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Welche Bedeutung hat das Alte Testament für Christen ?












Hallo,

ich bin zwar kein Christ, jedoch interessiere ich mich sehr für Religionen im Allgemeinen.

Die Bibel beinhaltet ja auch das Alte Testament, dass jedoch teilweise völlig im Widerspruch steht mit dem Neuen Testament.

Oft sagen Christen, dass das AT das NT "einleitet" bzw. dass das NT das AT "erfüllt". Aber was kann man sich darunter praktisch vorstellen ?

Jesus sagt, dass er nicht gekommen ist, dass AT aufzulösen. (MT 5,17)

Aber an vielen Stellen lehnt er das AT auch ab. (z.B. Steinigung der Ehebrecherin)

Was für eine Bedeutung hat somit das AT für den praktischen Glauben eines Christen ?
@Joshu
Zitat:
Aber an vielen Stellen lehnt er das AT auch ab. (z.B. Steinigung der Ehebrecherin)
Oh, hier muss man aufpassen, da er sich damit oft eben nicht gegen das AT auflehnt, sondern gegen falsche Vorstellung, Volks(un)glauben usw. So wäre die Steinigung der "Ehebrecherin" auch alleine nach dem AT so nicht Rechts gewesen. Damit konfrontierte er die Meute.

PS. Dieses ist wiederum nicht die christliche Sicht, da dieses in ihren Augen Neuerung von Jesus darstellen.
Lieber Joshu

Deinem Namen nach würde ich vermuten, dass du Jude bist. Auch weil Jakow offenbar aktiv dabei ist, will ich etwas ausführlicher formulieren.

Wichtig ist es natürlich die alttestamentliche Herkunft des Christentums, die Verwurzelung des Christentums im Judentum und die unauflösliche Verbundenheit von Juden und Christen zu betonen. Das Alte Testament ist die Religion, das Neue Testament ist die letztendliche Erfüllung in Christus, dem Erlöser, der aus unserer Sicht der Messias ist.

Auch stehe zumindest ich als Christ zu der bleibenden Erwählung Israels. Denn diesem Volk hat Gott sein Wort offenbart. Ich meine, wenn es nicht so wäre, was für ein unfassbar geniales Volk wären dann die Israeliten, dass sie diese Bücher des AT hervorgebracht haben? Tatsächlich: Entweder sind sie Gottes erwähltes Volk, oder das genialste Volk der Geschichte der Menschheit.

Das Christentum hat aus dem Alten Testament so viel Wertvolles übernommen: die zehn Gebote, die Psalmen, die messianischen Weissagungen. Daher sind wir ewige Schuldner des Alten Bundes zwischen Gott und seinem Volk.

Auch darf der Christ nicht vergessen über dem Satz "Die Juden haben den Herrn gekreuzigt" nicht vergessen, dass eigentlich die Sünden der Welt, also die Sünden jeden Volkes, das Lamm Gottes (= Jesus) zur Schlachtbank geführt haben.

„Glaubet nicht, ich sei gekommen, das Gesetz und die Propheten aufzuheben. Ich bin nicht gekommen, sie aufzuheben, sondern zu erfüllen“ (Mt 5,17) Dieser Satz zeigt uns Christen, dass die alttestamentlichen Offenbarungen weiterhin Gültigkeit besitzen. Es sagt uns, dass die Heilsgeschichte weitergeht. Gerade durch die Erfüllung in Jesus Christus gewinnt die Heilsgeschichte der alten Offenbarungen bleibende Gültigkeit.

Ich bin als Christ auch stark gegen jeden Versuch der Abschüttellung des Alten Testaments, so wie es von vielen unverständigen Christen versucht wird. Kein Christ darf das AT abschütteln, denn es steht der Name Gottes darin, es enthält seine Weisheit. Kardinal Manning sagte einmal zu Israeliten: ‚Ich würde meine eigene Religion nicht verstehen, wenn ich für die Ihrige keine Ehrfurcht hätte‘“

Jedoch liegen noch gewisse Schatten über dem Alten Testament, die erst mit der Offenbarung Christi aufgehoben wurden. Zwar wird auch im Alten Testament die Verfehlung grosser Gestalten, wie z.B. Mose nicht gerechtfertigt, aber die absolute Reinheit von Sünde finden wir so nur in Christus. Das zumindest nach christlichem Verständnis.

Erzbischof Kardinal Faulhaber bezeichnete Christus als den „Eckstein zwischen Judentum und Christentum“. Christus habe den Bausteinen des Alten Bundes den Omega-Stempel (Alpha = Anfang, Omega = Ende) der Vollendung aufgedrückt und in den neuen und ewigen Bund eingefügt. „Ebenso hat der Stifter des Neuen Bundes die unsterblich schönen Gebete aus den Hl. Büchern des vorchristlichen Judentums in seine Liturgie übernommen. Darum klingen im Gottesdienst der Kirche die altbiblischen Psalmen und Lesestücke der Propheten weiter." (Erzbischof Kardinal Faulhaber)

Ich hoffe ich konnte deine Frage zur Zufriedenheit beantworten.

Gruss,
Andreas
Hallo Andreas,

vielen Dank für deinen Beitrag. Sicherlich erfüllt Jesus die Prophezeihungen des Alten Testaments, aber was ist mit den Gesetzen die Jesus nicht aufzuheben gekommen ist ?

Z.b. 5. Buch Mose, 22,22: Todesstrafe bei Ehebruch
oder 4. Buch Mose, 15,35: Steinigung wegen Sabbatschändung

Diese Gesetze, wie auch viele andere Teile des AT stehen im totalen Gegensatz zu Jesu Lehren (insbesondere Nächstenliebe, Vergebung).

Wie geht ein Christ damit um ? Ich bin der Ansicht, man kann entweder das gesamte AT ablehnen oder das gesamte AT annehmen, aber nicht Teile herauspicken (wie z.B. 10 Gebote).

Dieses ist der Grund, wieso ich meinen christlichen Glauben verloren habe ( ) . Der Gott des AT ist ein jähzorniger, wütender, eifersüchtiger Tyrann. Und dieser Gott soll der gleiche sein wie der im NT, der alles vergibt ung gütig und barmherzig ist ?


Mfg Joshu
@Joshu

Zitat:
22Wenn jemand gefunden wird, der bei einem Weibe schläft, die einen Ehemann hat, so sollen sie beide sterben, der Mann und das Weib, bei dem er geschlafen hat; und sollst das Böse von Israel tun.

[Luther-Bibel 1912: Das fünfte Buch Mose (Deuteronomium). Die Luther-Bibel, S. 5924 (vgl. Dtn 22, 21-22)]


Diese gehört in diesen Kontext:

Zitat:
19so sollt ihr ihm tun, wie er gedachte seinem Bruder zu tun, daß du das Böse von dir wegtust,
20auf daß es die andern hören, sich fürchten und nicht mehr solche böse Stücke vornehmen zu tun unter dir.
21Dein Auge soll sie nicht schonen; Seele um Seele, Auge um Auge, Zahn um Zahn, Hand um Hand, Fuß um Fuß.

[Luther-Bibel 1912: Das fünfte Buch Mose (Deuteronomium). Die Luther-Bibel, S. 5914 (vgl. Dtn 19, 19-21)]


Diese oben aufgezeigten Auszüge sind Gesetze für eine Starrsinnige Hitzköpfige Rohe Gesellschaft.

Zitat:
4Denn ihr sollt dem HERRN, eurem Gott, folgen und ihn fürchten und seine Gebote halten und seiner Stimme gehorchen und ihm dienen und ihm anhangen.

[Luther-Bibel 1912: Das fünfte Buch Mose (Deuteronomium). Die Luther-Bibel, S. 5892 (vgl. Dtn 13, 3-4)]


Damit wird dem Israelitischem Volke ein Rechtliches Rahmenwerk für ihr Zusammenleben und -Halt in einer Gemeinschaft geschaffen.

Der Christliche Weg für das zuerstgenannte Auszug: "Ehebruch" wäre, das ausreissen des eigenen Auges wenn es zum Stein des Anstosses wird.

Diese "Ehebrecher" müssten sich, nach Christlichem Rechtsempfinden selbst Töten.

Die Frage ist, ob das geht?...

Und später, wie ist es dann im Koran geregelt?

Zitat:

Im Namen des barmherzigen und gnädigen Gottes.
1 (Dies ist) eine Sure, die wir hinabgesandt und für verbindlich erklärt, und in der wir klare Zeichen (oder: Verse) hinabgesandt haben. Vielleicht würdet ihr euch mahnen lassen.
2 Wenn eine Frau und ein Mann Unzucht begehen, dann verabreicht jedem von ihnen hundert (Peitschen)hiebe! Und laßt euch im Hinblick darauf, daß es (bei dieser Strafverordnung) um die Religion Gottes geht, nicht von Mitleid mit ihnen erfassen, wenn (anders) ihr an Gott und den jüngsten Tag glaubt! Und bei ihrer Bestrafung soll eine Gruppe der Gläubigen (als Zeugen) anwesend sein. 3 Und ein Mann, der Unzucht begangen hat, kann nur eine ebensolche oder eine heidnische Frau heiraten. Und eine Frau, die Unzucht begangen hat, kann (ihrerseits) nur von einem ebensolchen oder einem heidnischen Mann geheiratet werden. Für die (übrigen) Gläubigen ist dies (d.h. die Heirat mit jemand, der Unzucht begangen hat) verboten.

[Sure 24. Das Licht: Der Koran, S. 626 (vgl. Sure 24, 1-3) (c) Verlag W. Kohlhammer]



Mit Hundert Peitschenhieben wird man abserviert.

Ein Überleben dieser Menge an Peitschenhieben muss wohl garantiert sein, denn:

Danach kann man nur noch mit Gleichgesinnten oder mit Heiden ( = Austritt aus dem Islam ) weiterleben ...

Nun zu Deiner Aussage:

Zitat:
Dieses ist der Grund, wieso ich meinen christlichen Glauben verloren habe ( ) . Der Gott des AT ist ein jähzorniger, wütender, eifersüchtiger Tyrann. Und dieser Gott soll der gleiche sein wie der im NT, der alles vergibt ung gütig und barmherzig ist ?


Diese etwas überspitzte Formulierung des Gottes aus dem Alten Testament stammt offensichtlicht nicht in Gänze von Dir, wird aber als der Grund für den Verlust des Christlichen Glaubens angegeben.

Nun mal ehrlich Joshu.

Ist hier nicht eine versteckte Aufforderung an andere wie Du den Glauben zu verlieren ? ...


*** Hmmm ? ****

Gruss
Nasruddin
Forum -> Judentum und Christentum


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