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Einseitigkeit unter der Lupe












Schönen guten Morgen Achim
Erst einmal danke für deine schnelle Antwort, wiewohl ich mir wünschen würde, du ließest dir manchmal mehr Zeit, um alles ruhiger zu sehen. Das passiert wohl kaum, wenn du zu schnell losschießt, gerade weil du doch genau analysierst.
Ja es stimmt, mir reicht „der reine Glaube an eine durch Gott existierende Wahrheit nicht als Stütze in meinem Leben“. Willst du mit diesem Satz darstellen, worauf sich deiner Vorstellung nach der ideale, reine Glaube konzentrieren sollte? Nein, für mich wäre so ein auschließlicher, eng zugeschnittener Glaube nur ein hypothetischer Glaube. Er wäre tot, gewisserart rein platonisch. Etwa so: Ja, es gibt das Idealbild der reinen, hohen, unberührten Liebe unter den Menschen. Aber würden sich die Geschlechter nur so begegnen, es gäbe keine Kinder. Die Liebe muss praktisch sein, muss leben. Und ganz gleich ist beim Glauben. Das bedeutet, Gott ist nicht bloß eine existierende Wahrheit, sondern auch eine wirkende Wahrheit. Sie macht sich auf der Welt in vielem praktisch bemerkbar, am deutlichsten in der Mystik und bei Spontanheilungen.
Ich stufe es als einen Mangel ein, wenn man nicht genau hierauf achtet oder ärger noch, dies nicht zur Kenntnis nehmen will, obwohl das alles nicht unbedingt für einen Glauben nötig ist. Aber das heißt, ich sehe Gott immer aktiv, nur nicht in Abhängigkeit von Wundern. Ich fühle es deutlich, ich bin nicht auf sie angewiesen, stehe ihnen aber positiv gegenüber. Bei ihnen geht es mir auch sehr um ihre verschiede Aussagekraft, unter vielem anderem eben auch um das, was ich darin als Hinweis auf die Präsenz des Geistigen in unserer Welt bzw. im Stofflichen werten kann.
Dass diese Hinweise für mich fast zur Qualität von „Beweisen“ aufsteigen, das ist dann wieder eine ganz andere Sache. Ich sage „für mich“, und das bedeutet, dir kann das alles wie gewohnt fremd, bedeutungslos und fragwürdig bleiben. Aber ich rede ja nur davon, was ich in mein Gesichtsfeld mit einbeziehe.
Du magst mitleidig über meinen Glauben und meine Vorstellungswelt lächeln, aber ich bin nicht so abgehoben, dass ich nur darin aufgehe und sonst nichts sehe. Im Gegenteil, ich bin in allem sehr kritisch, vor allem was jede Einseitigkeit und Ausnützerei angeht. So hast du ja nicht unrecht, wenn du die vielen Gefahren siehst. Aber bitte, du musst hier die Gefahr für dich selbst von der Gefahr trennen, in die andere betrifft. Das was andere Leute tun und glauben, das ist für die eigene Person immer weniger wichtig.
So glaube ich von dir selbst: Solltest du dich jemals fürs Glauben erschließen, du würdest bei deiner kritischen Haltung nie irgendeiner Gefahr ausgesetzt sein. Du würdest immer streng auf das achten, was dir zu glauben möglich ist und was dir mit oder ohne Wissenschaft akzeptabel erscheint. (Bei mir ist das schon recht viel!) Das würde dich immer schützen und stützen – vielleicht auch jetzt schon.
Was mir aber gleich wie dir nicht behagt, das ist die Gefahr des Abgleitens in alles Mögliche. Diese Gefahr mündet vor allem in eine unglaubliche Geschäftemacherei, die gerade im Bereich der Esoterik ohne Hemmungen um sich greift. Jeder überbietet den anderen mit besonderen Versprechungen bei Produkten, Büchern, Lehrgängen, Kursen und Seminaren, am besten in Indien. Es ist wahr: höchste Vorsicht ist geboten. Doch auch hier gilt: Mit dem Entfernen der sauren Milch nicht gleichzeitig die Kuh schlachten.
Wie auch immer, ich sammelte Erfahrungen, um die es mir nicht Leid tut, meint für heute - reinwiel
Allen Interessierten einen schönen guten Tag.

Ich poste hier ausnahmsweise etwas doppelt, denn auch meine folgenden Gedanken sollen dazu beitragen, das nur einseitige Gehen zu überwinden, und zwar ausgehend vom Islam. Dieser ist ja besonders empfindlich, wenn es scheint, als würden seine Gepflogenheiten angegriffen werden. Aber darum geht es nicht.

Es geht meinem Gefühl nach darum, zuerst einmal die Gefahren zu erkennen, die den Islam nicht von außen, sondern von innen her bedrohen, wenn nur die strenge Wort-Befolgung und der Buchstabe als wichtigster Glaubensausdruck im Vordergrund stehen. Dann ist der Weg frei für das Verfolgen eigener, ehrgeiziger Interessen, wie Einflussgewinn durch den heiligen Krieg sowohl gegen andere islamische Glaubensrichtungen, gegen bestehende politische Verhältnisse als auch gegen Veränderungen herkömmlicher sozialer Strukturen. Überall dort, wo die „treuen“ Hüter des heiligen Koran am Werk sind, werden Frauen zurück gesetzt, von der Bildung ausgeschlossen, als Willkür-Objekte an begierliche Männer zwangsverheiratet – mit der Folge von zig Selbstverbrennungen von Frauen.

Gut, wird mancher Islamist sagen, was geht das einen Christen an. Doch dieser antwortet: Auch wenn dies alles nur eine innerislamische Angelegenheit zu sein scheint, lieber Muslim beachte, wie sehr auch der reine Buchstabenglauben im Christentum in die Veräußerlichung der Religiosität führt. Das geht ganz parallel vor sich, nur in einer anderen Tonlage. Diese christlichen Buchstabenwisser halten den Moslems immer nur vor, was diese alles falsch glauben und machen und um wie viel fortschrittlicher nur das Christentum wäre. Aber bemerke lieber Muslim den haarsträubenden Egoismus dieser so fortschrittlichen Repräsentanten, der große Teile der Weltbevölkerung bedenkenlos ausnützt und in die Verarmung, in den Hunger oder in die psychische Verwahrlosung treibt.

Im Hintergrund steht auf beiden Seiten, wenn nicht sogar in jeder Religion, die wortgebundene und rein verstandesmäßige Glaubensausrichtung, die nur auf die richtigen Formen Wert legt. Dies selbst ist der größte, globale Angriff auf die erste Ebene des Glaubens, die ja im Äußeren, im formalen Bereich der ersten Aufnahmefähigkeit des Religiösen liegt.

Das Äußere lässt die Menschen nur mechanisch, mit dem Mund beten – übertrieben gesagt wie aufgedrehte Roboter. Ich habe fleißig gebetet und deshalb bin ich gerettet. Und genau dies ist hier auf dieser ersten Ebene das weitaus größere Hindernis für das Erreichen der zweiten Ebene eines Glaubens - größer noch als die mörderischen oder menschenverachtenden Aktionen, die man jeden Tag serviert bekommt.
Diese zweite Ebene der Religiosität ist völlig anders. Sie ist die an die Person gebundene Vertiefung des Glaubens, die Religiosität der stillen Tiefe, der persönlichen Verinnerlichung. Sie kann die erste Ebene völlig überspringen oder aber auch aus dieser hervorgehen. Sie setzt nicht die wortgetreue Kenntnis und Befolgung der Schrift voraus, wiewohl sie darin höchst bewandert sein kann. Sie ist eine Realität, die einen Analphabeten ebenso erfassen kann wie einen Menschen höchster Bildung, die sich bestens auskennen und doch Zugang zu tiefsten Weisheiten finden.

So liegt diese zweite Ebene tiefer als die erste, nämlich im Herzen. Für sie ist der Verstand im Kopf nicht das Ausschlaggebende, der Kopf erhält nur die Aufgabe der Mitteilung und des Erkennens. Das alles bedeutet, die zweite Ebene ist in vielen Bereichen gegenüber der ersten revolutionär. Sie sagt etwa, du musst nicht auf einen Versammlungsplatz gehen um zu beten, bete im Geheimen, in dir. Dein Gebet seien nicht schöne Worte des Mundes, dein Gebet sei die Verbindung zu Gott, die du in dir aufbaust. Sie kann dir stets bewusst sein oder auch nicht, denn dieses Beten ist innere Öffnung, ist ein inneres Fließen. Es kann unscheinbar, ein zaghaftes Rinnsal sein oder ein mächtiger Strom. Doch das alles ist weder von den Rosenkränzen, Kreuzen und Kreuzzeichen der Christen noch von allen Kopftüchern der Männer und Frauen im Islam abhängig.

Gleichzeitig ist zu spüren, wie diese zweite Ebene gewisser Art gefährdet ist. Nicht allein dass sie es gegenüber dem Auftrumpfen der ersten schwer hat, nein, gegen sie treten alle modernen Zweifler an. Die zweite, vertiefte Herzensebene lebt vom subjektiven Gehen, vom gefühlsmäßigen Aufnehmen des Wesentlichen und von den subjektiven Vorstellungen ab, die sich jeder mit wesentlicher Eigenverantwortung von Gott und der geistigen Welt aufbaut. Da ist nichts sicher. Je tiefer ein Mensch in sich geht, die Stimme der Stille aufnehmen will, desto mehr kämpfende, oft ungebetene Gedanken umfluten ihn, zeigen ihn, wie schwer es ist, auf Linie zu bleiben und Unvorstellbares in die Vorstellung zu nehmen. Ist Unvorstellbares überhaupt vorstellbar?
Und hier setzt eben der ganz große Angriff gerade gegen die zweite Glaubensebene an, gegen die Religiosität des Herzens aller Religionen. Das geht nicht allein gegen christliche Konfessionen, auch gegen den Islam, den Buddhismus, den jüdischen Glauben. Und der Angriff heißt ganz einfach: An Gott zu glauben ist der größte Irrtum, es gibt keinen. Es gibt keine Seele, es gibt kein Leben nach dem Tod. Alles eine große Lüge, denn alles das ist wissenschaftlich nicht nachweisbar. Liefert uns den wissenschaftlich fundierten Beweis von der Existenz eines angeblichen Gottes. Wenn ihr euch nicht von dieser Lüge befreit, dann seid ihr eigentlich ja nur dumme, zu bedauernde Schwachköpfe. Zu dieser unterschwelligen Verhöhnung kommt dann nahtlos Schuldzuweisungen hinzu, etwa folgende: Die Religion ist der Hauptverursacher aller Kriege auf der Erde. Sie ist auch für jeden Unfrieden verantwortlich.

Hier ist weniger das Wort der Schrift, sondern absolute Standfestigkeit gefragt. Worte der Schrift werden als nicht gültig hinweg gefegt. Aber innerer Friede, Liebe zu den Menschen und das Wissen um Erfahrungen – nicht unbedingt der eigenen – werden erfolgreicher einen Kampf führen als etwa die physische Vernichtung eines Gegners. Das heißt, hier geht es sehr wohl um einen heiligen Krieg, bei dem die Muslime durch ihre innere Hingabe an Gott als Kämpfer vielen Christen als Vorbild behilflich sein können. Wiederum kann und könnte ein vertieftes Christentum mit seinem metaphysischen Denken und in seiner Eigenart als feinfühliges Füreinander (besonders zwischen Mann und Frau) dem Islam sehr zur Seite stehen.

Es geht nicht um „Wer erreicht sicherer, besser, leichter und schneller das Heil?“, auch nicht um das jeweils besondere Gottesverständnis, es geht um das Miteinander, wenn wir Gottes Hilfe für die Erhaltung der Menschheit auf der Erde brauchen. Oder können wir allein die Überhitzung der Atmosphäre, den gesamten Klimawandel bewältigen?
Da gehören wir zusammen, meint - reinwiel
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