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Keuschheitsgebot in der Bahai-Religion












Liebe Traude, "die Welt" lieben klingt schon sehr eigenartig - irgendwie finde ich das so ein bißchen als "Wunschdenken", ohne den persönlichen Menschen zu berücksichtigen, und ich glaube auch nicht, daß Gott uns auf die Erde gesandt hat, um wie im Paradies (was es auch sein mag) zu leben. Dazu ist die Erde nicht geschaffen. Der Sinn liegt weit dahinter.

Was hast Du dagegen, sich selbst zu lieben, denn heißt es nicht im Gebot der Nächstenliebe:"Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst" ? und wenn Du Dich selbst nicht liebst und annehmen kannst, wie kannst Du dann den Nächsten lieben mit all seinen Schwächen oder Stärken. Ich denke, das ist schon komplexer als es so mancher gern sehen möchte.

Und daß es nur um Selbstliebe geht, das nehme ich Dir nicht ab , weil mehr dahinter steht, was man aber erst erkennt, wenn man die Werke einiger Persönlichkeiten in der Theosophie liest.

Nur als Auszug aus "Wind des Geistes".

Wie vermögen Sie einen großen Menschen zu erkennen,
ehe Sie nicht wenigstens eine Größe in sich selbst geboren haben,
um sich zu befähigen, Größe zu erkennen? Wenn Sie armselig, klein und
gering sind, wie können Sie dann das Gegenteil davon erkennen?
Es ist wie bei den Menschen, die unwissend durch die Welt gehen,
blind und taub für die göttliche Schönheit in ihren eigenen Mitmenschen.
Einer der leichtesten Wege, Schönheit zu finden, Wahrheit
zu finden und schneller in sofortige magnetische Sympathie mit den
Mitmenschen zu kommen, ist, selbst mitfühlend und sehend zu werden.

Wenn ein Mensch in seiner Seele keine Sympathie hat, wie kann er dann
die Sympathie in den Seelen anderer fühlen? Wenn er keine Schönheit in
seinem Herzen trägt, wie kann er irgendwo Schönheit sehen ?


So daß wir in den tieferen Bereichen der
theosophischen Lehren mit großer Ehrfurcht, aber auch in aller Wahrheit
sagen können, daß hinter unserer ganzen Arbeit, wie unvollkommen
wir Menschen diese auch leisten mögen, als Ursprung und als Inspiration
diese große Gottheit steht.


liebe Grüße
Gabriele
Liebe Gabriele,

du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. So steht es in Lev 19,18. Aus dem Kontext geht hervor, dass sich dieses Wort an die im gleichen Land lebenden Menschen, egal, ob es sich um einen Hebräer oder Fremdling handelt, richtet. Jesus, hat nach der Schrift, dieses Wort in sein Evangelium übernommen und auf die Feindesliebe erweitert. So habe ich es verstanden.

In der von Philosophie , Psychologie und Esoterik geprägten Neuzeit steht die Selbstliebe hoch im Kurs: denn, wie soll der Nächste geliebt werden können, wenn man sich nicht selbst liebt? Aber: ist wirklich die Aussage drin, die in der Überschrift steckt? Ich halte es für einen Irrtum. Die Gier nach Leben, die ein Säugling äußert, verdeckt seine Sehnsucht danach, geliebt zu werden. Kinder tun unglaublich viel, damit sie geliebt werden. So sollte meiner Ansicht nach es heißen: Liebe deinen Nächsten, wie du selbst geliebt werden möchtest. Das macht Sinn. Und steht in der Tradition, dass man niemanden etwas antun sollte, was man selbst nicht möchte. Menschen, die wenig bis keine Liebe von ihren Müttern, Vätern und Geschwistern erfahren haben, können Liebe nicht spiegeln. Selbstliebe bleibt dann übrig. In diesem Sinne ist Selbstliebe ein Defizit. Und steht in der Tradition der Kirchen, die Selbstliebe verurteilen. Ich finde das auch gut so.

Öfters, als gedacht, passiert es wohl, dass Menschen, die sich der Selbstliebe hingegeben haben, dass sie eines Tages merken: Ich werde geliebt! Und zwar von Gott! Ich halte diese Erweckung für eine Selbstheilung des menschlichen Geistes. Mit allem Respekt! Derart betroffene Menschen wenden sich an die Religion, die in ihrem Kulturkreis vorherrscht. Im Westen ist es nach wie vor das Christentum.

Was die "Fernliebe" der Bahaí betrifft ist es wohl so, das der "Nächste" auf den Erdenbewohner erweitert wird. Die Liebe der Bahaí äußert sich aber nicht verklärt romantisch, sondern in praktischem Tun: in der Gerechtigkeit. Aus aktuellem Anlass erwähne ich, dass Baha´u´llah geboten hat, dass die Bodenschätze allen Menschen auf diese Planeten gehören und nicht nur den Menschen, auf deren Land diese gefunden wurden.

Wie ich es verstanden habe, ist das "Selbst" in der Selbstliebe eine Verirrung des Geistes in einer verwirrten Welt. Der einzelne Mensch kann aber am wenigsten dafür.

Lieben Gruß

Traude
Liebe Traude, das ist Deine Interpretation, in die man auch den Wunsch hinein legt, daß es auch so sein möge.

Die Welt ist komplexer, als wir sie erkennen können in ihrem Sein. Wir nehmen als Menschen nur Ausschnitte wahr.

Und jeder Mensch wird geführt - und findet dadurch den Weg, den er braucht für neue Erkenntnisse. Für mich ist es die Theosophie, die mir sehr viel gibt, für Dich Bahai, für andere das Christentum, der Islam oder andere Gruppierungen.

Ich lasse alles gelten, weil es zum Bestandteil des Lebens gehört.

Wenn wir als Seelen hier unsere Erfahrungen machen müssen und auch werden, dann steht uns sehr viel zur Verfügung und in unserem Innern wissen wir, was wir brauchen und es fügt sich auch so manches und deshalb ist es gleich-wertig neben anderem.

Weisheiten, so sagt die Theosophie, gibt es viele - sie kommen von weit her - blicken wir weit in die Menschheitsgeschichte zurück - neu ist nichts mehr - wir fußen unsere Erkenntnisse aus alten Zeiten, an denen wir weiter arbeiten.

Ich denke, man kann viele Worte umkehren, so , wie sie einem genehm sind und durch welche Augen man sieht und mit welchem Herzen.

Viele Menschen fühlen sich durch Aussagen angezogen oder abgestoßen - und dann handeln sie aus dem inneren Gefühl heraus.

Auch das rationale Denken ist richtig und wichtig. Denn für unser Handeln werden wir von beidem geprägt, und die sich daraus ergebenden Handlungen basieren auf diesem Zusammenspiel von Ratio und Intuition.

In der Beziehung zu Menschen verändert man sein Denken, wenn man davon ausgeht, daß jede Seele ein Ausdruck Gottes ist, selbst wenn man emotional reagiert - es bleibt eine Seele von Gott und ihre Berechtigung des Daseins.

Wenn man von veränderten Einsichten ausgeht, kommt ein anderer Sinn in Reaktionen auf Handlungen.

Man kann für Menschen eine Hilfe sein, wenn man selbst Leid erlebt hat und als Folge davon eine andere Beurteilung einer Sachlage gewinnt.

liebe Grüße
Gabriele
Liebe Gabriele,

ja es ist wohl richtig, was Du schreibst: wir Menschen interpretieren diese Welt, in der wir hineingeboren worden sind. Vieles davon ist gelerntes und das Ergebnis unserer kulturellen wie auch zivilisatorischen Erziehung. Man geht einen neuen Weg nicht ohne Anstrengung, denn Wege entstehen beim gehen. Wir reden, wie ich es verstanden habe, hier im Forum ja nicht um Wahrheiten, sondern eher um Wirklichkeiten, die wir mit unseren Sinnen wahrnehmen können. Es mag sein, dass es ( nicht nur ) bei den Menschen Unterschiede in der Sensibilität der Sinnesorgane gibt. Prinzipiell sind wir aber an unsere Sinne gebunden. Lange bevor Gott den Menschen geschaffen hat, schuf Gott Pflanzen, ja sogar Mücken und anderes Getier, was den Aufenthalt bei schwülem Wetter im Garten jetzt so unangenehm macht. Dieses Getier, das mich trotz Bekleidung zersticht, wurde von Gott, man stelle sich das vor! sogar gesegnet.

Das Verstehen der Wirklichkeit ist wohl eher eine Verstandesgabe. Abdul-Bahá sagt, dass Glauben bewusstes Wissen sei. Es ist nicht die Rede von Intelligenz! Zum Verstand gehört neben dem Erfassen der Wirklichkeit auch eine Rückkopplung des Tuns. Wenn wir frieren schließen wir daraus, dass es klüger ist, mit welchen Mitteln auch immer, sich zu wärmen.
Wir können auch den Nächsten verstehen und ihm eine Bedeckung reichen. Das nennt man dann vielleicht Nächstenliebe.

Was die Wahrheit anbelangt, so sind wir wohl alle mit Ahnungslosigkeit "gesegnet". Sagt nicht Jesus: ich habe euch noch viel zu sagen, aber ihr könnt´ es jetzt nicht tragen? Das, was wir Wahrheit nennen, wird den Menschen, der Menschheit, Stück für Stück entschleiert. Warum? Weil wir es nicht fassen oder ertragen könnten? Ich weiß es nicht. Wahrheit ist relativ! Und höchst spekulativ! Den Menschen ist beispielsweise gesagt worden, was ihre Aufgabe zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Geschichte gewesen ist: seid fruchtbar und mehret euch! Den Bahai ist gesagt worden: Die Erde ist nur eine Heimat und die Menschen sind ihre Bürger. Unabhängig von Geschlecht und Rasse. Das Menschsein kann keinem Menschen abgesprochen werden. Wir erkennen auch, dass Religion kulturunabhängig sein muss.

Die erste Aufgabe eines Bahai besteht in der selbstständigen Suche nach Wahrheit, die wohl darin besteht, zu erfassen, dass die absolute Wahrheit, nämlich Gott, nicht erkannt werden kann. Sich mit dem leicht geöffnetem Schleier zufrieden zu geben, die unserer jetzigen Stufe
entspricht, darin liegt eine große Weisheit. So war es wohl zu allen Zeiten. Diese Zufriedenheit entstammt aber einer gewissen Demut und dem Lebensgefühl, dass wir Menschen längst nicht so souverän sind, wie manche es wohl gerne hätten. Wenn man im Alter zurück blickt, wird manches verständlich. Menschen wollen sogar Gott vorschreiben, was er gefälligst zu tun oder unterlassen habe! Aber Gott ist nicht der Gefangene von Philosophien, Ideologien oder Wissenschaften, die sich alle paar Jahre ändern. Gott tut, was er will. Aber diese Erkenntnis muss erst einmal in einem Prozess erarbeitet werden. Ich weiß auch nicht, wo zu beginnen ist – dazu ist das Leben zu individuell.

Wir haben uns schon weit vom eigentlichen Thema entfernt – sorry.

Liebe Grüße

Traude
Zitat:
Traude: Wir haben uns schon weit vom eigentlichen Thema entfernt – sorry.


Liebe Traude, was oft passiert, wenn ein Thema weitgehend ausgeschöpft ist. Zumindest es den Anschein hat und kein Schreibender dazu seine Meinung äußern möchte.

Für die Mitteilung, wie Du Wahrheit siehst, danke ich Dir.

Abgesehen davon, glaube ich kaum, daß wir Menschen bald auf einen Nenner kommen, da unsere Gedanken, Vorstellungen und Visionen oftmals nicht so Hand in Hand gehen können, wie es vielleicht Wunsch ist , denn der eigene Wunschgedanke läßt nach Möglichkeiten suchen, doch da haben wir nicht daran gedacht, daß es von Gott vielleicht noch lange nicht vorgesehen ist, da es uns die Möglichkeit des Ausschöpfens der Erkenntnisse nimmt. Dafür sind wir auf dieser Welt, damit es uns bewußt wird und dafür ist auch die Materie Erde da. Nur in der Materie kann man Erkenntnisse erhalten, die nur auf dieser Ebene prägend für die Seele sind.

Ich sehe, betrachte ich die Welt, sowieso in den nächsten 10 000 Jahren keine Einigung von Glaubenssätzen.

liebe Grüße
Gabriele
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