Am Genfer See


Abdu'l-Baha saß am Genfer See in einem Café. Ein Prinz kam herein, ein Prinz der Katschar-Dynastie. Der Prinz erkannte Abdu'l-Baha, ging zu Ihm. "Abbas Effendi, dürfte ich Euch eine Frage stellen?". "Immer zu", antwortete Abdu'l-Baha. "Sagt an, wie kommt es, daß euch, einem Perser, eine solche Verehrung zuteil wird, von der ich, Prinz des Katschar-Geschlechtes, vergeblich 'träume?" Abdu'l-Bahá sah den Prinzen an. "Setz dich!". Der Prinz setzte sich zu Ihm. "Du bist ein Prinz, und es ermangelt dir an Verehrung?" "Ja". "Sag mal, was würdest du denn gern sein, was kommt denn über dem Prinzen?" "Der Großvesir", sagte der Prinz. "Genießt denn der Großvesir die von dir gewünschte Verehrung?" "Nein, man tut ihm gutes, liebt, verehrt ihn aber nicht so sehr". "Und wer steht über dem Großvesir?" "Nun, der König selbst wohl, Abbas Effendi". Worauf Abdu'l-Baha den stolzen Prinzen mit seinem Diamantenbesetzten Turban ganz tief anschaute, und fragte: "Und der König, hat der denn die Verehrung, die ihr sucht?" "Nein", antwortete der Prinz, "eure Verehrung ist um vieles größer". "Nun", fragte Abdu'l-Baha den erstaunten Prinzen, "und was kommt über dem König?" Der Prinz sann nach, völlig erstaunt ob der Frage. "Aber, Abbas Effendi, da kommt nichts mehr, über dem König". "Dieses Nichts bin Ich", schenkte Abdu'l-Baha dem Prinzen eine goldene Uhr, stand auf, verließ das Café.

(Erzählt von Hugo Giacheri auf einer Winterschule in der Schweiz.)
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"Es ist die Sehnsucht Gottes an diesem Tage, alle Menschen als eine Seele und einen Körper zu betrachten" (Bahá'u'lláh)