring von seinem Vater:
So glaube jeder sicher seinen Ring
Den echten. - Möglich; dass der Vater nun
Die Tyrannei des einen Rings nicht länger
In seinem Hause dulden wollen! - Und gewiss;
Dass er euch alle drei geliebt, und gleich
Geliebt: indem er zwei nicht drücken mögen,
Um einen zu begünstigen. - Wohlan!
Es eifre jeder seiner unbestochnen
Von Vorurteilen freien Liebe nach!
Es strebe jeder von euch um die Wette,
Die Kraft des Steins in seinem Ring an Tag
Zu legen! komme dieser Kraft mit Sanftmut,
Mit herzlicher Verträglichkeit, mit Wohltun,
Mit innigster Ergebenheit in Gott
Zu Hilf'! Und wenn sich dann der Steine Kräfte
Bei euern Kindes-Kindeskindern äußern:
So lad' ich über tausend tausend Jahre
Sie wiederum vor diesen Stuhl. Da wird
Ein weisrer Mann auf diesem Stuhle sitzen
Als ich; und sprechen. Geht! - So sagte der
Bescheidne Richter.
SALADIN:
Gott! Gott!
(Gotthold Ephraim Lessing)
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