Manchmal...


Manchmal bin ich traurig, wenn ich an meinen Vater denke,
der nicht wirklich alt werden durfte, der keine schöne Kindheit
und Jugend haben durfte, der nur geschuftet hat, um uns Kindern
alles zu bieten, der niemanden bestohlen hat, auch in den Zeiten,
in denen er nichts mehr hatte, der niemals (!) einem Menschen
weh getan hat, der niemals anderen Gewalt antat, der nie einen
anderen beleidigt oder diskriminiert hätte, und der immer da war,
wenn man ihn brauchte.

Manchmal ertappe ich mich dabei, dass ganz kleine Zweifel (oder eher
Verzweiflung?) in mir aufkommen, wenn ich dann andere in meiner Umgebung sehe, die im gleichen Alter sind, die andere schikaniert haben, wo sie nur konnten, intrigiert und denunziert haben, sich einen Dreck um Hilflose scherten. Nicht, dass ich ihnen den Tod wünschte, nein, keinesfalls, so weit ginge ich nicht. Aber dann stelle ich mir die Frage: Sind sie denn mehr wert als mein Vater war, der nicht einmal seine Rente richtig erleben und einen ruhigen, sorgenfreien Lebensabend genießen durfte?

Manchmal frage ich mich, ob das Vermissen und Fragen nie aufhört?

Zeit heilt Wunden, sagt man. Dann habe ich wohl die falsche Zeit erwischt. Meine Zeit wetzt manchmal ihr Messer, um noch tiefer hineinzuschneiden.

Nach wieviel Jahren hört das endlich auf?

Und was kann ich tun, um solche Gedanken in eine andere Richtung zu lenken? Ich kann es - manchmal, aber eben nicht immer.
Meine liebe Suchende,

ich glaube nicht, daß dein Papa traurig ist, dort, wo er jetzt weilt. Er hat sein ganzes Leben nur geschuftet, und viel gelitten, sagst du.

Sei du dir ganz sicher, daß er dort, wo er jetzt ist, glücklich ist. Viel glücklicher als ein "ruhiger Lebensabend" an Glück jemals bieten kann. Sei du nicht traurig. Denke niemals daß du daran, wie gut es den Menschen geht, erkennen kannst, welchen Wert sie vor Gott haben.

Zitat:

Macht die Seele in dieser Welt durch Leid oder durch Freude die größeren Fortschritte?
Verstand und Geist des Menschen entwickeln sich, wenn er durch Leid geprüft wird ... Wie der Pflug die Erde tief furcht und sie von Unkraut und Disteln reinigt, so befreien Leid und Trübsal den Menschen von den Nichtigkeiten dieses irdischen Lebens, bis er den Zustand völliger Loslösung erreicht. Er gewinnt dann in dieser Welt göttliche Glückseligkeit. Der Mensch ist sozusagen unreif; die Hitze des Feuers der Leiden läßt ihn reifen. Blicke zurück auf vergangene Zeiten, und du wirst erkennen, daß die größten Menschen am meisten gelitten haben ... Durch Leiden wird der Mensch ewiges Glück erlangen, das ihm nichts rauben kann.(Ábdu'l-Bahá)


Bahá'u'lláh hat die meisten Jahre seines Lebens in bitterer Armut und Gefangenschaft verbracht. Jesus war bettelarm, während Kaiphas sich im Reichtum wälzte.

Bahá'u'lláh sagt dazu:

Zitat:
Sprich : O ihr Menschen! Laßt euch von diesem Leben und seinem Trug nicht trügen, denn die Welt und alles, was in ihr ist, liegt fest in der Gewalt Seines Willens. Er schenkt Seine Gunst, wem Er will, und Er entzieht sie, wem Er will. Er tut, was Ihm beliebt. Hätte die Welt in Seinen Augen einen Wert, so hätte Er es nie zugelassen, daß Seine Feinde sie besitzen, nicht einmal im Ausmaß eines Senfkorns.
(Baha'u'llah, Aehrenlese)


Die geistige Welt ist so unaussprechlich herrlich, daß Gott, nach dem heiligen Text, tatsächlich Menschen bestraft, indem er ihnen die Tore zu irdischem Reichtum und Luxus öffnet:

Zitat:
Halte dir vor Augen, was im Buche Gottes, des Helfers in Gefahr, des Allherrlichen, offenbart ist: »Und als sie ihre eigenen Warnungen vergessen hatten, öffneten Wir ihnen die Tore zu allen Dingen«,¹ wie Wir dir und deinesgleichen die Tore dieser Welt mit ihrem Schmuck geöffnet haben. (Baha'u'llah, Aehrenlese)


Dies schrieb Bahá'u'lláh an einen, der sehr bösartige Dinge gemacht hat und der sehr reich war.

Die Menschen, die Gott am meisten liebt, prüft Er am meisten, damit sie all jene Früchte an guten Eigenschaften ernten, mit denen sie das ewige Leben in Freude erreichen können. Dieses Leben ist ruck-zuck vorüber, und dann?

Ganz deutlich auch hier:

Zitat:
Kaiphas lebte ein behagliches und glückliches Leben, während Petri Leben voller Sorge und Prüfung war. Wer von beiden ist beneidenswerter? Sicher würden wir den gegenwärtigen Zustand Petri wählen, besitzt er doch unvergängliches Leben, während Kaiphas ewige Schande erlangt hat. Die Prüfungen Petri erprobten seine Treue. Kummer und Sorge überkommen uns nicht zufällig, sie werden uns vielmehr durch die göttliche Gnade zu unserer eigenen Vervollkommnung gesandt.
Solange ein Mensch glücklich ist, mag er wohl Gott vergessen, doch wenn ihn Kummer ankommt und Sorge überwältigt, wird er sich des Vaters, der im Himmel ist und ihn aus seiner Erniedrigung zu befreien vermag, erinnern.
Menschen, die nicht leiden, erfahren keine Vervollkommnung. Die vom Gärtner am stärksten beschnittene Pflanze wird, wenn der Sommer kommt, die schönsten Blüten und die üppigsten Früchte bringen.
Der Landmann furcht die Erde mit dem Pflug, und aus einem solchen Boden erwächst die reiche und volle Ernte. Je mehr ein Mensch geläutert wird, desto größer ist die Ernte der geistigen Tugenden, die aus ihm hervorgehen. Ein Soldat gibt keinen guten General ab, ehe er nicht in der heftigsten Front des Kampfes war und tiefste Wunden empfangen hat. (Abdu'l-Baha, Ansprachen in Paris)


Liebe Suchende, ich hoffe so sehr daß du geistiges Glück findest, laß die Welt Welt sein....
Du bist ein so wunderbarer Mensch!

Alles Liebe von Yojo
_________________
"Es ist die Sehnsucht Gottes an diesem Tage, alle Menschen als eine Seele und einen Körper zu betrachten" (Bahá'u'lláh)
Liebe Suchende,

einerseits kann ich Dich sehr gut verstehen, und insbesonders bei lieben Verwandten und Freunden, die früh heimgegangen sind, hatte ich ähnliche Gedanken, aber dann habe ich mir gesagt, dass sie alle sicher viel besser aufgehoben sind als wir, dass sie ein anderes, aber schöneres Leben führen dürfen! Menschen, die Nahtoderlebnisse hatten, wollten eigentlich nicht mehr zurück und später beseelte sie nur der Glücksgedanke, irgendwann endgültig in diese wunderbare Welt voller Liebe gehen zu dürfen!

Sicherlich ist eine Trauerfeier auf Erden
ein rauschendes Freudenfest unter den Engeln!


Viele liebe Wünsche begleiten Dich!

Désirée
_________________
Hütet euch, eine Seele zu kränken, ein Herz zu betrüben
oder einen Menschen mit euren Worten zu verletzen, sei er euer Bekannter
oder ein Fremdling, Freund oder Feind!