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Glaube auch ohne Gott












André Comte-Sponville: "Woran glaubt ein Atheist?",

http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/lesart/825631/

Nehmen wir einmal an, Sie - Hörerin oder Hörer - seien gläubiger Christ, und jemand wolle Sie vom Gegenteil überzeugen, also von den Vorteilen des Atheismus. Dann kann er es Ihnen leicht oder schwer machen. Schwer, wenn er den Finger in die Wunde aller Religionen legt und auf die Differenz zwischen erlebter Welt und verkündeter Glaubensgewissheit hinweist. Leicht hingegen ist die Flucht in billige Polemik.


"Schalten Sie einmal einen Privatsender ein, sehen Sie einen Tag lang fern, und dann fragen Sie sich angesichts all dieser Dummheit, Brutalität und Gemeinheit: Wie hätte ein allmächtiges und allwissendes Wesen das wollen können? Sie werden einwenden, dass die Fernsehprogramme nicht von Gott gemacht sind. Ja. Aber die Menschen, die für Quoten und Programme verantwortlich sind... Kann man bei diesen mittelmäßigen Geschöpfen noch an die unendliche Vollkommenheit des Schöpfers glauben?"

Die Menschen kommen schon von Gott oder sollte man die Frage nicht ein bißchen anders stellen ?
Weshalb Menschen sich so manche Sendung antun ?

Erlebe ich manchmal, wenn ich Menschen besuche und auf meine Frage: warum schaut ihr Euch das an, dann sagen sie mir, daß sie etwas leichtes sehen wollen, etwas, was sie abschalten läßt.

Kann man Menschen verstehen, wenn sie auf diese Frage eben diese Antwort geben ?
Die atheistische Spiritualität, die Comte-Sponville als Kniefall vor der Erhabenheit der Natur anempfiehlt, ist nichts weiter als eine kirchenlose Religiosität. Sie beruht wie das Gotteserleben kirchlich gebundener Menschen auf subjektiver Erfahrung. Man merkt dem Buch deutlich an, wie sehr der Autor seine transzendentalen Bedürfnisse zu bewahren sucht, während er in einen inneren Abwehrkampf gegen Amtskirchen jeder Couleur verstrickt ist, weil er durch die Fundamentalismen der Gegenwart das Erbe der Aufklärung gefährdet sieht, vor allem die Trennung von Staat und Kirche. Aber er stellt keineswegs die Kulturleistungen der Weltreligionen in Frage, vor allem nicht die Werte des Christentums:


"Was bleibt vom christlichen Abendland, wenn es nicht mehr christlich ist? Darauf gibt es zwei Antworten: Entweder Sie denken, dass nichts davon bleibt. Dann gute Nacht. In diesem Fall haben wir dem Fanatismus im Äußeren und dem Nihilismus im Inneren nichts mehr entgegenzusetzen - und der Nihilismus ist, anders als anscheinend viele glauben, die bei weitem größere Gefahr. Reichtum hat noch nie genügt, eine Zivilisation zu begründen. Elend noch weniger. Es bedarf auch der Kultur, der Phantasie, der Begeisterung, der Kreativität, und nichts von alldem ist ohne Mut, ohne Arbeit, ohne Mühe zu haben. "Europas größte Gefahr ist die Müdigkeit", meinte Husserl. Gute Nacht, Kinder: Der Okzident hat seinen Glauben verloren, und die Müdigkeit sucht ihn heim."


Die Frage, die ich mir auch schon so oft gestellt habe: was bliebe vom christlichen Abendland, wenn es nicht mehr christlich ist ?

Welche Religion stellt man sich vor, wäre der beste Ersatz oder gäbe es keinen Ersatz - was bliebe so manchen Menschen, wenn sie keinen Glauben mehr haben dürften ?


eigentlich entnommen von:

google: Wer weiss, dass er glaubt ist ein gläubiger Mensch + rabbi
Forum -> Spiegel- und Reflexionsforum III


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