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Liebe Freunde
Gerade beschäftigt mich ein rein logisches Problem mit der Baha'i Offenabrung, das ich allein nicht lösen konnte.
Es wird ja gesagt, dass der Bab, als der vom Islam verheissene Mahdi die Wiederkunft Christi am Jüngsten Tag erklärte und damit Baha'u'llah den Weg ebnete.
Für jeden Moslem aber auch für mich als Christen ist das natürlich die einzige Art und Weise das Auftreten Baha'u'llahs zu rechtfertigen, denn vor dem Jüngsten Gericht sollte gemäss unseren Schriften kein Prophet oder sonstwas erscheinen.
Ich lasse hier mal aussen vor, dass die Ableitung von Mohammeds Erscheinen aus der Bibel für mich recht zweifelhaft ist. Muslime konnten mir das jedenfalls noch nie überzeugend erklären.
Was mich aber eigentlich interessiert ist, dass Baha'u'llah weitere Propheten in frühestens 1000 Jahren vorhersagt.
Ich frage mich: Wie ist das mit den alten Schriften vereinbar? Sagt Jesus etwas darüber, dass nach seiner Wiederkunft am Jüngsten Tag (dem Ende der Welt) nochmal, irgendwann später ein weiterer Jüngster Tag kommen wird an dem er dann ochmals auftaucht usw? Sagt Mohammed vergleichbares?
Mit der ständigen Wiederkehr von Propheten, will ich sagen, habe ich grundsätzlich kein Problem, denn die Liebe Gottes ist ein nie versiegender Strahl der Erkenntnis in unsere Herzen und immer wieder kann das jemanden zum Erwählten machen. Aber aus den alten Schriften ist dieses Prinzip ja nicht bekannt und setzt sich ja irgendwie auch über sie hinweg, oder?
Gruss,
Andreas
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Lieber Andreas,
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| Gerade beschäftigt mich ein rein logisches Problem mit der Baha'i Offenabrung, das ich allein nicht lösen konnte. |
Nun, ich kann dir nur sage, wie ich selbst es verstehe.
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| Es wird ja gesagt, dass der Bab, als der vom Islam verheissene Mahdi die Wiederkunft Christi am Jüngsten Tag erklärte und damit Baha'u'llah den Weg ebnete. |
Ja, der Báb gilt für Bahá'í, unter Anderem, als Herold Bahá'u'lláhs. Er selbst nannte die verheißene Gestalt "Ihn, den Gott offenbaren wird". Daher wird oft der Báb mit Johannes dem Täufer verglichen. Man sollte hierbei jedoch berücksichtigen, dass der Báb selbst als eine eigenständige Manifestation Gottes gilt.
Bahá'í kennen zwei Arten von Offenbarern, einmal die Manifestationen Gottes und die von diesen Abhängigen Propheten. So ist z.B. Jesus eine Manifestation Gottes, aber Johannes der Offenbarer ein von diesem abhängiger Prophet.
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| Für jeden Moslem aber auch für mich als Christen ist das natürlich die einzige Art und Weise das Auftreten Baha'u'llahs zu rechtfertigen, denn vor dem Jüngsten Gericht sollte gemäss unseren Schriften kein Prophet oder sonstwas erscheinen. |
Nun, das Christentum kennt durchaus noch Propheten nach Jesus, z.B. Johannes den Offenbarer. Der Islam jedoch nicht, deshalb ja der Titel Mohammeds "Siegel der Propheten".
Aber ja, der jüngste Tag bereits gekommen:
'Ist die Stunde gekommen?' 'Nein sie ist sogar schon vorüber, bei Ihm dem Offenbarer klarer Zeichen! Wahrlich, die Unvermeidliche ist gekommen, und Er, der Wahre, ist mit Zeugnis und Beweis erschienen. Das Land liegt offen, und die Menschheit ist in Furcht und Schrecken. Die Erde bebte, und die Geschlechter wehklagten aus Furcht vor Gott, dem Herrn der Kraft, dem Allbezwingenden.' (Bahá'u'lláh, Brief an den Sohn des Wolfes 193)
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| Ich lasse hier mal aussen vor, dass die Ableitung von Mohammeds Erscheinen aus der Bibel für mich recht zweifelhaft ist. Muslime konnten mir das jedenfalls noch nie überzeugend erklären. |
Nun, dies ist natürlich eine recht komplexe Diskussion. Die Sache ist nur, dass sie zwar auf den ersten Blick für Bahá'í bedeutend aussieht, es aber in Wirklichkeit nicht ist. Denn da Bahá'u'lláh uns sowohl die Legitimität Jesu, als auch Mohammed versichert. Insbesonders im Kitáb-i-Íqán tritt Bahá'u'lláh dabei eine Interpretation der Bibel an.
Ich für meinen Teil finde, dass man das auftreten Mohammeds, des Bábs und auch einige Elemente der islamischen Geschichte aus der Offenbarung des Johannes erkennen kann.
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Und ein großes Zeichen erschien im [am] Himmel: Eine Frau, bekleidet mit der Sonne, und der Mond war unter ihren Füßen und auf ihrem Haupt ein Kranz von zwölf Sternen. Und sie ist schwanger und schreit in Geburtswehen und in Schmerzen und soll gebären. (Offenbarung des Johannes 12, 1)
Von was hier die Rede ist bleibt doch recht geheimnisvoll. Nun einige Vermutungen:
1. Die Sonne ist das alte Symbol des Irans, welcher ursprünglich einen Sonnenkalender hatte. Sowohl der Báb als auch Bahá'u'lláh wurden in Persien geboren, ihre beiden Offenbarungen verweisen auf einen Sonnenkalender.
2. Der Halbmond ist ein Symbol des Islams, welcher eben einen Mondkalender hat, wie im Qur'án festgelegt. Mohammed ist in Arabien geboren, wo der Mond schon vor dem Islam eine kultisch große Bedeutung hatte und ist der Prophet des Islam.
3. Der Schiitische Islam, der aus Bahá'í-Sicht die valide Erbkette nach Mohammeds Hinscheiden darstellt, kennt genau 12 Imame, welche allesamt Märtyrer waren (vgl. das Schicksal der Sterne in Offenb. 12, 4)
Ich lasse nun wieder einige Stellen aus, welche Ereignisse innerhalb des Islams beschreiben.
Und sie gebar einen Sohn, ein männliches Kind, der alle Nationen hüten soll mit eisernem Stab; und ihr Kind wurde entrückt zu Gott und zu seinem Thron. Und die Frau floh in die Wüste, wo sie eine von Gott bereitete Stätte hat, damit man sie dort ernähre 1 260 Tage. (Offenbarung des Johannes 12, 5-6)
1. Das Kind wurde verborgen, wie auch der letzte schiitische Imam verborgen wurde, Er ist bekannt als Mahdi.
2. Der Báb erklärst genau im Jahre 1260 nach muslimischer Zeitrechnung, dass Er der Verheißene Mahdi ist.
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| Mit der ständigen Wiederkehr von Propheten, will ich sagen, habe ich grundsätzlich kein Problem, denn die Liebe Gottes ist ein nie versiegender Strahl der Erkenntnis in unsere Herzen und immer wieder kann das jemanden zum Erwählten machen. Aber aus den alten Schriften ist dieses Prinzip ja nicht bekannt und setzt sich ja irgendwie auch über sie hinweg, oder? |
Nun, die neue Manifestation Gottes erfüllt die Verheißungen der Alten Schriften und hebt damit deren de facto Verbindlichkeit auf, das stimmt schon. Jesus verfolgt dieses Prinzip ja auch bereits, wie man im Neuen Testament sehen kann. Ich hoffe meine Antwort hilft dir irgendwie.
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| Ich frage mich: Wie ist das mit den alten Schriften vereinbar? Sagt Jesus etwas darüber, dass nach seiner Wiederkunft am Jüngsten Tag (dem Ende der Welt) nochmal, irgendwann später ein weiterer Jüngster Tag kommen wird an dem er dann ochmals auftaucht usw? Sagt Mohammed vergleichbares? |
Also ich würde hier auf die Auferstehung verweisen. Auch die Offenbarung des Johannes spricht von einer neuen Erde.
Vielleicht muss ich hier auch noch etwas erwähnen. Der Báb und Bahá'u'lláh stellten die "Bruchlinie" zwischen zwei großen Zyklen dar. So ist praktisch Bahá'u'lláh der Adam dieses neuen Zyklus der Offenbarung.
Liebe Grüße, Tobias
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Lieber Tobias
Vielen Dank für die ausführliche Erklärung!
Dass Baha'u'llah sich als Adam eines neuen Zyklus versteht widerspricht sich in meinen Augen nicht zwingend mit der Bibel. Es kommt eben auf gewisse Interpretationen und Sichtweisen an.
Wir hatten ja mal über das Ende der Welt bzw. Das Ende des Zeitalters gesprochen. Offenbar steht da im Griechischen Original Aeon, was Zeitalter bedeutet.
Das finde ich schon einleuchtend.
Dummerweise steht an anderen Stellen auch Aeon, wo Zeitalter einfach keinen Sinn machen würde ...
Da bin ich noch etwas stutzig.
Und die Sache mit Mohammed ... naja. Ich sehe das nicht so. Die Erklärung, die du bringst scheint ja recht gesucht, oder nicht?
Also die Sache mit Mohammed kann mich leider einfach nicht überzeugen...
Und auch wenn es für einen Baha'i kein grosser Punkt ist - für einen Christen ist es das eben.
Grüsse,
Andreas
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Lieber Andreas,
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| Dummerweise steht an anderen Stellen auch Aeon, wo Zeitalter einfach keinen Sinn machen würde ... |
Vielleicht könntest du die Stellen ja nennen, dann könnte man sie hier diskutieren.
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| Und die Sache mit Mohammed ... naja. Ich sehe das nicht so. Die Erklärung, die du bringst scheint ja recht gesucht, oder nicht? |
Nun, ein Bahá'í hat sich mal die Mühe gemacht und hat die gesamte Offenbarung des Johannes durchgearbeitet. Wohlgemerkt ist das seine persönliche Arbeit und kein offizielles Statement. Ich stimme ihm auch nicht immer zu, aber zum großen Teil finde ich es sehr Interessant:
http://bci.org/prophecy-fulfilled/#chrtopic
Für die Sache mit dem Islam sind insbesonders die Kapitel 11-15 interessant:
http://bci.org/prophecy-fulfilled/apoc3.htm
Wie gesagt, alles unter Vorbehalt, teilweise kann man diese Ereignisse wirklich erst daraus ablesen, wenn sie schon geschehen sind, zumindest ohne göttliche Führung.
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| Und auch wenn es für einen Baha'i kein grosser Punkt ist - für einen Christen ist es das eben. |
Nun darf aber auch nicht vergessen werde, dass es ja eben der Kern der Botschaft Bahá'u'lláhs die Einheit ist und damit auch die Einheit der Religionen. Dies wäre ja kaum nötig, wenn diese schon vorher bestanden hätte.
Liebe Grüße, Tobias
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