|
|
|
Blutgeld und Machtrausch
Die Kulturzeit-Krimibuchtipps im November 2006
www.3sat.de/kulturzeit
Geheime Melodie
Alltag im Kongo: 1200 Tote täglich, sieben Tage die Woche. Heute genauso wie morgen und übermorgen und an jedem anderen Tag. Der Kongo ist einer der größten Friedhöfe der Welt. Doch vor den Wahlen im Jahr 2006 sind die Menschen voller Zuversicht. Sie setzten alle Hoffnung auf Demokratie und Frieden. Das Sterben soll endlich ein Ende haben. Ortswechsel: Auf einer Insel irgendwo bei Schottland findet eine geheime Konferenz statt. Geladen hat ein mächtiges, namenloses Syndikat. Es bringt die verfeindeten Milizenführer an einen Tisch und verspricht ihnen Frieden und Macht - schon vor den Wahlen. Doch die Konferenzpartner werden belauscht. Ein Job für Dolmetscher Bruno, Experte für kongolesische Dialekte. Wegen seiner Hautfarbe wird der Halbkongolese auch "das Zebra" genannt. Doch das Syndikat spielt falsch und erpresst die Delegierten. Sein Ziel ist ein Militärputsch! Es geht um Bodenschätze. Die wirklichen Probleme des Landes interessieren nicht. Doch die Rechnung geht nicht ohne "das Zebra" auf. Seine Loyalität dem Kongo gegenüber ist stärker als das mörderische Treiben. John Le Carré's jüngstes Werk ist ein Politthriller um Blutgeld und Machtrausch, aktuell und erschreckend real. "Geheime Melodie" ist im List-Verlag erschienen.
John Le Carré
"Geheime Melodie"
List 2006
ISBN: 3471795472
22 €
Die dunklen Wasser von Aberdeen
Es ist Adventszeit in Aberdeen. Kinder verschwinden spurlos. Erst eins, dann zwei, dann drei. Tag und Nacht ermittelt Detective Sergeant Logan McRae. Er gönnt sich keine Pause. Sein Chef sitzt ihm im Nacken und die Presse will einen Sündenbock. Ein Kind wird gefunden: Der kleine David wurde erdrosselt, geschändet und entsorgt wie Müll. Logan glaubt, endlich einen Verdächtigen präsentieren zu können. Doch aus Mangel an Beweisen muss er ihn gehen lassen. Die Bevölkerung hat genug. Sie nimmt die Sache selbst in die Hand. Blind vor Wut macht sie Jagd auf den mutmaßlichen Kindermörder. Stuart MacBrides "Die dunklen Wasser von Aberdeen" ist ein Thriller, so düster und kalt wie der schottische Winter. Erschienen ist das Buch im Goldmann-Verlag.
Stuart MacBride
"Die dunklen Wasser
von Aberdeen"
Goldmann 2006
ISBN: 3442461650
8,95 €
|
|
|
|
www.3sat.de/nano
Ein Insider bietet Einblick in die Logen der Freimaurer
W. Kirk MacNulty konnte sehr seltene Aufnahmen in den Geheimarchiven machen
In seinem opulenten Bildband "Freimaurer" geht W. Kirk MacNulty den Geheimnissen und Mythen der Loge von ihrer Gründung bis zur Neuzeit nach. Da er selbst drei Logen in England und den USA angehört, konnte er in den - laut Verlag - geheimen Archiven der Freimaurer machen. Die großformatigen 386 Abbildungen sind dann auch wirklich sehenswert.
© Herbig
Auf Außenstehende wirken ihre nach wie vor praktizierten Rituale geheimnisvoll: In der "Dunklen Kammer" wird der Suchende mit Totenkopf, Stundenglas und Bibel allein gelassen. Er soll sich besinnen. Erst nach einer Stunde kommen die "Brüder", verbinden seine Augen und führen ihn in den erleuchteten Tempel. Jetzt ist er aufgenommen in die Freimaurerloge. Der Beginn der 1717 gegründeten Organisation der Freimaurer ist Legenden umwoben. Die meisten Freimaurer berufen sich auf mittelalterliche Bauhütten. Ihr Name verweist auf das Handwerk der Steinbildhauer und Bauplaner. Die Logenbrüder erbauen - so ihre Vorstellung - eine bessere Welt. Ihre Symbole sind Bibel, Winkelmaß und Zirkel. In Zeiten der Aufklärung gegründet, hat sich dieser Männerbund von Anfang an zu Vernunft, Menschlichkeit und Weltoffenheit bekannt.
Eine zweite Grünungslegende bezieht sich auf den mittelalterlichen Tempel-Ritterorden. Es handelt sich um die Hochgrad- Logen, eine konservative Minderheit, die bei ihren Ritualen bis heute Templermäntel mit rotem Kreuz trägt sowie Schwert und Doppelaxt. "Es ist verständlich, dass sich gerade Autoren von Fantasie- und Verschwörungsliteratur von dieser Minderheit inspirieren lassen", sagt Freimaurer-Forscher Marcus Meyer aus Bremen.
Vieles, was so veröffentlicht werde, sei allerdings geradezu hanebüchen. Nicolas Cage Kinofilm "Der Vermächtnis der Tempelritter" sowie der Thriller "Illuminati" von Bestseller-Autor Dan Brown würden allenfalls auf "pseudofundiertem Halbwissen" beruhen. Ein Grund für Missverständnisse ist die Verschwiegenheit der Freimaurer.
"Niemand soll und wird es schauen, was einander wir vertraut, denn auf Schweigen und Vertrauen ist der Tempel aufgebaut", schrieb Johann Wolfgang Goethe 1815 in Weimar. Ein weiteres Problem ist nach Ansicht von Meyer, dass die exklusiven Freimauer-Logen ihre Geschichte lange Zeit selbst und entsprechend unkritisch geschrieben haben.
Erst als um 1990 auch die in der DDR verwahrten Freimaurerarchive frei zugänglich wurden, habe die Zahl unabhängiger Wissenschaftler zu diesem Thema zugenommen. Obwohl dem Männerbund nach Schätzungen von Experten weltweit ungefähr vier Millionen Mitglieder angehören, gibt es - entgegen der Beteuerung vieler Logen - offensichtlich Nachwuchsprobleme.
Die Kapitel befassen sich mit den Ursprüngen der Loge bis zur Neuzeit. MacNulty erläutert die symbolischen und Hochgrade der Logen, ihre Rätsel und Geheimnisse und schildert, wie sie die Binnengesellschaft darstellt, aber die Freimaurer auch in der übrigen Gesellschaft wirken - bis hin zu den prominenten Vertretern. Zu den prominentesten Freimaurern in Deutschland zählten König Friedrich II. von Preußen und Kaiser Wilhelm I. In den USA, wo die Freimaurerbewegung heute am stärksten ist, gilt George Washington als der bekannteste Freimaurer.
Auch wenn das Buch eher arm an Text ist, erfassen diese Textpassagen doch die wesentlichen Informationen zur Geheimloge. Hochinteressant wird das Buch, erschienen im Herbig-Verlag, durch die Insider-Bilder.
|
|
|