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Religion ohne Gottheit - Gustav Le Bon












http://www.textlog.de/35486.html

Gustav Le Bon schreibt:

Auch ist es eine überflüssige Banalität, zu wiederholen, die Massen bedürften einer Religion. Denn alle politischen, religiösen und sozialen Glaubenslehren finden bei ihnen nur Aufnahme unter der Bedingung, dass sie eine religiöse Form angenommen haben, die sie jeder Auseinandersetzung entzieht. Wenn es möglich wäre, die Massen zu bewegen, den Atheismus anzunehmen, so würde er ganz zum unduldsamen Eifer eines religiösen Gefühls und in seinen äußeren Formen bald zu einem Kultus werden. Ein merkwürdiges Beispiel bietet uns die Entwicklung der kleinen positivistischen Sekte. Sie gleicht jenem Nihilisten, dessen Geschichte der tiefgründige Dostojewskij uns erzählt. Vom Geiste erleuchtet, zerbrach er eines Tages die Bildwerke der Gottheiten und Heiligen, die den Altar seiner Kapelle schmückten, löschte die Kerzen aus und ersetzte, ohne einen Augenblick zu zögern, die zerstörten Bilder durch die Werke einiger atheistischer Philosophen; dann zündete er pietätvoll die Kerzen wieder an. Der Gegenstand seines religiösen Glaubens war ein andrer geworden, aber kann man behaupten, dass sich seine religiösen Gefühle geändert hatten?

Ich erinnere mich. Die von Gustav Le Bon aufgeworfenen Ansichten kann man nachvollziehen, wenn man die Geschichte verfolgt.

Die Gewalttaten der Revolution, ihre Metzeleien, ihr Bedürfnis nach Verbreitung, ihre Kriegserklärung an alle Könige sind nur zu erklären, wenn man bedenkt, dass sie zur Befestigung eines neuen religiösen Glaubens dienten. Die Reformation, die Bartholomäusnacht, die Religionskriege, die Inquisition, die Schreckenstage sind Erscheinungen derselben Art unter dem Einfluß dieser religiösen Gefühle, die notwendig dazu führen, mit Feuer und Schwert alles auszurotten, was sich der Einführung des neuen Glaubens entgegenstellt. Das Verfahren der Inquisition und der Schreckenstage ist das aller wahrhaft Überzeugten; sie wären keine Gläubigen, wenn sie anders verführen.
Umwälzungen gleich jenen, die ich erwähnte, sind nur möglich, wenn die Massenseele sie ins Leben ruft. Die unumschränktesten Gewaltherrscher könnten sie nicht entfesseln.

Zweites Buch:

Die Meinungen und Glaubenslehren der Massen

Die Massen sind die zähesten Bewahrer der überlieferten Ideen.

***was aber wäre die Masse ohne Religion, die ihnen ein Ziel vorschreibt. Die ihnen sagt, wohin der Weg geht - die die Massen beherrschen kann - die der Wildheit, vielleicht, ihre Kraft nimmt oder sie aber noch fördert.

§ 3. Die Zeit — Sie bereitet allmählich die Einführung der Glaubenslehren vor, dann ihre Zerstörung — Dank ihrer erhebt sich die Ordnung aus dem Chaos

1. Kapitel:

Entfernte Triebkräfte der Glaubenslehren und Meinungen der Massen
Wir haben bisher den geistigen Zustand der Massen studiert. Wir kennen die Art ihres Fühlens, Denkens, Schließens. Nun wollen wir sehen, auf welche Weise ihre Meinungen und Glaubenslehren entstehen und sich befestigen. Zwei verschiedene Arten von Triebkräften bestimmen diese Meinungen und Glaubenslehren: mittelbare und unmittelbare Triebkräfte.
Die mittelbaren Triebkräfte befähigen die Massen zur Annahme gewisser Überzeugungen und verhindern das Eindringen anderer. Sie bereiten den Boden, auf dem man plötzlich neue Ideen hervorsprießen sieht, deren Kraft und Wirkung Staunen erregen, die aber nur scheinbar plötzlich sind. Der Ausbruch und die Verwirklichung gewisser Ideen bei den Massen zeigen oft eine blitzartige Plötzlichkeit. Doch das ist nur die oberflächliche Wirkung, hinter der man meistens eine lange Vorarbeit suchen muß.

***Eigentlich ist das Thema immer aktuell.

http://www.textlog.de/35465.html
Da G. Le Bon den Begriff "Rasse" wählt, habe ich nachgeschaut unter
google: die rasse und die rasse des menschen und dabei eine Erklärung der UNESCO gegen den "Rasse"-Begriff gefunden:

Davon ein Auszug:

http://www.inidia.de/rasse-begriff-......htm?ref=Klasistanbul.Com

Populär»wissenschaftliche« Rassenkonzepte wurden/werden immer wieder laut. Die im folgenden abgedruckte 'UNESCO-Erklärung', die dem Begriff »Rasse« eine klare Absage erteilt und im Vorfeld der UNESCO-Konferenz »Gegen Rassismus, Gewalt und Diskriminierung« am 8. und 9. Juni 1995 in Stadtschlaining entstand, hat daher nichts von ihrer Aktualität und Relevanz verloren. Sie wurde auf einer wissenschaftlichen Arbeitstagung unter der Leitung des Wiener Anthropologen Univ. Prof. Dr. Horst Seidler von den dort anwesenden internationalen Fachleuten einstimmig verabschiedet.

Schon Kant, der den Begriff benutzte, konnte nicht ahnen, was von 1933 - 1945 in Deutschland passierte, da er zwar ein großer Philosoph war, aber nicht in die Zukunft schauen konnte. Jetzt hat dieser Begriff einen bitteren Nachgeschmack.
Man muss beurecksichtigen, das auch Le Bon sein Buch 1895 schrieb. Auch er konnte die heute negative Bedeutung des Wortes noch nicht kennen.

Anzumerken bleibt das sein Werk als das Standardwerk im Bereich des Studiums immer noch grosse Bedeutung besitzt.

Ich selbst halte "Psychologie des foules" fuer fundamental wichtig zur Erklaerung des Phaenomens Religion.

Aufbauend auf Le Bon kann ich zum tieferen Verstaendnis der "Triggerfunktion" von Religion Artikel von Dr. Michel Blume (Uni Heidelberg / Uni Leibzig) empfehlen.

lg
Forum -> Spiegel- und Reflexionsforum IV


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