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Der Tod als seelisch-geistiges Erlebnis












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Der Tod als seelisch-geistiges Erlebnis


Sogar von Schülern des Okkultismus wird der Tod gar zu oft für ein rein physisches Ereignis gehalten. Der Einfluss, den das materialistische Denken hierzulande ausübt, ist so stark, dass sogar fortgeschrittene Seher bis zu einem gewissen Grade unbewusst davon beeinflusst werden, und ein Gefühl der Trauer empfinden, wenn sie vom Tode eines Freundes oder einer von ihnen geachteten Persönlichkeit hören. Häufig wird zur Rechtfertigung angeführt, dass der Heimgegangene hier so sehr vermisst und noch so sehr gebraucht wurde. Nichts zeigt klarer als dies, wie der menschliche Verstand seinen Gesichtskreis einengt. Jene geliebte oder noch brauchbare Seele wird anderswo gebraucht, und zwar ausserhalb dieses zeitbedingten Wohnortes. Und je liebenswerter und brauchbarer sie war, umso wahrscheinlicher ist es, dass sie Förderung erfahren hat; und deshalb ist das Ereignis im ganzen gesehen ein Anlass zur Freude. "Der Tod", so sagte Andrew Jackson Davis, "oder der Übergang, der so bezeichnet wird, sollte von allen Ereignissen am meisten bewundert werden, und seine Erwartung ist das erste, was man schätzen und würdigen sollte.“

Bei den Ägyptern war ein kompliziertes Ritual voll tiefer okkulter Bedeutung ein anerkanntes Verfahren, bei dem von der Seele erwartet wurde, dass sie Hilfe findet, wenn sie sich den schweren Weg vom Leben hier zu einem besseren Leben anderswo hinaufmüht. Nach dem physischen Tode musste ihr jedmöglicher Beistand gewährt werden, wenn sie den grossen Schritt ausführte, der das Ziel der seelischen Veränderung war. Solche komplizierten Wege sind dem Menschen des modernen Westens unbekannt. Und der Gedanke, dass die Seele gleich nach dem Tode des Körpers eine große Anstrengung vollbringen soll, ist ihnen nicht vertraut. Dass aber solche Anstrengungen von den Sterbenden erwartet und von den unsichtbaren Wesen, die sie umgeben, gefordert werden, wird durch Vorkommnisse an einigen Sterbebetten verständlich gemacht.

Wenn man beginnt, den Tod als ein seelisch-geistiges Erlebnis zu betrachten, bedeutet das einen grossen Trost für jene, die beim Tode eines geliebten Menschen zugegen sind oder waren, wenn sie mit ansehen mussten, wie der Körper Schmerz erleidet. Es scheint mehr als wahrscheinlich zu sein, dass die Seele mit ihrem spirituellen Erlebnis beschäftigt ist, schon lange ehe der Körper aufgehört hat, Schmerzenslaute zu äussern, die den Beobachtern so sehr zu Herzen gehen. Während der langen Perioden der Bewusstlosigkeit kann sie weit weg sein und die Freude jener Freiheit geniessen, in die sie bald völlig eintreten wird.

Eine große und schreckliche Einsamkeit senkt sich oft auf den Beobachter hernieder, wenn der Verscheidende in tiefen Schlaf versunken ist oder sich unter der Einwirkung eines Schlafmittels befindet. Es ist, als ob die Seele hinaufgegangen ist, hinauf auf weissen Flügeln, oder goldene Treppen hinauf und wünscht, nicht wieder zurückgeholt zu werden. Noch einmal öffnen sich die Augen vollbewusst und voller Liebe, aber nur für einen kurzen Augenblick. Die Trennung hat bereits stattgefunden

Durch das Tor des Todes erheben wir uns alle von den Schattenbildern. Und durch dieses Tor allein kann die Menschheit zur Freiheit gelangen. Er ist das grösste seelisch-geistige Ereignis, das wir kennen, die Krönung und der Höhepunkt dieses vorübergehenden Lebens.
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