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Was ist Neurotheologie?












Neurotheologie ist eine Bezeichnung für eine relativ junge Richtung der neurowissenschaftlichen Forschung, der „Neurophysiologie religiöser Erfahrung“. Gegenstand ist der Versuch, religiöse Phänomene (beispielsweise Erfahrungen einer „höheren Wahrnehmung“) auch als neurowissenschaftliche Phänomene zu beschreiben.

Experimente, in denen mit von außen angelegten magnetischen Feldern (Transkranielle Magnetstimulation TMS), das Gefühl der Präsenz einer „höheren Wirklichkeit“ erzeugt werden konnte, machten den kanadischen Neurologen Michael Persinger bekannt. Manche seiner Probanden sprachen davon, von Gott berührt worden zu sein. Allerdings sind die Experimente und die darauf aufbauenden Erklärungen von Persinger nicht umunstritten. So gelang es bis jetzt nicht seine Versuch zu wiederholen und einige Forscher werfen ihm methodische Mängel bei der Versuchsdurchführung vor. Zudem war den meisten Probanden und Untersuchern bekannt, worum es in der Studie ging, weshalb die These aufgestellt wurde, dass die Ergebnisse zu grossen Teilen auf eine unbewusste Beeinflussung der Probanden durch die Versuchsleiter zurückzuführen ist.

Bildgebende Verfahren setzte Andrew Newberg von der University of Pennsylvania ein, um der Meditationserfahrung neurowissenschaftlich näher zu kommen. Die Ergebnisse bezog er in neurobiologisch begründbare Theorien zur Bildung von Mythen und Ritualen ein. Newberg wurde zu einem der bekanntesten Vertreter dieser Forschungsrichtung. In Deutschland machte sich vor allem Detlef Linke (1945 - 2005) in mehreren Büchern und Vorträgen einen Namen.

Neben Philosophen wie Thomas Metzinger haben zuletzt auch Theologen wie Eugen Drewermann und Hans Küng sowie Religionswissenschaftler wie Michael Blume konstruktiv-kritische Beiträge zur "Neurotheologie" aus der Perspektive ihrer jeweiligen Disziplinen heraus beigesteuert. Hinzu kommt, dass sich immer mehr Neurologen differenzierter mit der Thematik befassen. Es entstehen Ansätze eines interdisziplinären Dialoges zwischen Natur-, Kultur- und Geisteswissenschaften.




Inhaltsverzeichnis
1 Religiöse Deutungen
2 Kritik an der frühen Neurotheologie
3 Neuere Entwicklungen
4 Siehe auch
5 Literatur
6 Weblinks



Religiöse Deutungen

Vereinzelt zu beobachten sind auch Versuche religiöser Deutungen neurobiologischen Geschehens, z.B. bei Laurence McKinneys Buch Neurotheology, das sich um eine neurologische Legitimation des Buddhismus bemüht.

Andere Neurotheologen äußerten die Vermutung, die stimulierbaren Regionen des Gehirns seien ein Art „Mailbox Gottes“, durch die der Heilige Geist Gottes dem Menschen, der betet, seine Antworten und Informationen in Form von Eingebungen und Erleuchtungen zukommen lässt.

In der populären Mem-Theorie, die auf den Biologen Richard Dawkins zurückgeht, wird angenommen, Religion folge aus einer Invasion des biologischen Gehirns durch Meme. Die Church of Virus - www.churchofvirus.org - versteht sich halb-ironisierend als erste memetische Internetkirche und verwendet das Bild eines Hirnscans quasi-ikonisch.


Kritik an der frühen Neurotheologie

Solche Aussagen beschreiben aber auch schon das wissenschaftliche Problem der Disziplin: in dem Moment, in dem Aussagen über die Existenz oder Nichtexistenz des „lebendigen (dynamischen) Gottes“ bzw. transzendenter Bezüge gemacht werden, betritt die Wissenschaft den religiösen Bereich bzw. versucht religiöse Aussagen naturwissenschaftlich zu begründen oder zu widerlegen. Auch haben sich Religionsdefinitionen, die sich auf nur je eine Erfahrung stützen wollten, regelmäßig als unzureichend erwiesen – Religionen fußen generell auf einer Vielzahl unterschiedlicher Erfahrungen und sind in sich auch Veränderungen unterworfen.

Auch manche Philosophen äußern Kritik an den radikalen neurobiologischen Theorien. Hauptproblem vieler neurotheologischer Schlussfolgerungen sei dabei die philosophisch unzureichende Reflexion ihrer ontologischen und erkenntnistheoretischen Annahmen. Auch wird beanstandet, dass häufig ein Materialismus und/oder Determinismus den Forschungen zu Grunde gelegt, sowie eine illegitime Verallgemeinerung einzelwissenschaftlicher Forschungsergebnisse praktiziert würde.


Neuere Entwicklungen

Neuere neurotheologische Entwürfe entfernen sich daher von den eindimensionalen Ansätzen und versuchen im Dialog mit anderen Disziplinen Teilbeschreibungen verschiedener religiöser Elemente (beispielsweise Meditationserfahrungen, Ritualpraktiken, Konstruktion und emotionale Bewertung von Glaubenserzählungen usw.) aufzunehmen. Auch erkenntnistheoretische Grenzen werden von Hirnforschern zunehmend eingeräumt.

Entsprechend zeichnen sich zunehmend interdisziplinäre und konkrete Ansätze der interdisziplinären Zusammenarbeit ab. Ein rezentes Beispiel aus Deutschland ist die Debatte um eine von Detlef Linke formulierte These zum Zusammenhang von der unterschiedlichen neurologischen Bearbeitung verschiedenener Alphabetschriften und Folgen für die religiöse Erfahrung. Auch jüngere Religionswissenschaftler wie Michael Blume weisen hier aus der Perspektive ihrer Disziplin auf die Möglichkeit wissenschaftlicher Relevanz hin und setzen sich für eine interdisziplinäre Diskussion und Überprüfung der Linkeschen These ein.

Eugen Drewermann legte mit Atem des Lebens sogar eine umfassende Darstellung neurologischer Befunde vor, die er aus theologischer Perspektive diskutiert. Statt auf die älteren Thesen um Gottmodule u.ä. stehen bei ihm dabei bereits modulare Ansätze zur Vielfalt religiöser Phänomene im Mittelpunkt.

Die „Neurotheologie“ wächst damit langsam aus dem Stadium der überzogenen Sensationsmeldungen und religiöser Deutungsansprüche heraus und entwickelt sich auch im Gespräch mit Theologie und Philosophie zu einer ernsthaften Teildisziplin interdisziplinärer Religionswissenschaft.


Siehe auch

Religionspsychologie, Theologie, Neurologie, Leib-Seele-Problem,
Mystische Erfahrung, Gottesmodul, Glaube

Literatur [Bearbeiten]Newberg, Andrew, D’Aquili, Eugene und Rause, Vince: Der gedachte Gott, Piper 2003, ISBN 3-492-24138-7
Wolf, Gerald: Der HirnGott, Dr. Ziethen Verlag 2005, ISBN 3-938380-04-7 (Wissenschaftsroman)
Linke, Detlef: Identität, Kultur und Neurowissenschaften., in: Gephart W et al: Religion und Identität im Horizont des Pluralismus. Suhrkamp, Frankfurt am Main (1999) 72-80, ISBN 3-518290-11-8
Blume, Michael: Neurotheologie. Chancen und Grenzen aus religionswissenschaftlicher Perspektive., Universität Tübingen 2006 (Dissertation) Download
Drewermann, Eugen: Atem des Lebens - Das Gehirn. Die moderne Neurologie und die Frage nach Gott, ISBN 3-491210-00-3
Hafner, Urs: Gott im Kopf. Wie die Wissenschaft den Glauben erklärt, in: Stapferhaus Lenzburg (Hg.), Glaubenssache. Ein Buch für Gläubige und Ungläubige, Baden 2006, 54–60, ISBN: 3039190385.

Text und Bilder dieses Beitrages basieren auf dem Artikel Neurotheologie aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und stehen unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
http://de.wikipedia.org/wiki/Neurotheologie
Hallo Termini,

So menschlich verstaendlich eine solche Kritik ist, aber sie ist recht inhaltslos.
Ich empfinde sie mehr als ein weinerliches Festhalten an obsoleten Ueberzeugungen, als eine konkrete inhaltliche Kritik.

Die Tatsache, das es sich um eine recht junge Wissenschft handelt, laesst keine Schluesse auf ihre Serioesitaet zu.
Im Einzelnen:

Kritik an der frühen Neurotheologie (demnach per se obsolet)

Zitat:
in dem Moment, in dem Aussagen über die Existenz oder Nichtexistenz des „lebendigen (dynamischen) Gottes“ bzw. transzendenter Bezüge gemacht werden, ...

Hier werden dogmatisch ein lebendiger (dynamischer) Gott postliert.
Dieser nicht nachweisbar ist, sind auf dieser Aussage aufbauenede Aussagen notwendig unwissenschaftlich.

Zitat:
...betritt die Wissenschaft den religiösen Bereich bzw. versucht religiöse Aussagen naturwissenschaftlich zu begründen oder zu widerlegen.

Was ihr gutes Recht ist. Der passende Begriff ist die Apologetik.
Sie ist so alt wie die Religionen selbst.

Zitat:
Auch haben sich Religionsdefinitionen, die sich auf nur je eine Erfahrung stützen wollten, regelmäßig als unzureichend erwiesen – Religionen fußen generell auf einer Vielzahl unterschiedlicher Erfahrungen und sind in sich auch Veränderungen unterworfen.

Das ist Richtig. Individuelle Erfahrung hat jedoch keinen erkenntnistheoretischen Wert, da sie einer solchen Beweisfuehrung entbehrt.

Zitat:
Auch manche Philosophen äußern Kritik an den radikalen neurobiologischen Theorien. Hauptproblem vieler neurotheologischer Schlussfolgerungen sei dabei die philosophisch unzureichende Reflexion ihrer ontologischen und erkenntnistheoretischen Annahmen.

Eine solche Reflektion ist m.E. nicht explizit notwendig, da erkenntnistheoretische, nachpruefbare naturwissenschaftliche Aussagen eher die Philosophie in Zugzwang zu einer erneuten Reflexion bringen, nicht umgekehrt.
Denn nicht die Wirklichkeit muss sich der Philosphie anpassen, sondern die Philosophie der Natur.
Das ist auch der Fall. So stehen die Aussagen Persingers auch in keinster Weise im Widerspruch zur evolutionaeren Erkenntnistheorie (vergl, Vollmer), sondern runden eher das philosophische Bild ab.

Zitat:
Auch wird beanstandet, dass häufig ein Materialismus und/oder Determinismus den Forschungen zu Grunde gelegt,

Der Laplassche Daemon. Auch wenn er zur Zeit eher unpopulaer ist, so denke ich, das er in einer Variante immer noch Gueltigkeit hat. Auch wenn z.B. chaotische Systeme Determinismus verhindern, so ist doch m.E. nicht grundsaetzlich ausgeschlossen, das irgendwann selbst solche Systeme zumindest theoretisch beherschbar sein werden. (z.B. Wettervorhersage)

Zitat:
...sowie eine illegitime Verallgemeinerung einzelwissenschaftlicher Forschungsergebnisse praktiziert würde.

Ich denke 1000 Probanten sind bereits ein annehmbare Zahl, fuer eine empirische Untersuchung.
Ich sehe keinerlei Problem, hier bestimmte Ergebnisse zu konstatieren zu koennen.
Ich gehe auch davon aus, das inzwischen vergleichbare ergenisse andererorts seine Aussagen bestaetigen.

Die Definition von Qualia habe ich gelesen, doch teile ich sie, als Anhaenger der evolutionaeren Erkenntnistheorie, nicht.
Die "Farbspiele" die dort angefuehrt werden fuehren m.E. in die falsche Richtung.

LG
Martin
Hi Martin,

allein das Fest - Pfingsten - als Geistwerdung GOTTES - verplichtet uns die Wissenschaft Neurotheologie zu verstehen. Be-Geist-erung für alle Studiosi ist sicherlich im Programm GOTTES.

Die Bibel kennt ja alle Bereiche der Neurologie - Geistwerdung, Besessenheit, Wahn, Freude, Liebe, Hass, Entrücktsein, Verrücktsein und, und ... es ist das Studium bestimmt wert.

Interessant für Neu-es mit GOTT - oder eben Neu-rotheologie. Amen.

biogral-micha&Girls
Die so genannten Wissenschaften, welche sich von der Religion als alleinseligmachende abheben möchten, vergessen einfach immer wieder den Ast, auf dem alle ihre Beweise sitzen:

Die Raumzeit!

Diese wurde aber gerade von jenem unfassbaren Etwas erschaffen, welches uns als "Gott" aus verschiedensten Traditionen bekannt ist.

Es ist vollkommen egal, wie wir das nennen, das alles erschaffen hat aus unserer Sicht, denn alle unsere Sinne, welche neurologisch erklärbar und erfassbar sind werden nie in der Lage sein, mit irgendwelchen Mittel sicht- oder erfassbar zu machen, was sie hervorgebracht hat.

Der heilige Geist, Gott, Seele oder irgendetwas aus diesem Bereich des Seins äußert sich in der Raumzeit, indem es in einem hier entstehenden "Gefährt" auf Erden oder beliebigen Himmelskörpern wandelt, die wir eben nicht kennen.

Aus Sicht der Naturwissenschaften kann es das nicht geben, weil sie es nicht sichtbar machen können und wenn die Naturwissenschaften auf ihren blöden vier Dimensionen kleben bleiben, sind sie auch in tausenden Jahren noch dabei, neurophysiologische Theologie zu betreiben und doch kein Millimy näher an der Wirklichkeit, die jemandem zur Verfügung steht, welcher auch etwas außerhalb der Raumzeit als existent annehmen kann.
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