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Karma
aus Wikipedia
Unter Karma (Sanskrit, n., कर्मन, karman, Pali, kamma, Wirken, Tat) wird ein spirituell-esoterisches Konzept verstanden, nachdem jede Handlung - physisch wie geistig - unweigerlich eine Folge hat, die nicht unbedingt im aktuellen Leben (Verkörperung) wirksam wird, sondern u. U. erst in einem der nächsten Leben. In den indischen Religionen ist die Lehre des Karma eng mit dem Glauben an den Kreislauf der Wiedergeburten (Samsara) bzw. die Reinkarnation und damit an die Gültigkeit des Ursache-Wirkungsprinzips auf geistiger Ebene auch über mehrere Lebensspannen hinweg verbunden.
Karma bezeichnet im Hinduismus,Buddhismus, und Jainismus die Folge jeder Tat sowie die Wirkungen von Handlungen und Gedanken in jeder Hinsicht, insbesondere die Rückwirkungen auf den Akteur selbst. Karma entsteht demnach durch eine Gesetzmäßigkeit und nicht infolge einer Beurteilung durch einen Weltenrichter oder Gott. Es geht um ein Prinzip von Ursache und Wirkung, nicht jedoch um "Göttliche Gnade" oder "Strafe". Nicht nur "schlechtes" Karma erzeugt den Kreislauf der Wiedergeburten (Samsara) sondern gleichermaßen das "gute" Karma. Letztes Ziel ist es, überhaupt kein Karma mehr zu haben.
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Hinduismus
Die Vorstellungen von Karma und Samsara wurden etwa ab dem 6. Jh. v.Chr nachgewiesen und bilden die Basis sowohl für den Brahmanismus als auch den Hinduismus. Die Idee ist, den ewigen Kreislauf der Wiedergeburten, Samsara, zu überwinden. In den Upanishaden gelingt dies über die spirituelle Erkenntnis, dass die Individualseele Atman mit der Weltseele Brahman in ihrem Wesenskern identisch ist. Dieser Weg wird auch als Jnana Yoga bezeichnet.
Jeder Mensch hat seinen eigenen Dharma (einerseits kosmisches, andererseits soziales Gesetz), den es zu erfüllen gilt, und die Erfüllung des eigenen Dharma ist ausschlaggebend dafür, ob Taten gutes oder schlechtes Karma bewirken. Es gibt im Hinduismus einerseits den allgemein gültigen sadharanadharma, der die Pflichten eines jeden Individuums beinhaltet wie etwa Gewaltlosigkeit (ahimsa), Wahrhaftigkeit (satya), Geduld (ksanti), Selbstkontrolle (dama), Mildtätigkeit (danam), Gastfreundschaft (ahithi). Diese Tugenden gelten für alle Menschen gleichermaßen jedoch gibt es keinen einheitlichen Kodex dafür. Der svahdharma dagegen, der die Pflichten der verschiedenen Gesellschaftsschichten vorschreibt, ist für jeweils eine bestimmte Gruppe maßgeblich. Demnach etwa ist der Dharma eines Kriegers (Kshatriya- Kaste), im Anlassfall Krieg zu führen und auch zu töten. Muss ein Krieger einen Feind töten, bewirkt dies kein schlechtes Karma, da er seinen Dharma, seine ihm auferlegte Aufgabe erfüllt hat. Tötet jedoch jemand aus anderen, egoistischen Beweggründen einen Menschen, hat dies sehr wohl schlechtes Karma zur Folge. Die Verknüpfung der Karma- mit der Dharma-Vorstellung beinhaltet eine sehr starke ethisch-moralische Kompononente. Die Theorie von Karma erklärt u.a. auch das Rätsel unverschuldeten Leids und die gesellschaftliche Ungleichheit.
Über die Frage, in welchem Zusammenhang Tat und Wirkung stehen, gibt es im Mahabharata mehrere Variationen. Eine weit verbreitete Überzeugung besteht darin, dass die Werke ihre Wirkung automatisch erzeugen. Es gibt jedoch auch differenzierte Erklärungen. Zwei Ursachen für die Bindung der Seele, nämlich Nichtwissen (avidya) und Begierde (lobha), bewirken, dass die Tätigkeit der Sinnesorgane Unruhe und Trübung der Erkenntnis verursacht. Dies verhindert den Eintritt der erlösenden Einsicht. Die Werke heften sich an das Denkorgan (manas), stören die erlösende Erkenntnis und bedingen die Beschaffenheit der Verkörperungen (Mbh.12).
Zu der Frage, wie sich die Früchte der Taten realisieren, gibt es mehrere Auffassungen: (1) die Seele verlässt nach dem Tod den Körper und wird in einem neuen, durch Karma bedingten Leib neu geboren. (2) Die Vergeltung findet teils im Jenseits, teils in der neuen Existenz statt. (3) Gutes Karma kann eine zeitlich begrenzte Seligkeit im Himmel - oder Brahmas Welt - erwirken, schlechtes Karma dagegen einen Aufenthalt in der "Hölle", jedoch nicht als endgültiger Zustand, sondern z.B. im Wechsel mit der Tiergeburt. Alle guten Werke können religiösen Verdienst (punya) schaffen, die Karma abbauen. Solche besonderen Verdienste erwarten sich Gläubige etwa von religiösen Riten, Fasten, Wallfahrten oder Geschenke an Brahmanen und Tempelbauten.
Der Mensch ist dabei frei und für sein Karma unbedingt selbst verantwortlich. Aber obwohl Karma ein Gesetz von "Ursache und Wirkung" bedeutet, vertrauen besonders Gläubige der Bhakti - Richtungen auch auf die bedingungslose Gnade Gottes, welche die Wirkung von Karma vernichten und den Menschen erretten kann.
Wichtig ist, dass selbst eine vordergründig "schlechte" Tat eine gute Wirkung zur Folge haben kann, wenn die Beweggründe rein und ohne Selbstnutz waren. Die geschilderten Ansätze gehören zum Standpunkt der Werktätigkeit (pravritti): Man tut etwas, um eine gute Wirkung zu erzielen.
Die gegensätzliche Strömung besteht in der Nichttätigkeit (nivritti). Der Weg besteht darin, sich aus der Welt zurückzuziehen. Die Ursache des leidvollen Zustands wird im Lebensdurst, d.h. dem Willen zum Leben gesehen. Die Wiedergeburt bringt nur eine neue vergängliche Existenz. Durch Werk wird man gebunden, durch Wissen (vidya) und Nichttätigkeit (nivritti) erlöst. Auf den Verzicht aller auf Erfolg gerichteten Handlungen beruht das Ideal des Gleichmuts.
Beide Strömungen, pravritti (Werktätigkeit) und nivritti (Nichttätigkeit), sind im Mahabharata vertreten und wurden in der Bhagavad Gita harmonisiert.
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Buddhismus
Ein gutes Verständnis der buddhistischen Karmalehre wird durch einen Einblick in die Begriffe Unpersönlichkeit (Pali: Anatta) und Bedingtheit (Pali: Paccaya, Paticcasamuppáda) aller Daseinsphänomene, insbesondere der Seele ermöglicht.
Hier wird die negative Tat oder der negative Gedanke durch das Verhaften der Sinne erklärt. Die Unkenntnis darüber, dass Bindung (Lobha), Hass (Dosa) und Unwissenheit (Moha) Leiden bewirkt, ist hierbei zuerst zu beseitigen. Die drei Wege zu positivem Karma sind demnach
Bescheidenheit
Güte
Einsicht
Gutes Karma führt zu einem Vorteil entweder schon im gegenwärtigen Leben oder zu einer Wiedergeburt in entsprechenden menschlichen Verhältnissen bzw. in der Göttersphäre. Negatives Karma ist der Grund für eine Wiedergeburt unter negativen Umständen mit dem Ziel, als Seele (und nicht mit dem Verstand) unmittelbar durch Erleben das Leben zu erfahren. Hier wird also nicht von Lohn oder Strafe im engeren Sinne gesprochen, sondern von natürlicher Gegenbewegung im Zuge einer universellen Vervollkommnung der Seele durch Lernerfahrung. Einige Religionen, in denen Karma eine Rolle spielt, glauben auch, dass hierdurch eine Rückentwicklung z.B. durch eine Wiedergeburt als Tier oder Dämon möglich ist. Teilweise werden als Orte für den Ausgleich positiven Karmas und für negatives Karma auch diverse verschiedene Höllen oder Paradiese beschrieben.
Dieser Glaube, der insgesamt einerseits zu Schicksalsergebenheit führt und andererseits zum Bemühen, das Schicksal in eine positive Richtung zu steuern, bezeichnet, genau genommen, den die Wiedergeburt erzeugenden oder Charakter und Geschick der Wesen beeinflussenden heilsamen oder unheilsamen Willen (kushala- oder akushala-cetana) sowie die damit verbundenen Geistesfaktoren.
Höchstes Ziel des karmagläubigen Wesens ist es, dem Kreislauf der Wiedergeburt durch Erkenntnis zu entkommen, indem kein Karma mehr erzeugt wird. Handlungen hinterlassen dann keine Spur in der Welt. Im Buddhismus wird dies als Eingang ins Nirvana bezeichnet.
Entscheidend für die bei einer Handlung erzeugte karmische Prägung ist die der Handlung zugrunde liegende Absicht (Motivation). Hierbei gilt die Annahme, dass das Denken als Handlungsform den körperlichen Handlungen und denen der Rede übergeordnet ist.
Mit Hinsicht auf die Zeit des Eintritts der Wirkung Vipaka können im Buddhismus drei unterschiedliche Arten von Karma differenziert werden:
Zu Lebzeiten reifendes Karma (Pali: Ditthadhamma-vedaniya-kamma)
Im nächsten Leben reifendes Karma (Pali: Upapajja-vedaniya-kamma)
In späteren Leben reifendes Karma (Pali: Aparapariya-vedaniya-kamma)
Manche Taten oder Haltungen mögen auch ohne Karmawirkung bleiben, falls die zum Eintritt der Wirkung erforderlichen Umstände fehlen oder sie infolge zu geringer Intensität durch das Übergewicht von entgegenwirkenden Tendenzen keine Wirkung erzeugen können (z.B. wenn positive Absicht negative Auswirkung übertrifft). In diesem Falle wird von wirkungslosem Karma (Pali: Ahosi-kamma) gesprochen.
Mit Hinsicht auf die Funktionen des Karma unterscheidet man:
Wiedergeburt-erzeugendes Karma (Pali: Janaka-kamma) erzeugt bei der Wiedergeburt und während des Lebensfortganges die Daseinsgruppen.
unterstützendes Karma (Pali: Upatthambhaka) vermag keine Karmawirkung zu erzeugen, sondern diese bloß im Gange zu erhalten.
unterdrückendes Karma (Pali: Upapilaka) unterdrückt die Karmawirkungen.
zerstörendes Karma (Pali: Upaghataka oder upacchedaka) zerstört ein schwächeres Karma und läßt nur seine eigene Wirkung zu.
Anstelle des Karma-Begriffes verwenden buddhistische Autoren gerne auch die Termini "Prägungen" oder "Samen". Alle Formen des menschlichen Handelns (der Buddhismus unterscheidet drei Handlungen: des Körpers, der Rede sowie des Geistes) erzeugen demnach karmarelevante Prägungen.
Zitate:
Wer andre Wesen quält, die auch nach Wohlsein streben
so wie er selbst, der hat kein Glück im nächsten Leben.
Wer andre Wesen schont, die auch nach Wohlsein streben,
so wie er selbst, der findet Glück im nächsten Leben. Dhammapada, 3. Jhd. v. Chr.
Eigner der Taten sind die Wesen, Erben der Taten, die Taten sind der Schoß, der sie gebiert, sind ihre Freunde, ihre Zuflucht. Was immer für Taten sie tun, gute oder böse, deren Erben werden sie sein. M. 135. (XIV,5) Culakammavibhanga Sutta.
Nicht findet man der Taten ‘Täter', Kein ‘Wesen', das die Wirkung trifft. Nur leere Dinge zieh'n vorüber: Wer so erkennt, hat rechten Blick. Und während so die Tat und Wirkung, im Gange sind, wurzelbedingt, kann, wie beim Samen und beim Baume, man keinen Anfang je erspäh'n. (Vis. XIX) Culakammavibhanga Sutta.
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Jainismus
Der Jainismus geht davon aus, dass sich in der Welt zwei Prinzipien gegenüber stehen: Geistiges und Ungeistiges. Das Geistige beruht auf einer unendlichen Anzahl individueller Seelen (Jiva). Das Ungeistige umfasst die 5 Kategorien: Bewegung, Ruhe, Raum, Stoff und Zeit. Alles Stoffliche ist beseelt, nicht nur Menschen und Tiere, sondern auch Pflanzen oder Wasser.
Die ursprüngliche Reinheit und Allwissenheit der Seele (Jiva) wird jedoch durch feinstoffliche Substanzen, die als Folge von Karma eindringen, getrübt. Dies zwingt zum Verbleib im Kreislauf der Wiedergeburten (Samsara), bis alles Karma getilgt ist. Eine solche Reinigung der Seele wird im Jainismus durch sittliche Lebensweise und strenge Askese erreicht. Ist eine Seele von allen Verunreinigungen befreit, so steigt sie in den höchsten Himmel auf, um dort in ruhiger Seligkeit zu verharren.
Etymologie
Im Sanskrit ist "Karman", grammatikalisch betrachtet, das vom Verb "kri" ("tun, handeln") abgeleitete Substantiv (neutrum), und "Karma" dessen Nominativform (singular).
Auch heißt im Thailändischen "kam"/"kama" sinnliche Lust, also das Haften der Sinne und des Bewusstseins an Dingen oder Vorstellungen, und auch das Handeln des Menschen aus diesem Haften heraus. "wenkam" indes bedeutet das gute oder schlechte Schicksal, das aus guten oder schlechten Taten hervorgeht.
Somit bedeutet "Karma" also
das Haften an Sinnes- oder Geistesobjekten;
die Taten die durch das Haften entstehen;
das Schicksal, das sich durch die Taten ergibt.
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