Foren-Übersicht
Login | Registrieren | Forum | Suche

Als Atheist, sage ich mir nur eins












Gottlose Tiere !

Des Menschen Vorfahren, die man biologisch noch den Tieren zuordnet, hatten sicherlich noch keine Religion, aber mit wachsender Hirnmasse und der sich daraus ergebenden Möglichkeit, über sich selbst nachzudenken, müssen sich im Laufe von Jahrmillionen allmählich auch erste religiöse Gefühle eingestellt haben.
Michel Onfray, der atheistische Philosoph, schreibt dazu:

„Wir wissen, daß die Tiere in Bezug auf Gott völlig unbelastet sind. Unbeleckt von jeglicher Religion kümmern sie sich nicht um den Weihrauch, die Hostie oder irgendwelche Gebete und geraten vor Sternen oder Priestern nicht in ekstatische Verzückungen. Sie bauen auch keine Tempel oder Kathedralen. Nie hat man beobachtet, daß sie sich mit Bittgesuchen an irgendwelche Fiktionen wenden. Mit Spinoza stellt man sich vor, sie würden, wenn sie sich denn einen Gott machten, ihn nach ihrem Vorbild erschaffen: Die Gottheit der Esel hat große Ohren, die der Elefanten einen langen Rüssel und die der Bienen einen Stachel. So wie die Menschen - als sie sich eines Tages auf die Idee von einem einzigen Gott versteiften - ihn sich »ach ihrem Vorbild schufen: gewalttätig, eifersüchtig, rachsüchtig, frauenfeindlich, aggressiv, herrschsüchtig lind intolerant. Kurz: Sie gaben ihrem Todestrieb - ihrer dunklen Seite - eine Gestalt und machten daraus eine Maschine, die sie mit voller Kraft gegen die Menschen selbst in Bewegung setzten.
Denn nur die Menschen erfinden Himmelreiche und Götter (oder auch nur einen einzigen Gott). Nur sie werfen sich auf den Boden oder knien nieder. Nur sie erfinden Geschichten, an die sie felsenfest glauben, um dem Schicksal nicht ins Auge sehen zu müssen. Nur sie schaffen sich auf der Basis dieser Fiktionen bestimmte Wahnvorstellungen,
die wiederum eine ganze Reihe gefährlicher Dummheiten und neue Ausflüchte mit sich bringen. Nur sie arbeiten. - voller Einfalt - eifrigst an der Realisierung dessen, was sie mehr als alles andere fürchten: den Tod.
Ein Leben mit dem Tod als unvermeidlichem Ende erscheint ihnen offensichtlich unerträglich. Also sorgen sie schnell dafür, daß dieser Feind ihr Leben bestimmt. Sie wollen regelmäßig ein bißchen sterben, jeden Tag, und glauben so, wenn die große Stunde kommt, einen leichteren Tod zu haben. Mit dem Hinweis, daß jeder eines Tages sich dem Tod beugen muß, fordern die drei monotheistischen Religionen die Gläubigen dazu auf, schon im Hier und Jetzt der Welt zu entsagen: Sie preisen ein (fiktives) Jenseits und verhindern dadurch, daß man das (reale) Diesseits in vollen Zügen genießt. Was treibt sie an? Der Todestrieb und unzählige davon abgeleitete Varianten.
Ein seltsamer Widerspruch! Die Religion reagiert auf das ontologische Loch, das jeder entdeckt, wenn er erfährt, daß er eines Tages sterben wird, daß sein irdisches Dasein zeitlich begrenzt ist und daß die gesamte Existenz aus dem Nichts kommt und im Nichts endet.
Mit Hilfe von Fabeln wird dieser Prozeß beschleunigt. Durch sie wird der Tod im Namen der himmlischen Ewigkeit auf der Erde installiert, und so ist das einzige Gut, das wir haben, verdorben: Mit dem Hinweis auf die Endlichkeit alles Seins wird der lebendige Kern der Existenz schon ins Entstehen abgetötet. Nicht zu sein, um nicht sterben zu müssen- eine Rechnung die nicht aufgeht!
Schön - ein leidenschaftlich engagierter Text, aber ebenso eine Aneinanderreihung von Behauptungen wie alle die religiösen Behauptungen, die er angreift - nicht verifizierbar, nicht falsifizierbar...
- bis auf die Geschichte mit Spinoza, die ist falsch. Das war nämlich der Vorsokratiker Xenophanes
Ist es in diesem Zusammenhang wirklich so wichtig, ob Spinoza oder bereits ein “heidnischer“ griechischer Philosoph sich in diesem Sinne geäußert hat?

Speziell zu Spinoza schreibt Michel Onfray:
“Der hochintelligente Spinoza - auch er ein Pantheist - wird ebenfalls als Atheist verurteilt.
Der eigentliche Grund seiner Verurteilung: Er weicht von der orthodoxen jüdischen Lehre ab. Am 27. Juli 1656 versammeln sich die Parnassim zum Mahamad, dem jüdischen Rat von Amsterdam, und verlesen in der Synagoge an der Houtgracht vor der Lade mit den Gesetzesrollen einen Text von erschreckender Gewalt.
Man wirft Spinoza ungeheuerliche Häresien, schreckliche Taten, gefährliche Ansichten und ein schändliches Betragen vor und verhängt deshalb ein - bis heute nicht aufgehobenes - Herem über ihn.
Das Urteil, das die jüdische Gemeinde über ihn fällt, ist hart: Ausgeschlossen, verstoßen, verbannt und für alle Zeiten verflucht, d. h. Tag und Nacht, im Schlaf und im Wachzustand, beim Verlassen des Hauses und bei der Heimkehr ... Die Männer Gottes berufen sich dabei auf den Zorn ihrer Fiktion und deren weder zeitlich noch räumlich begrenzten Fluch. Als zusätzliches Geschenk fordern die Parnassim,, daß der Name Spinoza für alle Zeiten vom Erdboden verschwindet. Dies ist ihnen allerdings nicht gelungen ...

Zusätzlich zur Exkommunikation beschließen die Rabbiner, diese theoretischen Verfechter der Nächstenliebe, daß niemand schriftlichen oder mündlichen Kontakt zu dem Philosophen unterhalten darf. Außerdem hat niemand das Recht, ihm einen Dienst zu erweisen oder sich mit ihm unter einem Dach aufzuhalten. Jeder muss einen Mindestabstand von zwei Metern zu ihm einhalten. Selbstverständlich ist es auch verboten, seine Schriften zu lesen.
Spinoza ist zu diesem Zeitpunkt 23 Jahre alt und hat noch nichts veröffentlicht. Seine Ethica wird erst 21 Jahre später posthum erscheinen, nämlich im Jahre 1677.
-Heute wird Spinoza auf der ganzen Welt gelesen ...

Wo gibt es bei Spinoza Hinweise auf den Atheismus? Nirgendwo. Vergeblich würde man in seinem Werk auch nur einen Satz suchen, der die Existenz Gottes leugnet. Er bestreitet zwar die Unsterblichkeit der Seele und glaubt nicht an eine Bestrafung oder Belohnung nach dem Tode. Er äußert auch den Gedanken, daß die Bibel ein Sammelwerk ist, an dem verschiedene Autoren beteiligt sind, und deshalb eine historische Textsammlung, aber keine Offenbarung darstellt. Außerdem hält er nicht viel von der Idee eines auserwählten Volkes und bringt dies in seinem Tractatus theologico- politicus auch deutlich zum Ausdruck. Er spricht sich für eine hedonistische Moral der Sinnenlust aus, jenseits von Gut und Böse, und hält wenig vom jüdisch-christlichen Selbsthass und der damit einhergehenden Ablehnung des Körpers und der Welt. Obwohl er Jude ist, findet er an ,Jesus philosophische Qualitäten. Aber nichts von alledem macht aus Spinoza einen Leugner Gottes, einen Atheisten.“

Wäre er ein Christ gewesen, dann wäre es ihm damals möglicherweise viel schlimmer ergangen---- und heute als Moslem ---- das möge sich jeder selber vorstellen.
Satiro hat folgendes geschrieben:
Ist es in diesem Zusammenhang wirklich so wichtig, ob Spinoza oder bereits ein “heidnischer“ griechischer Philosoph sich in diesem Sinne geäußert hat?

Nein - aber es wirft ein bezeichnendes Licht auf die Sicherheit der verwendeten Quellen.
Und was soll der Text über Spinoza genau aussagen - außer dass er kein Atheist war
VOM PARADIES UND SEINEM PERSONAL

Michel Onfray schreibt dazu:

Die Welt (der Gläubigen ) jenseits dieser Welt bringt zwei Phantasiegebilde hervor: Den Engel und das Paradies.

Der Engel fungiert als Gegenstück des Menschen, das Paradies als Gegenstück dieser Welt. Beide bringen den Menschen dazu, sein irdisches Dasein zu verabscheuen, die Realität zu verachten und sich nach einer anderen Existenz zu sehnen.
Die Engelsflügel symbolisieren den Gegensatz zur irdischen Prüfung der Menschen, und die Geographie des Paradieses bezeugt eindeutig Ortlosigkeit, ewige Utopie und Zeitlosigkeit

Die Juden haben ihre eigene Zucht geflügelter Wesen: Die Cherubim bewachen den Eingang zum Garten Eden. Die Seraphim stehen ihnen zur Seite. Man erinnert sich sicherlich an denjenigen, der Abraham aufsucht oder der mit Jakob kämpft Ihre Aufgabe? Den ewigen Gott auf seinem Himmelsthron zu preisen. Menschliche Nichtigkeiten sind dem Gott zwar fremd, aber dennoch liebt er es, wenn man ihm in seiner ganzen Herrlichkeit Preis und Ehr zuteil werden läßt. Der Talmud und die Kabbala sind voll davon. Diener Gottes also, aber auch Beschützer der Gerechten und der Kinder Israels, die manchmal auch ihr himmlisches Domizil verlassen, um den Menschen eine göttliche Botschaft zu überbringen. Der heidnische Hermes erledigt ganz ähnliche Aufgaben, auch er trägt Federn, und zwar an den Füßen und am Hut.
Es sind reine Geister aus Licht, was logischerweise nicht die Federn und Flügel verbietet, da sie sicherlich spiritueller Natur sind und leuchten ... Außerdem sind die Engel geschlechtslos, weshalb sie ganz besonders unsere Aufmerksamkeit verdienen: Es sind androgyne Wesen, weder Mann noch Frau, von beidem ein wenig, mit kindlichen Zügen und verschont von den Qualen der Kopulation. Glückliche Flügelwesen, die nichts von Sexualität wissen: keine Lust, kein Verlangen. Als glückseliges Geflügel kennen sie weder Durst noch Hunger, nähren sich aber dennoch vom Manna (der Ambrosia der heidnischen Götter) - ohne natürlich den Darm entleeren zu müssen. Kurz: fröhliche Vögel, die nichts von Verschleiß, Siechtum und Tod wissen.
Und dann gibt es auch gefallene, aufsässige Engel, Geschöpfe, dich sich nicht unterworfen haben. Im Garten Eden lehrt der Diabolus - die etymologische Bedeutung ist »der Verleumder« -, was er weiß: Es besteht nämlich auch die Möglichkeit, nicht zu gehorchen, sich nicht zu unterwerfen und nein zu sagen. Satan - die wörtliche Übersetzung heißt »der Gegner« oder »der Ankläger« - atmet den Geist der Freiheit über den trüben Wassern der Ursprünge, wo nur Gehorsam und Knechtschaft triumphieren. Jenseits von Gut und Böse - und nicht als Inkarnation des Letzteren - spricht der Teufel von den Möglichkeiten, Anarchist zu sein. Er befreit die Menschen von jeglicher Vormundschaft und übergibt ihnen die Macht über sich selbst und die Welt. Diese gefallenen Engel, man ahnt es, ziehen den Zorn der Monotheisten auf sich. Die Atheisten hingegen empfinden eine glühende Leidenschaft für sie.
Man ahnt es schon: Der Ort dieser in der Wirklichkeit nicht möglichen Körper liegt ebenfalls außerhalb des Bereichs des Möglichen. Die Etymologen übersetzen Paradies mit »abgeschlossener Garten«. Die fünf Bücher Mose, die Genesis und der Koran beschäftigen sich eingehend mit dieser hysterischen Geographie. Die muslimische Variante ist jedoch am gelungensten und lohnt wirklich die Lektüre:
Bäche, Gärten, Flüsse, Quellen, Blumenbeete, jede Menge Früchte und wunderbare Getränke, großäugige Houris, allzeit jungfräulich, liebenswürdige junge Menschen, Betten im Überfluß, prächtige Kleider, wunderbare Stoffe, außergewöhnlicher Schmuck, Gold, Perlen, Parfums, kostbares Geschirr ... es fehlt nichts in diesem Werbeprospekt des ontologischen Fremdenverkehrsamtes.
Das Paradies definiert sich als Gegenwelt, als Gegenteil der Realität. Für die Muslime, die sämtliche Riten genau beachten und sich den harten, streng zwischen erlaubt / unerlaubt und rein/unrein unterscheidenden Gesetzen willig unterwerfen, ist dies alles im Paradies vorbei. Dort gibt es keine Verpflichtungen, keine Riten und keine Gebete mehr. An der himmlischen Festtafel trinkt man Wein (LXXXIII zs und XLVII 15) und ißt Schweinefleisch (LIIzz), man singt und schmückt sich mit Gold (was ja zu Lebzeiten verboten ist) (XVIII 31). Die Teller und Trinkgefäße sind aus edlen Metallen (auch das ist auf Erden verboten), und man trägt Seide (der Seidenfaden ist als Absonderung einer Larve auf Erden verpönt). Man schäkert mit den hübschen Frauen (XLIV S4) und hat ewige Jungfrauen (LV 70) oder Epheben (I VI 17) zu seiner Verfügung, und zwar auf Lagern aus kostbaren Steinen.
Im Wüstenzelt muß man sich mit einem Teppich und seinen legitimen Frauen - höchstens drei - begnügen. Kurz: Alles, was verboten war, wird frei zugänglich, und zwar nach Belieben!
(Fortsetzung folgt)
Forum -> Leben nach dem Tod

Zurück  
1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8  Weiter
Ähnliche Themen
Amish ~ einfach nur niedlich, oder eins mit der natur
wieso bist du ein atheist ?
Das bin ICH - atheist
Eins
Der sprachlose Atheist
Im Durchbohrten eins
Religionen im Kern eins
Ex-Atheist
Falsche Sage
Christ oder Atheist