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Ich habe schon bereits von Al Ghazali und seiner Schrift "Das Elixier der Glückseligkeit" zitiert.
Aus Gewohnheit mache ich mehrere Auszüge aus einem Buch, damit nicht Aufgrund einer einzigen Aussage oder Hinweises das Buch als "alles oder nichts" beurteilt wird.
Bei Ghazali ist es besonders schwierig, einzelne Teile seiner Schrift zu trennen. Das Ganze Buch ist eine einzige Aussage. Es muss von Anfang an gelesen und Schrittweise ohne Sprünge bis an das Ende durchdacht werden.
Es baut sich auf und nur Teile davon zu zitieren ist fast ein Verbrechen.
Aber was soll ich machen?
Das Ganze Buch abschreiben?
Oder für euch etwas daraus abschrieben/zitieren, in der Hoffnung, das der/die eine oder andere sich dann das Ganze zur Gemüte führt.
Diesmal geht es um die Würde der Substanz des menschlichen Herzen und das das gelehrte Wissen eine Scheidewand vor dem Sufi-Weg sei.
Die Würde der Substanz des menschlichen Herzen wir im Kapitel vorher behandelt und wird von mir jetzt einfach unterschlagen.
Dasselbe geschieht mit der Scheidewand. Dies wird auch vor meinem Auszug klar dargelegt.
Es geht jetzt im nächsten Teil nur um den Sufi-Ausspruch.
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Aus dem bisher Gesagten ist die Würde der Substand des menschlichen Herzens klar geworden, und ebenso auch, worin der Weg der Sufis besteht.
Wenn Du aber die Sufis hast sagen hören, dass das gelehrte Wissen eine Scheidewand vor diesem Wege sei, und dieses abgestritten hast, so streite diese Behauptung nicht mehr ab, denn es ist die Wahrheit.
Denn alle Sinnendinge und alles Wissen, das auf dem Wege der Sinnendinge zustande kommt, wird, wenn du dadurch dich in Anspruch nehmen lässt, zu einer Scheidewand für diese innere Erfahrungen.
Denn das Herz gleicht einem Wasserbecken und die fünf sinne fünf Bächen, durch die das Wasser sich von aussen in das Becken ergiesst. Wenn du willst, dass das klare Wasser aus dem Grunde des Beckens emporquellen soll, so musst du jenes Wasser ganz daraus entfernen und all den schwarzen Schlamm, den es mitgeführt hat, heraustun und all die Bäche verstopfen, so dass durch sie kein Wasser mehr hineinkommt und dann den Grund des Beckens aufgraben, damit das reine klare Wasser aus dem Inneren des Beckens emporquillt.
Solange aber das Becken mit dem Wasser, das von aussen kam, angefüllt ist, ies es unmöglich, dass das Wasser aus dem Inneren aufquillt.
So kann auch jenes Wissen, das aus dem Inneren des Herzens aufsteigen soll, nicht aufquellen, solange das Herz nicht frei ist von allem, was von aussen hereingekommen ist.
Wenn aber ein Gelehrter sich von allem angelernten Wissen frei macht und sein Herz nicht dadurch gefangen sein lässt, so wird ihm das frühere Wissen nicht zu einer Scheidewand, und es ist dann möglich, dass er jene Eröffnung erlebt, ebenso wie wenn er sein Herz von den Einbildungen und Sinnendingen frei macht, die früheren Einbildungen für ihn nicht zur Scheidewand werden.
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Die Ursache des Entstehens der Scheidewand aber ist dies:
Wenn jemand den Glauben der Leute der Sunna und die Beweise dafür, so wie sie in der Disputation und Dialektik ausgeprochen werden, gelern hat und sich allein darauf verlässt und meint, ausser diesem seinem Wissen gäbe es kein anderes Wissen mehr und, wenn in seinem Herzen sich etwas anderes regt, sagt: "Das widerspricht dem, was ich gehört habe, und alles, was dem widerspricht, ist falsch", so ist es unmöglich, dass einem solchen Menschen die Wahrheit der Dinge offenbar werde.
Denn jene Glaubenssätze, die das gemeine Volk lernt, sind nur das Gehäuse für die Wahrheit, nicht die Wahrheit selbst.
Die wahre Erkenntnis besteht darin, dass man jene Wahrheiten von dem Gehäuse unterscheiden lernt, so wie das innere Mark von der umgebenden Haut.
Und wisse: Wenn einer die Methode der Dialektik als Verteidigungsmittel für jene Glaubenssätze erlernt, so wird ihm die Wahrheit dann nicht offenbar, wenn er meint, dass das was er nun an Wissen besitzt, alles sei, und diese Meinung wird für ihn dann zur Scheidewand.
Und da diese Meinung die Leute, die etwas in dieser Weise erlernt haben, zu beherrschen pflegt, so sind diese zumeist von jener anderen Stufe der Erkenntnis abgeschieden.
Wenn sich aber ein solcher Mensch von dieser Meinung frei macht, so wird ihm das gelehrte Wissen nicht zur Scheidewand, ja, wenn er dann diese Eröffnung erlebt, so gelant er zur Stufe der Vollkommenheit, und er geht den Weg sicherer als der, der nie zuvor in das gelehrte Wissen eingedrungen ist.
Denn dieser kann lange Zeit in irgendeiner falschen Einbildung befangen bleiben, und ein unbedeutender Stoff des Zweifel *1 kann für ihn zur Scheidewand werden. Vor dieser Gefahr ist der Gelehrte aber sicher.
Darum musst du den Sinn, des Satzes, dass das gelehrte Wissen eine Scheidewand sei, wohl verstehen und es nicht bestreiten, wenn du von jemandem hörst, dass er zu Stufe der Enthüllung gelangt sei.
*1: Gemeint ist offenbar ein bei gelehrter Gesetzeskenntnis nciht mögliches Versehen in dem, was gesetzlich erlaubt und verboten ist.
Seiten 61-63
ISBN 978-3-7205-3053-8, Al Ghasali, Das Elixier der Glückseligkeit
Verlag: Diederichs Gelbe Reihe
Gruss
Nasruddin
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| Zitat: |
| Die wahre Erkenntnis besteht darin, dass man jene Wahrheiten von dem Gehäuse unterscheiden lernt, so wie das innere Mark von der umgebenden Haut. |
Natuerlich hat Ghazali Recht, dass Allgemeinwissen nicht notwendigerweise auch das Wissen um dessen Herleitung bedarf.
Wenn das gemeine Volk weiss, wie ein Auto funktioniert, so weiss es noch lange nicht wie oder warum es funktioniert.
Was fehlt ist zum Einen die Einsicht in die Notwendigkeit um solches tiefergehendes Wissen, zum Anderen werden immer einfachere Strukturen den komplexeren bevorzugt.
"Um ein Auto fahren zu koennen, brauche ich weder zu wissen, wie der Verbrennungsmotor funktioniert, noch warum er funktioniert. Warum also einfache Dinge unoetig kompliziert machen."
Das grosse Gesamtbild der physikalischen Zusammenhaenge aus denen beispielsweise ein Auto hergeleitet werden kann, den Reiz eine vereinheitlichende uebergeordnete Struktur zu erkennen, fehlt dem gemeinen Volk.
Warum? Es fehlt die kindliche Neugier und damit verbunden der das Vermoegen Kinderfragen stellen zu wollen.
An dieser Stelle ist Gazalli nicht problematisch.
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@Solution
| Zitat: |
Es fehlt die kindliche Neugier und damit verbunden der das Vermoegen Kinderfragen stellen zu wollen.
An dieser Stelle ist Gazalli nicht problematisch. |
Kinder haben selten einen verschleierten Zugang durch Wissen ...
Wobei das Thema hier "Erwachsene" Menschen betrifft, die sich nicht mehr auf dem Wege des "Erwachsen-werdens" befinden.
Gruss
Naseuddin
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