Sinn, die Moscheen zu schließen?


Ich glaube auch nicht, dass es Sinn machen würde, die Moscheen zu schließen. Dann würden sich die betreffenden Personen einen anderen Platz suchen.

Im umgekehrten Sinne könnte man theoretisch die Treffpunkte (meist Hinterzimmer in Kneipen) Rechtsradikaler schließen. Dann fänden sie in Kürze eben woanders die Möglichkeit, ihre Hetze weiter zu betreiben.

Ich bin auch der Meinung, dass ein aufeinander Zugehen, Austausch etc. sinnvoller wären. Denn nur, was im Kleinen beginnt und von der Theorie in die Praxis umgesetzt wird, kann irgendwann auch im Großen funktionieren.

Unser bester (und damit meine ich den wirklich allerbesten) Freund der Familie war Mohammed, ein Muslime. Und genau so, wie Umay schreibt, haben es meine Eltern und seine Familie schon damals gehandhabt: mit gegenseitigen, häufigen Besuchen, Gesprächen, Einladungen, sich über die Religion, Kultur, Sitten und Bräuche des jeweils anderen auszutauschen.

Ich persönlich habe damit kein Problem, kenne aber auch seitens meiner Familie keinerlei Vorurteile oder gar Hetze gegen Menschen anderer Nationalität.

In unserer Nachbarschaft wohnt Isam, ein Palästinenser. Er vermittelte mir vor ein paar Jahren eine Kundin (ich betrieb ein Schreibbüro, vll auch bald wieder), die mit einem Palästinenser, Nabil, liiert war. Auch hier entstand eine Art Freundschaft. Ich hatte z.B. nur einmal am Rande erwähnt, dass ich gerne Mokka trinke. Am nächsten Tag stand Nabil vor der Tür mit einem Cave und Kaffee, den seine Familie ihm nach Deutschland geschickt hatte...

Ein paar Tage später erzählte ich einem - sehr lukrativen - Stammkunden (Deutscher) von Nabil. Der "Herr" meinte nur: "Ach? Ein Bombenleger?" Und ich antwortete ihm darauf: "Finden Sie das nicht ziemlich hirnverbrannt, alle in einen Topf zu werfen? Oder sind Sie umgekehrt damit einverstanden, wenn alle Deutschen pauschal als Nationalsozialisten beschimpft werden?"

Das Ergebnis war, dass ich ihm die Haustür zeigte. Ich hatte zwar einen guten Kunden verloren, aber darauf konnte ich gut verzichten. Schließlich war Nabil nicht da, um sich gegen solche Reden zu wehren, also habe ich das für ihn übernommen.

Die Diplomarbeit (das war der Auftrag) wurde damals vom Europäischen Parlament ausgezeichnet, was für Nabil und seine Freundin ein Grund zum Feiern war. Sie luden mich und meine Mutter zum Essen ein.

Ich sagte zu Nabil, dass ich dann meinen Hund selbstverständlich zu Hause lasse. Er bestand jedoch hartnäckig darauf, dass ich ihn mitbringe mit dem Kommentar: "Kommt nicht in Frage. Der gehört zu deiner Familie, also ist auch er eingeladen und kommt mit."

Es war ein wunderschöner Nachmittag und Abend und vollkommene Harmonie.

Ich denke, dies ist zwar ein kleines, aber schönes Beispiel dafür, dass beide "Seiten" sehr wohl aufeinander zugehen und sich tolerieren und akzeptieren können, wenn sie wollen... Jedenfalls möchte ich die Zeit nicht missen.