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Was wissen wir von Paulus wirklich ?
Sind Aufarbeitungen sinnvoll und notwendig ?
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1. Paulus und die Jesusüberlieferung
Und beginnen wir mit einer Überlieferung, von der immer wieder behauptet wird, dass Paulus sie gar nicht kannte, nämlich mit der Jesusüberlieferung.
Es ist ja auffallend, dass in den Briefen des Paulus fast nie davon gesprochen wird, was Jesus getan, gewirkt und gesagt hat. Paulus geht kaum auf die Jesusüberlieferung, wie sie sich in den Evangelien niedergeschlagen hat, ein. Viele schließen daraus, dass dies deshalb der Fall sei, weil Paulus diese Überlieferung ganz einfach nicht kannte, oder zumindest, weil sie ihn nicht interessiert habe.
Dies scheint der Sache allerdings nicht gerecht zu werden und es entspricht auch nur einer oberflächlichen Betrachtung.
In 1 Kor 7,10 zitiert Paulus eindeutig ein Herrenwort. Er sagt dort:
"Den Verheirateten gebiete nicht ich, sondern der Herr: Die Frau soll sich vom Mann nicht trennen." (1 Kor 7,10)
Hier wird die Jesusüberlieferung von Paulus demnach eindeutig herausgestellt.
In 1 Kor 11,23-26 zitiert er darüber hinaus die Abendmahlstradition und zwar auf ganz ähnliche Art und Weise, wie sie von den Synoptikern etwa überliefert wird.
Auch knüpft Paulus in Röm 12-13 inhaltlich durchaus an die Bergpredigt an, und auch sonst gleichen viele seiner Aussagen inhaltlich den Herrenworten der Evangelien.
Auch muss man berücksichtigen, dass Paulus an vielen Stellen ja gar nicht auf Jesustradition zurückgreifen konnte. Er wurde von seinen Gemeinden ja gerade deswegen angegangen, weil für diesen oder jenen Fall gar keine Überlieferung da war, auf die man sich hätte berufen können.
Bei der Götzenopferfleischfrage etwa gab es keine Tradition, auf die Paulus hätte zurückgreifen können. Dieses Problem stellte sich in Israel nicht. Wir haben es hier mit einer ganz neuen Frage zu tun, auf die aus der Situation heraus eine Antwort gegeben werden musste.
Das Apostolat des Paulus, das er immer wieder gegen Angriffe verteidigen musste, wird in der Tradition ebenfalls nicht begründet, so muss sich Paulus auf davon unabhängige Begründungen einlassen.
Gottesdienstliche Probleme, wie Glossolalie, Prophetie und ähnliches, gab es in der frühen Gemeinde ebenfalls nicht. So kann sich Paulus auch hier nicht auf deren Traditionen beziehen.
Man müsste also nachweisen, dass Paulus den Rückgriff auf Tradition wirklich unterlassen hat, wenn man behauptet, dass er diese Tradition nicht kannte oder nicht verwenden wollte. Ein solcher Nachweis ist jedoch nicht zu führen.
So kann man aus dem einfachen Schweigen über Jesustraditionen nicht schließen, dass Paulus dieselbe in Jerusalem oder Antiochien gar nicht kennengelernt habe. Es ist vielmehr sehr wahrscheinlich, dass sich jemand, der sich wie Paulus für die Person Jesu Christi eingesetzt hat, sehr genau mit dieser Tradition auseinandergesetzt hat. |
http://www.joerg-sieger.de/einleit/nt/04paul/nt_e4.htm
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War Paulus notwendig, damit es Jesus gab ? Wäre ohne Paulus Jesus nie das gewesen, was er wurde ?
Vor Gott soll alles sinnvoll sein. Also auch diese Entwicklung eines Christentums.
http://www.joerg-sieger.de/einleit/nt/04paul/nt_e4.htm
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Was aber genau geschehen ist, lässt sich aus den Äußerungen Pauli selbst nicht entnehmen. Auch scheint es schwierig zu sein, die Bekehrung des Paulus entwicklungspsychologisch zu erschließen, was in der Forschung heute manchmal versucht wird. Wir müssen wohl wahrscheinlich wirklich von einer radikalen Wende im Leben des Paulus ausgehen. Er gewann plötzlich die Überzeugung bzw. bekam von Gott die Einsicht geschenkt, dass seine Verfolgungstätigkeit falsch und die bisher von ihm verfolgten Gemeinden im Recht waren.
Die Apostelgeschichte formuliert den Prozess seiner Bekehrung, indem sie interessanterweise Jesus und die Gemeinde der Christen miteinander identifiziert:
"Saul, Saul, warum verfolgst du mich" (Apg 9),
Kernpunkt des paulinischen Gesinnungswandels war nun die Einsicht, dass das Gesetz nicht mehr der einzige und ausschließliche Heilsweg sein kann. Das Heil wird den Menschen für Paulus fortan durch den sühnenden Tod Christi am Kreuz vermittelt. Im Zentrum der Gedanken des ehemaligen Gesetzeseiferers Paulus stand nun also der Gedanke von der Freiheit vom Gesetz.
Obschon Paulus in Phil 3,2-10 ein durchaus positives Bild seiner jüdischen Vergangenheit zeichnete, vergaß er nie nachdrücklich auf die Bedeutung seiner Berufung und Bekehrung hinzuweisen. Durch dieses Erlebnis stand er nun nicht mehr unter dem Gesetz, sondern er lebte für Christus. Und dieser Jesus Christus ist der Herr einer neuen endzeitlichen Gemeinde, für die sich Paulus fortan ohne Abstriche einsetzte |
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