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Neohinduismus












Neohinduismus
aus Wikipedia

Neohinduismus ist der zusammenfassende Begriff für das Bestreben nach Fortschritt auf religiösem, sozialem und politischem Gebiet, das unter den gebildeten Indern seit dem Ende des 19. Jahrhunderts aufkam. Insbesondere verfolgte die Bewegung die Gleichstellung der Inder (den Hindu, Parsen, Moslems usw., im engeren Sinne den Hindu allein) mit der seinerzeit herrschenden Klasse der Briten.

Solche Bestrebungen lassen sich bereits weit früher zurückverfolgen, insbesondere sind sie jedoch auf religiösem Gebiet entstanden.

Religiöse Bestrebungen
Von besonderer Bedeutung war die unter europäischem Einfluss um 1827 von Ram Mohan Roy gegründete monotheistische Organisation des Brahmo Samaj. Im Laufe der Zeit gab es mehrer Abspaltungen:

der eher konservative Adi Brahmo Samaj unter Debendranath Tagore.
der ursprünglich mehr fortschrittliche Brahmo Samaj of India des Keshav Chandra Sen (seit 1866) und die durch dessen Initiative daraus hervorgegangene mystische Bewegung "Neue Offenbarung" (eine Art Verschmelzung von Hinduismus, Islam und Christentum)
seit Mai 1878 der mehr demokratische Sadharan Brahmo Samaj
Seit Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden in Indien zahlreiche Gemeinden, deren Anliegen eine Reformierung des Hinduismus war. Gefordert wurde die Abschaffung des Kastenwesens, der Bilderverehrung und der Kinderheirat.

Andere wichtige Organisationen des Neohinduismus sind der Arya Samaj (gegründet von Dayananda) und die Ramakrishna-Mission) (gegründet von Vivekananda).

Einfluss auf den Westen
Diese Bewegungen beeinflussten auf der anderen Seite auch wieder das europäische Geistesleben. Dies äußerte sich in der Gründung der Theosophischen Gesellschaft durch Helena Petrovna Blavatsky, die in England, Frankreich und Deutschland Anhänger fand. Ihr Schüler, der buddhistische Oberst Henry Steel Olcott verbreitete die Lehre auch in den USA. Sie bildet ein Gemisch aus der Philosophie des Buddhismus, der Mystik des Hinduismus und dem amerikanischen Spiritismus.

Soziale Bestrebungen
In engem Zusammenhang mit den religiösen Ansichten stehen die sozialen Bestrebungen, insbesondere im Brahmo Samaj. Ein wesentlicher Punkt war die Frauenfrage.

Frauenfrage
Die Hindubewegung setzte mit Erfolg einige Verbesserungen für die Stellung der Frau durch. Zunächst forderte man die obligatorische Zivilehe, die Abschaffung der Kinderehe, die Einführung und Verbreitung des Unterrichts auch für Mädchen (insbesondere in eigenen Mädchenschulen), die Zulassung der Wiederverheiratung von Hindu-Witwen und die Verbesserung der äußerst schlechten sozialen Stellung dieser Witwen.

Am 22. März 1872 wurde tatsächlich ein Gesetz über die fakultative Zivilehe erlassen, der "Native Marriage Act", das alle vor dem Standesbeamten ("registrar") abgeschlossene Ehen für gültig erklärt, unabhängig von anschließenden religiösen Zeremonien; dies gilt auch für Angehörige unterschiedlicher Religionen und Kasten. Das Mindestalter des Bräutigams lag bei 18, das der Braut bei 14 Jahren. Es verlangt dann aber die schriftliche Zustimmung der Eltern Unmündiger zur Ehe. Bigamie wurde verboten, ebenso wie die Verheiratung von Blutsverwandten bestimmter Grade. Das Gesetz gestattete auch die Wiederverheiratung von Witwen.

Trotz dieses Gesetzes hingen die Hindus weiter an ihrer Sitte, Mädchen bereits im Alter von 8 bis 10 Jahren zu verheiraten

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Der Nationalkongress
Nachdem 1858 Großbritannien Indien aus der Hand der Britische Ostindien-Kompagnie nahm, bildete sich der Indische Nationalkongress aus Hindu, Moslems, Sikh, Parsi und anderen. Seine Ziele waren seinerzeit vor allem im politischen Bereich angesiedelt:

Zulassung der Inder auch zu den höheren Stellungen in der Landesverwaltung
vollständige soziale und politische Gleichstellung der Inder mit den Engländern
Schaffung eines nationalen indischen Parlaments
Als dessen Vorläufer wurde von den Indern seinerzeit der Nationalkongress angesehen, zu dem seit 1885 jährlich einmal für etwa drei bis vier Tage 500 bis 1000 Delegierte zusammenkamen und in einem der größeren Städte des Landes tagten. Dabei beteiligten sich gelegentlich auch englische Parlamentarier.

Gegenstand der Beratungen waren unter anderen:

Aufnahme von Einheimischen in den Council (den Rat, der den Gouverneuren in den verschiedenen Präsidentschaften zur Seite stand)
stärkerer Einfluss des Council auf die Festsetzung des Etats
Regelung der indischen Anleihen, Zölle und Steuern
Regelung und Trennung des Verwaltungs- und Justizdienstes
Einführung und Erweiterung von Schwurgerichten
Verbesserung des Polizeiwesens
Förderung des öffentlichen Unterrichtswesens
Diese Ziele wurden auch durch in England lebende Inder in der National Indian Association in London gefördert.

Aus dem Nationalkongress ist die spätere indische Kongresspartei entstanden.

Bereits Ende des 19. Jahrhunderts war abzusehen, dass ein einheitlicher indischer Staat (das heutige Indien, Pakistan und Bangla Desh) alleine keinen Bestand haben würde, da sich Hinus und Moslems zu schroff gegenüberstünden. Dies wurde auch bei allen wichtigen Fragen in den Beratungen des indischen Nationalkongresses deutlich.
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