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Albert Schweitzer in den philosophischen Strömungen












Verbindungen zu anderen philosophischen Strömungen

[color=red]Schweitzers Lehre der Ehrfurcht vor dem Leben entstand vor dem Hintergrund von Kants universeller Pflichtethik, Schopenhauers lebensverneinender Mitleidsethik und Nietzsches lebensbejahender Ethik der Mitfreude: Schaff dir eine eigene Moral (Nietzsche), die besagt, dass du niemanden verletzen und allen helfen willst, soweit du kannst (Schopenhauer), wobei allgemein gelten soll, dass diese Forderungen zur eigenen Pflicht werden sollen (Kant), um sie mit dem Willen zur Macht umsetzen zu können und daran zu werden und zu wachsen (Nietzsche). Letzteres entspricht auch der Position Max Stirners, der das „Jenseits in mir“ der Aufklärung unterziehen will, damit er Eigner über das Gewissen wird, das „jenseits in mir“ ist und selber die Werte werten kann, denen das unaufgeklärte Gewissen sonst im Götzendienst ergeben wäre.[/color]

http://www.planetsenior.de/kalender_archiv_januar/


Schopenhauers und Nietzsches Bild der absoluten und grauenhaften Wirklichkeit vor Augen, die Menschen nicht verstehen, sondern mit der sie nur Erfahrungen machen und ihre Vorstellungswelt aufbauen können,
sind Schweitzer und sein Großneffe Sartre vom allumfassenden Willen der absoluten Wirklichkeit beeindruckt, der sich quasi als einheitliches Wesen in den einzelnen Vorstellungswelten, jeweils getrennt in Subjekt und Objekt, spiegelt, die einander beobachten und miteinander agieren, denn es gibt nichts Beobachtetes ohne Beobachter. Die Teilhabe am absoluten Willen zwingt zur Selbstbeobachtung, bei der sich beide Philosophen als Schuldbeladene entdecken, die ihre Vorstellungswelten empirisch gegliedert und vorherbestimmt haben (Determinismus) und deshalb zwar tun können, was sie wollen, aber nicht wollen können, was sie wollen, während der Wille empirisch ungegliedert nicht vorherbestimmt ist, hier könnten sie wollen, was sie wollen, aber er bietet keine Orientierung, ist blind. Wille und Vorstellung können nicht über das eigene Schicksal hinausweisen, aus dem heraus Schöpfung und Zerstörung unterschieden werden könnten, sie sind also sinnlos.
Schweitzer zieht die Schlussfolgerung, dass die Persönlichkeit von Jesus mit seiner biografischen Entwicklung allen Interpretationsversuchen von Theologen wie William Wrede zum Trotz nicht rekonstruierbar ist. Als relativ gesichert gilt Schweitzer die Vorstellung der drohenden Apokalypse zur damaligen Zeit, die den gemeinsamen Rahmen der Verkündigung Jesu, der Jerusalemer Urgemeinde und des Werkes von Paulus bildet und mit ihrer Erwartung einer überzeitlichen Endkatastrophe jeder Vorstellung eines Fortschrittes widerspricht, der der Welt innewohnt. Weder sah sich Jesus noch sahen seine Jünger ihn als Messias. Die Urchristen der Folgegeneration verstanden die Predigt vom Gekreuzigten und Auferstandenen vielmehr als Paradox und nicht als Analogie zum Entstehen eines Gottesreiches wie die späteren Christen, die in der Kirche zusammengefasst waren. Jesus war jedoch vom Ende der Welt überzeugt und forderte deshalb radikal die Nächstenliebe.

Dieser vom drohenden Weltuntergang überzeugte Jesus mit seiner radikalen Forderung der Nächstenliebe ist für Schweitzer der Ausgangspunkt für seinen Willen, der Eschatologie entsprechend wie Sauerteig in einer Welt zu wirken, in der der Prozess der Liebe und der Gottesherrschaft schon begonnen (präsente Eschatologie), sich aber noch nicht durchgesetzt hat (futurische Eschatologie). Indem er sich diesen Jesus der Nichtabgrenzung für sein Wirken zum Vorbild nimmt, ist für ihn die Ehrfurcht vor dem Leben sein selbstgeschaffenes oberstes Gebot und der Ausgangspunkt für sein praktisches Engagement.


Nach den Lehren Jesu wendet sich Schweitzer dem eigentlichen Gründer der Kirche, Paulus, zu.
Im Gegensatz zu den meisten Theologen unterstrich er weniger die ethischen Lehren des Apostels, sondern sah seine "mystische" Dimension. Als nach der Kreuzigung Jesu nicht sofort das Reich Gottes anbrach, stürzte dies – so Schweitzer in seinem Jesu Buch- die Jünger in eine tiefe Krise (Problem der Parusie-Verzögerung). Paulus war der Meinung, wie Schweitzer betonte, dass vor dem Anbrechen des "Reiches Gottes" die Lehre Christi erst weltweit verbreitet werden müsste, die Christen aber durch den Tod Jesu schon im "Diesseits" Teil dieses Reiches geworden sind (z.B. Römerbrief 6, 1–14, Epheserbrief 2,5 ff). Symbolisch dafür war neben der Taufe das Abendmahl (über das Schweitzer ebenfalls ein Buch verfasste), in der Jesu die Gemeinschaft mit allen, die an ihn glauben, einging und sein baldiges Eingehen ins "Reich Gottes" vorfeierte, und die für Paulus zentrale Auferstehung des "Christus". Diese Sichtweise machte die Gemeinschaft der Anhänger Jesu, die "Gemeinde", über die Jünger hinaus zum eigentlichen Vermächtnis Jesu, verkörpert durch die starke Stellung der christlichen Kirche im Abendland und darüber hinaus, für deren Entstehung ja in erster Linie die Öffnung des Christentums auch für Nicht-Juden und Sklaven durch Paulus verantwortlich war. Ein anderer Grund für seinen Erfolg war die einfache Botschaft, auf die Paulus das Wirken Jesu in seinen Briefen – die sehr wenig über die Person Jesu berichten- reduzierte: neben den ethischen Lehren im Grunde auf einen einzigen "Fakt" mythologischer Dimension, Jesu Auferstehung und dem damit verbundenen Beginn eines neuen "Reiches" auf dieser Erde, dem jeder beitreten könne. Jesu Kreuzigung war für Paulus – wie Schweitzer betont – kein Schlusspunkt, sondern ein Anfang, der durch die zweite Rückkehr des "Gottessohnes" vollendet wird.

Sowohl seine Deutung Jesu als auch seine Sicht von Paulus wurden von der überwiegenden Mehrzahl der Theologen abgelehnt.


Albert Schweitzer hat sich intensiv mit der Person Jesus beschäftigt.

http://www.manfred-gebhard.de/CVSchweitzer.htm

Und: 'Nach meiner Ansicht nach gibt es kein anderes Schicksal der Menschheit als dasjenige, das sie sich durch ihre Gesinnung selber bereite' (I/250).
Ferner: 'Das höchste Wissen ist also, zu wissen, dass ich dem Willen zum Leben treu sein muss. Dieses reicht mir den Kompass für die Fahrt dar die ich in der Nacht ohne Karte unternehmen muss. Das Leben in der Richtung seines Laufes auszuleben, zu steigern, zu veredeln, ist natürlich. Jede Herabminderung des Willens zum Leben ist eine Tat der Unwahrhaftigkeit mit sich selbst oder eine Erscheinung von Krankhaftigkeit.'
Das Wesen des Willens zum Leben ist, dass er sich ausleben will. Er trägt den Drang in sich in höchst möglicher Vollkommenheit zu verwirklichen. Im blühenden Baum, im den Wunderformen der Qualle, im Grashalm, im Kristall: Überall strebt es danach, Vollkommenheit die in ihm angelegt ist, zu erreichen. In allem was ist, ist durch Ideale bestimmte, vorstellende Kraft am Werke. In uns freibeweglichen, eines überlegten, zweckmäßigen Wirkens fähigen Wesens ist der Drang nach Vollendung in der Art gegeben, dass wir uns selber und alles von uns aus beeinflussbare Sein auf den höchsten materiellen und geistigen Wert bringen wollen' (II/354, 346).
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